Pine Ridge Reservation

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Lage des Pine-Ridge-Reservats in South Dakota auf dem Gebiet der Countys Shannon (westlich), Jackson (nordöstlich) und Bennett (südöstlich)

Die Pine Ridge Reservation[1] (Lakota-Sprache Oglala Oyanke) ist ein Indianerreservat im Südwesten des US-Bundesstaats South Dakota an der Grenze zu Nebraska. Das Reservat erstreckt sich über eine Fläche von etwa 11.000 km². Der Großteil des von Oglala-Lakota bewohnten Reservats liegt im Shannon County und Jackson County. Hauptort ist Pine Ridge.

Die Arbeitslosenquote in dem Reservat liegt bei 85 %, in den US-Reservaten lebten im Jahr 2002 mehr als 40 % der Familien unterhalb der Armutsgrenze.[2] Die Suizidrate ist etwa viermal so hoch wie der Landesdurchschnitt. Viele Familien haben weder Strom noch ein Telefon. Mit einer Lebenserwartung von 47 Jahren für Männer und nur etwas mehr als 50 Jahren für Frauen ist die Lebenserwartung der Bewohner des Reservates eine der kürzesten aller Gruppen der westlichen Hemisphäre.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Pine Ridge Reservation war ursprünglich ein Teil eines großen Sioux-Reservates, das durch den Vertrag von Fort Laramie von 1868 eingerichtet worden war und ursprünglich 240.000 km² in South Dakota, Nebraska und Wyoming umfasste. 1876 verletzte die US-Regierung den Vertrag von 1868 und öffnete 31.000 km² der Fläche des Reservats in den Black Hills für private Interessen. 1889 wurde die übrige Fläche des Sioux-Reservats in sieben separate Reservate aufgeteilt: Cheyenne River Reservation, Crow Creek Reservation, Lower Brule Reservation, Rosebud Reservation, Sisseton Reservation, Yankton Reservation und Pine Ridge Reservation.

1911 wurde die Pine Ridge Reservation weiter verkleinert: Bennett County wurde als Folge des Allotment Act aus dem Reservat ausgegliedert, was jedoch bis heute nicht von den Oglala anerkannt wird. Gut die Hälfte der Bevölkerung von Bennett County sind heute Oglala, denen jedoch nur etwa ein Drittel des Landes gehört.[3]

Die Pine Ridge Reservation gehört zu den ärmsten Gegenden der Vereinigten Staaten. In den 1970er Jahren herrschten dort bürgerkriegsähnliche Zustände. Von 1972 bis 1976 war Dick Wilson Stammesvorstand der Oglala Lakota im Reservat. Während Wilsons Amtszeit kam es zu einer Reihe von gewaltsamen und bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen mit dem neuentstandenen American Indian Movement (AIM), dessen Aktivisten zumeist nicht aus den Reservaten kamen, sowie Polizeikräften und dem FBI. Mehrere Versuche, Wilson abzusetzen, scheiterten. Die korrupten Strukturen in Indianerreservaten sind sehr tief verwurzelt.[4]

Bekannt wurde die Besetzung der Ortschaft Wounded Knee im Reservat am 27. Februar 1973 durch AIM-Aktivisten unmittelbar nach einem gescheiterten Amtsenthebungsverfahren gegen Wilson.

1975 kam es im Reservat zu einer Schießerei an der Jumping Bull Ranch, bei der zwei FBI Agenten, Ronald A. Williams und Jack R. Coler, sowie ein AIM-Aktivist erschossen wurden. Von den vier AIM-Mitgliedern, die aufgrund der Schießerei verhaftet wurden, wurden zwei freigesprochen, bei einem das Verfahren eingestellt und der vierte, Leonard Peltier in einem gesonderten und umstrittenen Verfahren zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Verfahren erhielt weltweites Aufsehen, die Vorfälle wurden mehrmals verfilmt.

Im Reservat wurde der Spielfilm Smoke Signals gedreht. Die Handlung des Spielfilms Halbblut (Originaltitel Thunderheart) wurde unter anderem durch das oben beschriebene, sogenannte Pine Ridge shootout von 1973 inspiriert, und Regisseur Michael Apted drehte den Dokumentarfilm Zwischenfall in Oglala (OT: Incident at Oglala), der die Ereignisse von 1973 aufarbeitet. 2008 befasste sich der schweizerische Dokumentarfilm No More Smoke Signals, in dessen Mittelpunkt die Radiostation Kili steht, ebenfalls mit der Situation im Reservat.

Arbeitsplätze im Reservat entstehen inzwischen durch eigene Unternehmen, die indianische Produkte vermarkten. Tanka Bar, eine aus Büffelfleisch und Cranberrys bestehende, traditionelle Speise, wird inzwischen in 3000 Filialen in 49 US-Bundesstaaten angeboten. Dies geschieht über das von Karlene Hunter und Mark Tilsen gegründete Unternehmen Native American Natural Foods. Ein weiteres Unternehmen, das im Reservat produziert, ist Lakota Solar Enterprises, das Solarmodule für Heiz- und Kochtechnik herstellt. Es wurde von einem Nachfahren des Lakota-Häuptlings Red Cloud gegründet, von Henry Red Cloud.[5]

Im August 2013 entschieden die Einwohner der Reservation in einer Volksabstimmung, das seit Gründung geltende Alkoholverbot aufzuheben.[6] Damit soll die real bestehende Alkoholabhängigkeit einer großen Zahl an Einwohnern anerkannt, zugleich den außerhalb der Reservation gelegenen Grenzorten die Geschäftsgrundlage entzogen und die hohe Anzahl Autounfälle der alkoholisierten Reservatsbewohner bei der Heimkehr reduziert werden.[7]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pine Ridge Indian Reservation – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pine Ridge Reservation (Englisch) In: Geographic Names Information System. United States Geological Survey. Abgerufen am 30. Januar 2011.
  2. Living conditions, Website des American Indian Relief Council. Hier wird der Arizona Daily Star vom 25. Mai 2002 als Beleg angegeben.
  3. Paula L. Wagoner: They Treated Us Just Like Indians. 2nd ed, 2002, ISBN 978-0-8032-9830-9
  4. Woidat, Caroline M. "The Truth Is on the Reservation: American Indians and Conspiracy Culture", The Journal of American Culture 29 (4), 2006. S. 454–467.
  5. Stevens: The return of Indian entrepreneurship, in: Indian Country Today, 30. März 2010 und Tanka Bar
  6. reuters: Tribe votes to end alcohol ban on Pine Ridge Reservation, 15. August 2013
  7. buzzfeed: Dry Land: America’s Most Storied Indian Reservation Faces A Historic Vote To Legalize Alcohol, 13. August 2013

43.416666666667-102.16666666667Koordinaten: 43° 25′ 0″ N, 102° 10′ 0″ W