Paul Bremer

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Paul Bremer

Lewis Paul Bremer III (* 30. September 1941 in Hartford, Connecticut) ist ein US-amerikanischer Diplomat und Regierungsbeamter. Er wurde am 6. Mai 2003 von Präsident George W. Bush zum Zivilverwalter für den Irak ernannt und löste damit den bisherigen Verwalter Jay Garner nach nur wenigen Wochen ab.

Biografie[Bearbeiten]

Bremer absolvierte die Phillips Academy in Andover (Massachusetts). Danach studierte er an den Universitäten von Yale und Harvard sowie am Institut d'Etudes Politiques de Paris Ökonomie und Politikwissenschaft.

Von 1966 bis 1989 war der Republikaner Bremer für das US-Außenministerium tätig. In dieser Zeit bekleidete er unter anderem den Posten des Botschafters in den Niederlanden (1983 bis 1986). 1989 wechselte er als Experte für Risikoabschätzung in die freie Wirtschaft. Im Juni 2000 warnte er als Vorsitzender der Nationalen Terrorismuskommission vor einem großen Terroranschlag in den USA. Im Jahr 2002 verpflichtete ihn Präsident Bush für sein Beratungsgremium für Innere Sicherheit. Am 6. Mai 2003 wurde er Chef der Koalitions-Übergangsverwaltung für den Irak und behielt die Stellung bis zur Übergabe der Souveränität an eine irakische Übergangsregierung am 28. Juni 2004 bei.

Politische Reformen im Irak[Bearbeiten]

Am 19. September 2003 erließ Paul Bremer in seiner Funktion als Verwalter eine Reihe von Verordnungen, welche die irakische Wirtschaftspolitik gründlich veränderten: Er privatisierte praktisch alle staatlichen Betriebe innerhalb kürzester Zeit, zum Teil zu sehr niedrigen Preisen, erlaubte volle Besitzrechte ausländischer Firmen an irakischen Betrieben und völlige Repatriierung von Profiten; auch irakische Banken wurden für die Übernahme durch ausländisches Kapital geöffnet, Zölle wurden vollständig abgeschafft. Allerdings war die Ölindustrie von diesen Vorgaben vorerst ausgenommen.

Weitere wesentliche Entscheidungen Bremers waren das Verbot der Baath-Partei mit 50000 Mitgliedern und die Auflösung der Irakischen Armee mit 450000 Angehörigen. Privatisierung, Parteiverbot und Armee-Auflösung bewirkten soziale Deklassierung für Millionen Iraker und gilt als Grund für den bis heute fehlenden Ausgleich zwischen den politischen Gruppen bzw. den Religionsgemeinschaften des Irak[1]. Seit der Besetzung des Iraks durch amerikanische Truppen bis heute sind ca. 120000 Zivilisten umgekommen[1].

Paul Bremer (2004)

Es wurde auch ein Einheitssteuersystem mit einem degressiven Steuersatz eingeführt. Streiks wurden verboten und das Recht auf gewerkschaftliche Organisierung eingeschränkt.[2]

Ehrungen[Bearbeiten]

2004 überreichte US-Präsident George W. Bush Bremer die Freiheitsmedaille („The Presidential Medal of Freedom“), die höchste zivile Auszeichnung in den USA.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Fernsehsender ARTE, 19. März 2013, 20:15 Uhr: Irak 2003 - Die Kehrseite des Krieges Online: Teil1, Teil2
  2. vgl. Naomi Klein: Die Schock-Strategie, S. 451ff, David Harvey: Der neue Imperialismus, S. 207ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paul Bremer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien