Paul Majunke

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Paul Majunke (* 14. Juli 1842 in Groß-Schmograu bei Wohlau; † 21. Mai 1899 in Hochkirch bei Glogau) war ein deutscher katholischer Priester, Publizist und Politiker der Zentrumspartei.

Majunke studierte von 1861 bis 1866 Theologie und Rechtswissenschaften an der Universität Breslau und promovierte zum Dr. theol. in Rom. Anschließend unternahm er Reisen durch Europa. Im Jahr 1867 wurde Majunke zum Priester geweiht. Danach war er als Kaplan in Neusalz an der Oder und in Breslau tätig. Später war er Redakteur der Kölnischen Volkszeitung von Julius Bachem. Im Jahr 1870 wurde er entlassen, weil sein Schreibstil als zu scharf erschien. Anschließend war er vorübergehend Pfarrer in Glogau.

Seit 1871 war er der erste Chefredakteur der neu gegründeten Zeitung Germania. Dieses Blatt stand der Zentrumspartei sehr nah. Unter der Leitung von Majunke wurde die Germania zu einer der führenden katholischen Tageszeitungen. Im Kulturkampf schrieb Majunke zahlreiche scharfe Artikel zur Verteidigung der katholischen Sache gegenüber der preußischen Regierung.

Seit 1874 bis 1884 war Majunke Abgeordneter der Zentrumspartei im Reichstag[1][2] und von 1878 bis 1884 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses.[3]

Wegen seiner Presseartikel war Majunke wegen Pressevergehen und Majestätsbeleidigung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Seine tatsächliche Verhaftung im Jahr 1874 löste breite Kritik aller politischen Parteien aus, weil sie die Immunität als Abgeordneter missachtete. In der Folge wollte Otto von Bismarck sogar zurücktreten. Das Gesuch wurde von Kaiser Wilhelm I. aber zurückgewiesen.

Mit dem Nachlassen des Kulturkampfes bemühte sich auch das katholische Lager um Deeskalation. Weil die kompromisslosen Artikel Majunkes diesem Ziel entgegenstanden, verlor er seine führende Position in der Zeitung Germania. Stattdessen war er seit 1878 bis 1884 Herausgeber der „Centrums-Correspondenz“.

Als er 1884 nicht mehr wiedergewählt wurde, wurde er Pfarrer in Hochkirch. Er blieb weiter als Autor tätig und wandte sich nunmehr scharf gegen das protestantische Preußentum. Mit seiner Unnachgiebigkeit brachte er seine Partei zeitweise in Verlegenheit, eine nennenswerte Wirkung hatten seine Schriften aber nicht mehr.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fritz Specht/Paul Schwabe: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Auflage. Verlag Carl Heymann, Berlin 1904, S. 178.
  2. A. Phillips (Hrsg.): Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1883. Statistik der Wahlen zum Konstituierenden und Norddeutschen Reichstage, zum Zollparlament, sowie zu den fünf ersten Legislatur-Perioden des Deutschen Reichstages. Verlag Louis Gerschel, Berlin 1883, S. 111.
  3. Mann, Bernhard (Bearb.) : Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867-1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf : Droste Verlag, 1988, S. 260 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3); zu den Wahlergebnissen siehe Kühne, Thomas : Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867 – 1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten. Düsseldorf : Droste Verlag, 1994, S. 745-747 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 6)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]