Paul Goodman

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Paul Goodman (* 9. September 1911 in New York; † 2. August 1972 in North Stratford, New Hampshire) war ein US-amerikanischer Autor, der auch Theatertexe und Kurzgeschichten schrieb. Er ist gemeinsam mit Fritz Perls und Ralph F. Hefferline ein Ko-Autor des Standardwerkes der Gestalttherapie, das erstmals 1951 unter dem englischen Titel Gestalt therapy: excitement and growth in the human personality erschien.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Als Kind zog Goodman, der von seinen Eltern vernachlässigt wurde, durch die Straßen von New York, besuchte öffentliche Bibliotheken und entwickelte später aufgrund dieser Erfahrungen sein Konzept der "erzieherischen Stadt". 1931 begann er in Chicago ein Studium der Literatur und Philosophie, promovierte dort später und erhielt einen Lehrauftrag. Als er sich in einen Studenten verliebte und sein Recht auf Homosexualität verteidigte, wurde er 1940 entlassen.

In den Folgejahren schrieb er mehr als 100 Kurzgeschichten, einige Bühnenstücke, Romane (The Grand Piano (1940), Parents' Day (1951)), und Essays. Seine Schriften fanden keine weite Verbreitung und ermöglichten ihm nur einen bescheidenen Lebensstil. Er musste mit einfachen Arbeiten und Unterrichtsstunden Geld dazuverdienen, um seine Kinder zu ernähren. Um 1947 wurde Fritz Perls auf ihn aufmerksam und entwickelte mit ihm zusammen die Gestalttherapie. Zwölf Jahre lang war Goodman als Gestalttherapeut tätig und verdiente nun erstmals einen angemessenen Lebensunterhalt.

Weite Bekanntheit erreichte Goodman mit seinem 1960 erschienenen Buch Growing Up Absurd: problems of youth in the organized system (dt. Aufwachsen im Widerspruch: Über die Entfremdung der Jugend in der verwalteten Welt, 1971), in dem er eine radikale Gesellschaftsdiagnose stellt:

„In Growing Up Absurd vertrete ich dieselbe Position wie schon 15 Jahre zuvor in der Aufsatzsammlung Drawing The Line. Die Kernaussage lautet, daß man in einer überzentralisierten Gesellschaft, in der die großen Konzerne mit Hilfe staatlicher Steuerung mehr oder weniger nutzlose Konsumgüter produzieren, nur überleben kann, indem man aussteigt.“

– Paul Goodman in einem Interview 1971[1]

Goodmans Gesellschaftskritik umfasst auch das Pflichtschulsystem mit seinem programmierten Unterricht, der die Individualität des Schülers unberücksichtigt lässt. Dieses Schulsystem ist nach Goodman ein Säuberungs- und Selektionsapparat für die Arbeitgeber. Er verweist auf die paradoxe Situation, dass auf der einen Seite die Schüler zu angepassten, kreativlosen Wesen erzogen werden. Auf der anderen Seite aber werden, bedingt durch den starken Konkurrenzdruck, von ihnen später originelle Lösungen erwartet. Goodman Kritik des Pflichtschulsystems mündet in den Vorschlag von dezentral organisierten Minischulen mit 25-30 Schülern ohne Schulpflicht, wo nicht nur Lehrer sondern alle am gesellschaftlichen Leben teilnehmenden Menschen den Unterricht gestalten.

Goodmans Gesellschaftskritik wurde von Anhängern der Gegenkultur in den 1960er Jahren aufgegriffen. Er wurde so zu einem Aktivisten und beteiligte sich an Demonstrationen, hielt Vorträge und gab Radio- und Fernsehinterviews. In diesem Jahrzehnt war er kaum literarisch tätig, es erschien nur der Gedichtsband North Percy (1968). Gegen Ende des Jahrzehnts wandte er sich jedoch von der Jugendkultur ab, weil sie seiner Ansicht nach zu weit nach links driftete.

Mit Little Prayers erschien 1974 postum ein weiterer Gedichtband. Goodman schrieb über eine Vielzahl von Themen, z.B. über Erziehung, das Leben in der Stadt und Stadtplanung (Communitas (1947)), Kinderrechte, Politik, Literaturkritik und vieles mehr. Er war vertraut mit Avantgarde- und klassischen Texten, und in seinen Geschichten vermischte er oft formale und experimentelle Stile.

