Polanen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Westslawischen Stämme, die während der Herrschaft von Herzog Mieszko vereinigt wurden, darunter fallen die Polanen (Polanie), Wiślanie, Ślężanie, Mazowszanie, Pomorzanie und die Lędzianie (Polnische Karte)

Einen slawischen Stamm der Polanen, auf dessen Namen lange Zeit der Landesname Polen zurückgeführt wurde, hat es nicht gegeben. Er wurde deshalb um das Jahr 1000 erfunden.[1] In der Völkertafel des Bayrischen Geographen werden Polanen deshalb ebenso wenig erwähnt wie in anderen Schriftquellen des 8. und 9. jahrhunderts.[2]

Mit Polanen werden zwei slawische Stämme bezeichnet: In den Quellen, wie Nestor, werden östliche Poljanen erwähnt, die um das Gebiet des heutigen Kiew lebten. Die Poljanen gingen während der Staatsbildung der Kiewer Rus in anderen ostslawischen Stämmen unter. Die westlichen Polanen (polnisch Polanie) wurden der mächtigste der westslawischen Stämme auf dem Gebiet des heutigen Polens.

Während der Völkerwanderung verbreiteten sich die Slawen von Osteuropa kommend bis zur Elbe und über den Balkan bis ins heutige Südgriechenland. Verschiedene Westslawen siedelten sich etwa seit dem 6. Jahrhundert auch zwischen den Flüssen Oder und Bug an.

Dem ersten in historischer Quelle erwähntem Fürsten der Polanen, Mieszko I., gelang es, bis Ende des 10. Jahrhunderts zwischen den Flüssen Oder und Bug eine Anzahl der Polanen stammesverwandte lechisch sprechende Völker unter seiner Herrschaft zu vereinen, zu christianisieren und einen in Europa gefestigten Staat zu etablieren, den man ab dem 11. Jahrhundert als Polen (lateinisch Polonia) bezeichnete. Sein Sohn Bolesław I. sicherte seine Macht durch territoriale Expansion. Im Akt von Gnesen erfuhr der polnische Herzog durch Kaiser Otto III. die Ehrung als „Freund und Gefährte" (amicus et socius)[3]. Ebenso wurde er mit dem Recht der Investitur ausgestattet, einem Recht, das einer älteren päpstlichen Anordnung zufolge nur den Königen und Kaisern zustand. Außerdem wurde für Polen mit dem Erzbistum Gnesen eine eigene Kirchenprovinz gegründet. 1025, kurz vor seinem Tode, erhob er seinen Herrschaftsbereich in den Rang eines Königreiches, indem er sich eine vom Papst gesandte Königskrone aufsetzte[4]. Ab 11. Jahrhundert entwickelte sich der Herrschaftsraum der Polanen rasch zum mächtigsten Staatswesen in der Region und wurde von einer Dynastie regiert, die man später als die Piasten bezeichnete.

Literatur[Bearbeiten]

Alexander, Manfred: Kleine Geschichte Polens, Reclam-Verlag Stuttgart, aktualisierte und erweiterte Aufl. 2008, ISBN 978-3-15-017060-1, 437 S.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johannes Fried: Gnesen, Aachen, Rom. Otto III. und der Kult des hl. Adalbert. Beobachtungen zum älteren Adalbertsleben. in: Michael Borgolte: Polen und Deutschland vor 1000 Jahren. Die Berliner Tagung über den „Akt von Gnesen“. Akademie Verlag. Berlin 2002, ISBN 3-05-003749-0 (Europa im Mittelalter 5), S. 235-279; ebenso Sebastian Brather:Völker, Stämme und gentes im RGA. Archäologische Interpretationen und ethnische Identitäten. in: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hg.): Altertumskunde – Altertumswissenschaft – Kulturwissenschaft: Erträge und Perspektiven nach 40 Jahren Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. DeGruyter. Berli, Boston 2012 ISBN 978-3-11-027360-1, S. 401-428, hier S.414.
  2. Eduard Mühle: Die Piasten. Polen im Mittelalter. (= C. H. Beck Wissen 2709), Verlag C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61137-7, S.14 f.
  3. Alexander: Kleine Geschichte Polens, Stuttgart 2008, S. 28
  4. Alexander: Kleine Geschichte Polens, Stuttgart 2008, S. 30