Römisch-katholische Kirche in Österreich

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Die römisch-katholische Kirche in Österreich ist Teil der weltweiten römisch-katholischen Kirche unter der Führung von Papst Franziskus, der römischen Kurie und der österreichischen Bischofskonferenz. Sie ist die mitgliederstärkste Konfession des Christentums in Österreich. Ende 2013 waren 62,4 % der österreichischen Bevölkerung Mitglied in der römisch-katholischen Kirche. Selbstbezeichnung der Kirche ist Katholische Kirche in Österreich.

Gliederung[Bearbeiten]

Die österreichischen Kirchenprovinzen

Die Katholische Kirche in Österreich gliedert sich in die beiden Kirchenprovinzen Salzburg und Wien mit insgesamt neun Diözesen. Der Militärbischof, der die Bezeichnung Titularbischof von Wiener Neustadt führt, hat seinen Sitz ebenfalls in Wien. Auch der Abt der Territorialabtei Wettingen-Mehrerau ist Mitglied der Bischofskonferenz, da das Kloster direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt ist.

Die Gebietsgrenzen der neun Diözesen decken sich in etwa mit den Grenzen der Bundesländer. Die auffälligsten Unterschiede stellen das zur Erzdiözese Wien gehörige östliche Niederösterreich und das östliche Tirol dar, das Teil der Erzdiözese Salzburg ist.

Im Jahr 2012 gab es 3.053 katholische Pfarrgemeinden in Österreich, die von 2.242 Diözesanpriestern und 1.553 Ordenspriestern seelsorglich betreut werden.[1]


Diözese Gründung Kathedrale Bischof Weihbischof Katholiken
(Stand 2013[2])
Erzdiözese Salzburg 739 Salzburger Dom Franz Lackner Andreas Laun 479.781
Diözese Feldkirch 1968 Dom St. Nikolaus zu Feldkirch Benno Elbs 245.118
Diözese Graz-Seckau 1218 Grazer Dom Egon Kapellari 853.594
Diözese Gurk 1072 Klagenfurter Dom Alois Schwarz 383.460
Diözese Innsbruck 1964 Dom zu St. Jakob in Innsbruck Manfred Scheuer 392.963
Erzdiözese Wien 1469 Wiener Stephansdom Christoph Kardinal Schönborn Franz Scharl

Stephan Turnovszky

1.246.608
Diözese Eisenstadt 1960 Dom St. Martin zu Eisenstadt Ägidius Zsifkovics 199.652
Diözese Linz 1785 Mariä-Empfängnis-Dom Linz Ludwig Schwarz 990.881
Diözese St. Pölten 1785 Dom zu St. Pölten Klaus Küng Anton Leichtfried 516.642
Österreichische Militärdiözese 1986 St. Georgs-Kathedrale Wiener Neustadt Christian Werner 98.000
Ordinariat für die byzantinischen Gläubigen in Österreich 1956 Zentralpfarrkirche St. Barbara Wien-Innere Stadt Christoph Kardinal Schönborn 10.000

Geschichte[Bearbeiten]

Das Christentum kam über die Römer ins Gebiet des heutigen Österreich. Davon zeugt zum Beispiel der Märtyrer Florian von Lorch. In den Wirren der Völkerwanderung gingen die christlichen Strukturen großteils verloren.

Die Neuchristianisierung erfolgte im Mittelalter vor allem durch die 739 von Bonifatius gegründeten Diözesen Passau und Salzburg. Zahlreiche Klöster entstanden: Mondsee (748), Innichen (769), Kremsmünster (777), Sankt Florian (um 800).

Der Habsburger Rudolf der Stifter ließ die Stephanskirche 1365 zum Dom umbauen doch erst 1469 wurde Wien eine eigene Diözese und von Passau unabhängig.

Ab 1520 breitete sich die Reformation in Österreich aus. Doch die Habsburger betrieben die Gegenreformation sehr energisch und nach dem Dreißigjährigen Krieg war das Land wieder katholisch. In den Toleranzpatenten (1781 und 1782) von Joseph II. wurde die Religionsfreiheit garantiert. Dennoch blieb Katholizismus in der Habsburgermonarchie bis zu deren Ende 1918 politisch und gesellschaftlich vorherrschend.

In der Ersten Republik war die katholische Kirche sehr eng mit der Christlichsozialen Partei verbunden. Die Haltung der Kirche zum Nationalsozialismus ist ambivalent. Der Anschluss Österreichs wurde von den Bischöfen befürwortet, andererseits kam es auch zu katholischem Widerstand (Rosenkranz-Demonstration). Die Nationalsozialisten versuchten durch verschiedene Schikanen, wie Enteignung, Verhaftungen, Predigtverbot, Ende des Religionsunterrichts, etc. den Einfluss der katholischen Kirche zu schmälern.

