Peter Planyavsky

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 3. Juli 2016 um 22:45 Uhr durch Trustable (Diskussion | Beiträge) (linkfix). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Peter Planyavsky (2011)

Peter Planyavsky (* 9. Mai 1947 in Wien) ist ein österreichischer Organist und Komponist.

Leben

Bereits während seiner Zeit als Schüler am Wiener Schottengymnasium studierte Planyavsky an der Musikhochschule Wien Orgel, Komposition und Improvisation (bei Anton Heiller), Klavier (bei Hilde Seidlhofer) und Dirigieren (bei Hans Gillesberger). Er beendete sein Studium mit Diplomen für Orgel und Kirchenmusik 1966.[1] Im Anschluss daran arbeitete er ein Jahr lang in einer Orgelbauwerkstatt (Intonation und Montage), 1968 war er Organist im oberösterreichischen Stift Schlägl.[1]

Von 1969 bis 2004 war Planyavsky Domorganist am Wiener Stephansdom sowie in den Jahren von 1983 bis 1990 gesamtverantwortlicher Dommusikdirektor.[1] 1980 wurde er als Professor für Orgel, Improvisation und Liturgisches Orgelspiel an die Wiener Musikhochschule berufen und war zudem von 1996 bis 2002 als Leiter der Abteilung Kirchenmusik tätig. Darüber hinaus widmet er sich immer wieder der kirchenmusikalischen Basisarbeit und schreibt Beiträge in Fachzeitschriften.[1]

Konzertreisen und Meisterkurse führten Peter Planyavsky in viele Länder Europas, nach Japan, Australien, Südafrika, Hongkong, Korea, Kanada und in die USA.[1] In seinen Meisterkursen konzentriert er sich auf Anton Heiller, Johannes Brahms, Felix Mendelssohn Bartholdy und Barockmusik, vor allem aber auf Improvisation und Liturgisches Orgelspiel.[1] Außerdem ist Planyavsky häufig als Juror bei Wettbewerben tätig.[1] Planyavsky nahm zahlreiche Schallplatten und CDs auf, etwa Einspielungen sämtlicher Orgelwerke von Johannes Brahms und Felix Mendelssohn Bartholdy. In Platteneinspielungen demonstrierte er seine Improvisationskunst.

Als Dirigent ist Planyavsky nicht nur mit den großen Werken der Kirchenmusik hervorgetreten, sondern widmet sich ebenso den Konzerten für Orgel und Orchester. So wurden unter seiner Leitung u. a. Konzerte von Alfredo Casella, Howard Hanson, Leo Sowerby, Ottorino Respighi, Aaron Copland und Jean Langlais aufgeführt.[1] Peter Planyavsky komponiert Orgel-, Chor- und Orchestermusik. Eines seiner kompositorischen Spezialgebiete ist die Parodie; von den größeren Werken dieser Art ist Der zufriedengestellte Autobus, die Parodie einer Bachkantate, mehr als 40 mal aufgeführt worden.[1]

Darüber hinaus wirkte und wirkt Planyavsky als Sachverständiger bei zahlreichen Orgelbauprojekten mit. Besonders zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang der Bau der neuen Rieger-Orgel im Großen Saal des Wiener Musikvereins, an deren Planung Planyavsky gemeinsam mit Ludger Lohmann, Martin Haselböck, Gillian Weir und Olivier Latry beteiligt war.

