Weihnachtsbaum

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Weihnachtsbaum auf dem Frankfurter Römerberg

Der Weihnachtsbaum (je nach Region auch als Christbaum oder Tannenbaum bezeichnet) ist ein Nadelbaum, der zur Weihnachtszeit in Kirchen, Wohnungen und in Ortschaften aufgestellt und mit Lichterketten, Kerzen, Glaskugeln, Lametta, Engeln oder anderen Figuren geschmückt wird. Dieser Weihnachtsbrauch verbreitete sich im 19. Jahrhundert von Deutschland aus über die ganze Welt.

Verwendete Baumarten[Bearbeiten]

Waldarbeiterinnen bereiten Weihnachtsbäume für den Versand vor (Hildburghausen, 1978).

Hauptsächlich werden Tannen als Weihnachtsbaum genutzt, daneben Fichten und andere Nadelbäume. Der Marktanteil der Nordmanntanne betrug in Deutschland 2013 fast 80 Prozent,[1] etwa 85 Prozent der Nordmanntannen stammten aus Deutschland, 15 Prozent wurden importiert.[2] Die Anzahl der in Deutschland verkauften Bäume wächst seit 2000 (24 Millionen) kontinuierlich und betrug 2013 30 Millionen Bäume.[3] Bis Ende der 1950er Jahre hatten die Deutschen fast ausschließlich Rotfichten als Weihnachtsbaum in der Wohnung stehen. In den 1960er Jahren bis in die Mitte der 1970er Jahre bevorzugten sie die dichter wachsende Blaufichte, ab Anfang der 1980er Jahre die Nordmann-Tanne. Dieser Baum wächst relativ gleichmäßig, hat weiche Nadeln und eine vergleichsweise hohe Nadelhaltbarkeit.[4] Im Gegensatz zu Fichten und vielen anderen Tannenarten (z.B. Nobilis) ist die Nordmanntanne jedoch nahezu geruchlos. Angebaut werden die Nordmann-Tannen vor allem auf landwirtschaftlichen Flächen im Sauerland, in Schleswig-Holstein und Dänemark.

In Deutschland wurden 2006 etwa 616 Millionen Euro für 28 Millionen Weihnachtsbäume ausgegeben, pro Baum also ca. 22 Euro.[5] In den letzten Jahren ist eine Preissteigerung festzustellen, die auch 2007 zu beobachten war. Insbesondere durch zunehmendes Interesse Chinas am Aufkauf deutschen Ertrags an Holz stieg 2007 der Preis des typischen Weihnachtsbaums.[6] Die benötigte Anbaufläche für den Anbau der 28 Millionen Weihnachtsbäume beträgt ca. 40.000 ha. Die durchschnittliche Ausbeute beträgt zwischen 60 und 70 Prozent der gepflanzten Bäume, kann aber je nach Betrieb, Pflege und Natureinflüssen stark variieren. Seit den Waldschäden durch den Orkan Kyrill 2007 ist die Zahl der Flächen mit Monokulturen stark gestiegen. Die Wertschöpfung solcher Plantagen liegt beim Dreißigfachen pro Hektar und Jahr gegenüber normaler Waldwirtschaft; es werden jedoch mehr Zäune gesetzt und Pestizide versprüht. In Brandenburg, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist daher das Anlegen von Monokulturen genehmigungspflichtig, in Nordrhein-Westfalen ist ein solches Gesetz in Planung[7].

In Österreich werden im Jahr ca. 2,4 Millionen Weihnachtsbäume aufgestellt, wovon 85 % aus heimischen Wäldern stammen. Von diesen kommt der Großteil aus Niederösterreich, das auch den Wiener Markt beliefert. Die Importe aus Dänemark sind in den letzten Jahren rückläufig.[8] In anderen Ländern werden auch vielfach künstliche Christbäume aus Metall oder Kunststoff verwendet, die meist zusammenlegbar und wiederverwendbar sind.

