Sandmücken

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Sandmücken
Weibliche Sandmücke der Art Phlebotomus papatasi bei der Blutmahlzeit

Weibliche Sandmücke der Art Phlebotomus papatasi bei der Blutmahlzeit

Systematik
Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
Unterordnung: Mücken (Nematocera)
Teilordnung: Psychodomorpha
Überfamilie: Schmetterlingsmücken (Psychodidea)
Familie: Schmetterlingsmücken
Unterfamilie: Sandmücken
Wissenschaftlicher Name
Phlebotominae
Rondani, 1840
Gattungen

Die Sandmücken (Phlebotominae) sind eine Unterfamilie der Schmetterlingsmücken (Psychodidae). Manche Autoren führen sie aber als eigene Familie Phlebotomidae.

Die zugeordneten Arten sind wie alle blutsaugenden Insekten Parasiten. Man bezeichnet sie als „Pool“-Sauger, weil sie mit breiten Mundwerkzeugen die Haut aufritzen und dann den so entstehenden „Pool“ aus Blut und Lymphe aufsaugen. Ihr Name leitet sich von griech. phlebos „Vene, Blutgefäß“ und tomē „Schnitt“ her.

Verbreitung[Bearbeiten]

Es existieren bis zu 700 Arten, die fast überall verbreitet sind, wo die Durchschnittstemperatur nicht unter 10 °C fällt. Sie sind vor allem in den Tropen und Subtropen von Europa (speziell im Mittelmeer-Raum), Asien und Amerika anzutreffen. Manche Gattungen treten in der Paläarktis (ausgenommen Nordeuropa) auf. Lange Zeit wurde davon ausgegangen, dass sie in Deutschland nicht vorkommen, was jedoch 1999 widerlegt wurde.[1] Einzige in Deutschland nachgewiesene Art ist bisher Phlebotomus mascittii, die im Oberrheintal, nördlich bis Köln und beinahe ausschließlich in vom Menschen geprägten (synanthropen) Habitaten vorkommt. Die Ausbreitung weiterer Arten wird wegen des Klimawandels für wahrscheinlich gehalten. Inzwischen wurde die Art auch in Österreich nachgewiesen.[2]

Merkmale[Bearbeiten]

Die Eier sind länglich und gefurcht. Die Larven sind behaart wurmförmig und besitzen eine Kopfkapsel (eucephal). Am letzten Segment tragen sie keulenförmige, schräg aufgerichtete Borsten. Die erwachsenen Tiere sind nur bis zu vier Millimeter groß, gelbbraun und behaart. Die Flügel sind recht groß und geben ihnen dadurch ein schmetterlingsartiges Aussehen.

Lebenszyklus[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu den Stechmücken (Familie Culicidae) brauchen Phlebotomen-Weibchen nicht zwingend eine Blutmahlzeit um Eier legen zu können. Die Blutmahlzeit ist also fakultativ und im Gegensatz zur Ernährung mit Pflanzensäften beschleunigt sie wahrscheinlich jedoch die Eiablage enorm. Die Sandmückenmännchen ernähren sich wie auch die der Stechmücken ausschließlich von Pflanzensäften. Die Eier werden später an feuchten Stellen abgelegt, vor allem auf Müllplätzen, in Scheunen, Erdlöchern und Ställen. Nach dem Schlüpfen werden vier Larvenstadien durchlaufen, wobei sich die Larven von vorverdauten oder verrotteten Pflanzen ernähren. Danach erfolgt eine Verpuppung, aus der Puppe geht dann die ausgewachsene Sandmücke hervor. Diese lebt bis zu 40 Tage und legt nach jedem Saugen bis zu 100 Eier ab.

Sandmücken als Krankheitsüberträger[Bearbeiten]

Sandmücken-Bisse (Trotz geringer Größe der Sandmücken deutliche Hautreaktionen. Honduras, 2004)

Der Biss löst Juckreiz und Hautrötung aus, so tritt beispielsweise bei der Art Phlebotomus papatasi bei nicht desensibilisierten Personen ein Ausschlag auf und es kann auch zu Unwohlsein und Fieber infolge eines Bisses kommen.

Wie bei allen blutsaugenden Insekten geht die weitaus größte Gefahr von der Vektorfunktion d. h. Krankheitsüberträgerfunktion der Sandmücken aus. Sie sind unter anderem der Hauptüberträger für:

Eine Übertragung von Hautleishmaniose durch Sandmücken in Deutschland ist bisher nicht nachgewiesen und gilt noch als unwahrscheinlich. Die klimatischen Bedingungen erlauben allerdings eine Ausbreitung in Deutschland entweder schon heute oder bei weiterer Erwärmung in naher Zukunft. Nächster Herd (Focus) mit nachgewiesener vollständiger Infektionskette ist Paris.[3]

Schutzmaßnahmen[Bearbeiten]

Sandmücken erscheinen zu bestimmten Tageszeiten und Wetterverhältnissen besonders aggressiv. Viele Arten bleiben nachtsüber inaktiv. Sie sind relativ langsam, sich ständig schnell Bewegende bleiben unerreichbar. Durch engmaschige Fliegengitter können sie ausgesperrt werden, es gibt auch Kopfschutz aus Gewebe. An bekleidete Hautstellen können sie nicht gelangen. Abwehrmittel sind wirksam, wenn sie ausreichend hohen Anteil an DEET enthalten.

Systematik[Bearbeiten]

In Europa ist die Unterfamilie mit 22 Arten und Unterarten vertreten:[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Phlebotominae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

  1. Verbreitung in Deutschland
  2. Torsten J. Naucke, Susanne Lorentz, Friedrich Rauchenwald, Horst Aspöck (2011): Phlebotomus (Transphlebotomus) mascittii Grassi, 1908, in Carinthia: first record of the occurrence of sandflies in Austria (Diptera: Psychodidae: Phlebotominae). Parasitology Research 109(4): 1161-1164. doi:10.1007/s00436-011-2361-0
  3. Walter A. Meier (Hauptautor) (2001): Mögliche Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die Ausbreitung von primär humanmedizinisch relevanten Krankheitserregern über tierische Vektoren sowie auf die wichtigen Humanparasiten in Deutschland. Umweltforschungsplan des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Förderkennzeichen (UFOPLAN) 200 61 218/11.
  4. Phlebotominae bei Fauna Europaea. Abgerufen am 3. November 2013