Sein Vater Alfred Planyavsky (1924–2013) war Kontrabassist der Wiener Philharmoniker und Musikschriftsteller.[2]

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

Kompositionen

  • Kohelet. Kantate für Bariton, Sprecher, Chor, Orgel und Schlagzeug. Auftragswerk der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, 2011.
  • W. A. P. Mozart, Eine nicht gerade kleine Nachtmusik. 2005.
  • P. P. Bach, Cactus tragicus. Kantate für Sopran, Tenor, Bass, Chor und Orchester (LWV 19204). 2004.
  • HerzLosZeitLos. Operelle, Libretto: Walter Titz, 2004.
  • Hochzeit in Kana. Kirchenoper, 1998.
  • Intermezzo für Orgel. 1994.
  • Keine Bearbeitungen (und zwar vier) für Trompete und Orgelpositiv (Ouverture, Mantanera, Elegia e Recitativo, Burlesca finale). 1989/1990.
  • Drei Miniaturen für Pedalblockflöte. 1989. Ein Musiker spielt Blockflöte und Orgel-Pedale.
  • Die Schaffnerin aus Liebe, ein höchst bürgerliches Singspiel. 1987.
  • J. P. Haydn, Ankunftssymphonie. 1987.
  • Fantasie in memoriam A.H.. 1986.
  • W. A. P. Mozart, Vier Stücke für die Trompetenuhr: Andante ma non troppo / Anonkel ma non poco / Largo ma non largo / Rondo alla Turkey. 1985. (Hinter dem geheimnisvollen Pseudonym verbirgt sich Vinzenz Carl Plagiavsky – er pflegte seine Werke mit dem Monogramm PVC zu signieren. Für einen schwerhörigen Mäzen ließ er eine Trompetenuhr konstruieren, wofür auch die vorliegenden Stücke geschrieben worden sind.)
  • Die vier Männer im Feuerofen – Eine biblische Ballade für Sopran und Orgel. 1985.
  • P. P. Bach, Der zufriedengestellte Autobus. 1985 (Madrigalchor, eine Grüne, Evangelist und Fremdenführer, Polizist)
  • Perpetuum mobile. 1978. (Es wurde versucht, das Stück aus dem Nichts kommen und wieder verschwinden zu lassen. Auf- und Ausblenden wird auskomponiert und mit den Mitteln der Orgel dargestellt. Grundzeitmaß ist der 5/8-Rhythmus. Im Hintergrund die Melodie Heilig, heilig – auch der Lobgesang der Engel ist eine Art Musik ohne Ende.)
  • Drei ernste Gespräche für Positiv und Cembalo. 1978
  • Hanna und Eli – Eine biblische Ballade für Sopran und Orgel. 1978
  • Danse triste. 1975
  • Veni, Quaeso, Veni Sancte Spiritus. 1974
  • Sonata II pro organo. 1973
  • Missa Viennensis. 1972
  • Toccata alla Rumba. 1971
  • Sonata I pro organo. 1968
  • Zwei Psalmen für Mezzosopran und Orgel. 1964
  • Psalm 19. Melodie für Gotteslob Nr. 35. 2009
  • Weitere Orgelwerke
  • Messen

Schriften

  • Moritz Reger und andere Schrägheiten. Musikverlag Dr. J. Butz, Sankt Augustin 2005, ISBN 3-928412-04-3.
  • Gerettet vom Stephansdom. Edition VA bENE, Wien 2007, ISBN 3-851671-88-0.
  • Anton Heiller. Alle Register eines Lebens. Edition VA bENE, Wien 2009.
  • Katholische Kirchenmusik. Praxis und liturgische Hintergründe. Tyrolia, Innsbruck 2010, ISBN 978-3-7022-3094-4.
  • Toccata und Flüge. Edition VA bENE, Wien 2015, ISBN 978-3-85167-291-6.

Literatur

  • Manfred Novak (Hg.): Theorien des Planyversums – Gedanken, Artikel, Kompositionen. Peter Planyavsky zum 65. Geburtstag. LIT-Verlag, Wien u. a. 2012, ISBN 978-3-643-50395-4. (= Band 4 der Reihe Musik: Forschung und Wissenschaft.)

Weblinks

Commons: Peter Planyavsky – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i Biographie von Peter Planyavsky. In: Die neue Orgel der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Programmheft zum Einweihungskonzert am 26. März 2011.
  2. Uwe Harten: Planyavsky, Familie. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 4, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, ISBN 3-7001-3046-5.