Vézelay

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Vézelay
Wappen von Vézelay
Vézelay (Frankreich)
Vézelay
Region Burgund
Département Yonne
Arrondissement Avallon
Kanton Vézelay (Chef-lieu)
Gemeindeverband Vézelien.
Koordinaten 47° 28′ N, 3° 45′ O47.4658333333333.7458333333333277Koordinaten: 47° 28′ N, 3° 45′ O
Höhe 170–339 m
Fläche 21,83 km²
Einwohner 433 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 20 Einw./km²
Postleitzahl 89450
INSEE-Code
Website http://www.ville-vezelay.com/
.
Basilika Sainte-Marie-Madeleine

Vézelay [veˈzlɛ] ist eine französische Gemeinde mit 433 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Yonne in der Region Burgund. Sie gehört zum Arrondissement Avallon und ist Hauptort (Chef-lieu) des gleichnamigen Kantons.

Vézelay ist als eines der Plus beaux villages de France (schönste Dörfer Frankreichs) klassifiziert.[1]

Geografie[Bearbeiten]

Der bekannte Wallfahrtsort liegt erhöht auf einem Hügel im nordwestlichen Zipfel des Morvan, am Fluss Cure, an der Departementsstraße D 951 zwischen Avallon (20 km) und Clamecy (25 km). Nach Auxerre im Norden sind es etwa 45 km.

Geschichte[Bearbeiten]

Die über tausendjährige Geschichte des Ortes begann 858/859 mit der Gründung einer Benediktinerabtei durch Gerhard (Girard) II., Graf von Vienne, in einer Tallage unterhalb des heutigen Ortes (heute Saint-Père sous Vézelay). Das Kloster, zu Anfang ein Frauenkloster, wurde gemäß der Gründungsurkunde zu Ehren Christi und der Jungfrau Maria errichtet, als Schutzheilige kamen bereits in früher Zeit auch die Apostel Petrus und Paulus hinzu. Ausgestattet mit königlichen und päpstlichen Privilegien und von Papst Nikolaus I. mit Reliquien der Heiligen Pontianus und Andeolus beschenkt, wurde es in den folgenden Jahren in ein Männerkloster umgewandelt. Unter der Leitung des aus Autun gekommenen Abtes Odo (Eudes) wurde es mit einer Mauer umwehrt und nach einer Plünderung durch die Normannen (887) zur besseren Verteidigung auf die benachbarte Anhöhe, den heutigen Standort, verlegt. Die schon durch Graf Landry von Nevers eingeleitete Eingliederung in den Reformverband von Cluny (ordo cluniacensis) wurde 1058 durch Papst Stephan IX. bestätigt. Vézelay war hierdurch Cluny unterstellt, behielt jedoch seinen Status als Abtei. Erst Abt Wilhelm von Mello (gewählt 1161) stellte die Selbständigkeit gegenüber Cluny wieder her.

Zu einem bedeutenden Wallfahrtsort und Ausgangspunkt einer der Routen des Jakobsweges nach Santiago de Compostela wurde Vézelay durch seine Schutzheilige Maria Magdalena. Reliquien der Heiligen befanden sich wahrscheinlich schon seit dem späten 9. Jahrhundert in Vézelay. Die von Cluny ausgehende Förderung ihres Kultes führte dazu, dass Vézelay unter Abt Gottfried (Geoffroi, 1037–1051) die Heilige unter seine Schutzheiligen aufnahm, in dieser Form erstmals durch ein Privileg Papst Leos IX. belegt (Epist. 36, PL 143,642). Während dieser Zeit entstand eine erste Fassung der Mirakelsammlung über die wundertätige Wirkung der Reliquien der Heiligen, und wenig später auch und die neben konkurrierenden Angaben offizielle lokale Tradition über die Translatio dieser Reliquien nach Vézelay: demnach war Maria Magdalena gemeinsam mit anderen Heiligen vor der Verfolgung der Juden aus Judäa geflohen und nach ihrem Tod zunächst in Südfrankreich, in Marseille oder nach verbreiteterer Version in Aix-en-Provence, bestattet, ihre Gebeine aber zur Zeit von Abt Odo nach Vézelay überführt worden.

Im 12. Jahrhundert war Vézelay das unangefochtene Zentrum des Magdalenenkultes. Dieser Entwicklung verdankte es nicht nur einen seither nicht wieder erreichten wirtschaftlichen Aufschwung, sondern auch seine zeitweise Präsenz im politischen Geschehen Europas. hier rief Bernhard von Clairvaux 1146 zum zweiten Kreuzzug auf, hier trafen sich 1190 zu Beginn des dritten Kreuzzuges der französische König Philipp II. und Richard Löwenherz zum Aufbruch ins Heilige Land, 1166 sprach hier Thomas Becket, als Erzbischof von Canterbury ins Exil vertrieben, den Bannfluch über seinen König Heinrich II. aus.

