Freie Software
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Freie Software (engl.: free software) ist Software, die für jeden Zweck genutzt, studiert, bearbeitet und in ursprünglicher oder veränderter Form weiterverbreitet werden darf. Das schließt auch die kommerzielle Nutzung ein. Software, die auf Grundlage dieser Software entsteht, muss normalerweise ebenfalls Freie Software sein (Prinzip des Copyleft bzw. share alike).
Freier Software steht die proprietäre oder „unfreie“ Software gegenüber, die diese Freiheiten nicht oder nicht in vollem Umfang bietet. Diese Unterscheidung wurde von der Free Software Foundation (FSF) geprägt.[1]
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[Bearbeiten] Abgrenzungen
Die Free Software Foundation (FSF) definiert Software als frei, wenn ihre Lizenz folgende Freiheiten einräumt:
- Freiheit 0: Das Programm zu jedem Zweck auszuführen.
- Freiheit 1: Das Programm zu studieren und zu verändern.
- Freiheit 2: Das Programm zu verbreiten.
- Freiheit 3: Das Programm zu verbessern und zu verbreiten, um damit einen Nutzen für die Gemeinschaft zu erzeugen.
Für die Freiheiten (1) und (3) ist der Zugang zum Quelltext Voraussetzung, sonst wird das Verändern eines Programms schwierig bis unmöglich. Sind eine oder mehrere dieser Bedingungen nicht erfüllt, wird die Software als proprietär oder „unfrei“ bezeichnet.
[Bearbeiten] Freeware
In der englischen Sprache bedeutet free nicht nur "frei", sondern auch "kostenlos". Englischsprachige Entwickler und Aktivisten machen die Unterscheidung mit free as in freedom und free as in beer deutlich. Bei freier Software (Originalausdruck auf Englisch: free software) bezieht sich „frei“ auf die erste Bedeutung, auf die Freiheiten für den Nutzer der Software. Zu den garantierten Freiheiten gehört auch, freie Software zu einem beliebigen Preis verkaufen zu dürfen. Ein Teil der Lizenzen freier Software beinhaltet eine Copyleft-Regelung (auch: share alike), das heißt, die Freiheiten dürfen bei der Verbreitung der Software nicht eingeschränkt werden.
Freeware hingegen bezieht sich auf die zweite Bedeutung, "kostenlos". Diese Software räumt dem Benutzer nicht die von der Free Software Foundation (FSF) aufgelisteten Freiheiten ein. Daher gilt sie nicht als "freie Software".
[Bearbeiten] Open Source
Open Source (zu deutsch "quelloffen") bezieht sich darauf, dass der Quellcode eines Programmes offenliegt. Nicht nur das Programm wird verbreitet, sondern auch der Quellcode, auf Grundlage dessen das Programm erstellt wurde. Wer den Quellcode kennt, kann ihn auch verändern und neue Programme schreiben. Das Bekanntsein des Quellcodes ist wichtig dafür, dass Software frei verbreitet werden kann. Sachlich gesehen liegen Freie Software und Open Source ganz nah beieinander, allerdings werden beide Ausdrücke von unterschiedlichen Denkrichtungen genutzt.
Der Begriff „Open Source“ wurde von Eric S. Raymond eingeführt, weil er glaubte, dass das unangenehme Thema Freiheit potentielle Geldgeber für entsprechende Projekte abschrecken könnte. In der Darstellung der Open-Source-Bewegung wird die Freiheit, die freie Software den Benutzern gibt, daher nicht erwähnt. Sie betont daher, dass Open Source zu besserer und preisgünstigerer Software führt als geschlossene, proprietäre Konstruktionen.
Die Free Software Foundation hingegen meint, dass proprietäre Software allein schon aus moralischen Gründen abzulehnen sei, selbst wenn sie besser als quelloffene wäre. Software soll transparent und überprüfbar sein. Richard Stallman von der FSF lehnt die Bezeichnung Open Source und den dahinterstehenden Standpunkt grundsätzlich ab.
Dennoch arbeiten Anhänger beider Lager bei Projekten zusammen. Auch ist die GNU GPL die beliebteste Lizenz selbst bei Projekten, die von Open-Source-Anhängern dominiert werden. Alternative Kompromissbezeichnungen wie „Free/Libre Open Source Software“, die von Anhängern beider Positionen (einschließlich Richard Stallman) akzeptiert werden, sollen diese Gemeinsamkeiten betonen. Der Begriff „Open-Source-Software“ scheint mit der Betonung der Überlegenheit des Entwicklungsprozesses eher die Entwicklersicht wiederzugeben, während der Begriff „Freie Software“ auch die Sicht der übrigen Anwender einbezieht.
