Raspberry Pi

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Logo der Raspberry-Pi-Stiftung
Version 1 des Raspberry Pi
Modell B
Revision 2 des Raspberry Pi
Modell B – made in UK
Raspberry Pi B+

Der Raspberry Pi ist ein Einplatinencomputer, der von der britischen Raspberry Pi Foundation entwickelt wurde. Er kam Anfang 2012 auf den Markt; sein großer Markterfolg wird teils als Revival des bis dahin weitgehend bedeutungslos gewordenen Heimcomputers zum Programmieren und Experimentieren angesehen.[1]

Der im Vergleich zu üblichen Personal Computern sehr einfach aufgebaute und mit 20 US-$ (Modell A+) oder 35 US-$ (Modell B und B+) preisgünstige Rechner wurde von der Stiftung mit dem Ziel entwickelt, jungen Menschen den Erwerb von Programmier- und Hardwarekenntnissen zu erleichtern. Die Platine enthält ein Ein-Chip-System von Broadcom mit einem 700-MHz-ARM11-Prozessor und HDMI-Schnittstelle. Die fünf Varianten unterscheiden sich in der weiteren Ausstattung: Modell A und A+ besitzen 256 MB Arbeitsspeicher und einen USB-Anschluss, Modell B und B+ 512 MB und eine Ethernet-Schnittstelle. Modell B hat zwei USB-Anschlüsse und Modell B+ vier; wie das Modell A+ besitzt es 26 statt 17 GPIO-Pins. Dem Compute Module fehlen diese Anschlüsse. Sie lassen sich über ein optionales I/O-Board nachrüsten und ermöglichen den Entwurf eigener Platinen die diese bereitstellen.

Als Betriebssystem können unter anderen angepasste Linuxdistributionen, Android oder RISC OS installiert werden, die alle die ARM-Architektur unterstützen. Eine Festplatten-Schnittstelle ist nicht vorhanden, stattdessen müssen SD-Speicherkarten als Bootmedium benutzt werden.

Bis August 2014 wurden mehr als 3,8 Millionen Geräte verkauft.[2] Die Entwickler des Raspberry Pi wurden mit mehreren Innovationspreisen ausgezeichnet. Es existiert ein großes Zubehör- und Softwareangebot für verschiedenste Anwendungsbereiche. Verbreitet ist die Anwendung als Mediacenter, da der Rechner Videodaten mit voller HD-Auflösung (1080p) dekodieren und über die HDMI-Schnittstelle ausgeben kann.

Hintergrund[Bearbeiten]

Idee[Bearbeiten]

Das Motiv hinter der Entwicklung eines preisgünstigen Rechners war die sinkende Anzahl an Informatikstudenten an der Universität Cambridge, sowie die jedes Jahr geringeren Programmierkenntnisse der Studienanfänger. Für einen der Gründe hielt man, dass Computer heute in der Regel teuer und komplex sind und Eltern ihren Kindern deswegen häufig verbieten, mit dem Familien-PC zu experimentieren.[3] Man wollte daher Jugendlichen einen günstigen Computer zum Experimentieren und Erlernen des Programmierens an die Hand geben. Dabei hoffte man, dass sie wie in der Anfangszeit der Heimcomputer (z. B. IMSAI 8080, Apple I, Sinclair ZX80) die Computergrundlagen und -programmierung spielerisch erlernen würden.[4]

[Bearbeiten]

Der Name wird wie raspberry pie ausgesprochen, das englische Wort für Himbeerkuchen. Das „Pi“ steht für „Python interpreter“, ursprünglich sollte der Rechner mit fest eingebautem Interpreter für die Programmiersprache Python geliefert werden, ähnlich wie bei den Heimcomputern der 1980er Jahre fast durchweg ein BASIC-Interpreter eingebaut war.[5] Die „Himbeere“ knüpft an die Tradition an, Computer nach Früchten zu benennen, wie etwa Apple oder Acorn.

