Deutsche Einheitskurzschrift

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Zeichen und Wortbeispiele der Deutschen Einheitskurzschrift nach der Wiener Urkunde von 1968
Stenografische Aufzeichnung eines Kolping-Zitats, 2009 in Deutscher Einheitskurzschrift (Verkehrsschrift) geschrieben: „Die Jugend muss froh sein, also gebührt ihr Erholung, welche die Kräfte zur Arbeit und die Lust daran stärkt. Alles, was die Arbeitslust stört oder zerstört, ist von Übel.“

Die Deutsche Einheitskurzschrift (DEK) ist ein weit verbreitetes deutsches Stenografie-System, heute de facto das nationale Kurzschriftsystem Deutschlands und Österreichs – in beiden Ländern ist die DEK „amtlich“. Sie wurde 1924 von einer staatlich einberufenen Expertenkommission geschaffen und basiert auf Schriftideen früherer Kurzschriftsysteme (Gabelsberger, Stolze-Schrey, Faulmann) und langjährigen Erfahrungen mit deren Anwendung. 1936 erfolgte eine Systemrevision.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Das System der Deutschen Einheitskurzschrift

Die DEK ist aus besonderen Zeichen für Mitlaute, Mitlautfolgen und Selbstlaute, Kürzeln für häufig vorkommende Silben und Wörter sowie Silbenteilen bzw. Silbenzeichen aufgebaut. Selbstlaute bzw. Vokale werden aber nur mit feststehenden Zeichen dargestellt, wenn ihnen kein Konsonant folgt, beispielsweise am Ende eines Wortes. Normalerweise sind sie im folgenden Konsonanten bzw. Auslaut anzudeuten. So wird das e durch enges Verbinden zweier Mitlautzeichen auf selber Höhe dargestellt; zur Darstellung des o wird weit verbunden (etwa dreimal so weit wie beim e), das i zeigt ein eng verbundener Konsonant an, der eine halbe Stufe hochgestellt ist, das u ein tiefgestelltes Mitlautzeichen mit enger Verbindung. Ebenfalls mit Hochstellung bzw. Tiefstellung, aber weiter Verbindung, werden ei und eu angedeutet. Außerdem gibt es verstärkte Konsonanten, die je nach Verbindungslänge und -höhe ein vorangehendes a, au, ö, ü, ä oder äu darstellen.

Die Kürze der Schrift wird außer dem grundsätzlichen Verzicht auf Zeichen für Vokale, das Zusammenfassen von Konsonanten in sogenannten Mitlautfolgezeichen und den Gebrauch von Kürzeln durch die einfache, schnörkellose Form der Zeichen erreicht. Ein t ist beispielsweise ein kurzer gerader Strich. Wird er in doppelter Größe geschrieben, ist er als tr zu lesen. Hinzu kommt, dass die Deutsche Einheitskurzschrift grundsätzlich keine Doppellaute gebraucht (außer ll, ss und rr) und nicht zwischen Groß- und Kleinschreibung unterscheidet. Beet und Bett sind in der kurzschriftlichen Darstellung gleich; der Unterschied geht aus dem Zusammenhang hervor, in dem das Wort steht. Auch das Dehnungs-h wie in fahren entfällt. Das verhältnismäßig aufwendig darzustellende ä (Hochstellung und Verstärkung) wird meist durch e ersetzt.

Kritik wurde gelegentlich an den Verstärkungen zur Andeutung der Vokale wie a usw. laut, weil sie spezielle Bleistifte (Stenostifte) und spezielle Schreibfedern erforderten. Seit der Überarbeitung von 1968 – festgelegt in der sogenannten Wiener Urkunde – ist die Eingangsstufe (Verkehrsschrift) aber so ausgelegt, dass die Schrift sich auch ohne diese Verstärkungen lesen lässt und mithin jedes beliebige Schreibzeug benutzt werden kann.

Das System gliedert sich seit 1968 in die aufeinander aufbauenden Systemstufen Verkehrsschrift, Eilschrift und Redeschrift.

[Bearbeiten] Leistungsfähigkeit des Systems

Die erfassbare Informationsmenge – ausgedrückt in Silben pro Minute – hängt von der angewandten Systemstufe und der Routine des Schreibers ab. Mit der Verkehrsschrift werden durchschnittlich etwa 80 bis 120 Silben pro Minute erreicht, was bereits zwei- bis dreimal so effektiv ist wie die gewöhnliche Handschrift (Langschrift).

Die Eilschrift führt zu einer Erfassungsgeschwindigkeit bis etwa 200 Silben je Minute und enthält weitere Kürzel sowie verschiedene Verkürzungs- und Kürzungsregeln. Beispielsweise wird in vielen Endsilben (Sprechsilben) auf -er das e unterdrückt, sodass zwei Handbewegungen gespart werden und beispielsweise das Wort Retter nur mit dem Zeichen r, einem Verbindungsstrich und dem Mitlautfolgezeichen tr geschrieben wird. Ohne diese Verkürzung wären zusätzlich ein weiterer Verbindungsstrich und das r am Schluss zu schreiben.

Die Redeschrift nutzt vor allem feststehende Redewendungen sowie graphische Kürzungsmittel optimal aus und bietet das Instrumentarium für eine Hochleistungsstenografie. Die Wendung „Ich stehe auf dem Standpunkt“ besteht beispielsweise aus dem Kürzel ich und einem daruntergesetzten Punkt. Mit der Redeschrift erreichen manche Stenografen kurzzeitig Schreibgeschwindigkeiten von 500 Silben pro Minute und mehr. Bei den Stenografie-Weltmeisterschaften erzielen Spitzenschreiber, die die DEK anwenden, regelmäßig vordere Plätze.

Von einem durchschnittlichen Stenotypisten wird erwartet, dass er ungefähr 150 Silben pro Minute und 210 Anschläge pro Minute[1] erreicht. Man rechnet also damit, dass er einen Text knapp dreimal so schnell nach Diktat aufnehmen kann wie er ihn über eine Tastatur erfassen würde.[2] Bei mehr Berufserfahrung und konsequenter Erweiterung der Fähigkeiten in Stenografie und Maschinenschreiben dürfte sich das Verhältnis noch weiter zugunsten der Stenografie bewegen.

Als Diktatschrift hat die Kurzschrift ihre Bedeutung weitgehend verloren, im Gegensatz zum Gebrauch als Notizschrift, zum Beispiel bei der Protokollführung.

[Bearbeiten] Reform von 1968

Die Reform der Deutschen Einheitskurzschrift wurde nach jahrelanger Arbeit in Wien zum Abschluss gebracht und 1968 von der Kultusministerkonferenz in Mainz als Wiener Urkunde verabschiedet (Systemurkunde der Deutschen Einheitskurzschrift – Wiener Urkunde – vom 1. August 1968). Als Vater der Wiener Urkunde gilt Georg Paucker, der sich bei den Reformverhandlungen besonders für eine einheitliche Verkehrsschrift eingesetzt hat.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Angaben aus dem Artikel Stenotypist
  2. Bei einer durchschnittlichen Silbenlänge von 3,8 Buchstaben (incl. der Leerzeichen) kommt ein durchschnittlicher Stenograf bei 150 Silben pro Minute auf 570 Buchstaben, was 2,7 mal schneller ist als 210 Anschläge pro Minute
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