Parvoviridae

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Parvoviridae
Parvovirus in Blood.jpg

Parvovirus B19

Systematik
Reich: Viren
Familie: Parvoviridae
Taxonomische Merkmale
Genom: (+) und (-)ssDNA, linear
Baltimore: Gruppe 2
Symmetrie: ikosaedrisch
Hülle: unbehüllt
Wissenschaftlicher Name
Parvovirus (engl.)
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Die Virusfamilie Parvoviridae (Parvoviren) umfasst Spezies, die als einzige humanpathogene Viren ein einzelsträngiges DNA-Genom tragen. Die Virionen der Parvoviridae haben einen Durchmesser zwischen 18 und 26 nm; da sie damit zu den kleinsten Viren zählen, leitet sich ihr Name von lat. parvus (klein) ab. Parvoviren sind unbehüllt, wodurch sie sehr resistent gegen äußere Einflüsse sind.

Die Familie der Parvoviridae wird in zwei Unterfamilien aufgeteilt: Die Parvovirinae und die Densovirinae. Zu den Parvovirinae, welche ausschließlich Wirbeltiere infizieren, zählen die Gattungen Amdovirus, Bocavirus, Dependovirus, Erythrovirus und Parvovirus. Die durch Virusarten der Gattung Parvovirus ausgelösten Erkrankungen bezeichnet man als Parvovirosen. Die zweite Unterfamilie der Densovirinae umfasst die Gattungen Densovirus, Iteravirus, Pefudensovirus und Brevidensovirus, die Parvoviren der Insekten und anderer Arthropoden.

Gattung Dependovirus[Bearbeiten]

Die Dependoviren (z. B. Adenoassozierte Viren) sind abhängig von Helferviren, um sich zu replizieren. Als Helferviren kommen Adenoviren, Herpesviren und Vacciniaviren in Fragen. Fehlen diese Helferviren, dann können die adenoassoziierten Viren in einen Latenzzustand übergehen, indem sie ihr eigenes Genom relativ ortsspezifisch in das zelluläre Genom einbauen und so lebenslang im Organismus verbleiben. Bei einer Koinfektion mit dem entsprechenden Helfervirus kann das integrierte virale Genom reaktiviert werden. Die adenoassoziierten Viren AAV-2, AAV-3 und AAV-5 können Menschen über Tröpfcheninfektion infizieren. Vermutlich sind über 90 % der Erwachsenen infiziert, allerdings sind keine Erkrankungsbilder bekannt.

Gattung Erythrovirus[Bearbeiten]

Die Erythroviren haben einen ausgeprägten Tropismus zu sich teilenden Vorläuferzellen von Erythrozyten, den Erythroblasten. Sie sind zur Replikation ihres Genoms auf die in der S-Phase vorliegenden zellulären Polymerasen angewiesen. Zu dieser Gattung gehört unter anderem das Parvovirus B19, der Erreger der Ringelröteln.

Gattung Parvovirus[Bearbeiten]

Die Viren der Gattung Parvovirus replizieren sich ebenfalls autonom. Zu ihnen zählen ausschließlich tierpathogene (nur bei Tieren krankheitsauslösende) Erreger und können bei Haus- und Nutztieren schwere Erkrankungen verursachen.

Die Gattung beinhaltet unter anderen das canine, feline und das porcine Parvovirus. Diese Viren sind sehr nah miteinander verwandt mit einer sich über das gesamte Genom erstreckenden Homologie bei einer Sequenzidentität von mehr als 98 %.

Das canine Parvovirus ist 1978 vermutlich direkt aus dem felinen Parvovirus (Erreger der Katzenseuche) entstanden und plötzlich aufgetreten. Dabei verbreitete es sich weltweit sehr schnell, worauf in dieser Pandemie Millionen von Hunden starben. Mittlerweile sind die Parvovirosen bei Hund und Katze mit Hilfe von Lebendimpfstoffen gut beherrschbar.

Art Parvovirus H-1[Bearbeiten]

Diese Virusart befällt normalerweise Nagetiere, kann aber auch menschliche Zellen infizieren, verursacht jedoch beim Menschen dabei keinerlei Krankheitssymptome.

Medizinische Bedeutung für den Menschen[Bearbeiten]

Eine Arbeitsgruppe des Universitätsklinikums und Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg hat nachgewiesen, dass die Parvovirenart H-1 PV in Kulturen von menschlichen Hirntumorzellen sowie von Neuroblastomen eine zerstörerische Wirkung entfalten, ohne dabei gesundes Gewebe zu schädigen.[1] In Behandlungsversuchen an Ratten, denen man zuvor Zellen eines bösartige Glioblastoms einpflanzte, hat sich der Effekt bestätigt.[2] Die Parvovirus-Therapie wird derzeit in einer klinischen Studie am Menschen erprobt.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jörg R. Schlehofer u. a.: Parvovirus H1 selectively induces cytotoxic effects on human neuroblastoma cells. International Journal of Cancer, 1 September 2010, Volume 127, Nr. 5, S. 1230–1239, doi: 10.1002/ijc.25168
  2. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Pressemitteilung vom 3. Mai 2010 (PDF-Datei; 39 kB)
  3. [1] Mit Viren gegen den Krebs im Kopf