Das Logo des Projekts wurde im Rahmen eines öffentlich ausgeschriebenen Wettbewerbs ausgewählt. Es zeigt eine stilisierte Himbeere.[6]

Organisation[Bearbeiten]

Eben Upton bei einem Vortrag zum Raspberry Pi

Die Raspberry Pi Foundation ist eine Stiftung und in Großbritannien als Wohltätigkeitsorganisation eingetragen.[7] Sie hat sich zum Ziel gesetzt, das Studium der Informatik und verwandter Themen zu fördern, besonders an Schulen. Sie wurde am 5. Mai 2009 in Caldecote, South Cambridgeshire, Großbritannien gegründet.[8] Die Treuhänder der Stiftung sind:[9]

  • David Braben – Gründer der Computerspielefirma Frontier Developments und Mitautor des Computerspiels Elite
  • Jack Lang – früherer Acorn-Mitarbeiter, Business Angel und Gründer einiger Start-Ups im Umfeld der Cambridge-Universität
  • Pete Lomas – Mitbegründer und Entwicklungsleiter der Firma Norcott Technologies[10]
  • Robert Mullins – University of Cambridge Computer Laboratory and St. John’s College in Cambridge
  • Alan Mycroft – Professor im Bereich „Computing in University“ am Cambridge Computer Laboratory
  • Eben Upton – Ingenieur bei Broadcom Europe, Gründer einiger Software-Start-Ups und früherer Direktor im Bereich Informatik am St. John’s College in Cambridge

Entwicklung[Bearbeiten]

Ein Prototyp mit einem Atmel-ATmega644-Mikrocontroller wurde im Jahr 2006 produziert.[11] Die Schaltpläne der Platine wurden veröffentlicht.[12][11]

Die Leistungen des Gerätes überzeugten die Entwickler nicht. Wegen des damals beginnenden Booms von Smartphones kamen jedoch geeignete ARM-Prozessoren auf den Markt. Man fand mit dem BCM2835 einen günstigen Prozessor mit verhältnismäßig hoher Leistung und entwarf für diese CPU eine neue Mehrlagenplatine. Für den Atmel war man noch mit einer Lochrasterplatine ausgekommen.

50 Alpha-Boards wurden im August 2011 geliefert. Diese Platinen waren funktional gleich mit dem späteren Modell B des Raspberry Pi,[13] aber größer, weil sie Messpunkte zur Fehlersuche aufwiesen. Die Verkaufsversion hat die Grundfläche einer Kreditkarte. Auf diesen Versuchsplatinen wurde bereits gezeigt, dass die Desktop-Umgebung LXDE unter Debian sowie Quake 3[14] und H.264-Videos[15] mit einer Auflösung von 1080p via HDMI funktionieren. Seit Herbst 2012 wird eine leicht veränderte Version 2 verkauft. Sie hat zwei Befestigungslöcher[16] und einige Pins sind anders belegt.[17] Etwa gleichzeitig konnte wegen der unerwartet großen Verkaufszahlen auch die Produktion von China nach Wales, in eine Fabrik der Firma Sony[18] verlegt werden und der Arbeitsspeicher des Modell B auf 512 MB verdoppelt werden.[19][20][21][22] Inzwischen (Stand: August 2014) wurden 3,8 Millionen Geräte verkauft, wovon über eine Million in Wales produziert wurden.[23][2]

Am 14. Mai 2013 kam ein Kameramodul für den Raspberry Pi in den Handel.[24] Eine Variante ohne Infrarotfilter ist unter der Bezeichnung Pi NoIR erhältlich (November 2013).[25]

Raspberry Pi Compute Module

Am 7. April 2014 angekündigt[26] und seit dem 9. Juni 2014 lieferbar[27] ist das Raspberry Pi Compute Module, ein Raspberry Pi in der Größe und dem Aussehen eines DDR2-SODIMM-Speichermoduls. Das Modell entspricht etwa den technischen Spezifikationen des Modells A,[28] verfügt jedoch zusätzlich über 4 GB eMMC-Flashspeicher. Da dem Modul die üblichen I/O-Anschlüsse fehlen, lassen sich diese bei Bedarf über ein optionales I/O-Board nachrüsten.