[Bearbeiten] Halbfreie Software
Aus Angst vor kommerzieller Ausnutzung oder amoralischem Gebrauch der eigenen Software gab und gibt es Bestrebungen, nicht alle Freiheiten aus der Definition freier Software in seiner Lizenz zu gewähren. Die Programmierer des Amiga-Emulators WinUae z. B. ärgerten sich darüber, dass das Unternehmen Cloanto den Emulator in einer Kollektion mit diversen Spielen und Hilfsprogrammen als Amiga Forever Pack für ungefähr 60 Dollar verkaufte. Die eMule-Entwickler sahen sich mit Unternehmen wie 3PO Web-Invest konfrontiert, die eine neue proprietäre Version (eMcrypt-Emule) erstellten und kommerziell vertrieben, die sich vom Original nur durch hinzugefügte Spyware unterschied. Solche Vorfälle führen zu Erwägungen eines Modells, das die Freiheiten der freien Software um die kommerzielle Weiterverbreitung vermindert (aber die sonstigen unverändert beibehält). Von der FSF wird so etwas als halbfreie Software (semi-free software) abgelehnt.
[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Entwicklungen im Vorfeld
1931 gründete Thomas J. Watson Sr. von IBM ein Methods Research Department um das Wissen zum Betrieb seiner Datenverarbeitungsverfahren zu sammeln und effektiv mit seinen Kunden zu teilen[2], was IBM mit den Nutzergruppen SHARE (Society to Help Avoid Redundant Effort) und GUIDE für seine Mainframe-Programmierung fortführte[3]. Bis 1970 wurde Software von IBM kostenlos und inklusive Quellcode zur Verfügung gestellt.[4] Zwischen 1960 und 1970 etablierte sich unter anderem an akademischen US-Einrichtungen (Stanford, Berkeley, Carnegie Mellon und MIT) eine „Hacker-Kultur“, für die es selbstverständlich war, eigene Software-Verbesserungen mit anderen Programmierern zu teilen. Programmierer tauschten die Software frei untereinander aus und gaben häufig den entsprechenden Quelltext weiter. Insbesondere in großen Benutzergruppen wie der DEC User Group (DECUS) war dies üblich. Es war auch gängige Praxis, den Quelltext der mit Computersystemen ausgelieferten Software mitzuliefern. Dadurch kamen viele Vorschläge für Verbesserungen und Fehlerkorrekturen zu den Computerherstellern zurück. Software wurde als Zugabe zu Computern gesehen, um diese nutzbar zu machen.
Am 23. Juni 1969[5] kündigte IBM neue Regeln für die Nutzung und Wartung seiner Software, getrennt von den Hardware-Nutzungsbedingungen an. Für Software wurde urheberrechtlicher Schutz in Verbindung mit Lizenzverträgen eingeführt.[6] Die bislange freie Dienstleistung zur Wartung und Weiterentwicklung von Software wurde gesondert berechnet, was einen eigenen Wirtschaftsmarkt für diesen Dienstleistungssektor begründete. In den späten 1970er Jahren begannen auch andere Unternehmen, „Softwarelizenzen“ einzuführen, welche den Nutzen, die Weitergabe und die Möglichkeit der Veränderung der Programme einschränkte. Außerdem wurden viele Programme nicht mehr im Quelltext geliefert, sondern nur noch in maschinenlesbarer Form, zum Schutz der Software als Geschäftsgeheimnis, was eine Veränderung nahezu unmöglich machte. Zusätzlich wurde es mit dem Aufkommen von finanzierbaren Mikrocomputern von IBM, Apple, Atari oder Commodore üblich, Software getrennt von Computer-Hardware zu verkaufen und den Quelltext vor der Konkurrenz zu verbergen, die Software wurde somit proprietär. Immer mehr Hacker wurden von den Softwareunternehmen angestellt, und die bisher wahrgenommenen Freiheiten wurden stark eingeschränkt, Software wurde zu einem künstlich verknappten Gut.
In diese Zeit fiel die Arbeit von Richard Stallman am „AI Lab“ (Abteilung für Künstliche Intelligenz) des Massachusetts Institute of Technology. Als dort ebenfalls proprietäre Software in den Laboren eingeführt wurde, bemühte Stallman sich darum, durch das Programmieren alternativer Software eine Monopolstellung proprietärer Anbieter zu verhindern. Er folgte damit seinen Prinzipien einer wissenschaftlichen Zusammenarbeit, die einen freien und ungehinderten Austausch von Software vorsahen.
„Mit dem Verlust meiner Gemeinschaft war es unmöglich, weiterzumachen wie zuvor. Stattdessen stand ich vor einer gänzlich moralischen Entscheidung.
Die einfache Wahl wäre es gewesen, der proprietären Software-Welt beizutreten, Vertraulichkeitsvereinbarungen zu unterzeichnen und zu versprechen, meinen Mit-Hackern nicht zu helfen. Sehr wahrscheinlich würde ich auch Software entwickeln, die unter Vertraulichkeitsvereinbarungen ausgegeben würde, und so den Druck auf andere Leute erhöhen, ihre Kameraden auch zu verraten.
Ich hätte auf diese Art Geld verdienen und mich vielleicht mit dem Schreiben von Code vergnügen können. Aber ich wusste, dass ich am Ende meiner Karriere auf Jahre zurückblicken würde, in denen ich Wände gebaut habe; Wände, welche die Menschen voneinander trennen. Ich würde dann das Gefühl haben, dass ich mein Leben damit verbracht hatte, die Welt zu einem schlechteren Ort zu machen. […]
Eine andere Wahlmöglichkeit, die direkt, aber unerfreulich gewesen wäre, war, mich überhaupt nicht mehr mit Computern zu befassen. Auf diese Art wären meine Fähigkeiten nicht missbraucht worden, aber sie wären andererseits auch verschwendet worden. Ich wäre dann zwar nicht schuld daran, dass Computer-Nutzer voneinander getrennt und eingeschränkt werden, aber ich hätte es auch nicht verhindert.
Also suchte ich nach einem Weg, auf dem ein Programmierer etwas Gutes tun kann. Ich fragte mich selbst: Gibt es ein Programm oder Programme, die ich schreiben könnte, um wieder eine Gemeinschaft möglich zu machen?“– Richard Stallman[7]
[Bearbeiten] Die Geburt Freier Software
Im Jahre 1983 entschied sich dann das Unternehmen AT&T, eine proprietäre Version ihres Unix auf den Markt zu bringen: UNIX System V. Da nun eine frei verfügbare Version von Unix fehlte, entschied sich Stallman, diese zu erstellen. Im September 1983 kündigte er das GNU-Projekt an, dass sich genau das zum Ziel gemacht hat.[8].
Damit die Idee der Freiheit auch rechtlich abgesichert sein würde, mussten freie Lizenzen erfunden werden, also Rechtskonstruktionen, die besagen, unter welchen Bedingungen die so lizenzierte Software verwendet werden darf. Stallman entwarf das Copyleft-Prinzip, demzufolge alles, was aufgrund freier Software produziert wurde, selbst unter derselbe freie Lizenz gestellt werden musste. Auf diesem Prinzip beruhen die Lizenzen der GNU-Software. Da aber für verschiedene Softwareprojekte verschiedene Lizenzen bestanden, fasste Stallman 1989 die einzelnen Lizenzen zu einer einzigen Lizenz zusammen, der GNU General Public License (GNU GPL). Die GNU GPL ist die heute meist verbreitete Lizenz für freie Software.
Eine organisatorische Basis für GNU und freie Software überhaupt ist die 1985 gegründete Free Software Foundation (FSF), eine gemeinnützige Stiftung.
Einen neuen Aufschwung erlebte die freie Software, als Linus Torvalds 1992 den von ihm geschriebenen Kernel Linux unter die GNU GPL stellte. Dies erlaubte es erstmals, einen Computer ausschließlich mit freier Software zu betreiben. Mit der darauffolgenden rasanten Entwicklung und Verbreitung von GNU/Linux wurde freie Software von immer mehr Menschen genutzt.
