Pyruvatkinase

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Pyruvatkinase
Eigenschaften des menschlichen Proteins
Masse/Länge Primärstruktur 543/574/530/530 Aminosäuren
Sekundär- bis Quartärstruktur Homotetramer
Kofaktor Magnesium, Kalium
Isoformen L, R, M1, M2
Bezeichner
Gen-Namen PKLR ; PKM2
Externe IDs
Enzymklassifikation
EC, Kategorie 2.7.1.40Kinase
Reaktionsart Übertragung einer Phosphatgruppe
Substrat ADP + Phosphoenolpyruvat
Produkte ATP + Pyruvat

Pyruvatkinase (Pk) heißt das Enzym, das eine Phosphatgruppe auf ADP überträgt und so die bei der Glykolyse gewonnene Energie als ATP bereitstellt. Sie ist daher unentbehrlich im Stoffwechsel aller Lebewesen. Während Bakterien zwei Isoformen des Enzyms besitzen, sind es bei den Wirbeltieren vier, wobei je zwei von einem Gen kodiert werden. Beim Menschen heißen diese Gene PKLR und PKM2. Mutationen im PKLR-Gen können hämolytische Anämie verursachen.[1]

Die vier Isoformen sind in verschiedenen Gewebetypen lokalisiert: L als das Haupt-Isozym in der Leber; R in Erythrozyten; M1 in Muskeln, Herz und Gehirn; und M2 im Fötus.[1]

Katalysiertes Gleichgewicht[Bearbeiten]

Phosphoenolpyruvat Fischer2.svg + ADP ⇔ Pyruvat Fischer.svg + ATP

Durch die Katalyse wird vom Phosphoenolpyruvat (PEP) eine Phosphatgruppe auf ADP übertragen. Es entstehen ATP und Pyruvat. Letzteres wird über den Pyruvat-Dehydrogenase-Komplex oxidativ decarboxyliert zu [(Acetyl-CoA)], welches im Citratzyklus weiter abgebaut wird.

Struktur[Bearbeiten]

Die Pyruvatkinase des Menschen ist ein Tetramer, bestehend aus vier identischen Protein-Untereinheiten mit je 528 Aminosäuren[2]. In Säugetieren gibt es vier Isoformen des Enzyms, L oder PK2 kommt in Leber und Nieren vor, R oder PK1 in Erythrocyten, M1 oder PK3 findet sich in Muskeln, Herz, Gehirn, Leukocyten und Thrombocyten, sowie und M2, das sich frühen, fetalen Geweben vorkommt. L und R sowie M1 und M2 stammen jeweils von demselben Gen, werden jedoch durch unterschiedliche Promotoren transkribiert.[3]

Regulation der Pyruvatkinase[Bearbeiten]

Beide Formen der Pyruvatkinase werden durch Fructose-1,6-bisphosphat aktiviert. Fructose-1,6-bisphosphat entsteht bei der dritten Reaktion der Glykolyse, welche durch Phosphofructokinase katalysiert wird. Diese Reaktion, der sog. committed step, bestimmt durch ihr Reaktionsprodukt, das Fructose-1,6-bisphosphat, welches als Aktivator für die nächste und letzte Reaktion der Glykolyse agiert, die Reaktionsgeschwindigkeit der Glykolyse. Diese Regulation ermöglicht eine Homöostase der Intermediärprodukte der Glykolyse.

Durch eine hohe Energieladung in der Zelle (hohe ATP-Konzentration) und die Anwesenheit von Alanin wird die Pyruvatkinase inhibiert. Somit läuft die Reaktion nicht ab, wenn keine weitere Energie von der Zelle benötigt wird.

Das L-Isozym wird zusätzlich durch Proteinphosphorylierung kontrolliert. Ist der Glucosespiegel im Blut niedrig, bewirkt das Hormon Glucagon die Phosphorylierung der Pyruvatkinase, welche dadurch an Aktivität verliert. So bleibt Phosphoenolpyruvat erhalten und steht für die Gluconeogenese zur Verfügung, durch welche neue Glucose in der Leber aufgebaut wird. Auch intrazelluläres Calcium lässt Pyruvatkinase phosphorylieren.

Pyruvatkinase-Defekte[Bearbeiten]

Nur vom PKLR-Allel der Pyruvatkinase sind Mutationen bekannt und nur bei der R-Form zeigen sich diese als Defekt. Mangel an PKR ist eine autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselstörung. Dadurch wird häufig eine hämolytische Anämie verursacht, da die roten Blutkörperchen nicht genügend ATP für ihre Membranpumpen erzeugen können.[4] Überschuss an PKR-Aktivität mit entsprechend erhöhtem ATP in Blutzellen ist als weiterer Defekt bekannt.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c UniProt P30613
  2. G. Valentini, L. R. Chiarelli u. a.: Structure and function of human erythrocyte pyruvate kinase. Molecular basis of nonspherocytic hemolytic anemia. In: The Journal of biological chemistry. Band 277, Nummer 26, Juni 2002, S. 23807–23814, ISSN 0021-9258. doi:10.1074/jbc.M202107200. PMID 11960989.
  3. Pyruvat-Kinase. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 13. September 2013.
  4. Todd A. Swanson, Sandra I. Kim und Marc J. Glucksman: BRS Biochemistry, Molecular Biology, and Genetics. Lippincott Raven; 5. Auflage 2010; ISBN 978-0781798754; S. 68

Weblinks[Bearbeiten]