Am 14. Juli 2014 wurde das Modell B+ vorgestellt. Bei diesem wurde die Anzahl der GPIO- und der USB-Ports erhöht, die Leistungsaufnahme verringert und die Audioausgabe verbessert. Der SD-Kartenslot wurde von einem kompakteren Micro-SD-Kartenslot abgelöst.[29][30] Das Modell B+ ersetzt das gleich viel kostende Modell B. Modell B wird auch weiterhin angeboten und ist für Kunden gedacht, deren Anwendungen auf die Form der Platine und Pinbelegung hin konstruiert sind. Erstmals mit dem Modell B+ wurde eine offizielle Spezifikation für Erweiterungsplatinen, sogenannte HATs (HAT = Hardware Attached on Top), vorgestellt.[31]

Am 10. November 2014 wurde das Modell A+ vorgestellt. Während das Modell A als eine teilbestückte Version des Modells B angesehen werden kann, handelt es sich bei Modell A+ um eine Neuentwicklung, welche günstiger und kompakter ist. Es verfügt wie das Modell B+ über einen 40-poligen Anschluss für Erweiterungsplatinen (HATs) und einen Micro-SD-Kartenslot.[32][33]

Hardware[Bearbeiten]

Eigenschaften[Bearbeiten]

Die unterschiedlichen Versionen des Raspberry Pi besitzen folgende Eigenschaften:[34][32][35]

Modell A Modell A+ Modell B Modell B+ Compute Module
Preisempfehlunga: 25 US-$ 20 US-$ 35 US-$ 30 US-$[36]
Platinengröße: Kreditkartengröße: 85,60 mm × 56 mm 65 mm × 56 mm Kreditkartengröße: 85,60 mm × 56 mm SODIMM-Größe: 67,6 mm × 30 mm
Gesamtgröße: 93 mm × 63,5 mm × 17 mm 70,4 mm × 57,2 mm × 12 mm 93 mm × 63,5 mm × 20 mm 67,6 mm × 30 mm × 3,7 mm
Gewicht: 31 g 23 g 40 g 45 g 7 g[37]
SoC: Broadcom BCM2835
CPU: ARM1176JZF-S (700 MHz, ARMv6-Architektur, ARM11-Familie)
GPU: Broadcom VideoCore IV
Arbeitsspeicher (SDRAM): 256 MB 512 MBg 512 MB
USB-2.0-Anschlüsse: 1 2 (über integrierten Hube) 4 (über integrierten Hubf) 1
Videoausgabe: Composite Video/FBASc, HDMI
Tonausgabe: 3,5-mm-Klinkenstecker (analog), HDMI (digital) HDMI (digital)
Nicht-flüchtiger Speicher: Kartenleser für SDb Kartenleser für microSDb Kartenleser für SDb Kartenleser für microSDb 4 GB eMMC
Netzwerk: 10/100-MBit-Ethernet-Controllere [38] 10/100-MBit-Ethernet-Controllerf
GPIO-Pins:d 17 26 17 26 48
weitere Schnittstellen: CSI, 1× DSI 2× CSI, 2× DSI
Echtzeituhr:
Leistungsaufnahme: 5 V, 500 mA (2,5 W) 5 V, 100-230mA (0,5-1,2 W)[39] 5 V, 700 mA (3,5 W)[40] 5 V, 500–600 mA (2,5–3 W) 3,3 V, 1,8 V
Stromversorgung:[40] 5-V-Micro-USB-Anschluss (Micro-B) 3,3 V, 1,8 V
Betriebssysteme: GNU/Linux, BSD, RISC OS,[41] Plan 9[42]
e integriert im Controller-Chip LAN9512 des Herstellers Microchip
b unterstützt SDHC, SDXC, MMC und SDIO
f integriert im Controller-Chip LAN9514 des Herstellers Microchip
c bei Modell A+ und B+ ist der Anschluss im Klinkerstecker integriert
g bis Oktober 2012 256 MB
d nutzbar als SPI, I²C, UART
SDHC-Karte anstatt einer Festplatte

Prozessor[Bearbeiten]

Der Prozessor nutzt den ARMv6-Instruktionssatz. Des Weiteren werden die ARM-Instruktionssatz-Erweiterungen Thumb und Java-Bytecode unterstützt (Jazelle).[43][44] Der Speicher ist über einen 64 Bit breiten Bus angebunden und wird direkt als Package-on-Package auf den Prozessor gelötet.