Transportbereite Weihnachtsbäume auf Paletten

Auswirkungen auf die Umwelt[Bearbeiten]

Der Werdegang vom Samenkorn bis zu einem Zwei-Meter-Weihnachtsbaum dauert, je nach Pflanzenart, zwischen acht und zwölf Jahren. Samen werden zuerst aus Zapfen älterer Bäume gewonnen. Das Samenkorn wird dann in Baumschulen zum Sämling gezogen und nach drei bis vier Jahren an Forst- und Weihnachtsbaumbetriebe als Jungpflanzen verkauft. Die weiteren Form- und Wachstumsentwicklungen der Weihnachtsbäume hängen stark von der Bodenqualität, den klimatischen Verhältnissen und von den durchgeführten Pflegearbeiten ab. Besonders auf intensiv bewirtschafteten Flächen ist der Unkrautdruck nach der Pflanzung sehr groß, weshalb aus wirtschaftlichen Gründen oft Herbizide (z.B. Round-up) und Schädlingsbekämpfungsmittel zum Einsatz kommen. Kleinere Plantagen können durch abwechslungsreiche Bepflanzung (unterschiedliches Alter, unterschiedliche Sorte/Herkunft) ein waldähnliches Klima herstellen, was den Einsatz von Herbiziden unnötig macht. Allerdings ist ein derartiger inhomogener Bestand nicht für die Ernte durch Wiederverkäufer geeignet. Daher findet sich dieses Konzept vor allem bei kleinen Familienbetrieben mit einem Direktvermarktungskonzept: Die Kunden sägen ihren Baum selbst auf der Plantage ab.

Traditionsgemäß werden in München-Haidhausen in der ersten Januarwoche Christbäume für den Tierpark Hellabrunn als Tiernahrung gesammelt und abgeholt.

Aufbau und Beseitigung[Bearbeiten]

Der Weihnachtsbaum wird vor dem Heiligen Abend aufgestellt. Während er im evangelischen Raum traditionellerweise nach dem Fest der Erscheinung des Herrn am 6. Januar abgeschmückt wurde, bleibt er in katholischen Familien oft bis zum Fest der Darstellung des Herrn (Lichtmess, 2. Februar) stehen, mit dem früher die Weihnachtszeit endete (seit der Liturgiereform endet sie allerdings mit dem Fest der Taufe des Herrn). Ausgediente Christbäume werden teilweise gesammelt und im Osterfeuer verbrannt. Sofern Weihnachtsbäume noch nicht ausgetrocknet sind, können sie auch Elefanten und anderen Tieren im Zirkus oder Zoo als Nahrung dienen.[9] Die in Wien gesammelten Christbäume werden in einem Biomassekraftwerk zu Fernwärme verwertet.[10]

Zerlegbarer Metallständer

Weihnachtsbaumständer[Bearbeiten]

moderner Weihnachtsbaumständer

Ein Christbaumständer dient zum Befestigen und Aufstellen des Weihnachtsbaums. Er besteht meist aus einer runden Form, ähnlich einem großen Blumentopf, die mit Wasser gefüllt werden kann, und einer Haltevorrichtung aus Metall, die sich in der Form befindet. Manche Christbaumständer halten den Baum mittels Schrauben, andere nutzen ein Drahtseil zum Festspannen oder einen Dorn zum Aufstecken.

Vereinzelt finden sich noch die meist aus der Zeit um 1900 stammenden Christbaumständer mit einem Aufzugsmechanismus, der für eine Drehbewegung des Baumes sorgt und zugleich eine Spieluhr in Betrieb setzt, die ein oder mehrere Weihnachtslieder dazu abspielt. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war es in manchen Regionen üblich, den Weihnachtsbaum, teilweise auch verkehrt herum, an der Zimmerdecke aufzuhängen.[11] Im niederösterreichischen Waldviertel findet man noch in den Stuben und Wohnräumen älterer Gebäude Haken an der Zimmerdecke zur Befestigung des Weihnachtsbaumes.