Vézelay büßte diese Stellung jedoch im 13. Jahrhundert wieder ein, als Karl (II.) von Anjou, zu dieser Zeit noch Graf der Provence und in Abwesenheit seines Vaters Regent des Königreichs Neapel, 1279/80 aufwendige Untersuchungen zur Tradition der Magdalenenreliquien anstellen ließ und hierbei in einem Sarkophag in einer Kapelle der provenzalischen Abtei Saint-Maximin angeblich die echten, in ihrer Echtheit durch eine beiliegende, aber heute nicht mehr erhaltene Urkunde verbürgten Gebeine der Heiligen entdeckt wurden. Die Entdeckung führte zu einer heftigen Kontroverse zwischen beiden Abteien, die 1295 durch Bonifatius VIII. zugunsten von Saint-Maximin entschieden wurde.

Die Äbte von Vézelay hatten die Rechte und damit verbundenen Einkünfte der Abtei schon im 11. Jahrhundert gegen die Bischöfe von Autun und besonders gegen die Grafen von Nevers verteidigen müssen, von denen die Letzteren die Schutzrechte über die Abtei beanspruchten und sich zeitweise mittels einer Vogtei deren weltliche Jurisdiktion zu sichern vermochten. Als es 1104 zu einem Aufstand der Bürger von Vézelay kam, weil ihnen die Abtei die Verpflichtung zur kostenlosen Beherbergung der Pilger auferlegt hatte, stellten sich die Grafen auf die Seite der Bürgerschaft und leisteten ihr in den folgenden Jahrzehnten immer wieder Waffenhilfe, wogegen die Abtei ihrerseits den Schutz des französischen Königs einforderte. Im Konflikt mit der Abtei gründeten die Bürger eine Kommune mit gewählten Konsuln (1152), die jedoch 1155 durch den König wieder aufgehoben wurde, und erlangten nach 1166 verbriefte Freiheitsrechte (Libertas Vizeliacensis), die auch zum Vorbild für Avallon und andere Orten der Umgebung wurden. Die königliche Gewalt machte sich die Situation ihrerseits zunutze, um ihre Oberherrschaft auf Kosten der Abtei und ihrer Gegner auszubauen, zwang Ludwig II. von Nevers zum förmlichen Verzicht auf seine Schutzrechte und machte Vézelay nach 1360 auch zum Sitz der Fiskalverwaltung für alle der königlichen Hoheit unterstehenden Territorien im Gebiet der Diözese von Autun.

Die Porte Neuve aus dem 14. Jahrhundert ist Teil des Verteidigungswalls um Vézelay

1569 gingen im Zuge der protestantischen Bilderstürme die Magdalenenreliquien verloren. In der französischen Revolution wurde zudem der gesamte Figurenschmuck an der Fassade der Basilika zerstört. Erst 1870/76 wurde die Bedeutung für den Magdalenenkult noch einmal wiederbelebt: Neue Reliquien der Heiligen wurden eingesetzt, und seitdem strömen die Pilger wieder nach Vézelay. Das Kloster ist heute Sitz eines gemischten Ordens, der Fraternité de Jerusalem.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Sainte Marie-Madeleine: im 12. Jahrhundert erbaute romanische Basilika des Burgund, seit 1979 UNESCO-Weltkulturerbe
  • Porte Neuve: gut erhaltenes Stadttor mit massivem Turm aus dem Spätmittelalter. Diente 1966 als Kulisse bei der erfolgreichen französischen Filmkomödie: La grande vadrouille („Die große Sause“).
  • Die Chapelle la Cordelle, früher Chapelle Sainte-Croix genannt, wurde kurz nach der Kreuzzugspredigt im Jahre 1146 von Bernhard von Clairvaux errichtet. Die Kapelle befindet sich am Fuße des Hügels auf dem Vézelay liegend und zwar in Richtung Asquins. Ab 1217 ließen sich Franziskaner (in Frankreich Cordeliers genannt) in Vézelay nieder. Diese erhielten die Kapelle Chapelle Sainte-Croix und erweiterten sie zum Kloster La Cordelle. Im Zuge der Umwandlung des Kirchenguts in Nationalgüter während der Französischen Revolution endete 1791 der Anspruch der Franziskaner auf La Cordelle. Das Anwesen La Cordelle wurde teilweise zerstört und dann vom Staat verkauft. Über ein Jahrhundert war es in Privatbesitz. Seit 1949 gehört die Chapelle la Cordelle wieder den Franziskanern.

Galerie (Klosterkirche Sainte-Marie-Madeleine)[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter

Literatur[Bearbeiten]

  • Alain Erlande-Brandenburg: Vézelay. Gisserot 2002. ISBN 2-87747-619-7.
  • Anke Krüger: Südfranzösische Lokalheilige zwischen Kirche, Dynastie und Stadt vom 5. bis zum 16. Jahrhundert. Steiner Verlag, Stuttgart 2002 (= Beiträge zur Hagiographie, 2), ISBN 3-515-07789-8.
  • Jean Richard: Art. Vézelay, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. VIII, Sp. 1609–1610.
  • Victor Saxer: Art. Maria Magdalena, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. VI, Sp. 282–284.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vézelay – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vézelay. In: Les Plus Beaux Villages de France. Abgerufen am 30. November 2012 (französisch).