In der Zweiten Republik wurde der Religionsunterricht wieder eingeführt und das Konkordat von 1933 von der Regierung anerkannt. Kardinal Franz König trug zur Aussöhnung mit der Sozialdemokratie bei und nahm erste Kontakte mit den Ostkirchen auf. Papst Johannes Paul II. besuchte Österreich 1983, 1988 und 1998, Papst Benedikt XVI. 2007.

Seit der Affäre Groër führten die zahlreichen Missbrauchsfälle katholischer Priester und Ordensleute zur Gründung von diözesanen Ombudsstellen[3] und einer kirchlichen Kommission[4] unter der Leitung Waltraud Klasnics, die seither diese Vorfälle untersucht und die Betroffenen entschädigt.[5][6][7] Im Frühjahr 2013 organisierten einige kirchenkritische und religionskritische Organisationen sowie die Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt ein erfolgloses Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien in Österreich, das Ende des Konkordats und eine staatliche Untersuchung der Missbrauchsfälle.[8]

Entwicklung[Bearbeiten]

Mitgliederentwicklung Katholiken
in Österreich 1951-2013
[1][9][10]
Jahr Bevölkerung Katholiken Anteil
1951 6.933.905 6.170.084 89,0 %
1961 7.073.807 6.295.075 89,0 %
1971 7.491.526 6.548.316 87,4 %
1981 7.555.338 6.372.645 84,3 %
1991 7.795.786 6.081.454 78,0 %
2001 8.032.926 5.915.421 73,6 %
2011 8.408.121 5.403.722 64,3 %
2012 8.451.860 5.359.275 63,4 %
2013 8.504.850 5.308.699 62,4 %

Nach dem Zweiten Weltkrieg stagnierte der Anteil der römisch-katholischen Glaubensangehörigen. Sowohl 1951 als auch 1961 bekannten sich 89 % zu diesem Religionsbekenntnis. Die Gesamtzahl der Katholiken nahm bis 1971 weiter zu, als sie ihren Höhepunkt erreichte. Doch bereits ab 1961 ging der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung aufgrund der einsetzenden Zuwanderung von Angehörigen anderer Religionen und aufgrund der Zunahme der Menschen ohne Bekenntnis von 266.000 (1961) auf 321.000 (1971), was vor allem auf Austritte aus der katholischen Kirche zurückzuführen ist, zurück. Dieser prozentuelle Rückgang wurde umso stärker, als ab 1971 auch die Gesamtzahl der Katholiken rückläufig ist, während die Zahl der Menschen ohne Bekenntnis bis 2001 auf 963.000 Personen anstieg.

Im Jahr 2010 erreichte in Zusammenhang mit den damals diskutierten Missbrauchsfällen die Anzahl der Kirchenaustritte mit 85.960 ehemaligen Katholiken ihren bisherigen Höhepunkt. Seither hat sich diese Zahl bei jährlich über 50.000 Austritten stabilisiert, die katholische Kirche verliert damit pro Jahr rund 1% ihrer Mitglieder.

Nicht nur die Anzahl der Katholiken (siehe Tabelle rechts), sondern auch die Zahl der Teilnehmer an der sonntäglichen Messfeier hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich verringert und betrug nach Angaben der kirchlichen Statistik im Jahr 2012 633.319 Menschen (7,5 % der Gesamtbevölkerung)[1] gegenüber 1,1 Millionen Teilnehmern (14 % der Gesamtbevölkerung) im Jahr 1995.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Statistik der katholischen Kirche in Österreich, abgerufen am 18. Jänner 2014
  2. Statistik: Katholikenzahlen 2013, Katholische Kirche Österreich, abgerufen am 19. Februar 2014
  3. Diözesane Ombudsstellen für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche
  4. Unabhängige Opferschutzanwaltschaft
  5. Der Standard, 5. März 2010
  6. Bischöfe setzen Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch bischofskonferenz.at, abgerufen am 21. März 2011
  7. http://www.erzdioezese-wien.at/content/artikel/a18318
  8. Initiative gegen Kirchenprivilegien , abgerufen am 5. Jänner 2013
  9. Statistik Austria: Bevölkerung nach dem Religionsbekenntnis und Bundesländern 1951 bis 2001 (abgerufen am 16. Jänner 2009)
  10. Statistik Austria: Bevölkerung Österreich, abgerufen am 19. Februar 2014