Baumschmuck[Bearbeiten]

Hauptartikel: Christbaumschmuck
Heute nur noch selten zu sehen: eine Kiefer als Weihnachtsbaum mit Baumschmuck

Die ersten Christbaumkugeln wurden um 1830 geblasen. Nach und nach wurde die Sitte der Stubenbegrünung auch beim gewöhnlichen Volk beliebt und diese holten Zweige und „Dannenreisig“ ins Haus. Der Lamettabrauch wurde 1878 als Neuerung in Nürnberg entwickelt. Als Christbaumbehang symbolisiert Lametta das Aussehen von glitzernden Eiszapfen. In einigen Regionen wird traditionell kein Lametta verwendet, beispielsweise in Oberfranken.

Heute wird der Weihnachtsbaum meist mit bunten Glaselementen (vor allem Christbaumkugeln), Nikolausfiguren, Lametta, Strohsternen, kleinen Holzfiguren sowie Süßigkeiten geschmückt. Auf die Spitze setzt man normalerweise einen Stern (in Anlehnung an den Stern von Betlehem), einen Engel oder eine Glasspitze. Die einzelnen Äste des Baumes werden mit Kerzen geschmückt. Unter dem Baum werden oft die Krippe und daneben die Weihnachtsgeschenke aufgebaut. In vielen Familien sollten die Kinder den geschmückten Baum nicht vor der Bescherung sehen und wurden von den Eltern dazu angehalten, vor ihren eigenen Geschenken zuerst den Baum zu betrachten  ein schönes Symbol für den uneigennützigen Charakter des Schenkens und das einigende Geschehen des Festes.

Geschichte[Bearbeiten]

William-Adolphe Bouguereau: Laurel Branch, 1900

Die Verwendung eines geschmückten Baumes hat keinen historisch nachweisbaren Anfang, sondern findet in Bräuchen verschiedener Kulturen ihren Ursprung. Immergrüne Pflanzen verkörperten Lebenskraft, und darum glaubten die Menschen in früheren Zeiten, sich Gesundheit ins Haus zu holen, indem sie ihr Zuhause mit Grünem schmückten.

Römische Antike[Bearbeiten]

Die Römer bekränzten zum Jahreswechsel ihre Häuser mit Lorbeerzweigen. Durch das Schmücken eines Baums zur Wintersonnenwende ehrte man im Mithras-Kult den Sonnengott. Auch in nördlichen Gegenden wurden im Winter schon früh Tannenzweige ins Haus gehängt, um bösen Geistern das Eindringen und Einnisten zu erschweren, gleichzeitig gab das Grün Hoffnung auf die Wiederkehr des Frühlings.

Niederländisches Maibaumfest, 1798

Mittelalter[Bearbeiten]

Schon im Mittelalter bestand vielerorts der Brauch, zu bestimmten öffentlichen Festlichkeiten ganze Bäume zu schmücken, wie zum Beispiel den Maibaum oder den Richtbaum. Zu Weihnachten wurden in der Kirche Paradiesspiele aufgeführt, weil der 24. Dezember früher der liturgische Gedenktag Adam und Evas war, an dem ein Paradiesbaum, der durchaus auch ein Laubbaum sein konnte, mit Äpfeln behängt wurde. Der Apfel diente dabei als Zeichen der verbotenen Frucht vom Baum der Erkenntnis und erinnerte an den Sündenfall und an die Befreiung des Menschen von der Erbsünde durch Jesus Christus. Noch bis ins 19. Jahrhundert schmückte man in Norddeutschland seinen Christbaum mit Adam und Eva und Schlange aus Holz oder Gebäck.

Die Aussage, dass die erste urkundliche Erwähnung eines Christbaumes aus dem Jahre 1419 stammt, ist weit verbreitet, kann allerdings nicht mehr durch Quellen belegt werden.[12] Die Freiburger Bäckerschaft soll nach dieser unbelegten Aussage einen Baum mit allerlei Naschwerk, Früchten und Nüssen behängt haben, den die Kinder nach Abschütteln an Neujahr plündern durften.[13]

Neuzeit[Bearbeiten]

Von 1521 datiert ein Eintrag in einem Rechnungsbuch der Humanistischen Bibliothek in Schlettstadt: „Item IIII schillinge dem foerster die meyen an sanct Thomas tag zu hieten.“ (Neuhochdeutsche Übersetzung: „Ebenso vier Schillinge dem Förster, damit er ab dem St.-Thomastag die Bäume bewacht.“)

Von den Schwarzhäuptern in Riga und Reval wurden in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gegen Ende der Weihnachtszeit Tannenbäume (aus den Gildehäusern?) auf den Markt getragen, geschmückt und zum Schluss verbrannt.[14]

Die älteste schriftliche Erwähnung eines Weihnachtsbaums wird ins Jahr 1527 datiert. Zu lesen ist in einer Akte der Mainzer Herrscher von „die weiennacht baum“ im Hübnerwald in Stockstadt am Main.[15]

Von 1539 gibt es wieder einen urkundlichen Beleg, dass im Straßburger Münster ein Weihnachtsbaum aufgestellt wurde. Die Zünfte und Vereine waren es schließlich, die ein immergrünes Bäumchen in die Zunfthäuser stellten. In einer Lohnabrechnung der Reichsstadt Gengenbach von 1576 wird erwähnt, dass der Förster „ime Strohbach“ einen „Wiehnachtsbaum uf die Ratsstuben“ gebracht habe.[16]

Die ersten Aufzeichnungen über den Christbaum als einen allgemein üblichen Gebrauch stammen aus dem Jahre 1605, wiederum aus dem Elsass: „Auff Weihnachten richtet man Dannenbäume zu Straßburg in den Stuben auf. Daran henket man Roßen auß vielfarbigem Papier geschnitten, Aepfel, Oblaten, Zischgold [dünne, geformte Flitterplättchen aus Metall] und Zucker“. 1611 schmückte Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien den ersten Weihnachtsbaum mit Kerzen. Auch die nächste Nachricht über den Weihnachtsbaum stammt aus Straßburg. In einer zwischen 1642 und 1646 verfassten Schrift ereiferte sich der Prediger am Münster Johann Conrad Dannhauer gegen den Brauch, in den Häusern Weihnachtsbäume aufzustellen: „Unter anderen Lappalien, damit man die alte Weihnachtszeit oft mehr als mit Gottes Wort begehet, ist auch der Weihnachts- oder Tannenbaum, den man zu Hause aufrichtet, denselben mit Puppen und Zucker behängt, und ihn hernach abschüttelt und abblühen (abräumen) lässt. Wo die Gewohnheit herkommt, weiß ich nicht; ist ein Kinderspiel“.

Weihnachten um 1850, Illustration von Ludwig Richter

Popularisierung des Brauchs seit dem 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts werden die Nachrichten über den Weihnachtsbaum dann häufiger. Johann Heinrich Jung-Stilling, 1740 im Nassauischen geboren, scheint eine Erinnerung an seine Kindheit zu bringen, wenn er in seinem 1793 veröffentlichten Das Heimweh von dem hell erleuchtenden Lebensbaum mit vergoldeten Nüssen, zu dem das Kind am Morgen des Christtages geführt wird, spricht.

Von Johann Wolfgang von Goethe stammt eine der ersten Erwähnungen des Weihnachtsbaums in der deutschen Literatur. In dem Briefroman Die Leiden des jungen Werthers (1774) besucht der Protagonist am Sonntag vor Weihnachten die von ihm verehrte Lotte und spricht von den Zeiten, da einen die unerwartete Öffnung der Türe und die Erscheinung eines „aufgeputzten Baumes“ mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln in paradiesisches Entzücken versetzte. Friedrich Schiller hat in seinen Werken zwar keine Weihnachtsszene geschildert, aber er liebte das Fest unter dem Baum. 1789 schrieb er an Lotte, dass er zu Weihnachten nach Weimar komme und meinte: „Ihr werdet mir hoffentlich einen grünen Baum im Zimmer aufrichten.“ Im Jahre 1805 wurde der Weihnachtsbaum einem großen Leserkreis dadurch bekannt, dass ihn Johann Peter Hebel in dem Lied Die Mutter am Christabend aus seinen Alemannischen Gedichten erwähnte. E. T. A. Hoffmanns Märchen Nussknacker und Mausekönig aus dem Jahre 1816 ist das erste Berliner Literaturdenkmal, in dem der lichterglänzende, mit goldenen Äpfeln und Bonbons geschmückte Tannenbaum in der Mitte der Weihnachtsbescherung erscheint.

Abbildung aus The Illustrated Londons News (1848): Königin Victoria und Prinz Albert feiern Weihnachten mit ihren Kindern

Da Tannenbäume in Mitteleuropa selten waren, konnten sich diese zunächst nur die begüterten Schichten leisten, und die Stadtbevölkerung musste mit Zweigen und anfallendem Grün auskommen. Erst als ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vermehrt Tannen- und Fichtenwälder angelegt wurden, konnte der städtische Bedarf gedeckt werden.

Die Kirche, der große Waldgebiete gehörten, schritt gegen das Plündern des Waldes zur Weihnachtszeit ein. Mit der Zeit übernahm sie den Brauch. Als in evangelischen Kreisen der Christbaum ins Brauchtum übernommen wurde, trat der Christbaum seinen Siegeszug an. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ist der Weihnachtsbaum auch in den katholischen Regionen Deutschlands und Österreich bezeugt. Der erste Weihnachtsbaum in Wien wurde 1814 von Fanny von Arnstein, einer aus Berlin stammenden angesehenen jüdischen Gesellschaftsdame, aufgestellt,[17] in deren Hause auch Vertreter des Hochadels ein und aus gingen. Bereits 1816, anderen Quellen zufolge 1823,[18] wurde diese Tradition von Henriette von Nassau-Weilburg, der Gattin Erzherzog Karls, aufgegriffen[19][20] und breitete sich von da an in allen Gesellschaftsschichten Österreichs aus. 1815 verbot die niederösterreichische Landesregierung „das Abstämmeln und Ausgraben der Bäume zum Behuf der Fronleichnams-Prozessionen, Kirchenfeste, Weihnachtsbäume und dergleichen“. Mit „dergleichen“ waren vermutlich die Nikolausbäumchen gemeint, die 1782 als „grüner Baum mit brennenden Kerzchen bestekket, auf welchem etwelche Pfunde candirtes Zuckerbacht ebenso glänzen wie der vom Reife candirte Kirschenbaum zur Winterszeit schimmert“ beschrieben wurden.[21]

Weihnachten in Kamerun, 1900

1832 stellte der deutschstämmige Harvard-Professor Karl Follen als erster einen Weihnachtsbaum in seinem Haus in Cambridge (Massachusetts) auf und führte so diesen Brauch in Neuengland ein.[22]

Als sich die englische Königin Viktoria 1840 mit Albert von Sachsen-Coburg und Gotha vermählte, kam der Weihnachtsbaum nach London. Auch die Niederlande, Russland, besonders Petersburg und Moskau, wo er allerdings nur in den höchsten Kreisen üblich war, und Italien verdanken ihren Weihnachtsbaum den Deutschen. 1837 führte die Herzogin Helene von Orleans den Weihnachtsbaum in die Tuilerien ein, später machte sich die Kaiserin Eugenie um seine Verbreitung verdient. Zwei Jahrzehnte später wurden in Paris bereits 35.000 Christbäume verkauft. Nach Nordamerika gelangte der Christbaum durch deutsche Auswanderer und Matrosen. Alte US-Zeitungen berichten, Gustav Körner habe die typisch deutsche Sitte des beleuchteten und geschmückten Weihnachtsbaums in den USA eingeführt – und dies schon bald nach Ankunft im Bundesstaat Illinois zu seinem ersten Weihnachtsfest in den USA im Jahr 1833. In den USA wurden schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts Christbäume aus Eisen hergestellt. Diese Wunderwerke der Technik waren teilweise schon mit Gas beleuchtet: „Durch die hohlen Äste flutet das Gas und wo sonst Kerzen erstrahlen, zuckt aus schmaler Ritze die Gasflamme empor“.

