Richard Leakey

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Richard Leakey im Jahr 2010

Richard Erskine Leakey (* 19. Dezember 1944 in Nairobi) gehört zusammen mit seiner Frau Meave Leakey zu einer weltweit bekannten Familie bedeutender Paläoanthropologen. Er fand am Turkana-See u. a. fossile Schädel von Homo habilis und Homo erectus. 1989–1995 und 1998–2004 leitete er den Kenya Wildlife Service. Im Jahr 1995 war er an der Gründung der Oppositionspartei Safina (Swahili für „Arche“) beteiligt, für die er 1997 ins kenianische Parlament einzog.

Werdegang[Bearbeiten]

Richard Leakey ist der zweite Sohn von Louis und Mary Leakey; sein älterer Bruder Jonathan Leakey hatte 1964 die ersten versteinerten Überreste eines Homo habilis gefunden. In seiner Jugend wollte Richard Leakey auf keinen Fall Paläoanthropologe werden. Er beendete die Highschool nicht, sondern verließ sie im Alter von 16 Jahren und widmete sich der Organisation von Safarireisen. Bei dieser Arbeit entdeckte er eine Fossilienfundstätte, zu der er 1964 eine Expedition leitete. Durch diese Arbeit angeregt, ging Richard Leakey 1965 wieder nach England, um dort sein Studium wiederaufzunehmen. Nach 6 Monaten kehrte er allerdings wieder nach Kenia zurück, um sich dem Safarigeschäft zu widmen.

Unterstützt von der National Geographic Society leitete er von 1969 bis 1975 Ausgrabungen am Turkana-See, wo er 1972 einen knapp zwei Millionen Jahre alten Homo habilis entdeckte. Die Fundstelle hatte er 1967 bei einem zufälligen Überflug als „fossilienverdächtig“ erkannt. 1984 grub er überdies Teile eines Homo erectus aus, der später als Turkana Boy bezeichnet wurde. Seine Funde verschafften ihm in den USA zeitweise eine so große Popularität, dass ein Foto von ihm 1977 als Titelbild auf einer Ausgabe der Zeitschrift Time erschien.

Von 1974 bis 1989 war Richard Leakey Direktor des Nationalmuseums von Kenia sowie oberster Chef aller archäologischen Stätten des Landes. 1969 war bei ihm allerdings eine unheilbare Nierenkrankheit diagnostiziert worden, derentwegen er im Sommer 1979 in England mit Dialyse behandelt wurde. Sein Bruder Philip spendete Leakey im November 1979 eine Niere.

1989 endete seine paläoanthropologische Tätigkeit, nachdem er von Präsident Daniel arap Moi zum Leiter des Kenya Wildlife Service ernannt worden war; seine Restrukturierungsmaßnahmen führten innerhalb kurzer Zeit zu einem erheblichen Rückgang der Wilderei in den Nationalparks.[1] Bei einem Flugzeugabsturz verlor Richard Leakey 1993 beide Beine unterhalb des Knies, weshalb er 1994 von diesem Posten zurücktrat.

1995 beteiligte er sich aktiv an der Gründung einer oppositionellen Partei, der Safina (Swahili für „Arche“). Er engagierte sich gegen die verbreitete Korruption in Kenia, wodurch er in den folgenden Jahren das Opfer politisch motivierter Beschuldigungen wegen angeblichen Missmanagements, Rassismus und Kolonialismus wurde. Er wurde Generalsekretär der oppositionellen Safina-Partei, und 1997 wurde er in das kenianische Parlament gewählt, woraufhin er 1998 erneut zum Chef des Wildlife Service ernannt wurde; 2004 wurde er erneut zum Rücktritt gezwungen.

Richard Leakey wurde wiederholt mit dem Tode bedroht und von der Regierung politisch überwacht, gilt aber noch immer als eine der angesehensten Persönlichkeiten des Landes und als Autorität auf dem Gebiet des Umwelt- und Naturschutzes. Seit seinem erzwungenen Rückzug aus der offiziellen Politik hat er sich auf eine Art Guerilla-Taktik verlegt: Er hält Reden, um die Menschen politisch aufzurütteln, und setzt sich dann wieder an einen sicheren Ort ab, um allzu großen Ärger zu vermeiden.

2007 initiierte er das Turkana Basin Institute, das – in Zusammenarbeit mit der Stony Brook University und den National Museums of Kenya – Forschungsprojekte logistisch unterstützen und der lokalen Bevölkerung am Turkana-See die in dieser Region entdeckten vorzeitlichen Funde näherbringen soll.[2]

Vor seiner Hochzeit mit Meave im Jahr 1970 war Leakey bis 1968 mit seiner ersten Frau Margaret verheiratet. Mit Meave hat er die Töchter Louise Leakey (*1972) und Samira Leakey (*1974).

Schriften[Bearbeiten]

  • mit Virginia Morell: Wildlife. Ein Leben für die Elefanten. Fischer-Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-596-16052-9
  • mit Roger Lewin: Die sechste Auslöschung: Lebensvielfalt und die Zukunft der Menschheit. S. Fischer Verlag, 1996, ISBN 3-10-042703-3 (Originaltitel: The Sixth Extinction)
  • The origin of humankind. Weidenfeld & Nicolson, 1994
  • One Life: An Autobiography. Salem House Publishers 1984, ISBN 0881620556
  • mit Roger Lewin: Die Menschen vom See: Neueste Entdeckungen zur Vorgeschichte d. Menschheit. Ullstein Verlag, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-548-32051-1 (Originaltitel: People of The Lake)
  • Die Suche nach dem Menschen: Was wir wurden, was wir sind. Umschau-Verlag, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-524-69028-9 (Originaltitel: The Making of Mankind)
  • mit Roger Lewin: Wie der Mensch zum Menschen wurde: Neue Erkenntnisse über den Ursprung und die Zukunft des Menschen. Hoffmann und Campe, Hamburg 1978, ISBN 3-455-08931-3 (Originaltitel: Origins)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Richard Leakey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Colin Barras: Richard Leakey: Passionate, prickly and principled. In: New Scientist, Nr. 2730, 17. Oktober 2009, S. 32–33
  2. turkanabasin.org