[Bearbeiten] Bekannte Beispiele
[Bearbeiten] Persönlichkeiten
- Richard Stallman, Initiator des GNU-Projektes, Gründer der Free Software Foundation, Hauptautor der GNU GPL Versionen 1-3, Mitglied des Board of Directors der FSF, Empfänger des MacArthur Fellowships, des EFF Pioneer Awards und des Takeda Foundation Awards
- Bruce Perens, ehemaliger Projektleiter für Debian, der Hauptautor der Open-Source-Definition, ein Begründer von Software in the Public Interest (SPI) und Mitbegründer der OSI, der sich wieder von Open Source distanziert und zu Freier Software bekannt hat.
- Alan Cox, einer der ersten und prominentesten Linux-Kernel-Hacker und Empfänger des FSF Awards
- Theo de Raadt, Mitbegründer von NetBSD, Gründer und Leiter von OpenBSD und OpenSSH und Empfänger des FSF Awards
- Eben Moglen, Gründer und Vorsitzender des Software Freedom Law Center, pro bono Chefsyndikus der FSF, ehemaliges Mitglied des Board of Directors der FSF, Empfänger des EFF Pioneer Awards
- Lawrence Lessig, gründete das Center for Internet and Society und die Creative-Commons-Initiative, Mitglied des Board of Directors der FSF, Empfänger des FSF Awards
[Bearbeiten] Software
Im Juli 2007 gab es über 5000 Software-Pakete im „FSF/UNESCO Free Software Directory“ eingetragen [9], welches 1999 ebenfalls als ein Projekt der FSF startete.
Einige der wichtigsten Projekte sind:
- Aus dem GNU-Projekt: Emacs, GCC, GNU Debugger, Bash, GNOME, GIMP, Versionen fast aller Unix-Kommandozeilen-Utilities, sowie Bibliotheken zur Softwareentwicklung
- Der Betriebssystemkern Linux
- Die Gruppe der freien BSD-Betriebssysteme
- Apache, eine Webserver-Software
- Datenbanken, wie MySQL und PostgreSQL
- Compiler oder Interpreter von Programmiersprachen wie Perl, PHP, Java, Python, Ruby und Tcl
- X.Org-Server, eine freie Implementierung des X11-Fenstersystems
- KDE, eine Arbeitsumgebung (engl. Desktop-Environment) (integrierte grafische Oberfläche)
- OpenOffice.org, ein Office-Paket
- Das Textsatzsystem TeX
[Bearbeiten] Geschäftsmodelle
Freie Software kann, gemäß den vier Freiheiten, meist nahezu beliebig kopiert und weitergegeben werden (Stichwort: Copyleft). Freie Software darf zwar zu einem beliebig hohen Preis verkauft werden, doch ist sie fast immer auch kostenlos im Internet erhältlich und so ist ihr Verkaufswert auf Datenträgern meist nicht viel höher als die Selbstkosten. Eine bemerkenswerte Ausnahme ist das GNU-Projekt, das freie Software mit deutlicher Profitspanne anbietet und in den 1980er-Jahren auch einen erheblichen Teil seiner Einnahmen aus dem Verkauf von Software bestritt. Das GNU-Projekt hatte damals jedoch aufgrund seiner zentralen Rolle bei der Entwicklung freier Software und der damals geringen Verbreitung und Leistungsfähigkeit des Internets eine besondere Rolle, die es heute nicht mehr gibt.
Heutige Geschäftsmodelle, die mit freier Software zu tun haben, konzentrieren sich deswegen auf den Dienstleistungsaspekt der Softwareentwicklung, -weiterentwicklung und -anpassung. Wartung und individuelle Anpassung der Software sowie Schulung und technische Unterstützung sind für die Kunden vorrangig. Unternehmen, die alleine diese Dienstleistungen als Geschäftsstrategie gewählt haben, sind zum Beispiel MySQL AB, Red Hat und Qt Software. Freie Software unterliegt keiner Rivalität und auch nicht der Ausschließbarkeit, ist somit ein reines öffentliches Gut und kann per Definition nicht einem üblichen Marktgeschehen unterliegen. Dennoch betrachten die Herausgeber proprietärer Software sie als eine ernste Bedrohung für ihr Geschäftsmodell der Lizenzierung und versuchen deshalb, potenzielle Kunden von der Benutzung freier Software abzuhalten.