Auf dem Petersplatz in der Vatikanstadt wurde 1982 erstmals ein Weihnachtsbaum aufgestellt.[23]

In Österreich ist es in den letzten Jahrzehnten Tradition geworden, Christbäume an verschiedene Einrichtungen und Organisationen im Ausland als Geschenke zu überbringen. So steht seit dem EU-Beitritt ein österreichischer Nadelbaum vor dem EU-Parlament in Brüssel. Auch Schneiden, Sonder-Straßentransport, Aufstellen und Beleuchten in einer Hauptstadt werden als Spektakel des städtischen Adventmarkts inszeniert, wie das Beispiel eines 30 Meter hohen 140 Jahre alten Nadelbaums 2011 in Graz zeigt.[24][25] Desgleichen wird jedes Jahr mit Beginn des Weihnachtsmarktes ein Tannenbaum auf dem Hamburger Rathausmarkt aufgestellt, der ein Geschenk eines nordischen Staates an den Stadtstaat ist.

Der General Grant Tree, seit 1926 nationaler Weihnachtsbaum der USA

Öffentliche Weihnachtsbäume[Bearbeiten]

In Dortmund wird jedes Jahr der angeblich „größte Weihnachtsbaum“ aufgebaut.

Natürliche Weihnachtsbäume[Bearbeiten]

  • Die größte als Weihnachtsbaum geschmückte Konifere war eine 1950 in Seattle aufgestellte Douglasie von 67,4 m Höhe.
  • Im Styx Forest in Tasmanien wurde am 20. Dezember 1999 ein 80 m hoher Eucalyptus regnans geschmückt und als größter Weihnachtsbaum aller Zeiten bezeichnet. Die Aktion diente als Werbung für den Schutz bedrohter Urwälder.
  • Der General Grant Tree im Sequoia National Park, mit knapp 82 m der zweitgrößte Riesenmammutbaum der Welt, wurde am 28. April 1926 von Präsident Calvin Coolidge zum Nation's Christmas Tree bestimmt.
  • Der mit 36 Metern höchste natürlich gewachsene Weihnachtsbaum Deutschlands des Jahres 2005 stand auf dem Gelände des Rheinischen Freilichtmuseums in Kommern in der Eifel. 2003 stand dort schon einmal der höchste natürlich gewachsene Weihnachtsbaum Deutschlands, er war 38 m hoch.
  • Auf dem Petersplatz in der Vatikanstadt wurde im Jahr 2008 eine 120 Jahre alte Fichte aus Gutenstein in Niederösterreich als Christbaum aufgestellt, der bis dahin höchste Baum auf dem Petersplatz. [26]
  • In der Stadt Wermelskirchen steht ein 1870 gepflanzter Mammutbaum, der alljährlich zu einem der größten lebenden Weihnachtsbäume Europas geschmückt wird.[27]

Künstliche Weihnachtsbäume[Bearbeiten]

In Dortmund gibt es auch den kleinsten Weihnachtsbaum der Welt.
  • 2011 wurde der größte schwimmende Weihnachtsbaum der Welt in Rio de Janeiro aufgebaut. Mit 85 Meter Höhe und 3,3 Millionen Glühlampen schwimmt der 542 Tonnen schwere Stahlkoloss auf dem Rodrigo-de-Freitas-See.
  • Im Jahre 2007 wurde in Bukarest ein Weihnachtsbaum mit 76 Metern Höhe errichtet.
  • In Lissabon und Warschau stand 2005 jeweils ein Weihnachtsbaum aus Gerüsten mit 72 m Höhe.
  • Auf dem Weihnachtsmarkt in Dortmund wird seit 1996 jedes Jahr ein 45 m hoher künstlicher Baum aufgebaut.[28] An einem konisch zulaufenden Stahlgestell werden 1700 Rotfichten[29] befestigt, so dass hinterher ein sehr großer Weihnachtsbaum entsteht. Der Weihnachtsbaum wird durch eine eigene Sprinkleranlage geschützt. Der Betreiber bezeichnet diesen Baum seit mehreren Jahren als „größten Weihnachtsbaum“.
  • Seit 2007 gibt es mit einem nur 14 mm hohen, beleuchteten und voll geschmückten Kunstbaum auch das passende Gegenstück in Form des „kleinsten Weihnachtsbaums“, der im Schaufenster einer Kunstgalerie ebenfalls in der Dortmunder Innenstadt gezeigt wird.[30]
  • In der brasilianischen Stadt Itu gibt es einen 84 m hohen Weihnachtsbaum aus Stahl.
  • In Gubbio in der italienischen Region Umbrien wird seit den 1980er Jahren am Hang des Monte Ingono jährlich ein 800 m hoher und 400 m breiter Weihnachtsbaum aus 450 farbigen Lichtern gebildet, der aus ca. 50 km Entfernung zu sehen ist. Das Guinness-Buch der Rekorde von 1991 verzeichnet ihn als größten unnatürlichen Weihnachtsbaum der Welt.
Transport eines Weihnachtsbaums 1972

