Projekt Habbakuk

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Ein Block Pykrete

Das Projekt Habbakuk war ein britischer Plan aus dem Zweiten Weltkrieg für einen Flugzeugträger aus Eis. Er sollte in der Mitte des Atlantiks stationiert werden, um die alliierten Geleitzüge gegen die deutschen U-Boote zu schützen, da dieser Bereich damals noch außerhalb der Reichweite landgestützter alliierter Flugzeuge lag.

Geschichte und technische Details[Bearbeiten]

Die Habbakuk wurde Winston Churchill von Lord Mountbatten und Geoffrey Pyke vorgeschlagen. Sie sollte etwa 1200 m lang und 180 m breit sein, 12 m dicke Bordwände und eine Wasserverdrängung von mindestens zwei Millionen Tonnen besitzen. Aufgrund der geringen Dichte des verwendeten Materials wäre sie – wie ein Eisberg – auch im Falle einer größeren Beschädigung praktisch unsinkbar gewesen. Außerdem hätte man kleinere Schäden durch Aufsprühen und Gefrierenlassen von Wasser einfach reparieren können.

Ursprünglich sollte sie in Kanada aus 280.000 Eisblöcken zusammengesetzt werden. Auch Russland wäre in Frage gekommen; in beiden Fällen hätte man das Wasser von selbst zu Eis gefrieren lassen oder auch gleich natürliches Eis verwenden können. Später wurde als Werkstoff Pykrete (auch: Pykecrete) vorgesehen, eine Mischung aus Eis und Holzschliff oder Sägemehl. Dieses Material weist eine höhere Festigkeit als reines Eis auf und schmilzt wegen der geringeren Wärmeleitfähigkeit langsamer. Es wurde nach Geoffrey Pyke benannt, obwohl er es nicht erfunden hatte.

Im Schiff sollten Kälteanlagen das Schmelzen des Schiffes verhindern.

Aufgrund der Größe der Habbakuk hätte diese nur wenige Häfen anlaufen können. Sie hätte auch nur eine geringe Manövrierfähigkeit besessen. Da normale Dieselmotoren im Schiffsinneren zu viel Abwärme erzeugt hätten, waren als Antrieb 26 Elektromotoren in externen Motorgondeln vorgesehen, die ihr eine Geschwindigkeit von bis zu zehn Knoten (19 km/h) verliehen hätten.

Auf der Habbakuk sollten bis zu 150 zweimotorige Bomber stationiert werden. Als Defensivbewaffnung waren unter anderem 40 doppelrohrige 4,5-Zoll-(11,4-cm)-Geschütztürme sowie zahlreiche leichtere Flugabwehrwaffen vorgesehen.

Nach den Berechnungen sollten mit dem Bau der Habbakuk 8000 Menschen acht Monate lang beschäftigt sein. Die Kosten wurden mit 70 Millionen Dollar veranschlagt. Dies war den Briten zur damaligen Zeit jedoch zu teuer, so dass mit dem Bau des eigentlichen Schiffes nie begonnen wurde.

Als sich die Alliierten im zweiten Halbjahr 1943 mit der portugiesischen Regierung verständigten und daraufhin Flugplätze auf den Azoren für britische und amerikanische Seeaufklärer eingerichtet werden konnten, wurde das Projekt Habbakuk schließlich eingestellt.[1]

Im Sommer 1943 wurden am Lake Louise in Alberta (Kanada) Experimente mit den Werkstoffen Eis und Pykrete durchgeführt; am Patricia Lake (ebenfalls in Alberta) entstand ein kleiner Prototyp aus gewöhnlichem Eis mit den Abmessungen 18 Meter × 9 Meter und einer Wasserverdrängung von 1000 Tonnen. Dieser wurde von einer 1 PS starken Kältemaschine am Schmelzen gehindert.

Der Name Habbakuk rührt von einem Schreibfehler her: Eigentlich sollte das Schiff nach dem biblischen Propheten Habakuk benannt werden. Gerüchten zufolge sollte der Name dieses ehrgeizigen Projekts auf Hab 1,5 anspielen:

„Schauet hin unter die Heiden, sehet und verwundert euch! Denn ich will etwas tun zu euren Zeiten, was ihr nicht glauben werdet, wenn man davon sagen wird.“

Kritik[Bearbeiten]

Das Projekt hatte nicht nur Befürworter. In einem nach dem Krieg veröffentlichten Artikel kritisierte der für die britische Admiralität tätige Sir Charles Goodeve neben den reinen Baukosten vor allem den enormen Verbrauch an Rohstoffen. Dazu zählten unter anderem:

  • Der gewaltige Bedarf an Holzschliff, der erhebliche Auswirkungen auf die Papierproduktion gehabt hätte
  • 40.000 Tonnen Kork für Wärmedämmungen
  • Tausende Kilometer Stahlrohre für die Zirkulation des Kältemittels
  • vier Kraftwerke, die dem Schiff trotzdem nur eine Geschwindigkeit von 6 Knoten verliehen hätten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Kerrigan: Geheimpläne des Zweiten Weltkriegs. Strategien und Vorhaben, die nie umgesetzt wurden. Weltbild Verlag, Augsburg 2012 ISBN 978-3-8289-4522-7 S. 112ff.

Weblinks[Bearbeiten]