Als Argumente für ihre Produkte führen Hersteller proprietärer Software unter anderem mehr Garantien, bessere Qualität – besonders im Hinblick auf Benutzerfreundlichkeit und bessere Dienstleistungen an. Solche Argumente, die auf Versprechungen von Open Source, nicht von Freier Software kontern, hat Richard M. Stallman wiederholt als tendentiös und thematisch verfehlt angegriffen; in seinen Augen ist die Entscheidung für oder gegen freie Software primär eine ethische und soziale Entscheidung, von der nicht durch Qualitätsdiskussionen abgelenkt werden darf.
[Bearbeiten] Lizenzen
Es gibt verschiedene Typen von Lizenzen, die die Kriterien freier Software erfüllen:
- Copyleft-Lizenzen, die GNU General Public License (GNU GPL) ist die am häufigsten verwendete. Der Autor behält das Copyright, und es sind Klauseln enthalten, dass veränderte und weitergegebene Software frei bleibt. Auch der Quellcode muss zur Verfügung gestellt werden.
- Bei BSD-artigen Lizenzen behält der Autor das Copyright. Diese dem Grundsatz „Ehre, wem Ehre gebührt“ folgende Lizenz enthält den Namen des Autors und oft auch eine Haftungsbeschränkung. Veränderung und Weitergabe in jeder Form ist erlaubt, das heißt sie darf auch in proprietäre Software eingebaut werden. In diese Klasse fallen die Apache-Lizenz und die MIT-Lizenz.
- Gemeinfreiheit. Der Autor verzichtet auf das Copyright. Damit kann jeder alles mit der Software machen, sie etwa in eigene Programme einbauen, verkaufen oder sie selbst wieder zu proprietärer Software machen. Gemeinfreiheit ist jedoch keine Lizenz, sondern ein gemeinfreies Werk ist besitzlos. In Staaten, in denen keine Gemeinfreiheit von Software möglich ist (etwa in Teilen der Europäischen Union), weil etwa die Urheberrechtsgesetze eine bewusste Übergabe in die Gemeinfreiheit nicht zulassen und die Schutzfristen nach dem Tod eines Autor so lang sind, dass noch keine Gemeinfreiheit jemals geschriebener Software eingetreten ist, wird statt der Gemeinfreiheit eine Lizenzierung verwendet, die dem Lizenznehmer keinerlei Verpflichtungen auferlegt und ihn von allen durch die allgemeine Copyright-Regelungen auferlegten Beschränkungen befreit (zum Beispiel die Do What The Fuck You Want To Public License (WTFPL)).
[Bearbeiten] Freie Software aus gesellschaftlicher Sicht
[Bearbeiten] Beitrag zur Diskussion über die Wirtschaftsordnung
Einige Menschen sehen in der Freie-Software-Bewegung Ansätze, die Möglichkeiten zur Überwindung des Kapitalismus zu zeigen. In Deutschland beschäftigt sich unter anderem das Projekt Oekonux mit dieser Thematik. Andere sehen in freier Software lediglich einen weiteren Wettbewerber innerhalb der marktwirtschaftlichen Ordnung. Die Freiheit, die Software in andere Sprachen zu übersetzen, kommt besonders denjenigen Sprachgruppen zugute, für die eine Übersetzung bisher kommerziell nicht interessant war.
[Bearbeiten] Beitrag zur Reduktion der digitalen Kluft
Die Freiheit der Software wird vom 3. UNO-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS) als schützenswert anerkannt. Sie gehört zu den elementaren Forderungen der Zivilgesellschaft, mit der die „Digitale Kluft“ überwunden werden soll. Unter „digitaler Kluft“ wird die Spaltung in Regionen der Erde bezeichnet, die sich die Schaffung von IT-Infrastruktur und damit vor allem die Teilnahme am Internet leisten können, und solchen, die dies nicht können. Anders als bei proprietärer Software fließt bei der Verwendung freier Software kein Geld in fremde Länder ab, wo die Anbieter proprietärer Software ihren Unternehmenshauptsitz haben. Alle Mittel, die vor Ort für die IT bereitstehen, können daher unmittelbar in die IT-Wirtschaft vor Ort einfließen.
