Paul Schilder

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Paul Ferdinand Schilder (* 15. Februar 1886 in Wien; † 18. Dezember 1940 in New York) war ein österreichischer Psychiater, Psychoanalytiker und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen. Schilder hat wesentliche Verdienste für den Einsatz der Psychoanalyse im psychiatrischen Bereich und er gilt als Vorfahre der Ich-Psychologie und – gemeinsam mit Joseph H. Pratt und Trigant Burrow – als einer der Gründungsväter der Gruppenanalyse.

Wagner-Jaureggs Ärzteteam in Wien 1927. (Paul Schilder in der 1. Reihe, der dritte von rechts.)

Leben[Bearbeiten]

Schilder, Sohn eines jüdischen Seidenhändlers, promovierte an der Universität Wien 1909 zum Doktor der Heilkunde und 1917 mit der Arbeit Selbstbewußtsein und Persönlichkeitsbewußtsein zum Doktor der Philosophie. In den Jahren 1912 bis 1914 war er Assistenzarzt an der Psychiatrischen Klinik in Leipzig, während des Ersten Weltkrieges diente er in verschiedenen Spitälern. 1918 kam er zu Wagner-Jauregg an die Psychiatrische Klinik in Wien, 1920 habilitierte er sich in Neurologie und Psychiatrie.

1919 trat Schilder der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) bei. 1925 wurde er zum Professor ernannt und es erschien sein Entwurf zu einer Psychiatrie auf psychoanalytischer Grundlage. Wegen seines analytischen Engagements wurde Schilder im akademischen Establishment angefeindet, 1928 verließ er die Klinik und ging für ein Semester als Gastdozent an die Johns Hopkins University in Baltimore.

1929 übernahm Paul Schilder die Leitung der Psychosenbehandlung am Ambulatorium der WPV, übersiedelte jedoch noch im selben Jahr nach New York. Er lehrte an der New York University und wurde zum Clinical Director am Bellevue Hospital bestellt. Mit Lauretta Bender, seiner zweiten Ehefrau, arbeitete er mit psychotischen Kindern, er implementierte Gruppenanalyse und schrieb rund 300 wissenschaftliche Arbeiten zu verschiedensten Themenbereichen. Im Dezember 1940, nachdem er seine Frau und die neugeborene Tochter in der Klinik besucht hatte, starb er bei einem Autounfall.

Stellung[Bearbeiten]

“Schilder combined Carl Wernicke’s concept of the somatopsyche, Sir Henry Head’s postural model of the body, and Freud’s idea that the ego is primarily a body ego, to arrive to his own formulation of the fundamental role of the body image in man’s relation to himself, to his fellow human beings, and to the world around him. Over the years, Schilder wrote a number of papers developing these formulations, culminating in his book The Image and Appearanceof the Human Body, published in 1935, which he esteemed highest among his later works.”

Ziferstein I.: Psychoanalysis and psychiatry: Paul Ferdinand Schilder 1886-1940. In: Eisenstein/Grotjahn (ed.): Psychoanalytic pioneers, London, New York 1966, 458

„Schilder gilt als unorthodoxer Analytiker, er war ein Gegner der in den 1920er Jahren obligatorisch gewordenen Lehranalyse, hatte abweichende Auffassungen in Bezug auf die Triebtheorie und das Unbewusste. Seine philosophischen Ansätze sind von der Phänomenologie Edmund Husserls, seine psychologischen Arbeiten von Karl Bühler beeinflusst worden.“

Stumm/Pritz et.al.: Personenlexikon der Psychotherapie, Wien, New York 2005, 421

Schriften[Bearbeiten]

  • Selbstbewusstsein und Persönlichkeitsbewusstsein. In: Monographien aus dem Gesamtgebiete der Neurologie und Psychiatrie: 9; Berlin, Springer, 1914.
  • Wahn und Erkenntnis. In: Monographien Neur. 15; Berlin, Springer, 1917.
  • Über das Wesen der Hypnose. Berlin 1922.
  • Seele und Leben. In: Monographien Neur. 35; Berlin, 1923.
  • Das Körperschema. Springer, Berlin 1923.
  • Medizinische Psychologie. Berlin 1924.
  • Lehrbuch der Hypnose. Mit O. Kauders. Berlin 1926.
  • Zur Lehre von den Sprachantrieben. Mit E. Pollak. Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie, Berlin, 1926, 104: 480-502
  • Die Lagereflexe des Menschen. Mit Hans Hoff. Springer, Wien 1927.
  • Gedanken zur Naturphilosophie. Springer, Wien 1928.
  • Studien zur Psychologie und Symptomatologie der progressiven Paralyse. Berlin, 1930.
  • Brain and personality. Washington 1931.
  • The Image and the Appearance of the Human Body; Studies in Constructive Energies of the Psyche. London 1935. Eine substanziell erweiterte englischsprachige Ausgabe von: Das Körperschema.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]