Ansichten über Sexualität[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Abgesehen von den Sätzen, die mit einem Einzelnachweis belegt wurden, fehlen noch drigend Einzelnachweise - besonders bei den Konjuktivsätzen, da sie indirekte Autorrede suggerieren --Elias001 12:34, 26. Mai 2010 (CEST)

Die Offenheit, mit der Goodman über sein bisexuelles Leben und seine Liebschaften schrieb und sprach (insbesondere in seinem Essay The Politics of Being Queer (1969)), erwies sich als einer der wichtigsten kulturellen Sprungbretter für die sich in den frühen 1970er Jahren entwickelnde schwule Befreiungsbewegung. Seine eigenen Ansichten liefen jedoch der modernen Konstruktion der Homosexualität zuwider. Er war der Meinung, dass beides krank sei: nicht mit einer Person des anderen Geschlechts sexuell zu verkehren und keine homosexuellen Freuden zu kennen.

Weiterhin war er der Ansicht, dass sexuelle Beziehungen zwischen Männern und Knaben natürlich und gesund seien und die Grundlage für eine langandauernde Freundschaft sein könne. Goodman bedauerte, dass die heutige (1971) Jugend nicht mehr die "großzügige Haltung" gegenüber den sexuellen Wünschen Älterer habe, die er als Jugendlicher hatte.[1] In Bezug auf seine eigenen sexuellen Beziehungen mit Knaben, die die Öffentlichkeit verdamme, stellte er fest, dass das eigentlich Obszöne sei, dass die Gesellschaft einen wie einen Kriminellen Scham fühlen lasse für etwas, was menschliche Wesen wirklich brauchten.

Die Probleme der modernen Erziehung diagnostizierend - die Lähmung der Energie der Schüler und die Abtötung ihrer Neugier und Kreativität - unterstrich er, dass eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung unvermeidlich auch sexuelle Aspekte habe und dass ein Eingestehen und geeignete Kanalisierung der daraus entstehenden Spannungen zu einem besseren Erziehungssystem führen würde. In einem Interview sagt er 1971 diesbezüglich: "Der Aspekt des Verliebtseins zwischen Schülern und Lehrern scheint mir ein wichtiger für die pädagogische Beziehung im allgemeinen zu sein."[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Paul Goodman: Gedanken eines Steinzeitkonservativen. In: Gestalt-Kritik. 2-2003. (Interview von Robert W. Glasgow im Jahre 1971 mit Paul Goodman. Zuerst erschienen in der amerikanischen Zeitschrift "Psychology Today", November 1971, Vol. 5, No. 6.) (online auf: gestalt.de) Stand 26. Mai 2010)

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Aufwachsen im Widerspruch: Über die Entfremdung der Jugend in der verwalteten Welt. Verlag Darmstädter Blätter, Darmstadt 1971, ISBN 3-87139-011-9.
  • Anarchistisches Manifest. Büchse der Pandora, Telgte-Westbevern 1977, ISBN 3-88178-007-6.
  • Taylor Stoehr (Hrsg.): Natur heilt – psychologische Essays. Edition Humanistische Psychologie, Köln 1989, ISBN 3-926176-17-2.
  • Stossgebete und anderes über mich. Edition Humanistische Psychologie, Köln 1992, ISBN 3-926176-37-7.
  • Communitas – Lebensformen und Lebensmöglichkeiten menschlicher Gemeinschaften. Edition Humanistische Psychologie, Köln 1994, ISBN 3-926176-59-8.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Blankertz: Kritischer Pragmatismus: zur Soziologie Paul Goodmans. Büchse der Pandora, Wetzlar 1983, ISBN 3-88178-054-8.
  • Peter Parisi (Hrsg.): Artist of the actual. Essays on Paul Goodman. Scarecrow Press, Metuchen, N.J. u.a. 1986, ISBN 0-8108-1843-4.
  • Paul Goodman: Das Verhängnis der Schule. Frankfurt am Main 1975, ISBN 3-8072-3019-X.

Weblinks[Bearbeiten]