Głogów

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Głogów
Wappen von Głogów
Głogów (Polen)
Głogów
Głogów
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Landkreis: Głogów
Fläche: 35,37 km²
Geographische Lage: 51° 40′ N, 16° 5′ O51.66666666666716.083333333333Koordinaten: 51° 40′ 0″ N, 16° 5′ 0″ O
Einwohner: 68.997
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 67-200 bis 67-210
Telefonvorwahl: (+48) 76
Kfz-Kennzeichen: DGL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: PrzemkówLeszno
Schienenweg: PKP-Linien Breslau–Stettin und Łódź–Forst (Lausitz)
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 35,37 km²
Einwohner: 68.997
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 1951 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0203011
Verwaltung (Stand: 2010)
Stadtpräsident: Jan Zubowski
Adresse: Rynek 10
67-200 Głogów
Webpräsenz: www.glogow.pl

Głogów [ˈgwɔguf]?/i(deutsch: Glogau; auch Groß-Glogau) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Sie liegt im westlichen Teil des Landes rund 100 km nordwestlich der niederschlesischen Hauptstadt Breslau (Wrocław) an der Oder. Głogów ist die Kreisstadt des Powiat Głogowski, bildet eine eigene Stadtgemeinde und ist darüber hinaus Sitz der Gmina Głogów, einer Landgemeinde, die die Dörfer nördlich und östlich der Stadt umfasst.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1010 wurde die Stadt als urbs Glogua von Thietmar von Merseburg erstmals urkundlich erwähnt. 150 Jahre später (1157) ließ der Herzog von Schlesien die Stadt in Brand setzen, weil er glaubte, sie nicht gegen Barbarossa verteidigen zu können. Ab 1251 war Glogau Residenzstadt des Herzogtums Glogau. Zwei Jahre später erhielt Glogau, das damals über 2000 Einwohner zählte, das Magdeburger Stadtrecht. 1331 fiel Glogau zusammen mit dem Herzogtum Glogau als Lehen an die Krone Böhmen.

1484 ließ Herzog Hans die Juden aus der Stadt verweisen und 1488 sieben Ratsherren einkerkern und verhungern. Von 1499–1506 wurden Stadt und Herzogtum vom späteren polnischen König Sigismund I. regiert, der beides von seinem Bruder, dem böhmischen König Vladislav II. als ein Lehen erhalten hatte.

Glogau im 17. Jahrhundert
Ansicht um 1850
Stadtplan von Glogau kurz vor 1900

1630 begann der Bau von Befestigungen; die Einwohnerzahl war wegen der Zerstörung der Vorstädte von ca. 22.000 auf ca. 7.000 gesunken. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt 1632 von Protestanten erobert, 1633 von der Gegenreformation wiedergewonnen und schließlich 1642 von Schweden besetzt.

1741 wurde Glogau von den Preußen erobert, fiel jedoch am 3. Dezember 1806 [2] nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt in die Hände französischer Truppen. Zur Rückeroberung wurde die Stadt nahezu ein Jahr lang von 1813–1814 belagert. Die Festung Glogau, die von etwa 9.000 französischen Soldaten besetzt gehalten wurde, kapitulierte schließlich nach einer sieben Monate andauernden Blockade (Kälte bis zu −26 Grad im Winter, Lebensmittelmangel, Desertionen waren die Hauptursachen). Die restlichen 1.800 Verteidiger unter General Laplane gaben am 10. April 1814 auf.

Zum 1. April 1920 wurde aus der bisher kreisangehörigen Stadtgemeinde Glogau der Stadtkreis Glogau gebildet. Damit erhielt der bisherige Kreis Glogau die Bezeichnung Landkreis. Der Landrat für den Landkreis Glogau hatte weiterhin seinen Sitz in der Stadt. Zum 1. Juli 1931 wurden Teile der Landgemeinden Brostau, Rauschwitz, Weidisch, Zarkau und Zerbau (1938–1945: Lerchenberg[3]) aus dem Landkreis Glogau in die Stadt eingegliedert. Mit Wirkung vom 31. März 1938 wurden weitere Teile der Gemeinden Brostau, Rauschwitz und Zarkau aus dem Landkreis Glogau nach Glogau eingemeindet. Im Jahr 1939 zählte die Stadt Glogau 33.558 Einwohner, der Landkreis Glogau 62.280 Einwohner. Bis 1945 gehörte Glogau zum Regierungsbezirk Liegnitz in der Provinz Niederschlesien des Landes Preußen.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Glogau noch zur Festung erklärt, worauf es sechs Wochen von der Roten Armee belagert wurde. Diesem Verteidigungskampf fielen über 90 Prozent der Bebauung zum Opfer, die ganze Altstadt lag in Trümmern. Nach Kriegsende 1945 fiel Glogau, das in Głogów umbenannt wurde, an Polen. Die verbliebenen Deutschen wurden vertrieben.

1952 bezog der Glogauer Heimatbund in Hannover, der Partnerstadt Głogóws, seinen Sitz im Hardenbergschen Haus.[4]

Nach 1945 entwickelte sich die Stadt in den Außenbezirken; die Ruinen-Gebäude in der Altstadt wurden abgetragen. Einen Aufschwung erlebte die Stadt erst mit dem Bau einer Kupferhütte im Jahre 1967, die noch heute den größten Industriebetrieb der Stadt darstellt. Bis in die 1980er Jahre blieb das Stadtzentrum unbebaut, seither wird auch die Innenstadt auf den ursprünglichen Fundamenten und in Nachahmung der alten Bürgerhäuser wiederaufgebaut.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten]

  • Ältestes Gotteshaus der Stadt ist die Sankt-Nikolaus-Kirche, die 1309 erstmals urkundlich bezeugt, aber sicher schon früher gegründet wurde. Der gotische Backsteinbau stammt aus dem 14. Jahrhundert; um 1900 war Sankt Nikolaus katholische Stadtpfarrkirche, war damals schon durch verschiedene Brände beschädigt und wurde im Zweiten Weltkrieg zur Ruine, die heute als Mahnmal dient.
  • Nördlich der Oder, in der so genannten Domvorstadt (Ostrów Tumski), steht der ehemalige Dom zu Sankt Maria, später katholische Pfarrkirche. Der Chor stammt teilweise aus dem 13. Jahrhundert, der Hauptteil des gotischen Bauwerks wurde im 15. und frühen 16. Jahrhundert aus Backsteinen errichtet; der Turm stürzte zu Anfang des 19. Jahrhunderts ein und wurde 1838–1842 neu errichtet.
  • Nahe am Marktplatz steht die spätbarocke Corpus-Christi-Kirche mit zwei Türmen; diese ehemalige Jesuiten-Kirche diente später als katholische Garnisonkirche und wurde nach dem Weltkrieg restauriert.
  • Die Sankt-Laurentius-Kirche stammt aus dem 16. Jahrhundert.[5]
  • Die evangelische Kirche „Zur Hütte Christi“ wurde nach dem Westfälischen Frieden als erste von drei Schlesischen Friedenskirchen 1651–1652 außerhalb der Stadtmauern errichtet. Nach einem Einsturz 1654 wurde sie 1655 als dreischiffige Hallenkirche nach einem Entwurf des Architekten Albrecht von Säbisch wiederaufgebaut. 1758 fiel sie einem Brand zum Opfer.
  • Die evangelische Kirche „Schifflein Christi“ im Stadtzentrum südwestlich der Pfarrkirche entstand 1764–1772 als Ersatz für die abgebrannte Friedenskirche. Der Entwurf stammte vom Landeshuter Architekten Carl Gotthard Langhans. Bei Kriegsende 1945 wurde sie beschädigt und die Ruine in den 1960er Jahren abgetragen. An ihrer Stelle befindet sich seit 2003 eine Gedenkstätte, die den Grundriss des Gebäudes mit niedrigen Mauern nachzeichnet.[6]
  • Auch an die ehemalige Synagoge der Stadt erinnert heute ein Denkmal.

