Reinhardswald

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Reinhardswald
Blick vom Hühnerfeldberg im Kaufunger Wald zum Reinhardswaldmit (v.l.n.r.) Ahlberg, Gahrenberg (Bildmitte) und Staufenberg

Blick vom Hühnerfeldberg im Kaufunger Wald zum Reinhardswald
mit (v.l.n.r.) Ahlberg, Gahrenberg (Bildmitte) und Staufenberg

Höchster Gipfel Staufenberg (472,2 m ü. NHN)
Lage Hessen, Deutschland
Teil des Weserbergland
Reinhardswald (Hessen)
Reinhardswald
Koordinaten 51° 30′ N, 9° 34′ O51.5083333333339.5613888888889472.2Koordinaten: 51° 30′ N, 9° 34′ O
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Niedersächsisches Bergland,
Reinhardswald im Süden
Tal der Weser mit Reinhardswald
Eichenplantage im Reinhardswald
Im Reinhardswald: „Urwald Sababurg
Alte Eiche im „Urwald Sababurg“

Der Reinhardswald ist ein über 200 km² großes und bis 472,2 m ü. NHN[1] hohes Mittelgebirge des Weserberglands im Landkreis Kassel, Nordhessen (Deutschland). Davon sind 183 km² Teil des gemeindefreien Gebiets Gutsbezirk Reinhardswald.

Als Ort von Sagen und Legenden, wie Grimmscher Märchen, und besonders durch das Dornröschenschloss Sababurg ist der Reinhardswald überregional bekannt.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Reinhardswald befindet sich im Norden von Nordhessen zwischen Kassel und Bad Karlshafen sowie Hann. Münden und Hofgeismar. Im Norden und Osten stößt das Waldgebiet an die Weser und im Südosten und Süden an die Fulda, beide Flüsse bilden hiesig die Grenze zu Niedersachsen. Im Westen grenzt er teils an die Esse und im Nordwesten an die Diemel.

An den Reinhardswald schließen sich jeweils jenseits der Weser der Solling im Norden, der Kiffing im Nordosten und der Bramwald im Osten an. Im Südosten befindet sich jenseits der Fulda der Kaufunger Wald; nicht weit entfernt ragt südwestlich des Reinhardswaldes oberhalb des Kasseler Talkessels der Habichtswald auf.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Reinhardswald umfasst eine sehr weitläufige, sanft gewellte, äußerst waldreiche und seit Jahrhunderten nahezu unbewohnte Buntsandsteinhochfläche, die etwa 200 bis maximal 472,2 m hoch aufragt und nach Westen hin leicht geneigt ist. Seine beiden höchsten Berge, die jeweils stark bewaldet sind, heißen Staufenberg (472,2 m) und Gahrenberg (472,1 m).

Mit über 200 km² Fläche ist der Reinhardswald eine der größten Waldflächen und eines der am wenigsten besiedelten Gebiete Deutschlands; innerhalb Hessens stellt er das größte in sich geschlossene Waldgebiet dar, in dem insbesondere Buchen und Eichen gedeihen. Außerdem gibt es weit ausgedehnte Hutewaldflächen bzw. -wälder.

Nur wenige Landstraßen durchziehen den Reinhardswald. Wenn man das Mittelgebirge in Nord-Süd-Richtung von Helmarshausen über Gottsbüren nach Holzhausen durchquert, fährt man etwa 38 km auf schmalen und meist einsamen Straßen, die insbesondere im Süden des Gebiets vielerorts gerade verlaufen. Dabei trifft man außer Gottsbüren auf keinerlei weitere Ansiedelung bis zum Südrand des Reinhardswalds bei Holzhausen. Im Norden fährt man auf der Straße der Weserrenaissance und im Süden auf der Deutschen Märchenstraße („Dornröschen-Route“).

Bei der Durchquerung des Reinhardswaldes auf der Straße bietet sich eine einzigartige Waldlandschaft. Viele Parkplätze laden zum Anhalten ein, um einen Spaziergang oder eine Wanderung zu machen. An den Haltepunkten gibt es meist Informationstafeln zur Flora und Fauna oder der Geschichte des Gebietes.

