Mysterien (Roman)

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Mysterien (norweg.: Mysterier) ist ein Roman von Knut Hamsun aus dem Jahre 1892. Die erste deutsche Übersetzung erschien 1894 im eigens zu diesem Zweck gegründeten Verlag Albert Langen.

Inhalt[Bearbeiten]

Der Roman schildert in einem Wechsel aus auktorialem Erzählen und der personalen Erzähltechnik des Bewusstseinsstroms die Ankunft eines sonderbaren Fremden in einer kleinen norwegischen Hafenstadt. Dieser Sonderling mit rätselhafter Vergangenheit, Johan Nilsen Nagel, trägt knallgelbe Anzüge und schickt sich selbst Telegramme, um als angeblicher Agronom seinen völlig unmotivierten Aufenthalt zu legitimieren und wichtig erscheinen zu lassen. Er kauft Leuten ihre vermeintlich wertvollen Möbelstücke zu überhöhten Summen ab. Nagel spricht voller Hingabe über Literatur und philosophische Themen und ist ein charmanter Unterhalter. Er setzt sich über alle Regeln des Kleinstadtlebens hinweg, was in einem charismatischen Geigenspiel auf einem Fest gipfelt, das virtuos aber schief zugleich ist und dennoch alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Er ist in seiner inneren Widersprüchlichkeit ein „Ausländer des Daseins“, wie er sich selbst nennt.

Er verliebt sich erst in die schöne Pfarrerstochter Dagny Kielland, die ihn befremdet ablehnt. Nach dieser Erfahrung nähert er sich kurzentschlossen der nicht mehr jungen Frau Martha Gude, die ihn allerdings ebenfalls nach anfänglichen Sympathien verschmäht. Gleichzeitig macht er sich mit Minute, einem alten und verspotteten Mann, vertraut und weiht ihn ein, dass er einen Mord aufzuklären gedenkt, der kurz vor seiner Ankunft geschehen war. Eine mysteriöse Frauenerscheinung treibt ihn schließlich zum Selbstmord im Meer, nachdem ein erster Suizidversuch noch von Minute vereitelt werden konnte. Das Leben in dem verschlafenen Küstenstädtchen kann seinen gewohnten Lauf wieder aufnehmen.

Interpretation[Bearbeiten]

Schon der Titel des Romans deutet an, dass die wahren Beweggründe der Handlung verborgen sind. Vielfältig ist daher auch seine Interpretation. Einigkeit besteht darin, dass Hamsun der Figur des Nagel in hohem Maße Züge seiner eigenen Persönlichkeit gegeben hat, was auch von Hamsuns Sohn Tore bestätigt wurde. Die Mysterien sind nach dieser Deutung letztlich die der eigenen Psyche, mit der sich der Autor auseinandersetzt. Das Gefühl der Fremdheit in seiner Umgebung, der schwer zu entkommen war, hatte er selbst unter anderem in Oslo und in Amerika erlebt.

Außerdem brachte Hamsun in dem Roman seine Ansichten über die Werke seiner Vorgänger Ibsen, Hugo, Tolstoi und Maupassant unter, denen er wirklichkeitsfremde Darstellungen der Psyche vorwarf, während er Dostojewski und dessen Roman Schuld und Sühne als Vorbild benutzte. In einer Rede erweist sich Nagel auch als Anhänger von Nietzsches Idee vom Herrenmenschen.

Ausgaben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Tore Hamsun: Mein Vater, München 1993, S. 153-161
  • Hölterhoff, Kirsten / Detering, Heinrich: Knut Hamsun – „Mysterier“, Kindlers Literatur Lexikon, 3. Aufl. Hrsg. v. Heinz Ludwig Arnold, Stuttgart, Weimar 2009

Rezensionen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Willi Winkler: Ausländer des Daseins läuft Amok. In: Die Zeit, 4. November 1994. Abgerufen am 5. Januar 2014.
  2. Roger Willemsen: „Mysterien von Knut Hamsun ist mein Lieblingsbuch.“ In: ZDF Lesen!, 14. September 2004. Abgerufen am 5. Januar 2014.
  3. news aktuell Presseportal: Roger Willemsen zu Gast in Lesen! im ZDF. 10. September 2004. Abgerufen am 5. Januar 2014.
  4. Matthias Hannemann: Ein Roman voller Wirrungen. In: Deutschlandradio Kultur, 7. Februar 2010. Abgerufen am 5. Januar 2014.