Reinhardswald

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Reinhardswald
Blick auf den Reinhardswald mit (v.l.n.r.) Ahlberg, Gahrenberg (Bildmitte) und Staufenberg vom Hühnerfeldberg im Kaufunger Wald

Blick auf den Reinhardswald mit (v.l.n.r.) Ahlberg, Gahrenberg (Bildmitte) und Staufenberg vom Hühnerfeldberg im Kaufunger Wald

Höchster Gipfel Staufenberg (472,2 m ü. NHN)
Lage Hessen, Deutschland
Teil des Weserbergland
Reinhardswald (Hessen)
Reinhardswald
Koordinaten 51° 30′ N, 9° 34′ O51.5083333333339.5613888888889472.2Koordinaten: 51° 30′ N, 9° 34′ O
p1
p5
Niedersächsisches Bergland,
Reinhardswald im Süden
Tal der Weser mit Reinhardswald
Eichenplantage im Reinhardswald
Im Reinhardswald: „Urwald Sababurg
Alte Eiche im „Urwald Sababurg“

Der Reinhardswald ist ein über 200 km² großes und bis 472,2 m ü. NHN[1] hohes Mittelgebirge des Weserberglands im Landkreis Kassel, Nordhessen (Deutschland). Davon sind 183 km² Teil des gemeindefreien Gebiets Gutsbezirk Reinhardswald.

Als Ort von Sagen und Legenden, wie Grimmscher Märchen, und besonders durch das Dornröschenschloss Sababurg ist der Reinhardswald überregional bekannt.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Reinhardswald befindet sich im Norden von Nordhessen zwischen Kassel und Bad Karlshafen sowie Hann. Münden und Hofgeismar. Im Norden und Osten stößt das Waldgebiet an die Weser und im Südosten und Süden an die Fulda, beide Flüsse bilden hiesig die Grenze zu Niedersachsen. Im Westen grenzt er teils an die Esse und im Nordwesten an die Diemel.

An den Reinhardswald schließen sich jeweils jenseits der Weser der Solling im Norden, der Kiffing im Nordosten und der Bramwald im Osten an. Im Südosten befindet sich jenseits der Fulda der Kaufunger Wald; nicht weit entfernt ragt südwestlich des Reinhardswaldes oberhalb des Kasseler Talkessels der Habichtswald auf.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Reinhardswald umfasst eine sehr weitläufige, sanft gewellte, äußerst waldreiche und nahezu unbewohnte Buntsandsteinhochfläche, die etwa 200 bis maximal 472,2 m hoch aufragt und nach Westen hin leicht geneigt ist. Seine beiden höchsten Berge, die jeweils stark bewaldet sind, heißen Staufenberg (472,2 m) und Gahrenberg (472,1 m).

Mit über 200 km² Fläche ist der Reinhardswald eine der größten Waldflächen und eines der am wenigsten besiedelten Gebiete Deutschlands; innerhalb Hessens stellt er das größte in sich geschlossene Waldgebiet dar, in dem insbesondere Buchen und Eichen gedeihen. Außerdem gibt es weit ausgedehnte Hutewaldflächen bzw. -wälder.

Nur wenige Landstraßen durchziehen den Reinhardswald. Wenn man das Mittelgebirge in Nord-Süd-Richtung von Helmarshausen kommend über Gottsbüren nach Holzhausen zum Beispiel mit einem Fahrrad oder einem Fahrzeug durchquert, fährt man etwa 38 km auf meist völlig einsamen und schmalen Straßen, die insbesondere im Süden des Waldgebiets oft völlig gerade verlaufen. Dabei trifft man außer Gottsbüren auf keinerlei weitere Ansiedelung bis zum Südrand vom Reinhardswald bei Holzhausen. Im Norden des Waldes fährt man auf der Straße der Weserrenaissance und im Süden auf der Deutschen Märchenstraße („Dornröschen-Route“).

Bei der Durchquerung des Reinhardswaldes auf der Straße bietet sich eine einzigartige Waldlandschaft. Viele Parkplätze laden zum Anhalten ein, um einen Spaziergang oder eine Wanderung zu machen. An den Haltepunkten gibt es meist Informationstafeln über die Flora und Fauna oder die Geschichte des Waldgebietes.

