Karl (Hessen-Kassel)

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Dieser Artikel behandelt den regierenden Landgrafen von Hessen-Kassel (1654–1730); zu dem nicht-regierenden Landgrafen Karl (1744–1836) siehe Karl von Hessen-Kassel.
Landgraf Karl von Hessen-Kassel

Karl von Hessen-Kassel (* 3. August 1654 in Kassel; † 23. März 1730 ebenda) aus dem Haus Hessen war von 1670 bis zu seinem Tod Landgraf von Hessen-Kassel.

Familie[Bearbeiten]

Er war ein Sohn von Wilhelm VI. von Hessen-Kassel und Hedwig Sophie von Brandenburg (1623–1683). Bis 1675 regierte seine Mutter als vormundschaftliche Regentin, bevor Karl die Regierung für die folgenden 55 Jahre übernahm. Sein älterer Bruder Wilhelm VII. war 1670 kurz nach Erreichen der Mündigkeit gestorben, noch ehe er die Regierungsgeschäfte hatte übernehmen können.

Politik[Bearbeiten]

Unter Karls Herrschaft konnten die Folgen des Dreißigjährigen Krieges in der Landgrafschaft schneller überwunden werden als in anderen Regionen des Deutschen Reichs. Er trieb den Wiederaufbau eines großen Heeres voran und setzte es unter anderem im Spanischen Erbfolgekrieg ein. Seine Soldaten verlieh er, wie auch andere Fürsten seiner Zeit, gegen Subsidiengelder in fremde Dienste. Diese Politik blieb umstritten; zu seinen Geschäften mit Söldnern sagt der Brockhaus von 1908 (Band 9, S. 96):

Dieses System verbesserte die Finanzen, aber nicht den Wohlstand des Landes, und brachte den glänzenden Hof selbst in ausländische Familienverbindungen.

Karl überließ im Jahre 1685 seinem jüngeren Bruder Philipp als Paragium die ehemalige Vogtei Kreuzberg mit dem nach der Reformation aufgehobenen Kloster Kreuzberg, die nach dem dann auf der Grundlage des ehemaligen Klosters von Philipp erbauten Schloss Philippsthal in Kreuzberg (heute:Philippsthal) als Landgrafschaft Hessen-Philippsthal bezeichnet wurde.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Schon vor dem Edikt von Fontainebleau (Oktober 1685) erließ Karl am 18. April 1685 die „Freiheits-Concession“, die den aus Frankreich vertriebenen Hugenotten und Waldensern freie Ansiedlung sowie eigene Kirchen und Schulen zusicherte. In den nächsten Jahren kamen etwa 4000 der in ihrer Heimat verfolgten Protestanten nach Nordhessen und wurden beispielsweise in der Kasseler Oberneustadt angesiedelt.

Den Ideen des Merkantilismus folgend gründete er 1679 den Messinghof, einen der ersten metallverarbeitenden Betriebe Hessens.

1699 gründete er Sieburg (seit 1717 Karlshafen) und siedelte auch dort Waldenser und Hugenotten an. Mit dem Bau des Landgraf-Carl-Kanals von der Diemel bis nach Kassel (und darüber hinaus) versuchte er, damals bestehende Zollgrenzen zu umgehen; der Bau wurde aber schon bald nach wenigen Kilometern eingestellt.

Kultur[Bearbeiten]

Landgraf Karl führte die Gestaltung des Bergparks Wilhelmshöhe am Habichtswald im Westen von Kassel fort. Auf ihn geht insbesondere der Bau des Herkules mit seinen italienisch inspirierten Kaskaden und Wasserspielen zurück. Unter seiner Herrschaft wurde die Moritzaue nahe der Stadt großflächig zur heute noch bestehenden Karlsaue erweitert und das Schloss Orangerie erbaut.

Auf Veranlassung des historisch interessierten Landgrafen begannen 1709 auf der Mader Heide erste archäologische Ausgrabungen.

Nachkommen[Bearbeiten]

Karl war verheiratet mit Amalia von Kurland (1653–1711), Tochter des Herzogs Jakob Kettler von Kurland, und hatte mit ihr folgende Kinder:

  • Wilhelm (1674–1676)
  • Karl (1675–1677)
  • Friedrich (1676–1751), Landgraf von Hessen-Kassel, König von Schweden
∞ 1. 1700 Luise von Brandenburg (1680–1705)
∞ 2. 1715 Königin Ulrike Eleonore von Schweden (1688–1741)
∞ 1704 Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin (1675–1713)
∞ 1717 Dorothea Wilhelmine von Sachsen-Zeitz (1691–1743)
∞ 1709 Fürst Johann Wilhelm Friso von Nassau-Dietz (1687–1711)
∞ 1720 Friederike Charlotte von Hessen-Darmstadt (1698–1777)

Nebenbeziehungen[Bearbeiten]

Eine Nebenbeziehung unterhielt er nach dem Tod seiner Frau von 1713 an mit Jeanne Marguerite de Frere, Marquise de Langallerie, aus ihr ging ein Sohn hervor, Charles Frederic Philippe de Gentil, Marquis de Langallerie, der früh verstarb; Karl sicherte im selben Zusammenhang die finanzielle Existenz der Kinder, die die Mätresse mitbrachte.

Mätresse und Vertraute nach der Marquise de Langallerie war Barbara Christine von Bernhold (1690-1756), die unter Karls Sohn Wilhelm VIII. zur Großhofmeisterin aufstieg und 1742 von Kaiser Karl VII. zur Reichsgräfin erhoben wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ilgen: Karl. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 15, Duncker & Humblot, Leipzig 1882, S. 292–296.
  • Hans Philippi: Landgraf Karl von Hessen-Kassel. Ein deutscher Fürst der Barockzeit (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, 34), Marburg, 1976
  • Hans Philippi: Karl. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 227–229 (Digitalisat)
  • Pauline Puppel: Die Regentin. Vormundschaftliche Herrschaft in Hessen 1500–1700, Frankfurt/Main, 2004 (S. 236–277)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karl von Hessen-Kassel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Wilhelm VII. Landgraf von Hessen-Kassel
1670–1730
Friedrich I.