Sächsischer DET 1–2

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
K.Sächs.Sts.E.B. DET 1–2
RVT BCm 2/5
RVT Nr. 9 im Verkehrshaus Luzern (2010)
RVT Nr. 9 im Verkehrshaus Luzern (2010)
Nummerierung: DET 1–2
RVT Nr. 8–9
Anzahl: 2
Hersteller: BBC, Mannheim
Waggonfabrik Rastatt
Gebr. Sulzer, Winterthur
Baujahr(e): 1914
Ausmusterung: 1965
Achsformel: 3'B'
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: 20.090 mm[1]
21.400 mm[2]
Leermasse: 64 t[2]
Dienstmasse: 66,5 t[2]
Höchstgeschwindigkeit: 70 km/h
Installierte Leistung: 200 PS (147,1 kW)
Motorentyp: 6-Zylinder[1]
Sulzer-Viertakt-Dieselmotor
Leistungsübertragung: elektrisch
Anzahl der Fahrmotoren: 1
Bremse: Westinghouse-Druckluftbremse
Sitzplätze: 69
Stehplätze: 10
Klassen: 2./3.

Die DET 1 und 2 waren fünfachsige dieselelektrische Triebwagen der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen. Die beiden Fahrzeuge gelten als die ersten funktionsfähigen Triebwagen mit Dieselmotor in Europa.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Triebwagen entstanden aus einem Entwicklungsauftrag, den die Kgl. Sächs. Staatsbahnen gemeinsam mit der Preußischen Staatsbahn erteilt hatte. Als Generalauftragnehmer fungierte Brown, Boveri & Cie (BBC) in Mannheim. Den Fahrzeugteil fertigte die Waggonfabrik Rastatt, den Viertaktdieselmotor lieferte die Schweizer Firma Gebrüder Sulzer in Winterthur.

Erprobt wurden die Fahrzeuge ab 1915 vor allem auf der Strecke Dresden-Neustadt–Döbeln–Leipzig, aber auch zwischen Dresden und Hof. Wegen des Ersten Weltkrieges kamen die Fahrzeuge jedoch nicht mehr planmäßig zum Einsatz, auch eine Serienbeschaffung der Triebwagen unterblieb.

Ab dem 23. Oktober 1922 wurden die beiden Triebwagen für Demonstrationsfahrten auf der Strecke BülachBaden in der Schweiz eingesetzt. Da sich die Schweizerische Bundesbahn SBB nicht zum Kauf entschließen konnte, gelangten die Fahrzeuge 1923 zur Régional du Val-de-Travers (RVT). Dort wurden sie technisch überarbeitet, unter anderem mit einem elektrischen Anlasser statt der Preßluft-Starteinrichtung versehen,[1] und bekamen die neue Bezeichnung BCm 2/5 8 und 9. «Triebwagen Nr. 8 erlitt 1938 einen grösseren Schaden. Da die damalige Lage der RVT keine Reparatur zuliess, wurde das Vehikel an die SBB verkauft, die das Fahrzeug aber in der Folge bald aus kriegswirtschaftlichen Gründen verschrottete.»[3] Triebwagen 9 wurde auch nach der Elektrifizierung der Bahn im Jahr 1944 noch eingesetzt, 1956 zum ABm 2/5 umgezeichnet und 1965 nach einem mechanischen Defekt abgestellt. Danach wurde er dem Verkehrshaus der Schweiz in Luzern übergeben und blieb als nicht betriebsfähiges Museumsexponat für die Nachwelt erhalten. Er wurde erstmals 1974 anlässlich der Sonderschau "Triebwagen der Schweizer Bahnen" ausgestellt, seit 1982 gehört er zur Dauerausstellung. Er ist dort im letzten Betriebszustand als ABm 2/5 erhalten.

Technische Merkmale[Bearbeiten]

RVT Nr. 9 im Verkehrshaus Luzern; hier mit dem hinteren Führerstand über dem angetriebenen Drehgestell (1995)

Der Dieselmotor mit dem Gleichstromgenerator lagerte aus Gewichtsgründen auf dem dreiachsigen nicht angetriebenen Drehgestell unter einem Vorbau, während der elektrische Fahrmotor mittig im zweiachsigen Drehgestell am anderen Fahrzeugende untergebracht wurde. Dieser trieb über Blindwelle und Kuppelstangen beide Treibachsen im Drehgestell an. Der Dieselmotor besaß eine Nennleistung von 200 PS, zum Anfahren konnte die Leistung kurzzeitig auf 250 PS gesteigert werden. Mittels einer Leonardschaltung war eine Drehzahl- und Leistungsregelung von Dieselmotor und Generator unabhängig von der Fahrgeschwindigkeit möglich.

Zur Heizung des Fahrgastraumes diente die Abwärme des Kühlwassers, die Beleuchtung erfolgte elektrisch.

Die Fahrzeuge waren mit einer Westinghouse-Druckluftbremse ausgerüstet, welche auf die beiden Achsen des zweiachsigen und auf die beiden äußeren Achsen des dreiachsigen Drehgestells wirkte.

Das bei der RVT mit BCm8 bezeichnete Fahrzeug erbrachte seit seiner Indienststellung eine Laufleistung von 360 509 km und das Fahrzeug BCm9 eine Laufleistung von 373 873 km.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Näbrich, Günter Meyer, Reiner Preuß: Lokomotivarchiv Sachsen 2. transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin, 1983, S. 187f, 213.
  • Erich Preuß, Rainer Preuß: Sächsische Staatseisenbahnen. transpress Verlagsgesellschaft, Berlin 1991, ISBN 3-344-70700-0, S. 234.
  • Donald Rüedi: Exponate des Verkehrshauses in Luzern Der dieselelektrische Triebwagen RVT ABm 2/5 9. In: Eisenbahn Amateur. (Zeitschrift), Nr. 7, 2009, S. 338.
  • Peter Willen: Lokomotiven und Triebwagen der Schweizer Bahnen. Band 1: Schweizerische Bundesbahnen. 3. Ausgabe, ISBN 3-280-01618-5, S. 204.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Sulzer Brothers History & Production Details For Rail Traction
  2. a b c Peter Willen: Lokomotiven und Triebwagen der Schweizer Bahnen. Band 1, 3. Ausgabe, ISBN 3-280-01618-5, S. 204.
  3. H. Wisman, Dokumentation über die Ausstellungsobjekte, E28, März 1983, Verkehrshaus der Schweiz, Luzern