Christbaum-Versenken[Bearbeiten]

Eine Erweiterung erfuhr das Brauchtum mancherorts durch das Versenken von Christbäumen in Gewässern. So veranstaltet in Klagenfurt der Tauchklub seit den 1960er-Jahren[31] ein Christbaum-Versenken im Wörthersee. Von Tauchern wird ein geschmückter Christbaum in die Tiefe gebracht. Dabei wird der im See Umgekommenen gedacht. Auch in anderen Seen, wie im Neufelder See, wurde dieser Brauch übernommen.[32][33]

Der Weihnachtsbaum in Liedern und literarischen Werken[Bearbeiten]

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Lichterbaum selbst Gegenstand von Weihnachtsliedern und -erzählungen, meist ohne Bezug auf die Geburt Christi:

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd Brunner: Die Erfindung des Weihnachtsbaums. Insel Verlag, Berlin 2011 (Insel-Bücherei 1347), ISBN 978-3458193470
  • Oscar Cullmann: Die Entstehung des Weihnachtsfestes und die Herkunft des Weihnachtsbaumes. Quell-Verlag, Stuttgart: 1994, ISBN 3-7918-2326-4 (eine sehr solide und allgemeinverständliche Erklärung des Weihnachtsfestes, etwa die Hälfte des Buches ist dem Thema Christbaum gewidmet)
  • Christine Hubka: Der Christbaum ist im Paradies gewachsen. Adventkranz, Christbaumschmuck und Weihnachtskrippe erzählen ihre Geschichten. Lahn-Verlag, Limburg und Kevelaer 2001, ISBN 3-7840-3231-1 sowie Tyrolia-Verlag, Innsbruck und Wien 2001, ISBN 3-7022-2391-6
  • Otto Lauffer: Der Weihnachtsbaum in Glauben und Brauch. Berlin/Hamburg 1934.
  • Camille Schneider: Der Weihnachtsbaum und seine Heimat das Elsass. Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum, Dornach 1977
  • Kurt Mantel: Geschichte des Weihnachtsbaumes und ähnlicher weihnachtlicher Formen. Eine kultur- und waldgeschichtliche Untersuchung. Schaper, Hannover 19772; ISBN 3-7944-0098-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Weihnachtsbaum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Weihnachtsbaum – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Monika Reuter: Christbaum. In: Münchner Merkur, 6. Dezember 2013, S. 12.
  2. Kölner Stadtanzeiger, online 4. Dezember 2013 [1]
  3. Zahl der verkauften Weihnachtsbäume in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2013 (in Millionen Stück); Handelsdaten auf der Internetseite der Statista GmbH; abgerufen am 11. April 2014
  4. Sten Köppe: Nordmanntanne | Abies nordmanniana | Kaukasustanne; Artikel auf gartenplanzen.de; abgerufen am 2. Januar 2014.
    Simone Andrea Mayer: Weihnachtsbaum-Kauf – Es muss nicht immer Nordmann-Tanne sein; Hamburger Abendblatt, 14. Dezember 2012
  5. Deutschlandfunk: Tag für Tag; Sendung vom 12. Dezember 2006
  6. China hat Interesse am deutschen Wald; Frankfurter Allgemeine Zeitung, Ausgabe vom 27. Juni 2007.
  7. Barbara Schmid, Fidelius Schmid: Weihnachtlich glänzet der Wald., Der Spiegel, 17. Dezember 2012, S. 52
  8. Heimische Christbäume sind am beliebtesten; Meldung auf oe24, abgerufen am 22. Dezember 2008
  9. Andreas Kopietz: Weihnachtsbäume für Elefanten und Alpakas; Artikel in der Berliner Zeitung vom 27. Dezember 1997.
