Polanen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Polanen und andere Gebiete Ende des 10. Jahrhunderts

Polanen (lateinisch Polani, Poleni, Paliani, polnisch Polanie) war die Bezeichnung für die Bewohner Großpolens. Sie erschien erstmals um 1000. Später entwickelte sich daraus der Begriff der Polen.

Es ist umstritten, ob die Polanen als Stamm bezeichnet werden können.

Name[Bearbeiten]

Um 999/1000 wurde erstmals von Johannes Canaparius in der Vita Sancti Adalberti Bolesław Chrobry als „dux Palaniorum“ bezeichnet.[1] In einem Hymnus aus dem Kloster Reichenau erschien um 1001 der Begriff „Polonia“.[2]

Ein Denar von Bolesław Chrobry um 1003/1005 trägt die Aufschrift „PRINCE[P]S POLONIE“.[3] Um 1004/1007 nannte die Passio Sancti Adalberti Bolesław einen dux Polanorum. Thietmar von Merseburg erwähnte den Begriff Polenia erstmals für das Jahr 1002.[4]

Einen ostslawischen Stamm der Poljanen gab es am Dnjepr um Kiew. Ein Zusammenhang zwischen beiden Bevölkerungsgruppen ist nicht bekannt.

Die Bedeutung des Namens „Polani“ wird meist hergeleitet vom slawischen „polje“ = „Feld“, „Boden“, also „die auf dem Feld leben“ oder ähnlich. Möglich ist aber auch eine Zusammensetzung mit „po“ = „am“, „bei“ wie bei „Pomoranen“ („pour more“ = „am Meer“), „Polaben“ („po Labem“ „an der Elbe“), „Polasien“ („po lasie“ „am Wald“). Der zweite Bestandteil „la(n)“/„le(n)“ wäre dann allerdings unklar.

Geschichte[Bearbeiten]

In der Völkertafel des Bayrischen Geographen werden verschiedene Stämme des 9. Jahrhunderts genannt, Polanen wurden dabei ebenso wenig erwähnt wie in anderen Schriftquellen des 8. und 9. Jahrhunderts.[5] Dafür wurde der Stamm der Goplanen erwähnt. Polnische Historiker vermuten diese im Gebiet der Polanen.

Die zwischen 1113 und 1118 in Kiew entstandene Nestorchronik erklärte die Entstehung der Polanen aus den Ljachen (Lendizen):
„Slawen kamen auch und ließen sich an der Weichsel nieder, und nannten sich Ljachen, und von diesen Ljachen nannten sich die einen Poljanen, andere Ljachen Lusitzer, andere Masowier, andere Pomoranen.“ Die Bezeichnungen greifen die Namen der Herzogtümer des späten 10. Jahrhunderts wieder auf: Großpolen, Masowien und Pommern.

Der Herrscher der Piasten Mieszko I. wurde in schriftlichen Quellen seiner Zeit nie in Zusammenhang mit einem Stammesnamen erwähnt.

Im Jahre 1000 empfing Bolesław I. den deutschen Kaiser Otto III. anlässlich der Umbettung des Leichnams des heiligen Bischofs Adalbert von Prag. Im Akt von Gnesen wurde er als „Freund und Gefährte" des Kaisers („amicus et socius“) bezeichnet.[6] Ebenso wurde er mit dem Recht der Investitur ausgestattet, einem Recht, das einer älteren päpstlichen Anordnung zufolge nur den Königen und Kaisern zustand. Gleichfalls wurde ein neues Erzbistum Gnesen gebildet.

Seit dieser Zeit wurde er in schriftlichen Quellen als „dux Polanorum“, „Herzog der Polanen“, bezeichnet. Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang mit diesem Ereignis.[7]

Thietmar von Merseburg erwähnt den Begriff „Polenia“ erstmals für einen „Wolodei a Polenia“ („Wolodej aus Polenia“), der 1002 in Böhmen an die Macht gebracht wurde.[8] Nach dessen Abdankung 1003 wurde Bolesław bei Thietmar erstmals als „rector Polenorum“ bezeichnet.

1025 wurde Bolesław kurz vor seinem Tode in den Rang eines Königs erhoben, indem er sich eine vom Papst gesandte Königskrone aufsetzte.[9]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vita Sancti Adalberti
  2. Über den heiligen Bischof Adalbert von Prag heißt es dort: "Polania ergo tanti sepeliens floret martyryii pignora, siehe H. Kowalewicz: Sequentiae, Cantica medii aevi polono-latina, Bd. 1, Warszawa 1964, S. 13
  3. [1]
  4. vgl. Johannes Fried: Gnesen, Aachen, Rom. Otto III. und der Kult des hl. Adalbert. Beobachtungen zum älteren Adalbertsleben. in: Michael Borgolte: Polen und Deutschland vor 1000 Jahren. Die Berliner Tagung über den „Akt von Gnesen“. Akademie Verlag. Berlin 2002, ISBN 3-05-003749-0 (Europa im Mittelalter 5), S. 235-279; ebenso Sebastian Brather:Völker, Stämme und gentes im RGA. Archäologische Interpretationen und ethnische Identitäten. in: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hg.): Altertumskunde – Altertumswissenschaft – Kulturwissenschaft: Erträge und Perspektiven nach 40 Jahren Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. DeGruyter. Berli, Boston 2012 ISBN 978-3-11-027360-1, S. 401–428, hier S. 414.
  5. Eduard Mühle: Die Piasten. Polen im Mittelalter. (= C. H. Beck Wissen 2709), Verlag C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61137-7, S.14 f.
  6. Alexander: Kleine Geschichte Polens, Stuttgart 2008, S. 28
  7. Der Historiker Johannes Fried vermutet die Verleihung eines Titels durch Otto III. an Bolesław, vgl. J. Fried: Otto III. i Bolesław Chrobry, Warszawa 2000
  8. unter aktiver Mithilfe von Bolesław
  9. Alexander: Kleine Geschichte Polens, Stuttgart 2008, S. 30