Da die Raspberry Pi Foundation eine Verringerung der Lebensdauer bei Übertaktung befürchtete, wurde der Prozessor zunächst mit einem „Sticky (engl. wörtlich „klebenden“, das bedeutet: nicht rücksetzbaren) Bit“ ausgestattet, welches unwiderruflich gesetzt wird, sobald der Prozessor übertaktet wird und somit ein Erlöschen der Garantie signalisiert.[45] Nachdem ausführliche Tests zeigten, dass sich ein Übertakten auf bis zu 1 GHz kaum auf die Lebensdauer auswirkt, wurde am 19. September 2012 mit einem Treiber-Update die Möglichkeit geschaffen, sowohl Prozessor als auch GPU und Speicher ohne Garantieverlust zu übertakten. Die Frequenz und Spannung wird dabei im Betrieb nur dann erhöht, wenn die Leistung benötigt wird und die Temperatur des Chips nicht über 85 °C liegt.[46] Das Sticky-Bit wird nur noch gesetzt, wenn stärker als empfohlen übertaktet wird.

Ein starkes Untertakten auf bis zu 50 MHz und Verringern der Spannung ist ebenfalls möglich, was vor allem beim Modell A zu einer deutlich reduzierten Leistungsaufnahme führt.

Grafik[Bearbeiten]

Der ARM11-Prozessor ist mit Broadcoms „VideoCore“-Grafikkoprozessor kombiniert. OpenGL ES 2.0 wird unterstützt, und Filme in Full-HD-Auflösung (1080p30 H.264 high-profile) können dekodiert und über die HDMI-Buchse und FBAS-Cinchbuchse ausgegeben werden.
Am 24. August 2012 wurde bekanntgegeben, dass Lizenzen für das hardwarebeschleunigte Dekodieren von VC1- und MPEG-2-kodierten Videos zusätzlich erworben werden können. Die Lizenz beschränkt sich dabei auf den bei der Bestellung mit der Seriennummer spezifizierten Raspberry Pi, so dass für jeden dieser Mikrorechner eine eigene Lizenz erforderlich ist. Die vorhandene Lizenz zum Dekodieren von H.264-kodierten Videos erlaubt nach Angaben der Raspberry Pi Foundation auch das Kodieren solcher Videos.[47] Im März 2014 legte Broadcom Dokumentation und Treibercode für den SoC BCM21553 offen, mit dem auch ein freier Grafiktreiber für den verwendeten BCM2835 erstellt werden kann.[48]

Dieser wurde nach einem mit 10.000 US-$ dotierten Programmierwettbewerb im März 2014 von einem einzelnen Programmierer veröffentlicht.[49]

GPIO[Bearbeiten]

Der Raspberry Pi bietet eine frei programmierbare Schnittstelle (auch bekannt als GPIO, General Purpose Input/Output), worüber LEDs, Sensoren, Displays und andere Geräte angesteuert werden können.[50] Es gibt 6 GPIO-Anschlüsse, wobei im Allgemeinen nur der Anschluss P1 gebraucht wird. Die GPIO-Schnittstelle P1 besteht bei Modell A und Modell B aus 26 Pins und bei Modell A+ und Modell B+ aus 40 Pins, wovon

  • 2 Pins eine Spannung von 5 Volt bereitstellen, aber auch genutzt werden können, um den Raspberry Pi mit Strom zu versorgen,
  • 2 Pins eine Spannung von 3,3 Volt bereitstellen,
  • 1 Pin als Masse dient,
  • 4 Pins, die zukünftig eine andere Belegung bekommen könnten, derzeit ebenfalls mit Masse verbunden sind,
  • 17 Pins (Modell A und B) bzw. 26 Pins (Modell A+ und B+), welche frei programmierbar sind und wovon einige Sonderfunktionen übernehmen können:
    • 5 Pins können als SPI-Schnittstelle verwendet werden,
    • 2 Pins haben einen 1,8 kΩ-Pull-Up-Widerstand (auf 3,3 V) und können als I²C-Schnittstelle verwendet werden,
    • 2 Pins können als UART-Schnittstelle verwendet werden.

