Richard Jörg

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Richard Jörg (* 12. August 1908 in Karlsruhe; † September 1992 in Konstanz[1]) war ein deutscher Architekt und kommunaler Baubeamter, der vor allem durch seine Entwürfe für katholische Kirchenbauten bekannt wurde. Er war städtischer Oberbaurat in Mainz und Regierungsbaurat in Mannheim.

Werk[Bearbeiten]

Richard Jörg absolvierte ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Karlsruhe mit dem Schwerpunkt städtischer Hochbau, Wohnungs- und Siedlungswesen bei Otto Ernst Schweizer.[2] Richard Jörg übernahm 1947 die Leitung des Mainzer Hochbauamtes und war in dieser Position bis 1952 in Mainz aktiv.[3] Während seiner Tätigkeit in Mainz wurde er durch seine Planungen zum Wiederaufbau der kriegszerstörten Altstadt bekannt.[4] Für diesen alten Stadtkern konnte er jedoch wegen der difformen Verkehrsgrundlage aufgrund der Abfolge unterschiedlicher Stadträume und der außerordentlich komplexen Landschaft von Plätzen und Gassen kein realisierbares stadtbaukünstlerisches Gesamtkonzept entwickeln. Er leitete 1949–1951 den Wiederaufbau des Mollerschen Stadttheaters, heute Staatstheater Mainz.[5]

Als Oberbaurat entwickelte er zusammen mit Adolf Bayer Konzepte zur Erhaltung mehrerer freier Blickachsen auf den Mainzer Dom, die unter anderem von einer niedrig gehaltenen, stark aufgelockerten Kammbebauung der Südseite der Ludwigsstraße ausgingen. Andere Blickachsen entwickelten sich von der Schusterstraße aus, sowie durch eine neue Gasse zwischen Stadthausstraße und Alter Universitätsstraße, früher Seppel-Glückert-Passage.[6] Dieses Konzept wurde erst ab 1961 umgesetzt und die „Lu“ auf die Tiefe der südlichen Platzwand des Gutenbergplatzes erheblich verbreitert. Einheitliche zweigeschossige Pavillons wurden vor hohen Rückgebäuden gebaut. Eine Anerkennung als Baudenkmal blieb diesem Ensemble bisher versagt, obwohl einerseits die kubische Grundform als integraler Bestandteil der übergeordneten städtebaulichen Figur der Kammbebauung und andererseits die weitgehend original erhaltene Substanz und Proportion der kubischen Grundform der Baukörper als eigentlich denkmalwerte Aspekte hervorgehoben werden.[7]

Markantestes Gebäude seiner Mainzer Schaffensperiode ist die vom Mainzer Bischof Albert Stohr genehmigte und unter Beteiligung des Architekten Bernhard Schmitz geplante Heilig-Kreuz-Kirche im schlesischen Viertel. Der avantgardistische Zentralbau ist das erste vorkonziliare katholische Kirchenbauwerk in Deutschland [8], das am Dialog der Menschen mit dem Priestertum in ihrer jeweiligen Situation orientiert sein sollte um die „Erneuerung“ und „Stärkung des Bandes der Einheit“ mit dem Kirchenvolk zu demonstrieren, wie sie nach dem Vatikanum angestrebt werden sollte. Hierzu wurde die räumliche Trennung von Sanktuarium und Laienraum aufgehoben. Die gezielte Lichtregie ist ein Motiv, das Richard Jörg auch später noch oft einsetzte.

Gemeinsam mit Adolf Bayer, den er aus seiner Mainzer Zeit kannte, beteiligte er sich am Architektenwettbewerb zur Errichtung von Regierungsgebäuden in Würzburg.[9]

1952 wurde Jörg von der Stadt Mannheim zum Stadtbaudirektor berufen. Er leitete das Referat Hochbauwesen, Raumplanung und Grünanlagen.[10] In Mannheim zeichnete er verantwortlich für den Wiederaufbau des Mozartsaals des Rosengartens, des Amtsgebäudes C 7, 2 und des Zeughauses, außerdem für den Neubau der Handwerkskammer in B 1 und der St.-Lioba-Kirche sowie den Umbau des Engelhardt-Hauses auf den Planken.[11][12]

Bauten (Auswahl)[Bearbeiten]

Frontansicht der Kirche St. Andreas in Neckarhausen

Schriften[Bearbeiten]

  • mit Ignatia Neumann und Hugo Schnell: Die Ursulinenkapelle in Mannheim. Aus der Geschichte des Ursulinenordens und des Ursulinenklosters Schweidnitz-Mannheim. (= Kleine deutsche Kirchenführer, 1051.) Schnell und Steiner, Regensburg 1975.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Münster, Jahrgang 1992, Hefte 1–4.
  2. Richard Jörg, Adolf Bayer: Stadtplanung und Aufbau von Mainz. In: Otto Ernst Schweizer und seine Schule. Die Schüler zum sechzigsten Geburtstag ihres Meisters. Ravensburg 1950, S. 19–27.
  3. Andrew MacNeille: Zwischen Tradition und Innovation – Historische Plätze in der Bundesrepublik Deutschland nach 1945. Dissertation, Universität Köln, 2004, S. 236
  4. Heinrich Henning: Mainz. Das Schicksal einer Stadt. In: Die neue Stadt, Zeitschrift für Architektur und Städtebau, Jahrgang 1953, S. 49–87.
  5. Wieder im Moller-Bau 400 Jahre Oper - Theater - Opernhäuser, Bau - Vernichtung - Wiederaufbau
  6. Richard Jörg, Adolf Bayer: Stadtplanung und Aufbau von Mainz. In: Otto Ernst Schweizer und seine Schule. Die Schüler zum sechzigsten Geburtstag ihres Meisters. Ravensburg 1950, S. 22.
  7. Ewald Wagner et al.: Stadt Mainz, Altstadt. (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 2.2.) Düsseldorf 1988, S. 202.
  8. Hugo Schnell: Die neue Kirche Hl. Kreuz in Mainz von Richard Jörg. In: Das Münster, Jahrgang 1955, Heft 1/2.
  9. Der Wettbewerb Regierungsgebäude Würzburg. In: Bauwelt, Jahrgang 1953, Heft 13.
  10. Christian Peters: „Glücklicherweise bilden wir eine Ausnahme“. Mannheim in den fünfziger Jahren. Stuttgart 2002, ISBN 3-7995-0905-4, S. 124.
  11. Chronik der Stadt Mannheim, Stadtarchiv Mannheim:
  12. Andreas Schenk: Architekturführer Mannheim. Dietrich Reimer, Berlin 1999, ISBN 3-496-01201-3, S. 47, Objektnr. 245.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Richard Jörg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien