Pfälzer Mundartdichter

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Die Pfälzer Mundartdichter, von denen es eine Namensliste gibt, befassen sich in literarischen Sparten wie Lyrik, Prosa oder Schauspiel mit den pfälzischen Dialekten und bewirken so die Dokumentation, Pflege und Weiterentwicklung der Mundart und ihrer einzelnen Idiome. Dies tun sie im gesamten Bereich, in dem die Pfälzer Mundart heimisch ist, also über die politischen Grenzen der Pfalz hinaus auch im rheinfränkischen Teil des Saarlandes, im pfälzischsprachigen Süden Rheinhessens und Hessens sowie im badischen Teil der historischen Kurpfalz.

Mundartdichter[Bearbeiten]

Die Pfälzer Mundart lebt, wie andere Mundarten auch, in erster Linie vom gesprochenen Wort. Geschriebene Mundart, die als Belletristik einzustufen wäre, gibt es zwar, doch ist sie relativ selten und folgt keinen festgelegten Orthographieregeln. Deshalb treten Pfälzer Mundartdichter nicht eben häufig als Schriftsteller auf, wobei es Ausnahmen gibt wie beispielsweise Paul Tremmel. Zudem werden Mundartbücher in Ermangelung spezialisierter Verlage oft im Eigenverlag herausgegeben. Aus diesen Gründen resultiert die Bedeutung der Pfälzer Mundartdichter meist aus ihren durch mündlichen Vortrag erzielten Erfolgen bei den großen Mundartwettbewerben.

Mundartwettbewerbe und erfolgreiche Teilnehmer[Bearbeiten]

Vier pfälzische Mundartwettbewerbe finden regelmäßig statt und verzeichnen jeweils bis gegen 200 Bewerber: der Pfälzische Mundartdichterwettstreit (seit 1953) in Bockenheim, der Mundartwettbewerb Dannstadter Höhe (seit 1988) in Dannstadt, der Mundartdichter-Wettstreit Gonbach (seit 1984) in der namensgebenden Gemeinde und der Sickinger Mundartdichter-Wettstreit (seit 1991), den die Verbandsgemeinde Wallhalben ausschreibt und der in der verbandsangehörigen Gemeinde Herschberg ausgetragen wird. Bei diesen Wettbewerben bewerten unabhängige Juroren die vorgestellten Mundartwerke und vergeben Preise.

Bislang konnte noch kein Teilnehmer bei allen vier Wettbewerben mindestens einmal den 1. Platz belegen. Lediglich vier Teilnehmer – Helga Schneider, Albert H. Keil, Heinrich Kraus und Hanns Stark – waren schon an drei der vier Austragungsorte erfolgreich. Die meisten 1. Plätze – 14 – hat bis 2013 Helga Schneider gewonnen. Bei manchen Dichtern fällt auf, dass ihre Erfolge (nahezu) ausschließlich auf einen bestimmten Wettbewerb konzentriert sind.

Die folgende Tabelle listet diejenigen Personen auf, die insgesamt mindestens drei 1. Plätze erreicht haben. Dieser Umstand und die geringe Personenzahl – seit 1953 nicht einmal zwei Dutzend – sprechen für die Bedeutung der Aufgelisteten auf dem Gebiet der Pfälzer Mundartdichtung.

Weil in der Tabelle die Teilnehmer fehlen, die bei ein und demselben Wettbewerb zweimal und sonst bei keinem anderen erfolgreich waren, sind die vier Wettbewerbsspalten B (Pfälzischer Mundartdichterwettstreit Bockenheim), D (Mundartwettbewerb Dannstadter Höhe), G (Mundartdichter-Wettstreit Gonbach) und S (Sickinger Mundartdichter-Wettstreit) nicht sortierbar. Sortiert werden kann dagegen nach folgenden Spalten:

