Paul du Ry

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Paul du Ry (* 1640 in Paris; † 1714 in Kassel) war ein französischstämmiger Baumeister und Ingenieur des Barock in Kassel.

Biografie[Bearbeiten]

Als hugenottischer Glaubensflüchtling wurde Paul du Ry 1685 von Landgraf Karl nach Kassel, der Residenzstadt der Landgrafschaft Hessen-Kassel, als Ingenieur berufen. Vorher war Paul du Ry holländischer Ingenieurhauptmann und seit 1675 Festungsbaumeister in Maastricht (Niederlande). In Hessen-Kassel war er hauptsächlich für das „Französische Bauwesen“ zuständig, also für die neu gegründeten Hugenotten-Kolonien. Die Entwürfe stammten allerdings weitgehend aus dem Hofbauamt oder von örtlichen Zimmermeistern, so dass seine Aufgaben vor allem in der Bauleitung und technischen Ausführung zu suchen sind. Daneben erscheint er 1689 unter der Leitung des Hofbaumeisters Wessel als Ingenieur beim Kaskadenbau am Weißenstein (heute Wilhelmshöhe); überhaupt dürften seine Erfahrungen im Wasserbau in den Niederlanden ein wesentlicher Grund für seine Berufung nach Kassel gewesen sein.

Sein Sohn Charles du Ry (1692–1757) war, wie auch sein Enkel Simon Louis du Ry, Oberhofbaumeister in Kassel.

Paul du Ry war ein Sohn des Pariser Hofarchitekten Mathurin du Ry, dessen Vater Charles du Ry ebenfalls in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts als Hofarchitekt in Paris tätig war. Dieser Charles du Ry, Paul du Rys Großvater, war Schüler und Verwandter des Salomon de Brosse, des Begründers des sogenannten „Hugenottenstils“ in Frankreich.

Wichtige Werke[Bearbeiten]

  • Ab 1685 wird die barocke Stadterweiterung der Kasseler Oberneustadt als Stadterweiterung für die Ansiedlung der hugenottischen Einwanderer durch Paul du Ry angelegt; die vorgegebenen Pläne für dreiachsige Typenhäuser werden durch ihn abgewandelt. Zentrum der Oberneustadt ist die 1689–1706 unter seiner Bauleitung errichtete Karlskirche.

Die Zuschreibung aller höfischen Bauten zwischen 1685 und 1714 an Paul du Ry geht zum einen auf den hessischen Rat Casparson kurz vor 1800 zurück, zum anderen auf Otto Gerland, einen Nachfahren der Familie du Ry im späten 19. Jahrhundert. Inzwischen konnte für die Stadtplanung von Karlshafen der Ingenieur Conradi nachgewiesen werden, für die Orangerie in Haydau und Schloss und Orangerie in Wabern der Hofbaumeister Johann Conrad Giesler. Auch für das Orangerieschloss in Kassel liegt eine Urheberschaft Gieslers nahe. Da Paul du Ry zudem in den zeitgenössischen Akten nicht im "Hofbaustaat" geführt wird und er nur als der „Französische Baumeister“ erscheint (analog zur „Französischen Kanzlei“ für die Angelegenheiten der Einwanderer), muss seine Bedeutung für die hessische Barockarchitektur neu bewertet werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Johann Christian Gustav Casparson: Die Baumeisterfamilie Du Ry zu Kassel. Zum Andenken des Letzten in dieser Familie. In: Hessische Denkwürdigkeiten. hrsg. von K. W. Justi und J. M. Hartmann, II. Teil. S. 255-287.
  • Otto Gerland: Paul, Charles und Simon Louis du Ry. Eine Künstlerfamilie der Barockzeit, Stuttgart 1895.
  • Hans Philippi: Landgraf Karl von Hessen-Kassel. Ein deutscher Fürst der Barockzeit (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, Band 34), Marburg 1976.
  • Hans Reuther: Du Ry, Jean Paul. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 202 f. (Digitalisat).