„Durch Freie Software haben Entwickler in anderen Kulturräumen die Freiheit, Programme an ihre Sprache und Gegebenheiten anzupassen, um sie dann kommerziell oder nichtkommerziell weiterzugeben. Bei proprietärer Software ist dies generell verboten und von der Gnade des Herstellers abhängig“
– Georg Greve, Präsident der Free Software Foundation Europe und Vertreter des zivilgesellschaftlichen WSIS Koordinierungskreises in der deutschen Regierungsdelegation, 2003)[10]
[Bearbeiten] Gefahren für freie Software
[Bearbeiten] Proprietäre Schnittstellen
Hardware-Hersteller gehen immer mehr dazu über, die Schnittstellenspezifikationen geheim zu halten, um der Konkurrenz das Kopieren von technischen Lösungsmethoden zu verwehren. Der Grund liegt im zunehmenden Wettbewerbsdruck und in der Einfachheit des Schutzes gegenüber der Patentierung. Wenn nicht öffentlich dokumentiert ist, wie die Geräte anzusteuern sind, erleidet die Hardwareunterstützung freier Betriebssysteme mittels freier Treiber einen schweren Rückschlag, da sie allenfalls mittels Reverse Engineering herzustellen sind.
Andererseits haben die Hersteller die Benutzer größerer freier Betriebssysteme (vor allem GNU/Linux – wobei insbesondere Linux und der X.Org-Server relevant sind) als Kundengruppe erkannt. Viele von ihnen stellen jedoch proprietäre Treiber zur Verfügung. Diese Treiber stoßen unter den Anhängern freier Software auf höchst geteilte Meinungen: Einige sind glücklich darüber, dass sie die „Unterstützung“ der Hardware-Hersteller errungen haben und ihre Hardware durch ihr bevorzugtes Betriebssystem nun mehr oder weniger unterstützt wird, andere lehnen proprietäre Treiber grundsätzlich ab.
Von einer generellen Schnittstellenfreigabe würden die Benutzer freier Betriebssysteme sicherlich profitieren. Neben der ideologischen Sichtweise ist es eine Frage der Systemstabilität, denn sollte beispielsweise ein proprietärer Linux-Netzwerkkartentreiber regelmäßig zu Abstürzen des Systems führen, wären die Linux-Entwickler dagegen machtlos, und es hinge von der Gnade des Herstellers ab, ob der Fehler behoben wird.
[Bearbeiten] Softwarepatente
Die regelmäßig in den Schlagzeilen auftauchenden Softwarepatente haben auf freie Software einen besonders schwerwiegenden Einfluss, denn es ist zum Teil rechtlich noch nicht einmal möglich, mit freier Software die Patentauflagen zu erfüllen. Diese bestehen nämlich in einigen Fällen auf einer Gebühr pro in Umlauf gebrachter Kopie, aber freie Software verlangt gerade, dass der Herausgeber darauf keinen Einfluss haben darf. Selbst wenn er die Lizenzgebühren zum Beispiel durch Spenden zahlen würde, müsste er eine genaue Zahl der Kopien, die im Umlauf sind, vorlegen können, womit es keine freie Software mehr wäre.
[Bearbeiten] Trusted Computing
Trusted Computing kann Veränderungen an einer Computer-Plattform eindeutig erkennen und damit sowohl externe Software-Angriffe als auch Veränderungen durch den Benutzer, Konfigurationen, Fehlfunktionen, Sicherheitslücken oder von Anwendungsprogrammen eindeutig identifizieren. Die Reaktion auf eine solche Veränderung kann (aber muss nicht) durch ein entsprechendes, sicheres Betriebssystem erfolgen. Trusted Computing kann daher auch zur Absicherung von Digital Rights Management (DRM) und zum Kopierschutz verwendet werden.
Politisch gesehen muss freie Software immer vom Benutzer ersetzbar und veränderbar sein. Software, die in binärer Form zertifiziert sein muss, ist dies nicht. Technisch gesehen kann in freier Software vor dem Benutzer nichts im Binärcode verheimlicht werden, weil der Quellcode für jeden zugänglich sein muss. Somit kann die Verschlüsselung, mit der die Daten vor dem Benutzer „bewahrt“ werden, einfacher hintergangen werden.
Eine weitere Inkompatibilität tut sich mit dem Kopierschutz von DVDs auf: Die Umgehung wirksamer Kopierschutzmaßnahmen ist seit den um die Jahrtausendwende weltweit nach und nach etablierten Reformen zum Copyright (in den USA der Digital Millennium Copyright Act (DMCA)) gesetzlich nur noch mit Zustimmung des Rechteinhabers erlaubt. Dieses Verbot erstreckt sich auch auf die Herstellung oder Verbreitung von Programmen, die diese Maßnahmen umgehen können, so dass freie Abspielsoftware für kopiergeschützte DVDs nicht legal geschrieben werden kann – aus ihren natürlichen Interessen heraus würden die Rechteinhaber ihre Zustimmung dazu niemals erteilen, weil dadurch der Sinn der Maßnahmen ad absurdum geführt würde.
