Raszien

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Raszien (serbokroatisch Рашка/Raška, lat. Rascia, veraltet auch Ratzen oder Raizen) bzw. Raška ist eine geographische Region zwischen Serbien und Montenegro. Im Mittelalter existierte hier das serbische Fürstentum Raszien, nachdem auch die Region benannt wurde.

Lage[Bearbeiten]

Raszien lag im Raum zwischen den Flüssen Ibar und Lim im heutigen Südwesten Serbiens und Kosovos. Die Region war territorial in etwa mit dem späteren Sandschak von Novi Pazar bzw. der heutigen geografischen Raška-Region identisch. Die Region erstreckt sich vom Osten her über ein Gebiet im Bereich der Flüsse Ibar und Lim, Kosovo und Metochien im Süden Serbiens über die südwestliche Gebirgsregion an der Grenze zu Montenegro bis zur Herzegowina. Von Norden her umfasst die Region die meisten Gebiete der heutigen Bezirke Zlatibor, Raška und Moravica. Der südliche Teil befindet sich heute überwiegend im Norden Montenegros und zu einem kleinen Teil in Nordalbanien.

Etymologie[Bearbeiten]

Eine Theorie besagt, dass der Name der historischen Region von der Stadt Ras abgeleitet wird, wonach Raszien ein slawisierter römischer Name ist. So ist dies der südslawischen Chronik des Priesters von Dioklitien (Presbyter Diocleas) zu entnehmen [1] die in das 12. Jahrhundert datiert wird, aber auch viele legendenhafte Züge enthält.

Eine weitere geht davon aus, dass dies ein serbischer Name für eine vor der Völkerwanderung besiedelten Region oder einem Stammesvorsteher war, mit dem sie das neue Gebiet besiedelten und nach ihm tauften. Im ostdeutschen, tschechischen und polnischen Raum taucht der Name in etwas abgewandelter Form ebenso auf. Beispiele hierzu sind Rudolf Raschka, Jiří Raška, Rašov (CZ), Rašovice (CZ), Raška Gratica (BG). Die Ursprünge Raschka bzw. Raška gehen wohl auf die Namen Rastko, Radslav, Radoslav, Raslav und Rastislav zurück.

Zudem gibt es die Theorie, dass der Name der Raszier, ebenso wie der Name der Russen, sich von der Eigenbezeichnung der Roxolanen ableitet. Hierauf weist auch die Etymologie einiger Ortsnamen hin, wie Rakša in der Slowakei oder Racșa in Rumänien.

Der Name Raszien wanderte später in den Norden, in die von den Serben besiedelten Gebiete in Syrmien und im Banat und blieb dort bis in das 17. Jahrhundert erhalten. Aus dem „raszischen“ formte sich die frühere deutsche und ungarische Bezeichnung für die Serben wie etwa Raizen, Ratzen oder Rác.

Geschichte[Bearbeiten]

Ausdehnung Rasziens während der Herrschaft von Stefan Nemanja und Stefan Nemanjić.

Raszien stand zunächst unter byzantinischer und später unter bulgarischer Herrschaft oder Abhängigkeit.[2] Als erster Herrscher eines relativ unabhängigen serbischen Fürstentums wird der in der Mitte des 9. Jahrhunderts lebende Vlastimir, der Begründer des Hauses der Vlastimirić, angesehen. Sein Herrschaftsgebiet soll nach dem byzantinischen Kaiser und Historiker Konstantin VII. Bosnien und Raszien umfasst haben - obwohl Raszien selbst nicht beim Namen genannt wird, vielmehr schreibt Konstantin VII. von Serbien, in dem Bosnien zumindest geographisch eine Sonderstellung innehatte.

Ende des 11. Jahrhunderts geriet Raszien in den Einflussbereich des dioklitischen Fürsten Stefan Vojislav. Dessen Enkel Konstantin Bodin setzte zur Verwaltung des Landes den Župan Vukan ein, der Raszien wieder zum führenden politischen Gebilde machte. Uroš der Ältere konnte die politische Bedeutung Rasziens weiter ausbauen.

Um 1167 wurde Stefan Nemanja, der Begründer des Hauses der Nemanjiden, serbischer Großžupan. Er vereinigte um ca. 1183 Raszien mit Zeta und dehnte das Herrschaftsgebiet in Richtung Osten aus.

1217 wurde Raszien zum Kernland des Königreichs der Nemanjiden. Weil Ungarn seit der Zeit Nemanjas den Anspruch auf den Königstitel von Serbien legte, titulierten sich die Nemanjiden in der Regel als Könige von Raszien, der Küstenländer und aller Serben. Als Raszien wurde der Nemanjidenstaat in Europa in Folge dann auch bekannt.

1219 kam das Bistum Ras, das bis dahin dem Erzbistum Ohrid unterstand, zum Erzbistum Peć und damit unter die Jurisdiktion der autokephalen serbisch-orthodoxen Kirche. 1346 wurde es selbst zum Erzbistum erhoben.

Mitte des 15. Jahrhunderts wurde Raszien von den Osmanen erobert. Unter diesen wurde es bis zum Ersten Balkankrieg und dem Zurückschlagen der Osmanen durch Serbien zum Kerngebiet des Sandschaks von Novi Pazar.

Schule von Raška[Bearbeiten]

Zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert entwickelte sich in Raszien ein eigener Kunststil, der so genannten Schule von Raška. Dieser zeichnete sich durch eine Mischung byzantinischer und westlicher Stilelemente aus.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Stadtmüller: Geschichte Südosteuropas, R. Oldenbourg Verlag, München, 1976, ISBN 3-486-46342-X
  • Holm Sundhaussen: Geschichte Serbiens (S. 24). Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar 2007, ISBN 978-3205-77660-4
  • Edgar Hönsch, Karl Nehring, Holm Sundhaussen: Lexikon zur Geschichte Südosteuropas (S. 554)., Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar 2004, ISBN 3-205-77193-1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://homepage.mac.com/paulstephenson/trans/lpd1.html (Version vom 20. Juni 2001 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt
  2. Lexikon zur Geschichte Südosteuropas, S. 554