Pluviale

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Vorder- und Rückansicht eines Pluviales

Das Pluviale (von lat. pluvia „Regen“, daher urspr. Bezeichnung für einen Regenmantel), auch Cappa, Chor-, Rauch-, Segens- oder Vespermantel genannt, ist ein liturgisches Gewand der Westkirche.

Entstehung und Gestalt[Bearbeiten]

Das Pluviale kam ab dem 10. Jahrhundert in Gebrauch. Es handelt sich dabei um einen halbkreisförmigen, ärmellosen Mantel oder mantelähnlichen Umhang, der sich aus der mittelalterlichen Capa entwickelte und vorn mit einer Schnalle (einer sogenannten Chormantelschließe) zusammengehalten wird. Die Schließen konnten im Mittelalter sehr kunstvoll gestaltet sein. Auf der Rückseite befindet sich meistens ein reich verzierter Schild (Clipeus), der sich aus der Kapuze entwickelt hat. Als Schmuck dienten ursprünglich lediglich die Säume und Fransen, doch entstanden auch sehr kunstvoll und kostbar ornamental oder bildlich bestickte Pluvialien. Als Material wurde häufig Seide verwendet; vorgeschrieben ist das Material jedoch nicht.

Goldpluviale um 1890, mit Emmausszene auf dem Rückenschild

Gebrauch[Bearbeiten]

Es wird im römischen Ritus sowie in der anglikanischen Kirche von den den Gottesdienst leitenden Personen zu Gottesdiensten getragen, bei denen nicht die Kasel gebraucht wird, wie zur feierlichen Vesper, zur Andacht, zu Prozessionen und bei der Bestattung. Ferner können bei feierlichen Gottesdiensten (z.B. der Vesper) die Assistenten des Offizianten und die Kantoren das Pluviale gebrauchen, wenn sie im Chorraum stehen, wie es bereits im Mittelalter üblich war. Das Pluviale wird in der liturgischen Farbe des Tages oder des Anlasses über dem Chorhemd getragen, bei Gottesdiensten unmittelbar vor und nach der Heiligen Messe über der Albe.

Teilweise findet das Pluviale auch in evangelisch-lutherischen Kirchen Verwendung, beispielsweise in den lutherischen Kirchen Nordamerikas oder in den skandinavischen und baltischen evangelisch-lutherischen Kirchen Lettlands. Hier ist es oft das Gewand des Bischofs, etwa bei Ordinationen und Amtseinführungen.

Im römisch-katholischen tridentinischen Usus trägt der Priester das Pluviale außerdem zu Asperges bzw. zum Vidi aquam. In einem Pontifikalamt dieses Ritus sind des Weiteren der assistierende Priester (siehe Presbyter assistens) sowie die Assistenten des Bischofs mit dem Pluviale bekleidet. Das Pluviale kann im Gegensatz zum Messgewand auch von Personen getragen werden, die nicht die Priesterweihe erhalten haben.

Eine Sonderform des Chormantels stellt das dem Papst allein vorbehaltene Mantum dar.

Beispiele[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rupert Berger: Pluviale. In: Lexikon für Theologie und Kirche. Band 8: Pearson bis Samuel. 3., völlig, neu bearbeitete Auflage, Sonderausgabe, (durchgesehene Ausgabe der 3. Auflage 1993–2001). Herder, Freiburg (Breisgau) 2006, ISBN 3-451-22012-1, Sp. 365.
  • Joseph Braun: Handbuch der Paramentik. Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 1912, S. 140–147.
  • Joseph Braun: Die Liturgischen Paramente in Gegenwart und Vergangenheit. Reprographischer Nachdruck der zweiten, verbesserten Auflage, verlag nova & vetera, Bonn 2005, ISBN 3-936741-07-7, S. 119-127.
  • W. Mannowsky: Der Danziger Paramentenschatz. Teil 1: Die Chormäntel. Brandus, Berlin 1931.
  • Winfried Oppold OSB: Sakristan der Heiligen Kirche. Lese- und Rubrikenbüchlein für Mesner, Küster, Kantoren und für Oberministranten. Herausgegeben im Anschluß an die Schott-Meßbücher. Herder, Freiburg (Breisgau) 1953, S. 53.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pluviale – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien