Patriarchat von Konstantinopel der Armenischen Apostolischen Kirche

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Innenraum der Frauenkirche (Patriarchale Heilige-Mutter-Gottes-Kirche)

Das Patriarchat von Konstantinopel ist das Erzbistum von Konstantinopel (heute Istanbul) der Armenischen Apostolischen Kirche und eines der beiden Patriarchate dieser Kirche neben dem Patriarchat von Jerusalem.

Geschichte[Bearbeiten]

Ein Kirchengebäude der Armenier in Konstantinopel (heute: Istanbul) bestand bereits Anfang des 14. Jahrhunderts Für 1330/31 ist ein Bischof für chalcedonensische Armenier in Konstantinopel bezeugt. Im Jahr 1461 übernahm angeblich der armenische Bischof von Bursa, Hovakim, auf Wunsch des Sultans die Leitung der Armenier-Gemeinde im 1453 von den Türken eroberten Konstantinopel. Der dortige armenische Bischof erlangte im 15./16. Jahrhundert den Titel eines Patriarchen, aber erst im 17./18. Jahrhundert allmählich Jurisdiktion über andere Prälaten im Osmanenreich. Sodann fungiert er als staatlich anerkanntes Oberhaupt der armenischen und (bis 1830) aller anderen nicht-byzantinisch-orthodoxen Christen im Osmanischen Reich. Zu seinem politischen Verantwortungsbereich gehörten damit auch die armenischen Katholikate von Sis und Aghtamar sowie das armenische Patriarchat von Jerusalem, ferner die west- und ostsyrischen Kirchen sowie das Koptische Patriarchat von Alexandrien.

Kirchlich stand das Konstantinopler bis in das 16. Jahrhundert unter dem kilikischen Katholikat in Sis (seit osmanisch 1517). Über Zuwanderer aus dem Osten verstärkte sich in der Folge der Einfluss des Katholikats in Etschmiadsin, das zeitweilig selbst unter osmanische Herrschaft geriet. Im 18. und 19. Jahrhundert erlangte das Konstantinopler Patriarchat faktisch die führende Stellung in der Armenisch Apostolischen Kirche. In Konstantinopel lebte damals die weltweit mitgliederstärkste Gemeinde der christlichen Armenier.

Die staatskirchenrechtliche Stellung des Patriarchen machte die Besetzung der Konstantinopler Kathedra stark abhängig von den wechselnden politischen Lagen. Die insgesamt 115 Pontifikate (Amtszeiten) wurden von nur 84 Amtsträgern (Personen) ausgefüllt. Patriarch Karapet II. amtierte sogar fünf Mal (1676-1679, 1680-1681, 1681-1684, 1686-1687 und 1688-1689). Wegen Protests gegen die Armenierverfolgung 1896 wurde Patriarch Matheos III. Izmirlian abgesetzt und nach Jerusalem verbannt. Erst 1908, nach Absetzung des Sultans Abdülhamid II., durfte er zurückkehren.

1914 stand der armenische Patriarch von Konstantinopel 55 armenisch-apostolischen Diözesen oder kirchlichen Verwaltungseinheiten mit 1778 Pfarreien, 1634 Kirchen und etwa 1.390.000 Gläubigen vor. Dazu rechneten die armenischen Diözesen Zypern, Bulgarien, Rumänien und Griechenland. Geblieben sind davon das Patriarchat selbst sowie Bischöfe für verschiedene Gebiete in und um Istanbul. Das bis 1895 besetzte Katholikat von Aghtamar ging in das Konstantinopler Patriarchat ein.

Im Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges war das Patriarchat von Konstantinopel vorübergehend aufgelöst. Ein staatliches Gesetz vom 1. August 1916 schuf ein kurzlebiges „Katholikat von Jerusalem“ als Oberhaupt aller osmanischen Armenier. Zum ersten Katholikos-Patriarchen von Jerusalem wurde Sahag II. Khabayan ernannt, der exilierte Katholikos von Kilikien (Sis). Der amtsenthobene Patriarch Zaven Der Yeghiayan von Konstantinopel (1913-1922) erhielt Bagdad als Wohnsitz angewiesen. 1919 kehrte er aus dem Exil in sein Amt zurück, resignierte unter Druck 1922 und floh nach Bulgarien.

Heute[Bearbeiten]

In der Gegenwart kann zum armenischen Patriarchen von Konstantinopel nur ein türkischer Staatsbürger gewählt werden. De facto muss seine Wahl außerdem der Regierung genehm sein. Offiziell wird sie ihr nur angezeigt und dem neuen Patriarchen durch Kabinettsbeschluss das Recht zuerkannt, seine Amtskleidung auch in der Öffentlichkeit zu tragen, wie dies in der Türkei nur Oberhäuptern von Religionsgemeinschaften gestattet ist.

Das Patriarchat zählt heute nur noch eine Diözese und etwa 70.000 Gläubige, davon leben 60.000 in der Türkei [1]. Damit ist gleichwohl die armenisch-apostolische Kirche die heute größte christliche Gemeinschaft in der Türkei. Von den Kirchenmitgliedern leben wohl 45.000 [1] in Istanbul und Umland und besitzen ca. 35 Kirchen. Daneben bestehen noch Gemeinden in Kayseri, Diyarbakır, Iskenderun und Vakif (Hatay).

Amtierender Patriarch ist S. S. Mesrop Mutafyan. Sitz und Kathedrale des Patriarchen befinden sich im Viertel Kumkapı des Istanbuler Stadtteils Eminönü.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Markus Rahn: Die Entstehung des Armenischen Patriarchats von Konstantinopel (= Studien zur Orientalischen Kirchengeschichte. Bd. 20). Lit, Münster u. a. 2002, ISBN 3-8258-6207-0 (Zugleich: Marburg, Universität, Dissertation, 2001), (Rezension von Hubert Kaufhold in: Oriens Christianus. Bd. 87, 2003, ISSN 0340-6407, S. 262–271).
  • Hacik Rafi Gazer: Streifzüge durch die 555-jährige Geschichte des Armenischen Patriarchats von Konstantinopel. In: Ostkirchliche Studien. Bd. 61, 2012, ISSN 0030-6487, S. 84–95.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Patriarchat von Konstantinopel der Armenischen Apostolischen Kirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

(nicht immer erreichbar)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b www.todayszaman.com: Turkish "Foreign Ministry: 89,000 minorities live in Turkey" "Containing detailed statistics about the minority groups in Turkey, the report reveals that 45,000 of approximately 60,000 Armenians reside in İstanbul