Mit dem Modell B+ wurde eine offizielle Spezifikation für Erweiterungsplatinen, sogenannte Hardware Attached on Top (HAT), vorgestellt. Jeder HAT muss über einen EEPROM-Chip verfügen; Darin finden sich Herstellerinformationen, die Zuordnung der GPIO-Pins sowie eine Beschreibung der angeschlossenen Hardware in Form eines „device tree“-Abschnitts. Dadurch können die nötigen Treiber für den HAT automatisch geladen werden. Auch Modell A+ ist mit diesen kompatibel. Auch die genaue Größe und Geometrie des HAT und Position der Steckverbinder werden dadurch festgelegt.

Die in der Revision 2 hinzugekommene GPIO-Schnittstelle P6 erlaubt es, den Raspberry Pi zu resetten bzw. zu starten, nachdem er heruntergefahren wurde. Zur Steuerung der GPIOs existieren Bibliotheken für zahlreiche Programmiersprachen. Auch eine Steuerung durch ein Terminal oder Webinterfaces ist möglich.[51]

CSI[Bearbeiten]

Zur direkten Anbindung einer Kamera ist ein CSI (Camera Serial Interface) vorhanden. Die seit Mai 2013 erhältliche Kamera mit 5 MP wird per CSI angesteuert.[52] Der Fokus ist nicht veränderbar und das Kameramodul verfügt über kein Mikrofon. Die Kamera nimmt Fotos mit einer maximalen Auflösung von 2592×1944, Videos in 640×480, 720p oder 1080p bei maximal 30 Bilder pro Sekunde. Bei schlechtem Licht entsteht schnell Bildrauschen.[53]

Seit Oktober 2013 ist auch die Variante „PI NoIR“ ohne eingebauten Infrarotfilter verfügbar.[54]

Betriebssysteme[Bearbeiten]

Ein Raspberry Pi als Desktoprechner mit RISC OS 5.

Für den Raspberry Pi sind mehrere Open-Source-Betriebssysteme verfügbar. So kann der Käufer selbst entscheiden, welches er installieren möchte. Die Installation geschieht entweder durch das Klonen eines Images auf die SD-Karte oder seit dem 3. Juni 2013 auch mit der einfacher zu verwendenden Eigenentwicklung NOOBS-Installer (engl. Abk. für New Out Of Box Software), deren Dateien nur auf die Karte kopiert werden müssen.[55] Mit BerryBoot gibt es einen ebenso einfach zu installierenden Bootloader, der es ermöglicht mehrere Betriebssysteme auf einer Karte parallel zu installieren und zu verwenden.[56] Seit Version 1.3 ist dies auch mit NOOBS möglich.[57]

Linux-Systeme[Bearbeiten]

Raspbian[Bearbeiten]

Die empfohlene Linux-Distribution ist das auf Debian basierende Raspbian.[58] Dieses Betriebssystem basiert auf einem Debian-7-System (Debian Wheezy) der ARM-hard-float-Architektur (armhf) mit Anpassungen an den Befehlssatz für den ARMv6-Prozessor. Als grafische Oberfläche wird LXDE vorkonfiguriert. Das etwa 3 GB große Image kann auf SD-Karten mit 4 GB oder mehr übertragen werden. Nach dem Bootvorgang kann die Größe der Raspbian-Partition auf die komplette SD-Karte erweitert werden.

Andere Linux-Systeme[Bearbeiten]

Neben Raspbian wird auch eine für ARM-Prozessoren kompilierte Version von Arch Linux sowie eine Version von Fedora – unter dem Namen Pidora – angeboten. Ebenso gibt es Kali Linux, die Neuauflage der Security-Distribution BackTrack[59] und Bodhi Linux[60] für den Raspberry Pi. OpenSUSE bietet ebenfalls lauffähige Images[61] und mit dem openSUSE Build Service zudem die Möglichkeit, eigene Programmpakete zu erstellen und damit eigene openSUSE basierte Distributionen zu erstellen.[62]

