Portkatheter

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Portkatheter bei der Anlage

Der Portkatheter (kurz: Port) ist ein subkutaner, dauerhafter Zugang zum venösen oder arteriellen Blutkreislauf oder in seltenen Fällen in die Bauchhöhle. Mit besonders dünnen Kathetern und mit einem Filter versehen werden Ports auch in der Langzeit-Epiduralanästhesie eingesetzt.

Ein Port besteht aus einer Kammer mit einer dicken Silikonmembran sowie einem angeschlossenen oder anschließbaren Schlauch (dem Katheter) und ist eine Version eines zentralvenösen Zugangs (ZVK), dessen Ende kurz vor dem rechten Vorhof des Herzens platziert wird. Die kleine Kammer kann entweder aus Titan, Edelstahl, Keramik, Kunststoff oder aus einem Verbundwerkstoff der vorgenannten Materialien bestehen. Der Portkatheter wird im Rahmen eines operativen Eingriffs implantiert.

Durch transkutanes Einstechen mit einer Kanüle durch die Silikonmembran wird bei der Hauptanwendung der Zugang zum Blutkreislauf hergestellt. Über die in der Portkammer liegende Kanülenöffnung kann nun ein Medikament oder eine Zubereitung per Infusion dem Blutstrom zugemischt werden, oder unter Beachtung der besonderen Gegebenheiten eines Port-Katheters kann auch Blut entnommen werden.

Anwendungsgebiete[Bearbeiten]

Portkatheter

Ein Portkatheter wird vornehmlich in der Therapie onkologischer Erkrankungen sowie bei der Behandlung von Krankheiten eingesetzt, für die ein häufiger und sicherer venöser oder arterieller Zugang benötigt wird; weiters, wenn aufgrund von anatomischen bzw. physiologischen Gegebenheiten oder einer bekannten oder erwarteten pharmakologischen Wirkung die Verwendung von peripheren Gefäßzugängen für die Verabreichung von flüssigen Medikamenten, Medikamentenzubereitungen oder Therapeutika nicht möglich erscheint oder ist. Ein Port-Katheter kann auch zur Blutentnahme und zur Verabreichung von Blut und Blutprodukten verwendet werden.

Der unter die Haut implantierte Port ist vor äußeren Einflüssen geschützt und ermöglicht den ihn tragenden Patienten die bisher gewohnte Bewegungsfreiheit beizubehalten. Damit ermöglichen Port-Katheter eine hohe Lebensqualität. Die Patienten können in therapiefreien Zeiten ihren bisher gewohnten Tagesbeschäftigungen weiter nachgehen, damit auch duschen, baden und schwimmen. Selbst tauchen ist, was den Port-Katheter betrifft, uneingeschränkt möglich.

Nutzungsdauer[Bearbeiten]

Die Verweil- und damit Nutzungsdauer kann bis zu fünf Jahren und länger betragen. Es wurde schon von Patienten berichtet, die ihren Port über die Zeit "vergessen" hatten und der nach über 10 Jahren noch durchgängig und funktionsfähig war. Trotzdem ist für Zeiträume länger als fünf Jahre eine Weiter-/Wiederverwendung unter Berücksichtigung der medizinischen Indikation und der in der Vergangenheit über den Port verabreichten und zukünftig zu verabreichenden Medikamente mit dem verantwortlichen Arzt abzuklären.

Es spricht auch nichts dagegen, einen Port wieder zu entfernen, wenn die Therapie abgeschlossen ist. Der Eingriff verläuft ähnlich wie bei der Port-Implantation. Der Zeitpunkt hierfür sollte aber ebenfalls im Dialog mit dem verantwortlichen Arzt besprochen werden.

Implantation / Anlage[Bearbeiten]

Als Zugangsweg für den (Port-)Katheter kommen prinzipiell alle größeren Venen infrage, über die auch ein zentralvenöser Katheter gelegt werden kann.

Beispiele:

a) Die chirurgisch am häufigsten angewandte Technik erfolgt über die Freipräparation (Venae sectio) der Vena cephalica. Dabei wird in örtlicher Betäubung ein kleiner Hautschnitt im sogenannten Sulcus deltoideopectoralis, also dem Bereich des Überganges vom Deltamuskel zum großen Brustmuskel an der Vorderseite der Brustwand angelegt. Von diesem Schnitt aus wird die dort verlaufende Vena cephalica mit einem kleinen Einschnitt eröffnet und der Katheter eingeführt. Etwas abseits davon wird die Portkammer in einer kleinen Tasche im Unterhautfettgewebe auf dem Brustmuskel und somit der ersten oder zweiten Rippe platziert.

b) Es kann auch zunächst ohne Schnitt beispielsweise die Vena subclavia in Seldinger-Technik punktiert und der Katheter in die Vene eingeführt werden. Über einen kleinen Einschnitt wird abseits der Punktionsstelle wie oben beschrieben die Portkammer im Unterhautfettgewebe platziert und von der Punktionsstelle ausgehend der Katheter durch das Unterhautgewebe bis zur Hauttasche durchgezogen (getunnelt). Diese Tunnelung dient auch als spätere natürliche Infektionsbarriere.

Bei allen Verfahren erfolgt eine radiologische Lagekontrolle des Katheters, auch zur Dokumentation. Dann wird der Katheter auf die außerhalb der Vene bis zur finalen Position der Portkammer in der Hauttasche erforderlichen Länge gekürzt und mit der Portkammer verbunden. Im nächsten Schritt wird die Portkammer in der Hauttasche an der darunter liegenden Faszie angenäht. Danach wird der Hautschnitt chirurgisch geschlossen (vernäht). Mit der Rippe als „Widerlager“ kann der Port von nun an punktiert („angestochen“) werden.

Wie eingangs erwähnt, gibt es für spezielle Anwendungen noch weitere Portkatheter-Zugangsarten wie z.B. über die Arteria hepatica, peritoneal oder epidural, die aber hier nicht weiter erläutert werden sollen. Die grundsätzliche Funktion des Ports bleibt aber immer gleich: Primär die wiederholte Gabe von Medikamenten oder Zubereitungen über einen längeren Zeitraum.

Punktion[Bearbeiten]

Röntgenaufnahme eines implantierten Portkatheters

Die Punktion des Ports (Portpunktion) ist eine pflegerische oder ärztliche Handlung, um Medikamente oder Infusionslösungen nach ärztlicher Verordnung und gemäß einem Zeitplan wiederholt zuzuführen. Faktisch kann es sich um eine Portkatheterpunktion oder aber auch um einen Portnadelwechsel handeln. Für die Punktion werden immer spezielle Portnadeln eingesetzt (Hubernadel), die im Gegensatz zu normalen Injektionsnadeln - auf Grund der speziellen Form ihrer Kanülenspitze - keine Partikel aus der Silikonmembran des Ports ausstanzen können.

Bild einer Portnadel, in einer Ausführung mit Schlauch und Klemme

Wichtige Arbeitsprinzipien sind dabei

  • Port nicht beim liegenden Patienten punktieren, sondern in "Beach Chair Position" (ca. 60° bis nahezu aufrecht sitzend), die Gewebemassen im Oberkörper folgen so gut der Schwerkraft und sind vor der Punktion "lagerichtig"
  • druckstabile Abstützung des Patienten im Rücken herstellen, um Zurückweichen bei der Punktion zu minimieren
  • möglichst steriles Arbeiten
  • Einwirkzeit des jeweils verwendeten Desinfektionsmittels beachten
  • zirkuläre, von innen nach außen kreisende Wischdesinfektion des Hautareals über dem Port durchführen
  • über die Portnadel keinen Überdruck aufbauen
  • deshalb keine kleineren Spritzen als 10ml-Spritzen verwenden (je kleiner der Spritzenkolben, umso höher ist bei gleicher Kraft der dabei erzeugte Druck)
  • Die verwendeten Materialien müssen steril gehalten werden
  • Einhaltung der Fünf-mal-R-Regel (Medikamentensicherheit)
  • Die Fixierung der Portnadel sollte transparent sein, damit die Einstichstelle der Nadel sichtbar ist. Bei Rötung oder gar Pusteln an der Einstichstelle muss die Nadel gezogen werden.
  • Der Portkatheter ist vor der Nadelentfernung mit ausreichend Kochsalzlösung zu spülen. Nach Blutabnahme über den Port ist umgehend mit mindestens 2x20ml Kochsalzlösung zu spülen. Eine Spülung und Blockung mit Heparinzusatz, die eine mögliche Thrombosierung des Katheterinhalts während Therapiepausen verhindern soll, hat keine Vorteile, ist medizinisch eher nachteilig und juristisch problematisch (kein auf dem deutschen Markt zugelassenes Heparin ist zu diesem Zweck zugelassen). Auch kann Heparin auf Grund seiner Pharmakokinetik eine mögliche Thrombosierung nicht verhindern, sondern nur verzögern.

Komplikationen[Bearbeiten]

Mögliche Komplikationen können Infektionen, Einblutungen, Pneumothorax, Hämatothorax oder eine Thrombose sein. Der in der Fachliteratur vielfältig beschriebene Pinch-off ist der Bruch des Katheters auf Höhe des Schlüsselbeins mit dem Kreuzungspunkt zur erster Rippe, wenn der Venenzugang des Katheters direkt dort oder nach medial abgesetzt erfolgte. Wird der Katheter dabei gar abgetrennt, so kann das im Gefäßsystem verbleibende Katheterfragment in Blutstromrichtung weiterwandern. Ursache ist Materialermüdung des Katheters durch andauernd wiederholte Quetschung infolge (nicht vermeidbarer) körperlicher Aktivität mit Einbeziehung des Schultergürtels. Um dem Pinch-off vorzubeugen, ist eine nach weiter lateral abgesetzte Punktion zu empfehlen, bzw. eine davon abweichende Technik anzuwenden (z.B. Venenzugang nach Freipräparation der V. cephalica oder den Zugang über die V. jugularis).

Es wird auch von schlecht laufenden oder komplett verstopften Kathetern berichtet. Ablagerungen in der Portkammer oder an der Katheterinnenwand, besonders nach vielen Infusionen mit Ernährungslösungen, können eine Ursache sein. Ports mit moderner, strömungsoptimierter Kammergeometrie scheinen hier Vorteile zu haben. Auch wird beim Herausziehen der Nadel aus dem Port durch die dabei entstehende Volumenänderung eine geringe Menge Blut am Katheterende eingesogen. Dieses kann gerinnen und zu einem teilweisen oder kompletten Katheterverschluss führen. Mit einer geeigneten Technik, bei der während des Herausziehens der Nadel gleichzeitig etwas Spüllösung mit der Spritze nachgedrückt wird, kann dieser verhindert werden. Sind Portkatheter aber nicht mehr durchgängig, so sind ärztliche Handlungen indiziert, um die Durchgängigkeit wiederherzustellen. Spülversuche mittels (Über-)Druck sind dabei allerdings in keinem Fall angezeigt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Surov A., Jordan K, Buerke M. et al.: Port Catheter Insufficiency: Incidence and Clinical-Radiological Correlations. Onkologie 2008;31:455-461
  •  Teichgräber, Ulf K.; Pfitzmann, Robert; Hofmann, Herbert A. F.: Portsysteme als integraler Bestandteil von Chemotherapien. In: Dtsch Arztebl Int. Nr. 108(9), 2011, S. 147-154 (Abstract).
  • Haindl H, Müller H, Schmoll E (Hrsg) 1993: Portkathetersysteme
  • Stevens B, Barton SE, Brechbill M, et al.: A Randomized, Prospective Trial of Conventional Vascular Ports vs. the Vortex "Clear Flow" Reservoir Port in Adult Oncology Patients. JVAD 2000 (Summer)
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