Robert Land

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Robert Land, gebürtig Robert Liebmann, (* 13. Juli 1887 in Kremsier, Österreich-Ungarn; † unbekannt[1], wahrscheinlich Ende der 1930er-Jahre in der Emigration[2]) war ein österreichisch-tschechischer Filmregisseur.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

In Kremsier als Robert Liebmann geboren, nannte er sich später in Robert Land um, um eine Verwechslung mit dem seinerzeit bekannten, namensgleichen Filmkritiker und späteren Drehbuchautoren Robert Liebmann zu vermeiden. Er kam kurz nach der Jahrhundertwende nach Wien, wo er seine Schulausbildung abschloss und anschließend Germanistik und Kunstgeschichte studierte. Nebenbei besuchte er eine Schauspielschule. 1911 debütierte er an der Wiener Residenzbühne und konzentrierte sich fortan auf die Bühnenschauspielerei. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs entdeckte er sein Interesse für den Film und gründete sogleich mit einem Freund eine Filmproduktionsgesellschaft, für die er auch persönlich einige kurze Filme produzierte und inszenierte. Einige Jahre später leitete er auch andere Filmgesellschaften wie etwa die Micco-Film. Nach dem Kriegsende stellte Land erstmals auch längere Spielfilme her, da die Technik nun ausgereifter war und kein Rohstoffmangel mehr herrschte.

1920 führte er Regie bei der Verfilmung von Emil Klägers Sozialreportage „Durch die Quartiere des Elends und Verbrechens“ für die Wiener Volksbildungseinrichtung Urania, die gut besucht wurde. Ansonsten fanden seine frühen Filminszenierungen in Österreich nur wenig Beachtung. Robert Land kann jedoch für sich verbuchen, den späteren Publikumsliebling Lilian Harvey entdeckt zu haben, da er ihr 1924 die erste kleine Rolle in „Der Fluch“ angeboten hatte. Nach diesem Film übersiedelte Land nach Berlin, wo er nach einigen Dramen und Melodramen wie Primanerliebe und Frau Sorge rasch einen Ruf als Spezialist für Leichtes aller Art, wie Lustspiele, Komödien und Operettenadaptionen, machen konnte. In seinen Filmen wirkten mehrfach Stars wie Harry Liedtke, Carmen Boni, Fritz Kortner, Liane Haid und Käthe von Nagy mit.

1928 engagierte er die bis dahin noch kaum bekannte Marlene Dietrich, die kurz zuvor in Gustav UcickysCafé Elektric“ erstmals eine Hauptrolle übernommen hatte, für die Stummfilm-Romanze „Ich küsse Ihre Hand, Madame“. In der Tonfilmzeit, die ab 1929 im deutschsprachigen Raum anbrach, gelangen ihm, abgesehen von der Verfilmung der Zweig-Novelle „24 Stunden aus dem Leben einer Frau“ mit Filmstar Henny Porten in der Hauptrolle, keine bedeutsamen Filminszenierungen mehr.

1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, musste der Jude Robert Land Deutschland verlassen. Zuvor stellte er noch den Film „Drei Kaiserjäger“ fertig, der nach der Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg 1945 von der Alliierten Militärzensur verboten wurde. Er emigrierte nach Prag, wo er jedoch nur selten Arbeit als Regisseur fand. 1934 ging er nach Italien, kehrte aber 1935 wieder in die Tschechoslowakei zurück. 1937 kehrte Robert Land ein letztes Mal nach Wien zurück, wo er jedoch 1938, nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland aus der Reichsfilmkammer ausgeschlossen wurde, was einem Berufsverbot gleichkam.

Daraufhin kehrte er zunächst nach Prag zurück, wo er noch zwei Filme herstellte. Danach verliert sich seine Spur. Je nach Quelle emigrierte er 1938 mit seiner Frau nach Paris, wo er um 1940 letzte Spuren hinterlassen haben soll,[3] oder er wurde beim Einmarsch deutscher Truppen nach Prag im Frühjahr 1939 verhaftet, interniert, verschleppt oder ermordet.[4]

Filmografie[Bearbeiten]

Bei folgender Auswahl von Filmen wirkte Robert Land, sofern nicht anders angegeben, als Regisseur mit:

  • 1919: Die Jüdin von Toledo (nur Drehbuch)
  • 1919: Die Rache ist mein
  • 1920: Durch die Quartiere des Elends und Verbrechens
  • 1921: Der Rosenkreuzer
  • 1922: Don Juan (Co-Regie neben Albert Heine)
  • 1924: Der Fluch (auch als Produzent)
  • 1925: Der Bankkrach Unter den Linden (nur Co-Drehbuch neben Regisseur Paul Merzbach)
  • 1922: Der fesche Erzherzog
  • 1927: Primanerliebe
  • 1927: Frau Sorge
  • 1928: Der Raub der Sabinerinnen
  • 1928: Prinzessin Olala
  • 1928: Ich küsse Ihre Hand, Madame
  • 1929: Der lustige Witwer
  • 1929: Unschuld
  • 1929/1930: Gaukler / Les saltimbanques
  • 1930: Liebe und Champagner

Tonfilme:

  • 1930: Boykott (auch Co-Drehbuch)
  • 1930: Wiener Liebschaften
  • 1931: 24 Stunden aus dem Leben einer Frau
  • 1931: Weekend in Paris
  • 1933: Drei Kaiserjäger
  • 1934: Melodramma (Co-Regie neben Giorgio Simonelli)
  • 1935: Jana, das Mädchen aus dem Böhmerwald
  • 1936: Arme, kleine Inge / Sextanka (ČSR-Version)
  • 1938: Panenka (letzter Film)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Berlin 2001.
    Die Internetseite Les Gens du Cinema nennt 1942 als Todesjahr und Kromeriz als Sterbeort, vgl. Lesgensducinema.com
  2. Walter Fritz: Im Kino erlebe ich die Welt – 100 Jahre Kino und Film in Österreich. Wien 1996, S.298
  3. Joachim Riedl (Hrsg.): Wien, Stadt der Juden. Zsolnay Verlag, Wien 2004, ISBN 3-552-05315-8, S. 393 (Biographie-Teil)
  4. Kay Weniger

Weblinks[Bearbeiten]