Säkularinstitut

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Ein Säkularinstitut (Weltinstitut oder Weltgemeinschaft) ist ein Institut des geweihten Lebens. Es basiert, nach dem Kirchenrecht, auf der Grundlage des cann. 710-730 CIC und zählt in seiner Form zum geweihten Leben. Im CIC ist folgendes festgelegt:

„Ein Säkularinstitut ist ein Institut des geweihten Lebens, in welchem in der Welt lebende Gläubige nach Vollkommenheit der Liebe streben und sich bemühen, zur Heiligung der Welt, vor allem von innen her, beizutragen.“

CIC can. 710

Geschichte[Bearbeiten]

Die ursprünglichste Form eines Säkularinstituts bildete die 1535 von Angela Merici gegründete „Compagnia di Sant´Orsola“, der heutigen Ordensgemeinschaft der heiligen Ursula. Die ersten Ursulinen lebten innerhalb ihrer Familien und trafen sich zu Gottesdiensten und religiöser Bildung. Sie trugen keine Ordenstracht und zeigten durch ihre Lebensführung ein Leben nach dem Evangelium auf. Ihre Gründerin verfasste die ersten Gemeinschaftsregeln, also von einer Frau für Frauen. Eine priesterliche Leitung hatte sie nicht vorgesehen.

Mit der Apostolischen Konstitution Provida mater ecclesia (2. Februar 1947) von Papst Pius XII. (1939-1958) wurde die Form der Säkularinstitute zum ersten Mal kirchenrechtlich relevant. Mit dieser Regelung trat die neue Kategorie von Ordensgemeinschaften in Kraft.[1] Papst Paul VI. (1963-1978) bezeichnete die Säkularinstitute später einmal als „Versuchslaboratorien, in denen die Kirche die konkreten Möglichkeiten ihrer Beziehung zur Welt testet.“

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil entwickelten sich die Regelungen über die Ordensgemeinschaften neu. In der dogmatische Konstitution Lumen Gentium vom 21. November 1964 wird zum Ausdruck gebracht, dass „alle zur Heiligkeit berufen sind“; also kann das Leben in Ordensgemeinschaften nicht nur an eine bestimmte Lebensform gebunden sein. Das Konzilsdekret Perfectae Caritatis „über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens“ vom 28. Oktober 1965 hatte sich zum Ziel gesetzt, das Leben in den Gemeinschaften an die

„[…] körperlichen und seelischen Voraussetzungen der Menschen von heute“ anzupassen, „aber auch – soweit die Eigenart des Instituts es verlangt – den Erfordernissen des Apostolats, den Ansprüchen der Kultur, der sozialen und wirtschaftlichen Umwelt zu entsprechen […]“

Perfectae Caritatis, 3

Der nächste große Schritt war die Erneuerung des Kirchenrechts (CIC) von 1983. Hier wurde nun klar und deutlich innerhalb der Institutionen des geweihten Lebens (cann. 573-606 CIC) zwischen Ordensinstitut (cann. 607-709 CIC) und Säkularinstitut (cann. 710-730 CIC) unterschieden. Ein gemeinsames Merkmal weisen alle Säkularinstitute auf, ihre Mitglieder sollen ihr „Leben in Mitten der Welt“ gestalten.

Lebensform[Bearbeiten]

In der Zielsetzung der Gemeinschaften ist verankert, dass die Mitglieder ihr Leben im christlichen Glauben gestalten wollen. Die Frauen, Männer, Laien und Priester schließen sich zu einem gemeinsamen Leben zusammen um aus dem Evangelium heraus zu gestalten und missionarisch zu wirken. Den Säkularinstituten gemein ist das Streben nach „einem Leben in der Mitte der Gesellschaft“. Deshalb leben sie meist nicht in einem Kloster, sondern in gewöhnlichen Mietwohnungen, gehen einem Beruf nach, pflegen soziale Kontakte und sind ehrenamtlich in Gesellschaft und Kirche tätig.