  • Rang
  • Zuname
  • 1. Plätze insgesamt
  • an … der vier Austragungsorte
Rang
Vorname
Zuname
1. Plätze insgesamt
an … der vier
Austragungsorte
B D G S
1 Helga Schneider 14 3 1 9 4
2 Gerd Runck 9 2 4 5
2 Norbert Schneider 9 2 1 8
4 Hans Jürgen Schweizer 6 1 6
4 Hermann Josef Settelmeyer 6 1 6
6 Albert Bleyer † 5 1 5
6 Rolf Büssecker 5 1 5
6 Manfred Dechert 5 2 3 2
6 Anton Meißner † 5 1 5
10 Albert H. Keil 4 3 1 2 1
10 Waltraud Meißner 4 2 1 3
10 Toni Ostermayer 4 1 4
13 Wilfried Berger 3 2 1 2
13 Guido Defland 3 2 1 2
13 Renate Demuth 3 2 1 2
13 Johann „Jean“ Dexheimer 3 2 1 2
13 Heinrich Kraus 3 3 1 1 1
13 Hanns Stark 3 3 1 1 1

Gruppierungen und Foren[Bearbeiten]

Regionale Zusammenschlüsse wie das Literaturwerk Rheinland-Pfalz-Saar (primär hochdeutsch orientiert, früher „Förderkreis deutscher Schriftsteller in Rheinland-Pfalz“), der Literarische Verein der Pfalz (hochdeutsch und pfälzisch), der Förderkreis Mundarttage Bockenheim (pfälzisch) oder die Bosener Gruppe (rheinfränkisch/moselfränkisch) fungieren als Austauschforum und Interessenvertretung. Die seit den 1970er Jahren alljährlich im Mai stattfindenden Bockenheimer Mundarttage erlangten Bedeutung durch öffentliche Veranstaltungen, bei denen Dialektologen über Mundarten referierten und darüber auf dem Podium diskutierten; die Podiumsdiskussionen wurden unter dem Namen „Pälzer Dischbediere“ (Pfälzer Disputieren) bekannt.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Jürgen Beckmann, Heinz-Jürgen Kliewer: Ich redd mein Muddersproch. Landau 1997, ISBN 3876292786.
  •  Gemeinde Bockenheim an der Weinstraße (Hrsg.), Rudolf Post (Redaktion): Ich bin gern do. Der Pfälzische Mundartdichterwettstreit Bockenheim von den Anfängen bis heute. Pfälzische Verlagsanstalt, Landau/Pfalz 1995.
  •  Ortsgemeinde Bockenheim an der Weinstraße und Förderkreis Mundarttage Bockenheim e. V. (Hrsg.), Rudolf Post (Redaktion): Allminanner…[1]. Sechs Jahrzehnte Pfälzischer Mundartdichterwettstreit in Bockenheim an der Weinstraße. Edition Tintenfaß, Neckarsteinach 2012, ISBN 978-3-943052-22-0.
  •  Michael Konrad: Saach blooß. Geheimnisse des Pfälzischen. Rheinpfalz Verlag, Ludwigshafen 2006, ISBN 3-937752-02-1.
  •  Michael Konrad: Saach blooß 2. Noch mehr Geheimnisse des Pfälzischen. Rheinpfalz Verlag, Ludwigshafen 2007, ISBN 978-3-937752-03-7.
  •  Michael Konrad: Saach blooß 3. Neue Geheimnisse des Pfälzischen. Rheinpfalz Verlag, Ludwigshafen 2009, ISBN 978-3-937752-09-9.
  •  Michael Konrad: Saach blooß 4. Neueste Geheimnisse des Pfälzischen. Rheinpfalz Verlag, Ludwigshafen 2012, ISBN 978-3-937752-20-4.
  •  Rhein-Pfalz-Kreis und Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim (Hrsg.): Uffwind[2]. Ein Lesebuch zum 20. Mundart-Wettbewerb Dannstadter Höhe. Verlag PrintArt, Dannstadt-Schauernheim 2007.
  •  Rhein-Pfalz-Kreis und Bruno Hain (Hrsg.): Aus mir is was worre[3]. Ein Lesebuch. 25 Jahre Mundart-Wettbewerb Dannstadter Höhe. Dannstadt-Schauernheim 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. „Allminanner“ (pfälzisch): Alle miteinander.
  2. „Uffwind“ (pfälzisch): Aufwind.
  3. „worre“ (pfälzisch): geworden.