Negauer Helm

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Negauer Helm von Daone im Museo di Santa Giulia, Brescia

Ein Negauer Helm ist eine eisenzeitliche Helmform, benannt nach dem 1811 entdeckten Helmdepot in Ženjak nahe dem Weiler Obrat, in der damaligen Herrschaft Negau, heute Negova, Slowenien.

Fundort[Bearbeiten]

Im Depot fanden sich 26 Helme aus dem 5. bis 2. Jahrhundert v. Chr., sodass die Entstehungszeit dieser Helme über 300 Jahre auseinander liegt.

Entwicklung und Verbreitung[Bearbeiten]

Diese Helmform der Eisenzeit entwickelte sich um die Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. aus den Buckelhelmen mit Kehle, die vorwiegend im Picenum hergestellt und verbreitet waren. Später verlagerte sich die Herstellung der Negauer Helme aber nach Etrurien, in den Alpenraum und nach Slowenien. Ausgrabungen in Idrija bei Bača zeigten, dass die Helme im Südostalpenraum bis ins letzte Jahrhundert v. Chr. in Gebrauch waren. Inzwischen sind ca. 340 Helme bzw. Helmfragmente der verschiedenen Typen der Negauer Helme bekannt.

Form und Dekor[Bearbeiten]

Die Negauer Helme bestehen fast immer aus Bronze, die Mehrzahl wurde gegossen und noch zusätzlich im Helminneren ausgetrieben. Ihre Blechstärke variiert von 1 bis 3 mm. Typische Merkmale sind die Krempe, die Kehle an der Basis sowie ein separates Futterblech im Helminneren. Wichtigste Neuerung gegenüber den Vorformen ist die mit einem Grat versehene halbrunde Kalotte.

Neben einigen Helmen mit Inschriften ist der Großteil der Helme mit Reihen aus Kreisaugen, Spiralaugen, Rechtecken, Bäumchen, Palmetten in Stempelzier oder mit Flechtbändern verziert.

Auf Grund von Vorkommen, Herstellungsmerkmalen und Verzierungselementen werden Negauer Helme in regionale Gruppen unterteilt und Typen zugeordnet:

Negauer Helme in Mittelitalien (Etrurien, Picenum, Emilia-Romagna)

  • Typ Belmonte
  • Typ Volterrra
  • Typ Vetulonia
  • Typ Ventulonia nahestehende Prunkhelme

Negauer Helme in Slowenien (Unterkrain)

  • Italisch-Slowenischer Typ
  • Slowenischer Typ

Negauer Helme im Alpengebiet (Oberitalienisches Seengebiet, Oberläufe der Etsch, des Inn, des Rhein und ihre Nebentäler)

  • Italisch-Alpiner Typ
  • Alpiner Typ

Inschrift[Bearbeiten]

Auf dem Helm B von Negau fand sich einer der ältesten erhaltenen Textbelege germanischer Sprache mit abgeschlossener Lautverschiebung: "harigasti teiva ...", der auf den germanischen Namen Harigast verweist. Der Helm stammt wohl schon aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., er wurde aber erst im 2. oder beginnenden 1. Jahrhundert v. Chr. in Negau niedergelegt. Die Datierung der Inschrift ist unsicher, wird aber eher gegen Ende der Nutzungszeit des Helmes angenommen.[1]

Literatur[Bearbeiten]

Video[Bearbeiten]

  • Die Negauer Helme - Eine Spurensuche. InterArch-Steiermark, Universalmuseum Joanneum, Vis-à-vis Film, Graz 2012; DVD, 30 Minuten

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Robert Nedoma, Otto H. Urban: Negauer Helm. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 21: Naualia – Østfold. 2., völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage. de Gruyter, Berlin/New York 2002, S. 58–60.