Geschichte[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Der Reinhardswald war einst Reichsforst. Den Nordteil zwischen Weser und Diemel schenkte Kaiser Heinrich II. der Abtei Helmarshausen; der Südteil kam an das Bistum Paderborn.[2] Die ersten Siedlungen in der Region, wie die Königsgüter Hofgeismar und Herstelle waren an abseits des Waldes gelegenen Flüssen entstanden. Von dort aus kam es zu ersten Rodungen des Waldrandes zwecks Mastweidewirtschaft. Am Westrand des Reinhardswaldes lag nahe Mariendorf das einstige Töpferei-Dorf und die heutige Wüstung Reinersen. Im Hochmittelalter kamen die Herren von Schöneberg im Reinhardswald zu davor winzenburgischen Lehensrechten.[3] In einer Rodungsphase legten sie mit Billigung ihrer Lehnsherren, der Grafen von Dassel, Orte im bisherigen Waldinneren an.[4] Dabei handelte es sich um Hagenhufendörfer.[5] Wegen der gegenüber den früher angelegten Siedlungen benachteiligten Lage[6] und wegen des politischen Rückzuges der Gründungsterritorialherren fielen sie jedoch bald wieder wüst. Landgraf Heinrich von Hessen kaufte 1305 von Konrad von Schöneberg dessen Hälfte des Waldes[7] und Bischof Balduin von Paderborn verpfändete 1355 auch seinen Teil an Hessen. Der Forst blieb danach hessischer Besitz und wurde für die Landgrafen, besonders für Philipp den Großmütigen, eine beliebte Wildbahn.

Im und am Reinhardswald wurde über Jahrhunderte Bergbau betrieben. Belege für Braunkohlen-Abbau am Gahrenberg (von 1842 bis 1970 im Untertagebergbau) lassen sich schon zur Zeit des Landgrafen Wilhelm IV. ab 1575 finden. Eine frühe Gewinnung von Alaunerde und Quarzsand, der in der Glashütte von Hann. Münden weiterverarbeitet wurde, ist nachgewiesen. Um 1592 war eine Gewerkschaft in Holzhausen bekannt. Aus dem Zeitraum zwischen 1611 und 1666 sind weitere Zeugnisse des Bergbaus belegt.

Weit ausgedehnte Hutewälder und alte Bauernhöfe und Gehöfte zeugen von der landwirtschaftlichen Tradition im Reinhardswald.

Sagen[Bearbeiten]

Hutebaum im „Urwald Sababurg“

Es gibt mehrere Sagen über die Entstehung des Reinhardswaldes, von denen hier die beiden bekanntesten beschrieben sind:

  • Variante 1: Graf Reinhard war ein Spieler und Trunkenbold. Eines Nachts spielte er mit dem Bischof von Paderborn. Nachdem er sein gesamtes Geld verloren hatte, setzte er seine gesamten Besitztümer auf ein Spiel, das er verlor. Er bat den Bischof um Gnade und dieser gewährte ihm noch eine weitere Ernte, woraufhin er Eicheln säte. Diese populäre Variante wird auch von einer Theatergruppe aufgeführt.
  • Variante 2: Graf Reinhard beherrschte das mächtige, mit Dörfern dicht besetzte Waldgebiet, wurde aber wegen Erpressungen und Räubereien zum Tod verurteilt. Auf sein Flehen wurde ihm gestattet, noch einmal vor seinem Tod die Huten zu bestellen und abzuernten. Listig besäte er nach Zerstörung der Dörfer die Acker der Bauern mit Eicheln, deren Früchte erst reiften, nachdem er längst gestorben war. So entstand der Reinhardswald.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Typische Straße im Reinhardswald

Bekanntestes Ausflugsziel im Reinhardswald ist das sogenannte „Dornröschenschloss“ Sababurg mit dem Tierpark Sababurg. Außerdem lädt das Naturschutzgebiet Urwald Sababurg, das zwischen der Sababurg und Hofgeismar-Beberbeck liegt, zu langen Exkursionen in eine urwaldartige Landschaft ein. Wanderer und Naturfreunde können auf ausgedehnten Wegen die beeindruckende Waldlandschaft kennenlernen; durch diese führen zum Beispiel Abschnitte der langen Wanderwege Frau-Holle-Pfad, Märchenlandweg und Wildbahn und zudem der Reinhardswald-Westweg und -Ostweg. Man kann auch auf dem Reinhardswaldradweg oder entlang der Holzape eine Radtour machen und dies mit einem Besuch der Wolkenbrüche bei Trendelburg und dem Wasserschloss Wülmersen verbinden. Am Nordrand des Reinhardswaldes lohnt ein Besuch der Stadt Bad Karlshafen und der Krukenburg. In Knickhagen stand einst die Burg Knickhagen.

Berge[Bearbeiten]

Zu den im Reinhardswald gelegenen Bergen und Erhebungen und deren Ausläufern gehören – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN; wenn nicht anders genannt laut [1]):

Gewässer[Bearbeiten]

Unmittelbar östlich des Reinhardswaldes fließt die tief ins Tal eingeschnittene Weser, südöstlich die ebenso tief im Tal verlaufende Fulda, westlich die kleine Esse und nordöstlich die Diemel. Die Holzape ist das längste Fließgewässer innerhalb des Mittelgebirges, durch das neben zahlreichen anderen Bächen auch die Holzkape, die Lempe und der Osterbach fließen. Zudem gibt es viele Teiche und Tümpel.

