Plan 9 (Betriebssystem)

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Plan 9
Basisdaten
Entwickler Bell Labs
Aktuelle Version Fourth Edition
(April 2002 (seitdem kontinuierliche Updates))
Abstammung UNIX
↳ Plan 9
Kernel Hybridkernel
Architekturen x86, AMD64, MIPS, SPARC, PowerPC, ARM
Lizenz GNU General Public License v2
Website Plan 9 from Bell Labs

Plan 9 from Bell Labs ist ein Betriebssystem, entwickelt in den späten 1980er Jahren von den Bell Laboratories, die zuvor bereits Unix entwickelt hatten. Es ist benannt nach dem (Trash-)Film Plan 9 from Outer Space (1959) von Ed Wood, in dem die Außerirdischen Tote wieder zum Leben erwecken (es finden sich in Plan 9 weitere Anspielungen auf das Werk von Ed Wood, z. B. das Maskottchen Glenda, das auf den Film Glen or Glenda (1953) zurückzuführen ist).

Plan 9 ist als Plattform für Forschungsprojekte in den Bereichen (UNIX-) Betriebssysteme und Netzwerke einsetzbar.

2011 spaltete eine Gruppe von Plan 9-Entwicklern – aus Unzufriedenheit mit der Entwicklung – unter dem Motto „The Front fell off“ einen Fork des Systems unter dem Namen Plan 9 Front ab.[1][2]

Merkmale und Aufbau[Bearbeiten]

Ein fertig installierbares System existiert zurzeit nur für die x86-Prozessoren und den Raspberry Pi[3], insgesamt werden jedoch die Intel-, MIPS-, DEC Alpha-, PowerPC-, Sparc-, Sparc64- und ARM-Architekturen unterstützt, d. h. Plan 9 läuft auch auf dem iPAQ Pocket PC (hier Bitsy genannt). Zusätzlich existiert eine Portierung auf die virtuelle Maschine Xen. Das System ist in einem Dialekt von ISO-C geschrieben und unterstützt UTF-8 (Unicode). Für eine optimale Bedienung ist eine Drei-Tasten-Maus erforderlich. Plan 9 enthält u. a. das Fenstersystem rio(1), den Editor sam(1), eine Art Fenster-/Dateimanager namens acme(1) und den Kommandozeileninterpreter rc(1). Eine Reihe Softwarepakete wie Perl, Python und TeX wurden portiert und sind separat erhältlich.

Die Entwickler wollen mit Plan 9 eine Antwort auf die Frage „Was versucht Unix wirklich zu erreichen?“ geben. In einem Satz lautet diese Antwort:

Repräsentiere alle Ressourcen als Dateien, ohne zwischen lokalen und nicht-lokalen Objekten zu unterscheiden.

Das Konzept der Datei wurde dahingehend erweitert, dass alle Ressourcen (Dateien, Bildschirme, Benutzer, Computer, etc.) einen Namen haben und wie Dateien angesprochen werden. Es gibt ein Standardprotokoll namens 9P, um diese Ressourcen anzusprechen. Weiterhin werden alle Dateisystemhierarchien in einer einzigen großen Hierarchie zusammengefasst. Konkrete Beispiele für die Auswirkungen dieser Grundsätze: Erreichbare Server sind Teil des Dateisystems, laufende Programme sind Teil des Dateisystems usw.

Dieses zugrundeliegende Konzept ist äußerst einleuchtend und leicht zu durchschauen. Es hat allerdings kaum Einzug gehalten in die gängigen Betriebssysteme, da einige radikale Modifikationen an der Softwarearchitektur erforderlich sind. Eine Ausnahme ist die Aufnahme des /proc-Filesystems in Linux und andere Betriebssysteme, welches allen Programmen eine einheitliche und meist abwärtskompatible Zugriffsmöglichkeit auf Daten, wie z. B. Zahl der laufenden Prozesse, Systemauslastung, Zahl der Netzwerkverbindungen etc. erlaubt – alles über die herkömmliche Dateisystemschnittstelle. Die „Alles ist eine Datei“-Idee wird unter Linux in den virtuellen Dateisystemen sysfs und configfs weitergetragen.

Geschichte[Bearbeiten]

An der Entwicklung von Plan 9 haben eine Reihe namhafter Personen mitgewirkt, darunter Ken Thompson, der zeitweilig Leiter des Projekts war und an den ersten Versionen von Unix sowie der Entwicklung der Programmiersprache C beteiligt war.

  • Die interne Entwicklung begann 1987
  • Der produktive Einsatz an den Bell Labs fand ab 1989 statt.
  • Plan 9 from Bell Labs First Edition erschien 1993 und wurde ausschließlich an Universitäten weitergegeben.
  • Plan 9 from Bell Labs Second Edition erschien 1995 und konnte für $ 350 käuflich erworben werden.
  • Plan 9 from Bell Labs Third Edition (Brazil) erschien am 7. Juni 2000 unter der eigens erstellten Plan-9-Lizenz.
  • Plan 9 from Bell Labs Fourth Edition erschien im April 2002 und brachte grundlegende Änderungen mit sich. Unter anderem wurde 9P komplett überarbeitet (z. B. Einführung langer Dateinamen), fossil(4) (ein neues Dateisystem) und venti(8) (ein Backupserver) dem System hinzugefügt und die Installationsroutine wesentlich verbessert. Ab dieser Version ist Plan 9 Open Source gemäß OSI und freie Software nach der Definition der Free Software Foundation.

Im Februar 2014 wurde Plan 9, bis dahin unter der Lucent Public License stehend, unter der GPL neu lizenziert.[4][5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Peter Bischof, Gunter Imeyer, Bernhard Wellhöfer (geb. Kühl), Axel-Tobias Schreiner: Das Netzbetriebssystem Plan 9. 1999, ISBN 3-446-18881-9. Das Buch ist über den Print-on-Demand Dienstleister Lulu.com auch als Gratis-Download erhältlich.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Plan 9 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pro-Linux Artikel Fork von Plan 9 erschienen von Hans-Joachim Baader vom 19. Juli 2011
  2. Nine Times: Plan 9 from the People's Front of cat-v.org (9front)
  3. Getting Plan 9 running on the Raspberry Pi – The Bendyworks Blog – Bendyworks – Ruby on Rails, iOS, & Clojure Consultants – Madison, WI. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSimon Sharwood: Plan 9 moves to GNU space. 14. Februar 2014, abgerufen am 14. Februar 2014.
  5. Lizenztext von Plan 9. Abgerufen am 14. Februar 2014: „The University of California, Berkeley, has been authorised by Alcatel-Lucent to release all Plan 9 software previously governed by the Lucent Public License, Version 1.02 under the GNU General Public License, Version 2.“