Mit auf dem Media Center XBMC basierenden Distributionen wie OpenELEC, Raspbmc oder XBian lässt sich der Raspberry Pi als Mediacenter nutzen. XBMC lässt sich auch mit der Fernbedienung des Fernsehers nutzen.[63]

Des Weiteren wird das Android-System auf den Raspberry Pi portiert. Eine lauffähige Beta-Version ist verfügbar.[64]

Entgegen ersten Annahmen wird die Linuxdistribution Ubuntu nicht auf dem Raspberry Pi zu installieren sein, da Ubuntu nur die ARMv7-Architektur (Cortex-Familie) unterstützt,[65] der Raspberry Pi hingegen die ARMv6-Architektur (ARM11-Familie) verwendet.[66]

Andere Systeme[Bearbeiten]

Neben den verschiedenen Linux-Distributionen läuft auf dem Raspberry Pi auch eine Entwicklerversion von RISC OS 5[67] sowie Plan 9.[68] Auch die BSD-Varianten FreeBSD und NetBSD wurden auf den Raspberry Pi portiert.[69]

Obwohl Windows RT auf ARM-Prozessoren lauffähig ist, ist es wahrscheinlich nicht möglich, dieses Betriebssystem auf den Raspberry Pi zu übertragen, da Windows 8 mindestens ein Gigabyte Arbeitsspeicher benötigt, den der Raspberry Pi nicht hat.

Software[Bearbeiten]

Einige Programme wurden für den Raspberry Pi angepasst, um von der hardwarebeschleunigten Grafik durch die GPU zu profitieren. Dazu zählt insbesondere das XBMC Media Center.[70] Im Rahmen der Anpassung von XBMC an den Raspberry Pi wurde auch ein eigenständiger Videoplayer mit GPU-Unterstützung unter dem Namen OMXPlayer entwickelt.[71] Auch das Spiel Minecraft gibt es in einer speziellen kostenfreien Version mit integrierter Programmierschnittstelle.[72] Die Bibliotheken Qt und NGL wurden auf den Raspberry Pi unter dem Namen „QtonPi“ portiert.[73][74]

Seit November 2013 erhält jeder private Benutzer des Raspberry Pi ein kostenloses Exemplar der Software Mathematica.[75]

Reaktionen[Bearbeiten]

Wegen des günstigen Preises und der geringen Leistungsaufnahme eignet sich der Raspberry Pi abseits der vorgesehenen Nutzung als Schulrechner insbesondere als Steuereinheit für Robotik-, Embeddedprojekte, Media Center, Thin Client oder Server.

Seit dem Verkauf des Raspberry Pi berichten vor allem technisch ausgerichtete Medien regelmäßig über neue Projekte mit dem Raspberry Pi. Raspberry Pi wurde als Innovation des Jahres beim T3 Gadget Awards 2012 ausgezeichnet.[76] Eben Upton, einer der Entwickler des Raspberry Pi, wurde 2013 mit der Silbermedaille der Royal Academy of Engineering ausgezeichnet.[77]

Im Mai 2012 wurde die erste Ausgabe der Community-Zeitschrift MagPi veröffentlicht.[78] Das Magazin greift alle Themen rund um den Raspberry Pi auf. Seit Juni 2013 gibt es eine englische und seit August 2013 die deutschsprachige Zeitschrift „Raspberry Pi Geek“ vom Medialinx Verlag.[79]

Nach dem großen Erfolg des Raspberry Pi kamen etliche ähnliche Einplatinencomputer auf den Markt. Zu nennen sind hier insbesondere das Cubieboard mit einer schnelleren ARM-CPU und mehr Arbeitsspeicher für 49 US-$[80] und das auf dem BeagleBoard basierende BeagleBone Black von CircuitCo mit einem schnelleren Prozessor von Texas Instruments und einer größeren Anzahl an I/O-Schnittstellen für 45 US-$.[81] Manche Anbieter zielen mit Produkten wie z. B. dem Banana Pi oder dem HummingBoard der Firma SolidRun in ihrem Aussehen und der Größe, sowie der Lage der Steckverbinder direkt auf eine Kompatibilität mit dem Raspberry Pi. Für die alternativen Systeme gibt es derzeit keine vergleichbar großen Kern-Communitys und sie sind im Preis teurer als das Raspberry Pi.

