Rheinhessischer Dialekt

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Rheinhessisch

Gesprochen in

Rheinland-Pfalz (Rheinhessen)
Linguistische
Klassifikation

Der Rheinhessische Dialekt, kurz auch Rheinhessisch, wird im Dreieck Bingen am RheinMainz – und Worms (Rheinhessen) gesprochen. Er gehört zur westmitteldeutschen Sprache und wird innerhalb dieser dem Rheinfränkischen zugeordnet. Im südwestlichen Bereich (Alzey bis Worms) ist eine leicht pfälzische, im nordöstlichen Gebiet Richtung Mainz eine südhessische Tonfärbung möglich.

Charakteristik[Bearbeiten]

Über die weitere Klassifizierung besteht Unklarheit. Das Linguasphere Register ordnet den Dialekt für das Gebiet um Alzey der Westpfälzischen Dialektgruppe zu.

Im Süden stößt das Rheinhessische an das Pfälzische, mit dem es geographisch und kulturell oft verwechselt wird. Stark verwandt ist das Rheinhessische eher mit dem Südhessischen. Insbesondere an der Rheinfront bestehen deutliche Ähnlichkeiten, vor allem mit der Rheingauer Mundart. Sowohl für den hessischen als auch rheinhessischen Muttersprachler gibt es aber deutliche Unterschiede in der Lautfärbung und im Vokabular. Bei Helga Bister-Broosen in Sprachwandel im Dialekt von Krefeld[1] gehört Rheinhessen bis auf den Ingelheimer Raum zum Pfälzischen.

Am bekanntesten ist das Rheinhessisch in seiner Mainzer Form, dem Meenzerischen, nicht zuletzt dank der seit Beginn des Fernsehzeitalters jährlich zur Mainzer Fastnacht bundesweit ausgestrahlten Fernsehsendung Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht.

Aus historischen Gründen hat das Rheinhessische viele französische Einschläge (Nasal- und Nuschellaute), denn Rheinhessen wurde im Verlauf der französischen Revolutionskriege sogar Teil Frankreichs (siehe Département Donnersberg). Ebenso gibt es starke jüdische Einflüsse.

Eine Symbiose beider Einflüsse kommt z. B. in dem Mainzer Wort Masselschees zum Ausdruck:

Massel – jiddisch für ‚Glück‘
Schees bzw. original franz. chaise für ‚Stuhl‘
wird zu
Masselschees – dt. für ‚Sitz des Glücks‘, also ‚Wiege‘

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Post: Die Mundarten in Rheinhessen. Erforschung – Grenzen – Besonderheiten. In: Alzeyer Geschichtsblätter 38. 2010, S. 51–74.

Rheinhessisches in der Wikipedia[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helga Bister-Broosen: Sprachwandel im Dialekt von Krefeld. Berkeley insights in linguistics and semiotics, vol. 3, New York 1989 (S. 10)