Ortschaften[Bearbeiten]

Im Reinhardswald liegen nur zwei Ortschaften:

An den Rändern des Reinhardswalds liegen:

Etwas weiter vom Reinhardswald entfernt liegen:

FriedWald Reinhardswald[Bearbeiten]

Innerhalb des Reinhardswaldes liegt im Gutsbezirk Reinhardswald mit dem FriedWald® Reinhardswald seit seiner Eröffnung am 7. November 2001 der erste deutsche FriedWald® zur Naturbestattung.[12] Er befindet sich nordwestlich des Staufenbergs im Staufenberger Bruch beiderseits der Waldstraße, welche die Sababurg mit der Landesstraße 3232 (nach Holzhausen) und der Landesstraße 3229 (nach Veckerhagen) verbindet. Im naturbelassenen Waldfriedhof, dessen Entstehung der Initiative des Forstmanns und Naturschützers Hermann-Josef Rapp zu verdanken ist, werden die Urnen von Verstorbenen beigesetzt. Die etwa 116 ha große Fläche ist als Friedhof kaum erkennbar, da jegliche Grabpflege unterbleibt und in die Natur sonst nicht eingegriffen wird. Bestattet wird im Wurzelbereich von Bäumen dieser Arten: Ahorne, Birken, Buchen, Eichen, Kastanien und Lärchen. Besonderheit des Waldfriedhofs sind seine Hutewaldflächen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Augustins Reisehandbücher (Nr. 4): Der Reinhardswald und Bramwald nebst angrenzenden Gebieten, Kassel (o. J., um 1920)
  • Alfred Bonnemann: Der Reinhardswald, Verlag der Weserbuchhandlung, Hann. Münden, 1984
  • Eberhard Michael Iba: Sagen und Geschichten aus Nordhessen – Von Weser, Diemel und Fulda, 7. Auflage, CW Niemeyer Buchverlage, Hameln 1998, ISBN 978-3-8271-9134-2
  • Hermann-Josef Rapp (Hrsg.): Reinhardswald – Eine Kulturgeschichte, Euregio, Kassel 2002, ISBN 3-933617-12-X

Filmdokumentationen[Bearbeiten]

  • Der Baum der Bäume. Geheimnisvolle Reise in die Welt der Eichen, Deutsche TV-Dokumentation von Herbert Ostwald, Deutschland 2004, 75 Minuten (im Mittelpunkt stehen alte Hute-Eichen des Reinhardswaldes)
  • Der Reinhardswald, TV-Dokumentation von Simone Jung, Deutschland 2005 (der Film gibt Einblick in das Leben einiger Menschen die im Wald und vom Holz leben; auch die Sababurg und ihre Restaurierung ist ein Thema)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Westfälische Zeitschrift, Bd. 90, 1934, S. 172, Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, auf books.google.de
  3. Albert Fraustadt: Geschichte des Geschlechtes von Schönberg Meissnischen Stammes, Bd. 1, 1869, S. 566 f, auf books.google.de
  4. Friedrich Pfaff: Geschichte der Stadt Hofgeismar, Selbstverlag der Stadt Hofgeismar (Hrsg.), 1938, S. 34
  5. Andreas Reuschel: Hagenhufensiedlungen oder „Hägerhufensiedlungen“ in der Ithbörde?, 2010, S. 60 f, auf hss.ulb.uni-bonn.de (PDF; 4,93 MB)
  6. Andreas Reuschel: Hagenhufensiedlungen oder „Hägerhufensiedlungen“ in der Ithbörde?, 2010, S. 244, auf hss.ulb.uni-bonn.de (PDF; 4,93 MB)
  7. Clemens Dasler: Forst und Wildbann im frühen deutschen Reich, 2001, S. 171, auf books.google.de
  8. a b c d e f g h i j Gewässerkartendienst des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hinweise)
  9. Wandern und Freizeit im Naturpark Solling-Vogler, Topographische Karte (1:50.000; 1975),
    Hrsg.: Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Landesvermessung
  10. Eco Pfad Archäologie Sieburg, auf eco-pfade.de
  11. Freizeitkarte Naturpark Habichtswald / Reinhardswald (TF 50-HR; 1:50.000; 2003),
    Hrsg.: Hessisch-Waldeckischer Gebirgs- und Heimatverein e. V. und Hessisches Landesvermessungsamt, ISBN 3-89446-319-8
  12. FriedWald® Reinhardswald, auf friedwald.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reinhardswald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Reinhardswald – Reiseführer