Weitere Bauwerke[Bearbeiten]

  • Das Rathaus am ehemaligen Marktplatz oder Ring wurde im 19. Jahrhundert in historisierendem Stil neu erbaut; der Ratsturm, ehemals höchstes Gebäude der Stadt, wurde 1720 mit einem barocken Helmdach errichtet. Beide wurden nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges restauriert.
  • Dagegen ist das benachbarte ehemalige städtische Theater, nach dem großen Sohn der Stadt auch Andreas-Gryphius-Theater genannt, bis heute eine Ruine.[7]
  • Das am Oderufer gegenüber der Domvorstadt gelegene ehemalige Schloss der Herzöge von Glogau, später königliches Schloss und Landgericht, wurde restauriert und beherbergt heute ein archäologisches Museum. Von dem ursprünglichen mittelalterlichen Bau zeugt nur ein runder Turm, der so genannte Hungerturm, der Hauptteil des Gebäudes stammt aus dem 18./19. Jahrhundert.[8]
  • Von der ehemaligen Stadtbefestigung sind (teilweise rekonstruierte) Reste der mittelalterlichen Stadtmauern und eines Grabens aus dem 17. Jahrhundert sowie ein Artillerie-Turm aus dem 19. Jahrhundert erhalten.
  • An weiteren Gebäuden ist z. B. die heutige Zespół Szkół Zawodowych[9] sehenswert, eine Technische Berufsschule, die 1909 als Oberrealschule eingeweiht wurde. Der damalige Glogauer Stadtbaurat Wilhelm Wagner entwarf die Architektur mit Anklängen an die schlesisch-böhmische Spielart des Barock.[10]
  • Hinter dem ehemaligen Schloss befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Schlossparks eine außergewöhnliche moderne Parkanlage mit einem Denkmal der Kinder von Głogów und anderen Erinnerungsstätten.[11]
  • Östlich von Glogów befindet sich ein 221 Meter hoher Schornstein, der einst Teil eines Kraftwerks war und heute als Richtfunkturm genutzt wird.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Flagge der Stadt

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Nach Geburtsjahr geordnet

Personen mit Verbindung zur Stadt[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 298–305.
  • Robert Berndt: Geschichte der Juden in Gross-Glogau, G. Müller, Glogau o. J. (1874), Online PDF, 45 MB.
  • Robert Berndt: Geschichte der Stadt Gross-Glogau während der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts, namentlich während des dreissigjährigen Krieges, G. Müller, Glogau 1879
  • Robert Berndt: Geschichte der Stadt Gross-Glogau vom Ende des dreissigjährigen Krieges bis zum Ausmarsche der Franzosen im Jahre 1814, G. Müller, Glogau 1882
  • Robert Berndt: Geschichte der Stadt Gross-Glogau. 2. Fortsetzung: Von der Räumung Glogaus durch die Franzosen bis zum Ende der Regierung Königs Friedrich Wilhelm IV., G. Müller, Glogau 1886
  • Ferdinand Minsberg: Geschichte der Stadt und Festung Groß-Glogau, Band 2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Głogów – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 9. Juli 2014.
  2. Großer Generalstab (Hrsg.):1806 - Das Preußische Offizierkorps und die Untersuchung der Kriegsereignisse. Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1906
  3. http://www.verwaltungsgeschichte.de/glogau.html
  4. Helmut Knocke: Hardenbergsches Haus. in: Stadtlexikon Hannover, S. 270
  5. Historische Angaben nach Glogau. Ein Führer durch Stadt und Kreis, bearbeitet von R. Scholz und P. Knötel, Verlag von Carl Flemming, Glogau o.J. [zwischen 1892 und 1895], Seite 1–7. Die Aktualität wurde anhand der Artikel in der englischen und polnischen Wikipedia sowie des Bildmaterials auf Commons überprüft.
  6. Siehe Kościół Łódź Chrystusowa w Głogowie in der polnischen Wikipedia.
  7. Nach Scholz/Knötel, Glogau, S. 2.
  8. Nach Scholz/Knötel, Glogau, S. 5f.
  9. Zespół Szkół Zawodowych in der polnischen Wikipedia
  10. Nach Zespół Szkół Zawodowych w Głogowie in der polnischen Wikipedia und der Website der Schule.
  11. Siehe Biblioteka Świętego Pielgrzyma und Pomnik Dzieci Głogowskich w Głogowie in der polnischen Wikipedia.