Raniero Panzieri

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Raniero Panzieri (* 14. Februar 1921 in Rom; † 9. Oktober 1964 in Turin) war ein italienischer Marxist. Er gilt als der Begründer des Operaismus.

Panzieri war von 1953 bis 1957 führendes Mitglied der PSI und ihr Sprecher für kulturelle Belange. 1953 erschien die italienische Übersetzung des 2. Bandes des Kapitals von Marx, den seine Frau und er angefertigt hatten und den er für die wesentliche Grundlage der marxistischen Theorie hielt. Er war, von 1956 an, Redakteur, dann faktischer Leiter der Mondo operaio, der theoretischen Zeitschrift der PSI, 1957–58 propagierte er dort Arbeiteruntersuchungen. Die Sozialistische Partei aber radikalisierte sich nicht, sondern wurde immer kompromissbereiter. Panzieri legte die Leitung der Zeitschrift im Dezember 1958 nieder.

Quaderni rossi[Bearbeiten]

Panzieri organisiert Ende 1959 eine Gruppe der jungen Sozialisten in Turin, aus der die Quaderni rossi (Rote Hefte) hervorgehen werden. Es kommt aber von Anfang an zu starken Spannungen zwischen einem „wissenschaftlichen“ Flügel um Vittorio Rieser (Giovanni Mottura, Dino De Palma) und militanten Veteranen sozialistischer Organisationen um Emilio Soave. Die erste Nummer der Roten Hefte wird vom rechten Flügel bestimmt, danach gewinnt aber der Soave-Flügel in der Turiner Gruppe die Oberhand und tritt im Februar 1961 auch in die Redaktion der QR ein, dazu römische Intellektuelle um Mario Tronti, Alberto Asor Rosa, Gaspare De Caro. Spannungen bleiben und im Frühjahr 1963 kommt es zum endgültigen Bruch des Soave Flügels mit Panzieri. Der Rieser Flügel übernimmt die Quaderni rossi, die Soave-Leute, Romano Alquati und die Gruppe um Mario Tronti gründen die Classe operia.

Die Politik der PSI und auch der PCI war Panzieri stets nicht radikal genug, ihm schwebte eine militante Arbeiterbewegung vor, die auf die Revolution hinarbeitet. Panzieri starb unerwartet im Alter von 43 Jahren.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alain Touraine, Lucio Libertini und Raniero Panzieri: Sieben Thesen zur Arbeiterkontrolle. Klassenkampf und soziale Krise, o. O. (Karin Kramer Verlag, Berlin), o. J. (1970?).
Nach einer französischen Ausgabe; verbesserte Übersetzung in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit, Nr. 10, 1989, S. 172–181.
Die Thesen von Libertini und Panzieri, Sette tesi sulla questione del controllo operio, wurde zuerst veröffentlicht in: Mondo operaio, Februar, 1958.
  • Spätkapitalismus und Klassenkampf: Eine Auswahl aus den 'Quaderni Rossi' , Claudio Pozzoli (Hrsg.), Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt a.M., 1972 enthält folgende Aufsätze von Raniero Panzieri: Über die kapitalistische Anwendung der Maschinerie im Spätkapitalismus, (Sull'uso capitalistico delle machine nel neocapitalismo, Quaderni Rossi, Nr. 1, 1961), S. 14–32; Mehrwert und Planung (Plusvalore e pianificazione, QR, Nr. 4, Sommer 1964), S. 56–86; Sozialistischer Gebrauch des Arbeiterfragebogens (Intervento die Raniero Panzieri, QR, Nr. 5, März 1965), S. 105–113.
  • Raniero Panzieri: Lotte operaie nello sviluppo capitalistico, hg. v. Sandro Mancini, 3. Aufl. Turin 1976.

Weblinks[Bearbeiten]