Geschichte[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Der Reinhardswald war einst Reichsforst. Das Nordende zwischen Weser und Diemel schenkte Kaiser Heinrich II. der Abtei Helmarshausen; der südliche Teil kam an das Bistum Paderborn.[2] Die ersten Siedlungen wie die Königsgüter Hofgeismar und Herstelle waren an den Flüssen entstanden. Von dort aus kam es auch zu ersten Rodungen des Waldrandes zwecks Mastweidewirtschaft. Im Hochmittelalter kamen die Herren von Schöneberg im Reinhardswald zu davor winzenburgischen Lehensrechten.[3] In einer Rodungsphase legten sie mit Billigung der Grafen von Dassel Orte im bisherigen Waldinneren im weiteren Umfeld der Diemel an.[4] Dabei handelte es sich um Hagenhufendörfer.[5] Wegen der gegenüber den früher angelegten Siedlungen benachteiligten Lage[6] und wegen des politischen Rückzuges der Gründungsterritorialherren fielen sie wüst. Landgraf Heinrich von Hessen kaufte 1305 den Wald zurück[7] und verpfändete 1355 auch seinen Teil an Hessen, in dessen Besitz der Forst nun dauernd blieb und für dessen Fürsten, besonders für Philipp den Großmütigen, eine beliebte Wildbahn wurde.

Im und am Reinhardswald wurde über Jahrhunderte Bergbau betrieben. Belege für Braunkohlen-Abbau am Gahrenberg (hiesig von 1842 bis 1970 im Untertagebergbau) lassen sich schon zur Zeit des Landgrafs Wilhelm IV. ab 1575 finden. Eine frühe Gewinnung von Alaunerde und Quarzsand, der in der Glashütte von Hann. Münden weiterverarbeitet wurde, ist nachgewiesen. Um 1592 war urkundlich eine Gewerkschaft in Holzhausen bekannt. Aus dem Zeitraum zwischen 1611 und 1666 sind weitere Zeugnisse des Bergbaus belegt.

Weit ausgedehnte Hutewälder und alte Bauernhöfe und Gehöfte zeugen von der landwirtschaftlichen Tradition im Reinhardswald.

Sagen[Bearbeiten]

Es gibt mehrere Sagen über die Entstehung des Reinhardswaldes, von denen hier die beiden bekanntesten beschrieben sind:

Variante 1: Graf Reinhard war ein Spieler und Trunkenbold. Eines Nachts spielte er mit dem Bischof von Paderborn. Nachdem er sein gesamtes Geld verloren hatte, setzte er seine gesamten Besitztümer auf ein Spiel, das er verlor. Er bat den Bischof um Gnade und dieser gewährte ihm noch eine weitere Ernte, woraufhin er Eicheln säte. Diese populäre Variante wird auch von einer Theatergruppe aufgeführt.

Variante 2: Graf Reinhard beherrschte das mächtige, mit Dörfern dicht besetzte Waldgebiet, wurde aber wegen Erpressungen und Räubereien zum Tod verurteilt. Auf sein Flehen wurde ihm gestattet, noch einmal vor seinem Tod die Huten zu bestellen und abzuernten. Listig besäte er nach Zerstörung der Dörfer die Acker der Bauern mit Eicheln, deren Früchte erst reiften, nachdem er längst gestorben war. So entstand einst der Reinhardswald.

Hutebaum im „Urwald Sababurg“

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bekanntestes Ausflugsziel im Reinhardswald ist sicherlich das Dornröschenschloss Sababurg mit dem Tierpark Sababurg. Außerdem lädt das Naturschutzgebiet Urwald Sababurg, das zwischen der Sababurg und Hofgeismar-Beberbeck liegt, zu langen Exkursionen in eine längst vergessene Zeit bzw. urwaldartige Landschaft ein. Wanderer und Naturfreunde können auf ausgedehnten Wegen die beeindruckende Waldlandschaft kennenlernen; durch diese führen zum Beispiel Abschnitte der langen Wanderwege Frau-Holle-Pfad, Märchenlandweg und Wildbahn und zudem der Reinhardswald-Westweg und -Ostweg. Man kann aber auch zum Beispiel auf dem Reinhardswaldradweg oder entlang der Holzape eine Radtour machen, was man mit einem Besuch der Wolkenbrüche bei Trendelburg und dem Wasserschloss Wülmersen verbinden kann. Am Nordrand des Reinhardswaldes lohnt ein Besuch der Stadt Bad Karlshafen und der Krukenburg. In Knickhagen stand einst die Burg Knickhagen.

Berge[Bearbeiten]

Zu den innerhalb des Reinhardswaldes gelegenen Bergen und Erhebungen und deren Ausläufern gehören – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN; wenn nicht anders genannt laut [1]):

Gewässer[Bearbeiten]

Unmittelbar östlich des Reinhardswaldes fließt die tief ins Tal eingeschnittene Weser, südöstlich die ebenso tief im Tal verlaufende Fulda, westlich die kleine Esse und nordöstlich die Diemel. Die Holzape ist das längste Fließgewässer innerhalb des Mittelgebirges, durch das neben zahlreichen anderen Bächen auch Holzkape, Lempe und Osterbach fließen. Zudem gibt es viele Teiche und Tümpel.

