Parlamentswahlen in Italien 1953

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Parlamentswahlen in Italien 1953
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Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 1948
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+22,60
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+4,07
+3,84
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-0,81
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-30,57
Sonst.
143
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3
263
13
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29
143 75 19 263 13 40 29 
Von 590 Sitzen entfallen auf:

Die Parlamentswahlen von 1953, die am 7. Juni stattfanden, waren die dritten nach Ende des Faschismus in Italien und nach Einführung des gleichen Frauen- und Männerwahlrechts. Über 30 Millionen Italiener waren aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Im Zuge des Kalten Krieges löste sich 1947 die antifaschistische Einheitsfront aus Christdemokraten, Kommunisten, Sozialisten und linken Liberalen (PdA, PRI) auf parlamentarischer nationaler Ebene auf, sodass der amtierende Ministerpräsident Alcide De Gasperi eine Zentrumsregierung bildete (DC, PSDI, PLI, PRI), die durch die Wahlen von 1948 bestätigt wurde. Nachdem Sozialisten und Kommunisten die Regierung verlassen hatten, bildeten sie für 1948 eine gemeinsame Wahlallianz, die Fronte Democratico Popolare (FDP, aus der der rechte Flügel der Sozialisten ausschied und sich als Sozialdemokratische Partei neu konstituierte). Für 1953 bildeten Kommunisten und Sozialisten keine gemeinsame Wahlallianz mehr, wohl wurde aber ein formelles Bündnis aufrechterhalten. Der Regierung de Gasperi gelang die Einbindung in den westlichen Block unter Führung der USA. Dadurch konnten Gelder aus dem Marshall-Plan angefordert werden; dieser war zusammen mit staatlichen Investitionen für einen Wirtschaftsaufschwung (miracolo economico) verantwortlich, der bis Ende der 1960er Jahre anhielt und Italien zu einer wohlhabenden Industrienation machte. Auch im armen Süditalien verbesserte sich die wirtschaftliche Lage durch eine - wenn auch zögerliche - Landreform, die die Situation der der Kleinbauern und Pächtern entspannte und weitere soziale Unruhen verhinderte.[1]

Für 1953 versuchte de Gasperi ein Wahlgesetz durchzusetzen, das dem Mussolinis von 1924 ähnelte: Sollte eine Partei die absolute Mehrheit der Sitze erzielen, fiel ihr gleich eine Zweidrittelmehrheit zu. Von seinen politischen Gegnern wurde dieses heftig kritisiert und als legge truffa (Betrugsgesetz) bezeichnet.

Die Wahlen brachten, auch wegen der Unzufriedenheit über die Pläne für das Wahlgesetz, Verluste der Christdemokraten, die die absolute Mehrheit der Mandate verloren, sowie Gewinne für die linken Parteien und die extreme Rechte. Wenige Monate nach der Wahl trat de Gasperi zurück und Giuseppe Pella wurde sein Nachfolger. Die folgende Legislaturperiode war aber durch große Instabilität gekennzeichnet; insgesamt folgten sechs Kabinette aufeinander.

Ergebnisse[Bearbeiten]

Partei Anzahl der Stimmen Mandate
Democrazia Cristiana (DC) 40,1% 263
Partito Comunista Italiano (PCI) 22,6% 143
Partito Socialista Italiano (PSI) 12,7% 75
Partito Nazionale Monarchico (PNM) 6,9% 40
Movimento Sociale Italiano (MSI) 5,8% 29
Partito Socialista Democratico Italiano (PSDI) 4,5% 19
Partito Liberale Italiano (PLI) 3,0% 13
Partito Repubblicano Italiano (PRI) 1,6% 5
Südtiroler Volkspartei (SVP) 0,5% 1
Sonstige 2,3%

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Friederike Hausmann: Kleine Geschichte Italiens. Von 1943 bis zur Ära nach Berlusconi, Berlin 2006, S. 50-66.

Literatur[Bearbeiten]

  • Feldbauer, Gerhard: Geschichte Italiens: Vom Risorgimento bis heute, Köln 2008.
  • Hausmann, Friederike: Kleine Geschichte Italiens. Von 1943 bis zur Ära nach Berlusconi, Berlin 2006.