Baptisterium
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Ein Baptisterium ist in seiner ursprünglichen Bedeutung ein Becken. Bei den Römern wurde ein Bassin im Bereich des Kaltwasserbades, z. B. innerhalb einer Thermenanlage, so bezeichnet.
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[Bearbeiten] Zur Geschichte
Von den Christen wurde die Bezeichnung zunächst für das Taufbecken, später dann auch für das Taufhaus selbst übernommen.
In der Frühphase des Christentums wurden das Baptisterium als besondere Taufkirche, gelegentlich als Zentralbau mit viereckigem, rundem, polygonem oder vornehmlich im Osten auch kreuzförmigen Grundriss mit einem großen Taufbecken in der Mitte, meist unmittelbar neben einer Kirche errichtet. Gelegentlich war das Taufbecken von einem Säulenkranz umgeben, über dem sich ein Baldachin bzw. Ciborium befand. Eine Stadt hatte immer nur ein einziges Baptisterium. Der Sinn einer gesonderten Taufkirche außerhalb des Kirchenraumes lag seit der frühchristlichen Zeit einerseits darin, dass kein Ungetaufter den geheiligten Raum der Kirche betreten durfte. Die Neugeborenen mussten also erst einmal getauft werden, bevor sie mit in die Kirche genommen werden konnten. Ein anderer Grund für die Existenz einer gesonderten Taufkirche ist darin zu sehen, dass im frühen Christentum noch die Erwachsenentaufe üblich war, die mit entsprechend eindrucksvollem Prunk begangen wurde. Außerhalb Italiens verlor das Baptisterium seit dem 8. Jahrhundert (789) seine Eigenständigkeit, als angeordnet wurde, dass Kinder schon im ersten Jahr getauft werden sollten und sich daher die Taufen zunehmend in die eigentliche Kirche verlagerten. Nur Italien behielt die Tradition der gesonderten Taufkirchen bei.[1]
Die Größe und Art gerade dieser, aber auch anderer Taufanlagen der frühen Kirchen lassen vermuten, dass die Taufe in der Regel Menschen im entscheidungsfähigen Alter vorbehalten war (Gläubigentaufe). Außerdem wurde die Taufe entweder durch vollständiges Untertauchen (vornehmlich im Osten) oder durch Übergießen des im Wasser stehenden Täuflings vollzogen, was jeweils große Taufbecken erforderlich machte. Die Baptisterien waren auch deshalb oft sehr groß, weil Taufen nur an bestimmten Tagen im Kirchenjahr stattfanden, etwa zu Ostern, wobei man die Zahl der insgesamt zu Taufenden dadurch ermittelte, indem für jeden Täufling eine Bohne abgegeben wurde, und zwar eine schwarze für Knaben, eine weiße für Mädchen.[2] Als ab der Karolingerzeit die Zahl der Kindertaufen zunahmen, wurden die von der Kirche unabhängig errichteten Baptisterien seltener, da nunmehr kleine Taufbecken ausreichten.
Baptisterien sind oft Johannes dem Täufer geweiht.
[Bearbeiten] Zur Zahlensymbolik und andere Bedeutungen
Der Grundriss der Baptisterien ist häufig oktogonal, also achteckig. Die Zahl Acht ist hier - wie häufig die Zahlen im Mittelalter - symbolisch gemeint. Acht bedeutet ganz allgemein Neuanfang und Auferstehung: am 8. Tag nach Sabbat stand Christus von den Toten auf, acht Tage später erschien er den Jüngern, acht Menschen überlebten in der Arche Noahs. Dann: die Woche hat sieben Tage, der 8. Tag ist ein Montag, mit dem die neue Woche beginnt - so wie das neue Leben mit der Taufe beginnt. Daneben verweist die Zahl 8 darauf, dass nach den 7 Schöpfungstagen der 8. Tag der Tag der Neuschöpfung durch die Auferstehung ist, 8 also der Wiederkunft Christi entspricht. Auch die Gregorianische Musik der Salier-Zeit hat 8 Töne. Das Achteck vermittelt außerdem geometrisch gesehen zwischen dem Quadrat als dem Symbol der Materie und dem Kreis als dem Symbol des Geistes und es steht damit zwischen Diesseits und Jenseits entsprechend der Verbindung zwischen Irdischem und Himmlischen in der heiligen Taufe.