Falls Hardwarehersteller wie Intel oder AMD funktionseinschränkende Verfahren in Chipsätze oder Prozessoren implementieren sollten, könnte freie Software den vollen Funktionsumfang möglicherweise nur noch auf freier Hardware entfalten.
[Bearbeiten] Siehe auch
- Debian Free Software Guidelines
- Open Letter to Hobbyists – Bill Gates beschwert sich 1976 öffentlich über work for nothing
- Freie Inhalte
[Bearbeiten] Literatur
- Volker Grassmuck: Freie Software zwischen Privat- und Gemeineigentum, bpb, Bonn, 2002, ISBN 3-89331-432-6, online oder als PDF
- Bernhard E. Reiter: Wandel der IT: Mehr als 20 Jahre Freie Software In: HMD, Heft 238, August 2004, Seiten 83–91, ISSN 1436-3011
- Viesel, Edward: Freiheit statt Freibier. Geschichte und Praxis der freien digitalen Welt – mit einer Einführung in Linux, Münster: Unrast Verlag, 2006, ISBN 3-89771-450-7
- Siehe auch: Literatur über Freie und Open-Source-Software
[Bearbeiten] Weblinks
- „Die Definition Freier Software“ – Artikel der Free Software Foundation zum Thema
- Freie Software und WSIS - Referenzpapier über Freie Software
- „Freie Software – Zwischen Privat- und Gemeineigentum“ von Volker Grassmuck (PDF, 1,5 MB)
- Freie Software in der Schule – eine Online-Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung
- „Software: Endlich frei“ im Technology Review
- Essay über die Kultur Freier Software in der Süddeutschen Zeitung
- Freie Software – Chance für Entwicklungsländer? Quelle:OEW
- Joachim Korb: Kopieren, Verteilen, Verändern: zur Geschichte der „Freien Software“. November 2001. Abgerufen am 8. März 2009. (PDF, 419 KB)
- Study on the Economic impact of open source software on innovation and the competitiveness of the Information and Communication Technologies (ICT) sector in the EU. Final Report. Nov. 20, 2006. R.A. Ghosh, UNU-MERIT, NL. et al., 287 pp. (PDF, 1,68 MB – Liste weiterer Dokumente; vgl. Europäische Union)
- Audio-Vortrag: Richard M. Stallman zum Thema: Freie Software, GNU/Linux, Schädliche Wirkung proprietärer Software auf die Gesellschaft (MP3, Engl.)
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Kategorien freier und unfreier Software – GNU Projekt – Free Software Foundation (FSF)
- ↑ Pugh, E.W. Origins of software bundling IEEE Annals of the History of Computing, Bd. 24, Nr. 1, Jan.-März 2002 Seiten 57–58 DOI 10.1109/85.988580
- ↑ Johnson, L. A view from the 1960s: how the software industry began IEEE Annals of the History of Computing, Bd. 20, Nr. 1, Jan.-März 1998 Seiten 36–42 DOI 10.1109/85.646207
- ↑ Johnson, L., a.a.O. Conclusion, letzter Absatz
- ↑ Grad, B. A personal recollection: IBM’s unbundling of software and services IEEE Annals of the History of Computing, Bd. 24, Nr. 1, Jan.–März 2002 Seiten 64–71 DOI 10.1109/85.988583
- ↑ Humphrey, W.S. Software unbundling: a personal perspective IEEE Annals of the History of Computing, Bd. 24, Nr. 1, Jan–März 2002 Seiten 59–63 DOI 10.1109/85.988582
- ↑ Richard Stallman: Das GNU Projekt auf gnu.org, 22. Oktober 2006
- ↑ Richard Stallman: Initial Announcement auf net.unix-wizards, net.usoft, 27. September 1983
- ↑ FSF/UNESCO Free Software Directory auf der Webseite der FSF, 2007
- ↑ Freiheit der Software wird endlich von der UNO als schützenswert anerkannt, Artikel des Netzwerks Neue Medien, 26. September 2003
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