O Tannenbaum

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Tanne im Winter

Das Lied O Tannenbaum[1] gehört zu den bekanntesten Weihnachtsliedern.

Geschichte[Bearbeiten]

O Tannenbaum geht auf den Text des von Melchior Franck verfassten schlesischen Volksliedes Ach Tannenbaum aus dem 16. Jahrhundert zurück. Ludwig Erk und Franz Magnus Böhme geben im Deutschen Liederhort mit dem Lied Es hing ein Stallknecht seinen Zaum eine noch ältere Quelle an.[2] In diesem Lied war bereits zwischen 1550 und 1580 die folgende Strophe enthalten:

O Tanne, du bist ein edler Zweig,
Du grünest Winter und die liebe Sommerzeit
Wenn alle Bäume dürre sein
So grünest du, edles Tannenbäumelein

Joachim August Zarnack (1777–1827) schrieb in Anlehnung an dieses Lied 1819 O Tannenbaum als tragisches Liebeslied, in dem der beständige Tannenbaum als sinnbildlicher Gegensatz zu einer untreuen Geliebten benutzt wird. Dieses Lied, in dessen zweiter Strophe „O Mägdelein, o Mägdelein, wie falsch ist dein Gemüte“ gesungen wird, ist heute noch im Allgemeinen Deutschen Kommersbuch zu finden.

Zum Weihnachtslied wurde es erst, nachdem der Leipziger Lehrer Ernst Anschütz (1780–1861), unter Beibehaltung von Zarnacks erster Strophe, 1824 die heute bekannten Verse zwei und drei hinzufügte,[3] in denen nur noch vom Baum die Rede ist. Das Aufstellen von Tannen als Weihnachtsbäume war inzwischen ein Brauch zum Fest geworden. Die zweite Zeile des Liedes hieß ursprünglich „Wie treu sind deine Blätter“, da das Liebeslied einen Kontrast zwischen der Treue des Baumes und der Untreue der Geliebten bildete. Auch in Anschütz’ Weihnachtslied blieb das zuerst unverändert, jedoch wurde der Text „Wie grün sind deine Blätter“ im 20. Jahrhundert besser bekannt.[4]

Die Melodie ist eine seit dem 16. Jahrhundert bekannte Volksweise, die unter anderem als Es lebe hoch der Zimmermannsgeselle schon vor 1799 gesungen wurde und ebenfalls als Studentenlied Lauriger Horatius populär war.

Wegen der Bekanntheit des Liedes und der relativen Einfachheit der Melodie wurden oft andere Texte zu der Melodie gedichtet. Bekannt wurde zum Beispiel nach der Abdankung von Kaiser Wilhelm II. 1918 eine Version mit Zeilen wie „O Tannenbaum … der Kaiser hat in’ Sack gehaun, er kauft sich einen Henkelmann und fängt bei Krupp in Essen an.“ Bekannt sind auch die Schülervariante „O Tannenbaum … der Lehrer hat mich blau gehaun, o Tannenbaum … dafür schiff' ich ihm an den Zaun“ und die Fassung, die die kindliche Furcht vor dem Weihnachtsmann in Spott verwandelt „O Tannenbaum … der Weihnachtsmann will Äpfel klau'n; er zieht sich die Pantoffeln an, damit er besser schleichen kann.“

Von O Tannenbaum existieren Liedtexte in vielen anderen Sprachen. Ein Lied der Internationalen Arbeiterbewegung namens Die Rote Fahne, die Hymne des amerikanischen Bundesstaates Maryland, Maryland, My Maryland und das Sinnbildslied von Nankai-Gymnasium und -Universität (Tianjin, VR China) verwenden diese Melodie. Der Fangesang „We’ll keep the blue flag flying high“ des englischen Fußballvereins FC Chelsea wird zu dieser Melodie gesungen.

Melodie[Bearbeiten]

Das Lied in dreistimmigem Satz:
Das Lied in 3-stimmigem Satz

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: O Tannenbaum – Quellen und Volltexte
 Wikisource: O Tannenbaum (Zarnack) – Quellen und Volltexte
 Commons: Christmas tree – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vor allem im westfälischen Raum auch als "O Tannebaum"
  2. Ludwig Erk, Franz Magnus Böhme (Hrsg.): Deutscher Liederhort. Band 1. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1893 (Nachdruck: Olms, Hildesheim 1963), S. 545–548.
  3. Ernst Anschütz: Musikalisches Schulgesangbuch. Heft 1. Reclam, Leipzig 1824, S. 134 f. (Digitalisat der Herzog August Bibliothek).
  4. Tobias Widmaier: O Tannenbaum (2007). In: Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon des Deutschen Volksliedarchivs