Wie bei Ordensinstituten gibt es gemeinschaftseigene Regeln (Statuten), die von den Mitgliedern festgelegt und vom zuständigen Diözesanbischof genehmigt werden. Dies können Versprechen auf Zeit oder aber Gelübde der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsam sein, die für das ganze Leben abgelegt werden. Andere, bei Ordensgemeinschaften verbreiteten Elemente, wie gemeinsame Tracht oder Dach- und Tischgemeinschaft, werden nur im Ausnahmefall von manchen Säkularinstituten übernommen.[1]. Wie bei Ordensinstituten gibt es Säkularinstitute in denen nur Frauen, nur Männer oder nur Priester zugelassen sind. Jedoch können mehrere Säkularinstitute eine institutionelle Einheit bilden, wie zum Beispiel die internationale Schönstatt-Bewegung.

Organisation[Bearbeiten]

siehe auch Liste von Säkularinstituten

In Deutschland sind die Säkularinstitute in der Arbeitsgemeinschaft der Säkularinstitute in Deutschland e.V. [2] mit Sitz in Vallendar vertreten. Der Arbeitsgemeinschaft sind derzeitig 34 deutsche und internationale (mit Niederlassungen in Deutschland) Säkularinstitute angeschlossen. Die Arbeitsgemeinschaft ist durch ihre/n Leiter/in bei der Weltkonferenz der Säkularinstitute vertreten.

Die Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Säkularinstitute wurde nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auf Anregung von Franz Kardinal König (1905-2004) gegründet. Sie ist der Österreichischen Bischofskonferenz zugeteilt und bildet das Verbindungsglied zwischen den Säkularinstituten und der römisch-katholischen Kirche in Österreich. Die Arbeitsgemeinschaft hat ihren Sitz in Wien und ist, für die zehn ihr angeschlossenen Institute, auch das öffentliche Sprachrohr.

Die Weltkonferenz der Säkularinstitute (Conference Mondiale des Instituts Seculiers, CMIS)[3] wurde 1972 gegründet und 1974 vom Heiligen Stuhl approbiert. Aus ihren Reihen wird der Weltrat der Säkularinstitute gewählt, dieser organisiert weltweit die Zusammenarbeit zwischen den Säkularinstituten. Zu diesem Zweck fördert die CMIS die Kontakte und intensiviert den Erfahrungsaustausch. Die Konferenz arbeitet auch mit anderen Vereinen und Organisationen auf nationalen und internationalen Ebenen zusammen. Auf der Basis der Dokumente des Heiligen Stuhls organisiert sie Studien und Forschungsprogramme, welche die Erfahrungen der Säkularinstitute berücksichtigen. Gleichzeitig ist die CMIS Fürsprecher und Partner zur Päpstlichen Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens. Der Weltrat hat seinen Hauptsitz in Rom und vertritt die Belange von etwa 32 350 Mitglieder (davon 26 580 Frauen, 569 Männer, 3980 Priester und 1260 Sonstige Mitglieder).

An der Generalversammlung vom 25. bis 28. Juli 2012 in Assisi, Italien nahmen 350 Generalverantwortliche oder deren Delegierte teil. Der neugewählte Weltrat, setzt sich mit neun Mitgliedern aus Österreich, Frankreich, Spanien, Indien, Italien und der Slowakei zusammen. Zur Präsidentin wurde die Französin Nadége Védie (Generalobere des Institut Séculier Notre Dame Du Travail) [4] gewählt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexander Menningen: Christ in welthafter Existenz. Die theologischen Grundlagen der Säkularinstitute Schönstatts, verglichen mit einschlägigen Aussagen des II. Vatikanischen Konzils, Vallendar 1968 (3. Aufl. 1969)
  • Gertrud Pollak: Der Aufbruch der Säkularinstitute und ihr theologischer Ort, Patris-Verlag, Vallendar 1986 (Diss.). ISBN 3-87620-123-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Gertrud Pollack: Säkularinstitute in: Schönstatt Lexikon. Fakten – Ideen – Leben. Patris-Verlag, Vallendar. 1996. ISBN 3-87620-195-0
  2. Säkularinstitute in Deutschland [1]
  3. Internationale Webpräsenz der CMIS [2]
  4. Conférence Nationale des Instituts Séculiers de France [3]