Ortschaften[Bearbeiten]

Unmittelbar im Reinhardswald liegen diese Ortschaften:

Der Reinhardswald wird direkt von diesen Ortschaften eingerahmt:

Etwas weiter vom Reinhardswald entfernt liegen diese Ortschaften:

FriedWald Reinhardswald[Bearbeiten]

Innerhalb von Reinhardswald und zugleich im Gutsbezirk Reinhardswald liegt mit dem FriedWald® Reinhardswald[12] seit seiner Eröffnung am 7. November 2001 der erste deutsche FriedWald® zur Naturbestattung. Er befindet sich nordwestlich des Staufenbergs im Staufenberger Bruch beiderseits der Waldstraße, welche die Sababurg mit der Landesstraße 3232 (nach Holzhausen) und Landesstraße 3229 (nach Veckerhagen) verbindet. Im naturbelassenen Waldfriedhof, dessen Entstehung der Initiative des deutschen Forstmanns und Naturschützers Hermann-Josef Rapp zu verdanken ist, werden die Urnen von Verstorbenen beigesetzt. Die etwa 116 ha große Fläche ist als Friedhof kaum erkennbar, da jegliche Grabpflege unterbleibt und in die Natur sonst nicht eingegriffen wird. Bestattet wird im Wurzelbereich von Bäumen dieser Arten: Ahorne, Birken, Buchen, Eichen, Kastanien und Lärchen. Besonderheit des Waldfriedhofs sind seine Hutewaldflächen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Augustins Reisehandbücher (Nr. 4): Der Reinhardswald und Bramwald nebst angrenzenden Gebieten, Kassel (o. J., um 1920)
  • Alfred Bonnemann: Der Reinhardswald, Verlag der Weserbuchhandlung, Hann. Münden, 1984
  • Eberhard Michael Iba: Sagen und Geschichten aus Nordhessen – Von Weser, Diemel und Fulda, 7. Auflage, CW Niemeyer Buchverlage, Hameln 1998, ISBN 978-3-8271-9134-2
  • Hermann-Josef Rapp (Hrsg.): Reinhardswald – Eine Kulturgeschichte, Euregio, Kassel 2002, ISBN 3-933617-12-X

Filmdokumentationen[Bearbeiten]

  • Der Baum der Bäume. Geheimnisvolle Reise in die Welt der Eichen, Deutsche TV-Dokumentation von Herbert Ostwald, Deutschland 2004, 75 Minuten (im Mittelpunkt stehen alte Hute-Eichen des Reinhardswaldes)
  • Der Reinhardswald, TV-Dokumentation von Simone Jung, Deutschland 2005 (der Film gibt Einblick in das Leben einiger Menschen die im Wald und vom Holz leben; auch die Sababurg und ihre Restaurierung ist ein Thema)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. ??? Westfälische Zeitschrift, Band 90, 1934, S. 172, auf books.google.de
  3. Albert Fraustadt: Geschichte des Geschlechtes von Schönberg Meissnischen Stammes, Band 1, 1869, S. 566f, auf books.google.de
  4. Friedrich Pfaff: Geschichte der Stadt Hofgeismar, Selbstverlag der Stadt Hofgeismar (Hrsg.), 1938, S. 34
  5. Andreas Reuschel: Hagenhufensiedlungen oder „Hägerhufensiedlungen“ in der Ithbörde?, 2010, S. 60f, auf hss.ulb.uni-bonn.de (PDF; 4,93 MB)
  6. Andreas Reuschel: Hagenhufensiedlungen oder „Hägerhufensiedlungen“ in der Ithbörde?, 2010, S. 244, auf hss.ulb.uni-bonn.de (PDF; 4,93 MB)
  7. Clemens Dasler: Forst und Wildbann im frühen deutschen Reich, 2001, S. 171, auf books.google.de
  8. a b c d e f g h i j Gewässerkartendienst des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hinweise)
  9. Wandern und Freizeit im Naturpark Solling-Vogler, Topographische Karte (1:50.000; 1975),
    Hrsg.: Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Landesvermessung
  10. Eco Pfad Archäologie Sieburg, auf eco-pfade.de
  11. Freizeitkarte Naturpark Habichtswald / Reinhardswald (TF 50-HR; 1:50.000; 2003),
    Hrsg.: Hessisch-Waldeckischer Gebirgs- und Heimatverein e. V. und Hessisches Landesvermessungsamt, ISBN 3-89446-319-8
  12. FriedWald® Reinhardswald, auf friedwald.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reinhardswald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Reinhardswald – Reiseführer