Hier ist die Architektur also mit einer zusätzlichen symbolischen Bedeutung überhöht worden. Unter solchen Aspekten wurden geistliche Gebäude im Mittelalter ganz allgemein geplant und Zahlen spielen dabei häufig eine bedeutende Rolle.
Eine andere Herleitung geht davon aus, dass im mystischen Sinne die Taufe auch Tod und Auferstehung bedeutet - Tod insofern, als der zu Taufende ja tatsächlich unter Wasser getaucht wird und hierbei ‚symbolisch’ der sündhafte Mensch stirbt und durch die Gnade der Taufe auf Erlösung von der Erbsünde hoffen darf. Daher haben die christlichen Baptisterien die Form des antiken Mausoleums übernommen, das ja rund war. [3]
Das historische Vorbild für diese Bauform ist u. a. das überkuppelte Caldarium, also der Heißwasserraum einer antiken Thermenanlage, das auch in seiner Mitte ein Schwimmbassin hatte. Das frühe Christentum hat also einen rein weltlichen Gedanken, nämlich den der körperlichen Reinigung, verbunden mit seiner Vorstellung einer symbolischen Reinigung von der Erbsünde und damit auch die entsprechende Bauform aus der römischen Vorgeschichte übernommen. Bezeichnenderweise sind also für die Eckpunkte des menschlichen Lebens, für die Taufe und für den Tod, ganz ähnliche, nämlich runde - oder fast runde - Formen gefunden worden für den Zeremonialraum, in dem sich die betreffende Feier abspielt.
[Bearbeiten] Bekannte Baptisterien
Die ältesten erhaltenen christlichen Baptisterien stammen aus dem 4. Jahrhundert. Eines der ältesten ist das Baptisterium des Lateran in Rom (siehe Bild). Etwas später - im 5. Jahrhundert - entstanden die berühmten Taufkirchen in Ravenna: das Baptisterium der Orthodoxen (Baptisterium der Kathedrale) und um 500 das Baptisterium der Arianer mit ihren prächtigen Mosaiken. Auch das achteckige Baptisterium von Portbail in der Region Basse-Normandie soll aus dieser Zeit stammen. Aus der gleichen Zeit datiert das Baptisterium von Fréjus in Frankreich.
Das Baptisterium San Giovanni in Florenz entstand nach antikem Vorbild im Stil der "Protorenaissance".
In Deutschland gibt es frühchristliche Baptisterien in Köln und Boppard aus dem 6. Jahrhundert.
In der Schweiz ist ein Baptisterium aus dem 5. Jahrhundert in der Gemeinde Riva San Vitale erhalten.
Das Baptisterium in Pisa ist die größte Taufkirche in der christlichen Geschichte und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Das Baptisterium Saint-Jean in Poitiers ist eines der ältesten christlichen Bauwerke Frankreichs.
Das Baptisterium von Torre de Palma in Portugal ist das größte auf der iberischen Halbinsel.
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Baptisterium in Parma auf der Piazza Battistero |
Kathedrale und Baptisterium in Padua |
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Corboz, André / Stierlin, Henri (Hrsg.): Frühes Mittelalter (= Architektur der Welt, Bd. 14), S. 130
- ↑ Zimmermanns, Klaus: Toscana. Köln [1980] 3. Auflage 1980, S. 144
- ↑ Nikolaus Pevsner: Europäische Architektur von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 3. Auflage 1973, S. 19
[Bearbeiten] Literatur
- Ristow, Sebastian: Frühchristliche Baptisterien. Münster 1998 (Jahrbuch für Antike und Christentum: Ergänzungsband; 27)


