Rituale Romanum

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Das Rituale Romanum ist das liturgische Buch der Feiern nach dem Römischen Ritus der katholischen Kirche, die gewöhnlich ein Priester leitet. Es enthält die liturgischen Handlungen, die nicht im Messbuch, Pontifikale oder dem Brevier beschrieben sind. Im Rituale finden sich liturgische Formulare zur Taufe, zur Eheschließung, zur Krankensalbung und für den Krankenbesuch. Enthalten sind auch der Versehgang bzw. das Viatikum, das Sakrament der Buße, der römische Begräbnisritus und Exorzismen. Ein wichtiger Bestandteil des Rituale Romanum sind die Benediktionen.

Bis in nachreformatorische Zeit war die Feier der einzelnen Riten in je eigenen Ritualbüchern, etwa Sacerdotalien, geregelt. Die erste amtliche Ausgabe des Rituale Romanum, das Rituale Romanum Pauli Quinti Pontifici Maximi Iussu editum, erschien 1614 unter Papst Paul V. und spiegelte den Tridentinischen Ritus wider; es ist heute in den Monumenta Liturgica Concilii Tridentini zugänglich. Das Rituale Romanum war in dieser Form lange in Gebrauch, jedoch niemals allgemein vorgeschrieben. Daher benutzten die deutschsprachigen Diözesen bis in das 20. Jahrhundert weithin eigene Ritualbücher, die besonders hinsichtlich der Trauung und im Begräbnisritus erhebliche Abweichungen von der römischen Form zeigten. Das Rituale Romanum erlebte einige Neuauflagen. 1925 legte der Vatikan eine Neuausgabe vor, „welche nach Maßgabe des Codex Iuris Canonici, der Rubriken des Missale Romanum und der Dekrete des Apostolischen Stuhles sorgfältig revidiert, verbessert und vermehrt wurde“.[1] 1952 erschien die letzte Auflage des abermals revidierten Rituale Romanum.

Titelblatt des kroatischen Rituale Romanum, 1640

Die älteste Übersetzung des Rituale Romanum zum gottesdienstlichen Gebrauch in einer modernen Volkssprache ist die 1640 in Rom unter Urban VIII. veröffentlichte Ausgabe in Kroatisch (siehe auch Bartol Kašić).

Im Rahmen der vom Zweiten Vatikanum beschlossenen allgemeinen Liturgiereform erschienen nach und nach die Teilbände des erneuerten Rituale Romanum,[2] die sich mit den einzelnen Feiern beschäftigen. Ihre Übersetzung in die Volkssprache, in denen die erneuerte katholische Liturgie in der Regel gefeiert wird, erfolgt durch von den einzelnen Bischofskonferenzen eingesetzte Theologenkommissionen und wird ihrerseits jeweils wiederum päpstlich autorisiert. Für fast alle sakramentale Feiern – dies umfasst Sakramente und Sakramentalien – sind mittlerweile authentische deutschsprachige Fassungen erschienen, und zwar in einer Reihe von Einzelbänden im Unterschied zum Rituale Romanum ohne einen gemeinsamen Obertitel. Die deutschen Titel beginnen meist mit Die Feier…, z. B. Die Feier der Kindertaufe. Aber auch das Buch Kommunionspendung und Eucharistieverehrung außerhalb der Messe[3] und ein Benediktionale gehören zum deutschsprachigen Bestand des Rituale Romanum.

Lateinische wie deutschsprachige Ausgaben enthalten neben der jeweiligen Gottesdienstordnung liturgisch-theologische Vorbemerkungen. Die sogenannte Pastorale Einführung gibt Hinweise zu Theologie und Praxis der Feier und hat darüber hinaus rechtlichen Charakter.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Das Römische Rituale. Nach der typischen vatikanischen Ausgabe des Rituale Romanum (…) übersetzt von Paulus Lieger; Klosterneuburg: Volksliturgisches Apostolat, 1936. Deutsche Übertragung der vatikanischen Ausgabe von 1925.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dekret der Ritenkongregation vom 10. Juni 1925
  2. Rituale romanum ex decreto Sacrosancti Oecumenici Concilii Vaticani II renovatum, auctoritate Pauli PP. VI editum, Ioannis Pauli PP II cura recognitum
  3. Online-Ressource Kommunionspendung und Eucharistieverehrung außerhalb der Messe