Ähnliche Geräte[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Raspberry Pi – Sammlung von Bildern
 Wikiversity: Kurs: Wie funktioniert eigentlich ein Computer – anhand eines Raspberry Pi – Kursmaterialien, Forschungsprojekte und wissenschaftlicher Austausch

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Martin Belam: The Raspberry Pi: reviving the lost art of children's computer programming. In: the Guardian. Guardian News and Media Limited, 29. Februar 2012, abgerufen am 21. September 2014.
  2. a b Raspberry Pi Microcomputer Still Selling Like Hot Cakes. http://techcrunch.com/, 12. Oktober 2014, abgerufen am 14. November 2014 (englisch).
  3. Raspberrypi.org: About
  4. Raspberry Pi Foundation. Raspberry Pi Foundation, abgerufen am 2. Juli 2011.
  5. Farnell zeigt den Raspberry-Pi-Nachwuchs – elektroniknet.de. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (deutsch).
  6. Humphries, Matthew: Raspberry Pi selects a very clever logo. geek.com, abgerufen am 11. Oktober 2011: „[…] Raspberry Pi needed a logo, and decided to turn to the community to come up with ideas. […] 6 designs made the shortlist, and it took several days for the judges to finally decide on the winner. […] It was created by Paul Beech […] the raspberry is a 3D buckyball […]“
  7. RASPBERRY PI FOUNDATION :: OpenCharities. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  8. 1129409 – Raspberry Pi Foundation. Charity Commission for England and Wales, 6. Juni 2011, abgerufen am 20. November 2011: „The object of the charity is to further the advancement of education of adults and children, particularly in the field of computers, computer science and related subjects.
  9. Electronics Weekly News – Embedded Systems – In depth: Raspberry Pi, the computer on a stick. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatManagement Team. Norcott Technologies Ltd, abgerufen am 2014-11-077 (englisch).
  11. a b Wong, George: Build your own prototype Raspberry Pi minicomputer. ubergizmo, 24. Oktober 2011, abgerufen am 2. November 2011: „From an Atmel ATmega644 microcontroller that ran at 22.1MHz with 512K of SRAM that’s now been replaced by a 700 MHz ARM11 processor and 128/256 MB of SDRAM […] they’ve also decided to share the schematics and PCB layout of the 2006 Raspberry Pi computer.“
  12. Model B schematics – Raspberry Pi. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  13. Raspberry Pi $25 PC goes into alpha production – Chips – Geek.com. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  14. Raspberry Pi – Quake 3 demo – YouTube. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  15. Raspberry Pi video capabilities – YouTube. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  16. Made in the UK! The Raspberry Pi Foundation, 6. September 2012, abgerufen am 15. Oktober 2012 (englisch).
  17. Upcoming board revision – Raspberry Pi. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  18. Philip Steffan: Raspberry Pi: Revision 2.0 kommt von Sony. In: heise online. Heise Zeitschriften Verlag, 7. September 2012, abgerufen am 21. September 2014.
  19. Model B now ships with 512 MB of RAM – Raspberry Pi. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  20. Made in the UK! – Raspberry Pi. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  21. Raspberry Pi Modell B ab sofort mit 512 MB RAM
  22. Raspberry Pi: Doppelter Arbeitsspeicher bei gleichem Preis » t3n. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (deutsch).
  23. raspberrypi.org: 1.75 million sold so far – and 1 million made in the UK
  24. Camera board available for sale! – Raspberry Pi. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  25. Vgl. Pi NoIR – the first photo; Eben at GigaOM sowie Infrared camera – you asked us, so we’re making them!
  26. http://www.golem.de/news/raspberry-pi-kleinrechner-weiter-geschrumpft-1404-105673.html (Abgerufen am 8. April 2014)
  27. Golem.de – Compute Module ist lieferbar (Abgerufen am 10. Juni 2014)
