Papinian

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Aemilius Papinianus (* 142; † 212), kurz Papinian, war ein römischer Jurist, magister libellorum und später Prätorianerpräfekt unter Septimius Severus.

Er war ein enger Freund des Severus, den er in die Provinz Britannia begleitete und der ihm vor seinem Tod seine beiden Söhne anvertraute. Papinian versuchte, zwischen den Brüdern Frieden zu halten, doch dies steigerte nur den Hass des einen, Caracalla, auf den anderen, Geta: Caracalla ließ Ende 211 erst Geta und wenig später dessen Freunde ermorden, darunter Papinian, der sich weigerte, auf Geheiß Caracallas den Mord an seinem Bruder Geta als einen Akt staatsrechtlicher Notwehr juristisch zu rechtfertigen. Die Details werden verschieden berichtet und wurden mit legendenhaften Ausschmückungen versehen, aber der Mord an Papinian, der vor Caracallas Augen stattfand, gilt als eines der schändlichsten Verbrechen des Kaisers.

Nur wenig mehr ist über Papinian bekannt. Er wurde vielleicht in Syria geboren, da gesagt wird, er sei ein Verwandter von Severus’ zweiter Frau Julia Domna gewesen. Dass er mit Severus bei Quintus Cervidius Scaevola Recht studierte, ist durch eine eingeschobene Passage in der Historia Augusta belegt.

Obwohl sein Werk verglichen mit anderen Juristen wie Ulpian, der als Assessor bei ihm tätig war, oder Iulius Paulus nicht umfangreich war, hatte er großen Einfluss. Das Zitiergesetz (in Kraft gesetzt 426) legte fest, dass, wenn es keine Mehrheit von Rechtsquellen (von ihm, Ulpian, Iulius Paulus, Herennius Modestinus und Gaius) für oder gegen eine Entscheidung oder Auslegung gab, sich die Seite durchsetzen sollte, die Papinian vertrat.

Seine Hauptwerke sind Quaestiones in 37 Büchern (geschrieben vor 198), Responsa (geschrieben zwischen 204 und seinem Tod), Definitiones und De adulteriis. Der deutsche Barockdichter Andreas Gryphius hat Papinians Tod in seinem Trauerspiel Grossmütiger Rechtsgelehrter oder sterbender Aemilius Paulus Papinianus behandelt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Amalia Sicari: Leges venditionis. Uno studio sul pensiero giuridico di Papiniano, Cacucci, Bari 1996.