  10. Kein Lametta wäre netter. Abgerufen am 20. Dezember 2012.
  11. historisches-franken.de Hängende Weihnachtsbäume
  12. Hans-Peter Widmann: den selan trostlich, den dúrftigen nuzzelich; in: Sebastian Bock, Hans-Peter Widmann: Die Geschichte des Heiliggeistspitals und der Heiliggeistspitalstiftung in Freiburg im Breisgau; Freiburg i.Br.: Promo-Verlag, 2005; ISBN 3-923288-42-5
  13. Jochen Müssig: Weihnachtstradition weltweit – Durch Baum und Zeit; Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 20. Dezember 2006.
  14. F. A. Redlich: Ein neuer Beitrag zur Geschichte des Weinachtsbaums; in: Niederdeutsche Zeitschrift für Volkskunde 13 (1935), S. 234–239
  15. Bild des Dokuments auf main-netz.de, abgerufen am 22. Dezember 2013.
  16. Lohnbuch der Stadt Gengenbach von 1576. Original im Stadtarchiv Gengenbach.
  17. Hilde Spiel: Fanny von Arnstein oder die Emanzipation. Ein Frauenleben an der Zeitenwende 1758–1818; Frankfurt am Main: S. Fischer, 1962 (Fischer Taschenbuch 1992; ISBN 3-596-22131-5); S.434
  18. Albertina: Wo Österreichs erster Christbaum erstrahlte; auf: ORF.at; vom 28. November 2007
  19. Erzherzog Albrecht, der hohe Gast …. In: Badener Bezirks-Blatt, 1. Jänner 1881, S. 4 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bbb
  20. Berichtigung.. In: Badener Bezirks-Blatt, 8. Jänner 1881, S. 2 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bbb
  21. Eintrag zu Christbaum in Österreich in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (im Heimatlexikon) abgerufen am 10. Dezember 2011
  22. Ken Gewertz: The Professor who brought the Christmas Tree to Newengland. 200th Anniversary of Charles Follen’s birth marked this year; in: Harvard University Gazette, Ausgabe vom 12. Dezember 1996.
  23. Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz steht; KNA-Meldung auf katholisch.de vom 5. Dezember 2013.
  24. Treffpunkt Christbaum. Der Weihnachtsbaum am Hauptplatz kommt dieses Jahr von der Teichalm; Artikel der Holding Graz Services. Straße & Grünraum; November 2011
  25. Erleuchtung im Mittelpunkt – Grazer Christbaum feierliche „entzündet“; Artikel der Stadt Graz vom 26. November 2011.
  26. Christbaum aus NÖ wird an Papst übergeben; Meldung auf orf.at, abgerufen am 22. Dezember 2008.
  27. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatImpressionen aus Wermelskirchen. Stadt Wermelskirchen, abgerufen am 7. Dezember 2013.
  28. Weihnachtsmarkt Dortmund 2009: Größter Weihnachtsbaum
  29. Weihnachtsbaum- und Schnittgrünkulturen Schulte-Brinker: Weihnachtsbäume; abgerufen am 22. November 2013.
  30. Webseite mit Informationen zum kleinsten Weihnachtsbaum der Welt auf www.trainini.de
  31. Christbaum-Versenken im Wörthersee in der Kleinen Zeitung vom 1. Dezember 2011 abgerufen am 14. Dezember 2011
  32. Eintrag zu Christbaumversenken in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (im Heimatlexikon) abgerufen am 14. Dezember 2011
  33. Christbaumversenken im Neufeldersee; Bericht des ORF/Radio Burgenland vom 11. Dezember 2011