Alanin

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Strukturformel
Struktur von L-Alanin  Struktur von D-Alanin
L-Alanin (links) bzw. D-Alanin (rechts)
Allgemeines
Name Alanin
Andere Namen
Summenformel C3H7NO2
CAS-Nummer
  • 56-41-7 (L-Alanin)
  • 338-69-2 (D-Alanin)
  • 302-72-7 (DL-Alanin)
PubChem 5950
ATC-Code

V06 

DrugBank NUTR00013
Kurzbeschreibung

farbloser bis gelblicher Feststoff[1]

Eigenschaften
Molare Masse 89,10 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,42 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

295–297 °C (Zersetzung)[1]

pKs-Wert
  • 2,35 (COOH)[2]
  • 9,87 (NH2)[3]
Löslichkeit
  • gut löslich in Wasser
    (166,5 g·kg−1 bei 25 °C;
    217,9 g·kg−1 bei 50 °C;
    285,1 g·kg−1 bei 75 °C;
    373,0 g·kg−1 bei 100 °C)[4]
  • schlecht löslich in Ethanol[2]
  • unlöslich in Diethylether[2]
Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

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Alanin, abgekürzt Ala oder A, ist eine nicht-essentielle α-Aminosäure. Sie ist chiral, tritt also in zwei spiegelbildlichen Formen auf, wobei das L-Alanin eine proteinogene Aminosäure ist, die nach IUPAC auch als (S)-2-Aminopropansäure oder als (S)-Alanin bezeichnet wird. D-Alanin [Synonym: (R)-Alanin] findet man als Baustein des Mureins, der Grundsubstanz von Bakterienzellwänden. Daneben gibt es noch das nichtproteinogene β-Alanin.

Wenn in diesem Text oder in der wissenschaftlichen Literatur „Alanin“ ohne weiteren Namenszusatz (Präfix) erwähnt wird, ist L-Alanin gemeint.

Geschichte[Bearbeiten]

L-Alanin wurde 1888 zuerst aus Seidenfibroin isoliert.[5]

Die Aminosäure wurde 1850 von Adolph Strecker erstmals synthetisiert und benannt; Strecker wählte dabei den Namen als Ableitung des Begriffs Aldehyd, da er die Aminosäure aus Acetaldehyd über die nach ihm benannte Strecker-Synthese herstellte.[6][7] L-Alanin wurde von T. Weyl 1888 erstmals als Proteinbestandteil von Seidenfasern charakterisiert,[8] Es enthält 29,7 % L-Alanin.[9]

Synthese[Bearbeiten]

Die industrielle Herstellung[10] von L-Alanin erfolgt ausgehend von der L-Asparaginsäure durch Abspaltung der β-Carboxygruppe in einem biotechnologischen Verfahren. Durch Strecker-Synthese gewonnenes racemisches Alanin kann an der Aminogruppe acetyliert werden und wird dann einer Racematspaltung [11] unterworfen. Dabei wird unter Verwendung von L-Aminoacylase [12] enantioselektiv die Acetylgruppe von L-N-Acetylalanin abgespalten und es entsteht L-Alanin, während D-N-Acetylalanin nicht hydrolysiert wird. Die Trennung von L-Alanin und D-N-Acetylalanin ist einfach. Benötigt man D-Alanin, so wird D-N-Acetylalanin unter sauren Bedingungen hydrolysiert, d. h. die Acetylgruppe wird abgespalten. Wenn kein Bedarf für D-Alanin besteht, wird das bei der kinetischen Racematspaltung anfallende D-N-Acetylalanin durch Einwirkung von Essigsäureanhydrid racemisiert und recycliert.

DL-Alanin kann auch aus 2-Brompropansäure synthetisiert werden, dieses Verfahren besitzt jedoch keine industrielle Bedeutung.

Im Stoffwechsel wird L-Alanin durch Transaminierung aus dem Endprodukt der Glykolyse, dem Pyruvat, synthetisiert. Bakterien erhalten benötigtes D-Alanin aus L-Alanin mittels des Enzyms Alaninracemase (EC 5.1.1.1).[13]

Eigenschaften[Bearbeiten]

Alanin liegt meist als „inneres Salz“ bzw. Zwitterion vor, dessen Bildung dadurch zu erklären ist, dass das Proton der Carboxygruppe an das freie Elektronenpaar des Stickstoffatoms der Aminogruppe wandert:

Zwitterionen von L-Alanin (links) bzw. D-Alanin (rechts)
Zwitterionen von L-Alanin (links) bzw. D-Alanin (rechts)

Beim physiologischen pH-Wert von 7,4 liegt ein großer Teil der Alanin-Moleküle als Zwitterion vor. Der isoelektrische Punkt von Alanin liegt bei pH 6,1 und Alanin erreicht seine geringste Löslichkeit in Wasser, da fast alle Alanin-Moleküle als Zwitterionen vorliegen. Die Lösung hat an diesem Punkt die geringste elektrische Leitfähigkeit, da Zwitterionen als Ganzes ungeladen sind.

Physiologische Funktionen[Bearbeiten]

In Umkehrung dieser Synthese-Reaktion kann es enzymatisch auch wieder zu Pyruvat abgebaut werden (Transaminierung). So kann das Kohlenstoffgrundgerüst über Pyruvat wieder zum Aufbau von Glukose (Glukoneogenese) verwendet oder über den Zitronensäurezyklus vollständig zur Energiegewinnung abgebaut werden. Die oxidative Desaminierung des L-Alanins zu Pyruvat und Ammoniak, katalysiert durch das Enzym Alanin-Dehydrogenase, stellt eine weitere Abbaumöglichkeit dar; sie macht beispielhaft deutlich, wie ein Teil des Aminosäurestoffwechsels mit dem Kohlenhydratstoffwechsel verknüpft ist.