  28. Flashing the Compute Module eMMC Englisch (Abgerufen am 10. Juni 2014)
  29. Eben Upton: Introducing Raspberry Pi Model B+. raspberrypi.org, 14. Juli 2014, abgerufen am 23. Juli 2014.
  30. Modell B+ getestet und im Detail erklärt – was ist neu, was ist besser? 23. Juli 2014, abgerufen am 28. Juli 2014.
  31. Russell Barnes: Der Raspberry Pi bekommt Hüte. golem.de, 10. November 2014, abgerufen am 10. November 2014 (englisch).
  32. a b Jörg Thoma: Raspberry Pi Model A+ out now. 20 % cheaper, 24 % shorter and 42 % thinner! golem.de, 2. August 2014, abgerufen am 5. August 2014.
  33. Philip Steffan: Raspberry Pi standardisiert Zusatzplatinen. In: heise online. Heise Zeitschriften Verlag, 2. August 2014, abgerufen am 5. August 2014.
  34. Raspberry Pi Model Specifications. raspberrypi.org, abgerufen am 19. September 2014.
  35. COMPUTE MODULE HARDWARE DESIGN GUIDE. raspberrypi.org, abgerufen am 13. November 2014.
  36. Compute Module IO Board Hardware Design Files Now Available! raspberrypi.org, 2, abgerufen am 17. Oktober 2014.
  37. Comment by James Adams on Compute Module announcement. 4. Juli 2014, abgerufen am 14. November 2014 (englisch).
  38. RPi Hardware. Abgerufen am 3. Februar 2013.
  39. Raspi.tv: Raspberry Pi A+ How Much Power Does It Need?
  40. a b Power supply confirmed as 5V micro USB. Abgerufen am 20. November 2011.
  41. RISC OS on Raspberry Pi forum. Raspberry Pi, abgerufen am 31. Januar 2012.
  42. Getting Plan 9 running on the Raspberry Pi. Abgerufen am 1. Dezember 2012: „Installing Plan 9 on the raspberry pi couldn't be much easier. Thanks to Richard Miller of 9fans, there's a ready-to-go image for the Raspberry Pi.“
  43. Jazelle – ARM. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  44. Getting Started with Java SE Embedded on the Raspberry Pi. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  45. Auswirkungen auf die Garantie durch Übertaktung
  46. Introducing turbo mode: up to 50 % more performance for free – Raspberry Pi. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  47. New video features! MPEG-2 and VC-1 decode, H.264 encode, CEC support – Raspberry Pi. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  48. Thorsten Leemhuis: heise.de Raspberry Pi standardisiert Zusatzplatinen. In: heise online. Heise Zeitschriften Verlag, 3. März 2014, abgerufen am 11. November 2014.
  49. http://www.golem.de/news/raspberry-pi-open-source-grafiktreiber-ist-fertig-1403-105497.html (Abgerufen am 8. April 2014)
  50. Raspberry Pi: 32 Zeichen Hitachi HD44780 Display. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (deutsch).
  51. Raspberry Pi-Wiki: Rpi Low-level peripherals
  52. Camera module – ModMyPi! ModMyPi, 25. Mai 2013, abgerufen am 25. Mai 2013 (englisch).
  53. Maik Schmidt, c’t Hardware Hacks, S. 24–29.
  54. Pi NoIR, the infrared camera:now avalible! raspberrypi, 29. September 2013, abgerufen am 6. Februar 2014 (englisch).
  55. Oliver Diedrich: Raspberry Pi: NOOBS erleichtert die Installation – heise open. In: heise online. Heise Zeitschriften Verlag, 7. Juni 2013, abgerufen am 1. Oktober 2013 (deutsch).
  56. BerryBoot v2.0 – bootloader / universal operating system installer. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  57. Pro-Linux.de: NOOBS 1.3 mit neuen Funktionen erschienen
  58. Downloads – Raspberry Pi. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  59. Ronald Eikenberg: Security-Linux Kali tritt Nachfolge von BackTrack an – heise Security. In: heise online. Heise Zeitschriften Verlag, 13. März 2013, abgerufen am 1. Oktober 2013 (deutsch).
  60. Bodhi Linux. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  61. openSUSE News. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  62. openSUSE Lizards. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  63. Raspberry Pi – XBMC. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
  64. Android Pi Wiki. Abgerufen am 1. Oktober 2013 (englisch).
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