Salpetersieder

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Salpeterherstellung in Hallstatt

Salpetersieder (auch Saliterer, Salvaiter[1] oder Salpeterer) war ein Beruf, der mit der Einführung des Schwarzpulvers große militärische Bedeutung erlangte, weil Salpetersieder den zur Herstellung des Pulvers notwendigen Salpeter (den Saliter, genauer Kalksalpeter bzw. Kaliumnitrat) beschafften.

Des Weiteren bezeichnet man die Aufständischen der Salpetererunruhen im südbadischen Hotzenwald als „Salpeterer“. Der Name leitet sich von den Anführern her, die diesen Beruf einst ausgeübt hatten. Diese Namensgebung erfolgte allerdings erst durch die Geschichtsschreibung im frühen 19. Jahrhundert.

Salpetergewinnung[Bearbeiten]

Der Salpeter wurde aus dem Erdboden von Ställen und Wohnhäusern gewonnen, weil er sich dort aus dem im Boden vorhandenen Kalk und den nitrathaltigen Exkrementen und Urin der Tiere und Menschen bildete.

Zur Salpetergewinnung wurde der Boden ausgegraben und ausgewaschen, so dass man eine salzhaltige Lösung erhielt. Aus dieser wurde durch Sieden eine gesättigte Lösung hergestellt. Da sich Salpeter im Verhältnis zu vielen anderen Salzen in heißem Wasser deutlich besser löst als in kaltem, kristallisiert beim Abkühlen der Salpeter zuerst aus.

Häufig wurde der Salpeter auch durch Abschaben an Lehmwänden von Gruben gewonnen, welche der Verrieselung von Urin dienten (siehe Komposttoilette).

Salpetersieder war ein nicht sesshafter Beruf, er musste durchs Land von Dorf zu Dorf ziehen und mit Vollmacht der Landesherren die Anwesen der Bauern durchwühlen. Der Salpetersieder durfte die Böden von Stuben und Kammern aufreißen, Mauerstücke herausbrechen, Balken absägen und die salpeterhaltigen Teile mitnehmen. In seiner Hütte verkochte er die salzhaltige Erde in einer Sudpfanne mit Asche und schied den Salpeter ab. Dieser wurde in Säcke gefüllt, beim Pfleger abgeliefert und ging von dort in Sammelposten in die Residenzstadt.

Manche Salpetersieder (bzw. Salpetergräber) gewannen ihr Produkt auch in Salpetergärten, in denen, ähnlich wie bei den Guanolagerstätten am Meer, die Ausgangsstoffe für den Salpeter, also tierische Abfälle etc. sowie Kalk aufgehäuft wurden. Auch Massengräber auf historischen Schlachtfeldern wurden später von Salpetersiedern verwertet und können daher teilweise kaum mehr von der Archäologie untersucht werden.

Der Salpetersiederberuf verlor an Bedeutung, als 1820 große Naturvorkommen von Salpeter in Chile und Guano an den Steilküsten des Südpazifik entdeckt wurden.

Im Heimatmuseum in Görwihl ist eine alte Salpetersiederei nachgebildet.

Salpeterer als Plage[Bearbeiten]

Wegen ihrer Vorgehensweise wurden Salpetersieder als Plage angesehen. Ihrerseits jedoch waren sie vertraglich zur Ablieferung einer gewissen Mindestmenge von Salpeter an den Landesherren verpflichtet. Es gab für die Betroffenen keine Möglichkeit, sich vor dem Saliterer zu schützen, es sei denn, man hielt ihn sich durch Geldzuwendungen vom Leibe. Unzählige Beschwerden über das rücksichtslose Vorgehen der Saliterer führten im Kurfürstentum Bayern lediglich 1798 zu einer Verfügung, welche den Adeligen und Pfarrern Erleichterung verschaffte.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian Lebrecht Rösling: Ueber Pottaschen- und Salpeter-Siedery. Zwey Abhandlungen, worin man theils verbesserte, theils ganz neue Anlagen findet, und Anleitung zur Berechnung der Anlagskosten und des Ertrags erhält. Palm, Erlangen 1806
  • Heinrich Hansjakob: Die Salpeterer, eine politisch-religiöse Sekte auf dem südöstlichen Schwarzwald. Verlag Zimmermann, Waldshut 1867.
  • Otto Gruber: Deutsche Bauern- und Ackerbürgerhäuser. Eine bautechnische Quellenforschung zur Geschichte des deutschen Hauses. Verlag G. Braun, Karlsruhe 1926.
  • Günther Haselier: Geschichte des Hotzenwalds. Schauenburg-Verlag, Lahr 1973.
  • Thomas Lehner (Hrsg.): Die Salpeterer. „freie, keiner Obrigkeit untertane Leut’ auf dem Hotzenwald“. Wagenbach Verlag, Berlin 1977, ISBN 3-8031-2036-5, 124 S., Ill., Notenbeispiele.
  • Emil Müller-Ettikon: Die Salpeterer. Geschichte eines Freiheitskampfes auf dem südlichen Schwarzwald. Schillinger-Verlag, Freiburg 1979.
  • Rudolf Metz: Geologische Landeskunde des Hotzenwalds. Mit Exkursionen, besonders in dessen alten Bergbaugebieten. Schauenburg-Verlag, Lahr 1980.

Weblinks[Bearbeiten]

Informationsseite über Salpeterer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Verein für Geschichte, Kultur- und Landeskunde in Hohenzollern in Verbindung mit der hohenzollerischen Lehrerschaft (Hrsg.): Hohenzollerische Heimat. Vierteljahresblätter für Schule und Haus. Nr. 2, Gammertingen 1964, S. 28.