Paraneoplastisches Syndrom

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Klassifikation nach ICD-10
C80 Bösartige Neubildung ohne Angabe der Lokalisation
Paraneoplastisches Syndrom
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Unter einem paraneoplastischen Syndrom, auch Paraneoplasie (para - Griechisch neben, neo – Griechisch neu, plasie – Griechisch Bildung) genannt, versteht man Begleitsymptome einer Krebserkrankung, die nicht primär durch die Neoplasie (solide Tumoren oder Leukämien) entstehen. Der Begriff fasst alle Symptome zusammen, die weder durch den Raumbedarf des Tumors, noch durch die Zerstörung von Gewebe durch Einwachsen von neoplastischen Zellen entstehen und gleichzeitig oft typisch für eine Krebserkrankung sind.

Ursache kann eine Immunreaktion des Körpers sein, die durch den Krebs provoziert wurde, oder eine durch den Tumor veranlasste Freisetzung von Botenstoffen (Zytokine und Hormone).

Einige paraneoplastische Syndrome sind so charakteristisch, dass bei ihrem Auftreten ohne bestehende Tumordiagnose mit allen zur Verfügung stehenden diagnostischen Methoden nach der Neoplasie gesucht werden sollte, bei manchen Syndromen kann zum Beispiel ein Tumor in der Lunge vermutet werden.

Mittlerweile ist eine Vielzahl von paraneoplastischen Erkrankungen bekannt. Fast alle Organe können betroffen sein. Die Zusammenstellung in diesem Artikel ist deshalb bei weitem nicht vollständig.

Allgemeine paraneoplastische Symptome[Bearbeiten]

Nicht selten werden Krebsleiden von Symptomen wie Tumorkachexie, Hyperthermie, Anämie, Leukozytose und Thrombosen begleitet. Insofern diese einzeln auftreten, muss man hier korrekterweise von paraneoplastischen Symptomen sprechen, da Syndrome immer ein Zusammenspiel mehrerer Symptome ausmachen.

Spezielle Paraneoplasien[Bearbeiten]

Spezielle Paraneoplasien werden verursacht durch die Produktion von hormonähnlichen Substanzen oder immunologische Mechanismen. Spezielle paraneoplastische Syndrome treten bei 2 bis 15 % der Karzinom-Patienten auf, am häufigsten beim kleinzelligen Bronchialkarzinom (bis 40 %).

Endokrinologische paraneoplastische Syndrome[Bearbeiten]

Die Produktion eines Hormons oder von Hormonvorstufen durch Tumorgewebe simuliert das Vorliegen einer endokrinologischen Erkrankung. Die genauen Ursachen sind noch unbekannt.

Beispiele für endokrinologische Paraneoplasien[Bearbeiten]

Antikörper-vermittelte Paraneoplasien[Bearbeiten]

Antikörper-vermittelte Paraneoplasien entstehen, wenn das Immunsystem Antikörper gegen den Tumor produziert, diese Antikörper aber gleichzeitig auch gesundes Gewebe angreifen (Kreuzreaktivität). Wird der Tumor entfernt, stoppt dies die Immunreaktion nicht zwangsläufig, und die weiterhin produzierten Antikörper können auch weiterhin gesundes Gewebe schädigen. Allerdings ist die Prognose von Patienten mit antikörperassoziierten paraneoplastischen Syndromen in vielen Fällen besser als die Prognose von Patienten ohne Antikörper gegen den Tumor, weil die Antikörper zwar auf der einen Seite einen eigenen Krankheitswert entwickeln, auf der anderen Seite aber auch den Tumor bekämpfen. Mit immunsuppressiven Therapien wird derzeit experimentiert.

Beispiele für antikörpervermittelte Paraneoplasien[Bearbeiten]

Blut[Bearbeiten]
Haut / Muskeln[Bearbeiten]
Gastrointestinal-Trakt[Bearbeiten]
Gehirn / Nervensystem[Bearbeiten]
Augen[Bearbeiten]

Weitere Paraneoplasien[Bearbeiten]

Die Haut kann unter anderem durch Hyperpigmentierung, Hyperkeratose, Hypertrichose, Acanthosis nigricans, Erythema gyratum oder Bullöses Pemphigoid, das Herz durch „nichtbakterielle thrombotische Endokarditis“, das Gefäßsystem durch wiederholte Thrombosen (beim Pankreaskarzinom) und die Niere durch Glomerulonephritis betroffen sein. Am Skelett ist die Hypertrophe Osteoarthropathie häufig paraneoplastischer Natur.

Literatur[Bearbeiten]

Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!