Pro-Drop-Sprache

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Pro-Drop-Sprache (von engl. pro-drop language also im Sinne von „fallen lassen“) oder Nullsubjektsprache bezeichnet in den Sprachwissenschaften Sprachen, in denen (Subjekt-)Pronomina in bestimmten syntaktischen Positionen zur Konstitution eines grammatikalisch vollständigen Satzes nicht explizit realisiert sein müssen. Diese leere Subjektstelle vor dem finiten Verb bezeichnet und kennzeichnet die Generativen Grammatik mit „pro“.

Beispiel[Bearbeiten]

In den meisten romanischen Sprachen - wobei jedoch z. B. das Französische ausgenommen ist – kann und wird in der Regel ein Pronomen in Subjektposition nicht realisiert:

     Spanisch:
     Lo veo
     es seh-1SG     = 'Ich sehe es'
     Italienisch:
     Lo conosco
     ihn kenn-1SG   = 'Ich kenne ihn'
     Lateinisch:
     me amat
     mich liebt-3SG   = 'Er sie oder es liebt mich'

Wie schon aufgrund der deutschen Übersetzung zu vermuten ist, sind die gegenwärtigen germanischen Sprachen dagegen keine Pro-Drop-Sprachen: Die Subjektposition muss i. d. R. gefüllt sein (in diesem Fall durch ich). Ausnahmen davon gibt es in der Umgangssprache, wenn man sich kurz fassen möchte: „Macht nichts“, „Bin bis Ende der Woche verreist“, „Hallo, komme morgen früh um 8 Uhr am Flughafen an“.

Die romanischen Sprachen können sich „erlauben“, Pro-Drop-Sprachen zu sein, weil die Flexionsmorphologie am Verb, das obligatorisch für Person und Numerus flektiert wird, Rückschlüsse auf das Subjekt zulassen. Wie jedoch auch am Beispiel des Deutschen zu sehen ist, besteht keine notwendige Korrelation zwischen dem morphologischen Typ einer Sprache und ihrem Verhalten in Bezug auf die Realisierung von Pronomina: Auch im Deutschen flektiert das Verb für dieselben Kategorien wie das Spanische, dennoch ist Deutsch keine Pro-Drop-Sprache. Neuerdings spricht man hier jedoch häufiger auch von Semi-Pro-Drop-Sprachen[1]:

     Deutsch:
     dass [pro] gelacht wurde
     (inhaltsloses Subjekt wird ausgelassen) 
        
     Gelacht wird, wenn es regnet.
     (Das ausgelassene Subjekt verändert die Wortstellung.)      

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Der Begriff stammt aus der generativen Grammatik. Der sogenannte Pro-Drop-Parameter oder auch null subject parameter ist einer der vom generativen Prinzipien-und-Parameter-Modell für die Universalgrammatik vorgeschlagenen Parameter.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Metzler Lexikon der Sprache. 2. Auflage, 2000, Stichwörter Null-Subjekt-Parameter, Pro-Drop-Parameter, Semi-Pro-Drop-Sprachen