L-Alanin ist eine für den Menschen nicht-essentielle Aminosäure, kann also biosynthetisch durch den menschlichen Stoffwechsel hergestellt werden.

Alanin tritt – neben anderen Aminosäuren wie z. B. Leucin und Glutaminsäure – in α-Helices von Proteinen bevorzugt auf. Diese Aminosäuren begünstigen die Bildung dieses Sekundärstrukturelements und werden deshalb auch als Helixbildner bezeichnet.[14]

Verwendung[Bearbeiten]

Bestandteil von Infusionslösungen zur parenteralen Ernährung und von Diätetika.[15]

Edukt in chemischen Synthesen[Bearbeiten]

Die beiden Enantiomeren des Alanins werden, mit einer Schutzgruppe versehen, häufig für die Synthese von Peptiden und Proteinen eingesetzt.[5][16] Weiterhin werden L- oder D-Alanin auch in der stereoselektiven Synthese als Edukt eingesetzt.[17][18][19]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Eintrag zu Alanin in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 21. November 2007 (JavaScript erforderlich).
  2. a b c Alanin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 29. Mai 2014.
  3. Hans Beyer, Wolfgang Walter: Lehrbuch der Organischen Chemie, Hirzel Verlag, Stuttgart, 1991, ISBN 3-7776-0485-2, S. 822.
  4. CRC Handbook of Chemistry and Physics, 1. Student Edition, Herausgeber: Robert C. Weast, S. C-706, CRC Press, Boca Raton, Florida, 1988, ISBN 0-8493-0740-6.
  5. a b Jesse P. Greenstein, Milton Winitz: Chemistry of the Amino Acids, Robert E. Krieger Publishing Company, Malabar (Florida), 1961, S. 4, ISBN 0-89874-484-9.
  6. Adolph Strecker. Biographie der Universität Tübingen, abgerufen am 21. Februar 2013.
  7. Adolph Strecker: Ueber die künstliche Bildung der Milchsäure und einen neuen, dem Glycocoll homologen Körper. In: Annalen der Chemie und Pharmacie. 75, 1850, S. 27–45, doi:10.1002/jlac.18500750103.
  8. T. Weyl, Berichte der deutschen Chemischen Gesellschaft 21 (1888) 1407.
  9. Hans-Dieter Jakubke, Hans Jeschkeit: Aminosäuren, Peptide, Proteine, Verlag Chemie, Weinheim, S. 19, 1982, ISBN 3-527-25892-2.
  10. Yoshiharu Izumi, Ichiro Chibata, Tamio Itoh: Herstellung und Verwendung von Aminosäuren, Angewandte Chemie 90 (1987) S. 187–194; Angewandte Chemie International Edition in English, 17 (1978), S. 176–183.
  11. Hans-Ulrich Blaser, Elke Schmidt: Asymmetric Catalysis on Industrial Scale, 1. Auflage, 2003, ISBN 3-527-30631-5, dort Aufsatz von Harald Gröger und Karlheinz Drauz auf S. 131–145.
  12. W. Hartmeier: Immobilisierte Biokatalysatoren — auf dem Weg zur zweiten Generation, Naturwissenschaften 72 (1985) S. 310–314 und dort zitierte Literatur.
  13. Hans Beyer, Wolfgang Walter: Lehrbuch der Organischen Chemie, 20. Auflage, S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1984, ISBN 3-7776-0406-2.
  14. Berg, Tymozcko, Stryer: Biochemie. 5. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin 2003, ISBN 978-3-8274-1303-1.
  15. S. Ebel und H. J. Roth (Herausgeber): Lexikon der Pharmazie, Georg Thieme Verlag, 1987, S. 17, ISBN 3-13-672201-9.
  16. Hans-Dieter Jakubke, Hans Jeschkeit: Aminosäuren, Peptide, Proteine, Verlag Chemie, Weinheim 1982, ISBN 3-527-25892-2.
  17.  Karlheinz Drauz, Axel Kleemann, Jürgen Martens: Induktion von Asymmetrie durch Aminosäuren. In: Angewandte Chemie. 94, Nr. 8, 1982, S. 590-613, doi:10.1002/ange.19820940804.
  18.  J. Martens: Asymmetric syntheses with amino acids. In: Topics in current chemistry. 125, Springer, Berlin 1984, ISBN 978-3-540-13569-2, S. 165-246, doi:10.1007/3-540-13569-3_5.
  19.  Gary M. Coppola, Garry M. Coppola: Asymmetric Synthesis: Construction of Chiral Molecules Using Amino Acids. 2. Auflage. John Wiley & Sons, 1987, ISBN 0471828742.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Alanin – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Sicherheitsdatenblätter[Bearbeiten]

  • Datenblatt Alanin bei Acros, abgerufen am 24. Februar 2010.
  • Datenblatt Alanin bei AlfaAesar, abgerufen am 24. Februar 2010 (JavaScript erforderlich).
  • Datenblatt Alanin bei Carl Roth, abgerufen am 24. Februar 2010.
  • Datenblatt Alanin bei Merck, abgerufen am 24. Februar 2010.
  • Datenblatt Alanin bei Merck, abgerufen am 19. Januar 2011.