Sant’Andrea delle Fratte

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Turmansicht
Fassade
Kuppel und Glockenturm

Sant’Andrea delle Fratte (lat.: Sancti Andreae Apostoli de Hortis) ist eine Kirche in Rom, die größtenteils im 17. Jahrhundert entstand. Sie ist Titelkirche der römisch-katholischen Kirche und beherbergt u.a. die Gräber Rudolf Schadows und Angelika Kauffmanns sowie zwei Marmorstatuen Gian Lorenzo Berninis.

Lage[Bearbeiten]

Die Kirche liegt im Municipio I (Centro Storico) an der gleichnamigen Via di Sant’Andrea delle Fratte etwa 250 Meter südsüdöstlich der Piazza di Spagna. Im 12. Jahrhundert lag diese Stelle am Rande des bebauten Gebietes, daher der Name delle fratte – „zu den durch Reisig und Dornbüsche unwegsamen Orten“[1].

Baugeschichte[Bearbeiten]

Sant’Andrea delle Fratte wurde bereits im 12. Jahrhundert erwähnt. Ihre heutige Gestalt erhielt sie im Wesentlichen im 17. Jahrhundert, die Fassade zur Via di Sant’Andrea delle Fratte wurde erst 1826 fertiggestellt.

Grundstruktur[Bearbeiten]

Die Kirche ist ein einschiffiger Bau mit Querhaus, Kuppel und einem Glockenturm. Sie blieb aus Geldmangel unvollendet, die Bauarbeiten wurden 1665 abgebrochen[2]. Für Rom ungewöhnlich, sind die Sichtflächen deshalb nicht marmorn verkleidet, vielmehr ist lediglich Ziegelmauerwerk barocken Formenreichtums zu sehen.

Äußeres[Bearbeiten]

Das Querhaus mit der Kuppel und den Glockenturm ließ Francesco Borromini von 1653 bis 1656 errichten, der den Auftrag hierfür 1653 vom Marchese Bufalo erhielt[3]. Eine Besonderheit stellen die turmähnlichen, durch Doppelsäulen gegliederten Vorsprünge des Kuppeltambours dar. Der hochbarocker Formenvielfalt folgende Glockenturm ist der einzige aus Marmor ausgeführte äußere Bauteil. Die ebenfalls fast nur aus Ziegelmauerwerk bestehende Fassade hieß Giuseppe Valadier 1826 im Stil des Klassizismus ausführen.

Inneres[Bearbeiten]

Das Innere ist reich mit Marmor verkleidet. Die Pfeiler zwischen den Seitenkapellen sind als Pilaster ausgeführt, ein kräftiges umlaufendes Gesims gliedert die Wände horizontal. Vorbild für die Raumgebung im Inneren könnte Il Gesù gewesen sein[4]. Geleitet wurden die Ausführungen der Arbeiten im Inneren im 17. und 18. Jahrhundert u.a. durch Francesco Cozza, Giovanni Battista Maini und Paolo Posi.

Kuppel[Bearbeiten]

Die Kuppel ist vollständig ausgemalt, verfügt aber über kein Opaion, wodurch es zu mäßigem Lichteinfall kommt; für jene der Kirche Sant’Andrea in Mantua wurde diese zum Vorbild.

Innenausstattung[Bearbeiten]

Madonnenkapelle[Bearbeiten]

In der dritten Seitenkapelle links wird eine wundertätige Madonna (Madonna del Miracolo) verehrt.

Kapelle des Hl. Franz von Paola[Bearbeiten]

Die Kapelle des Hl. Franz von Paola ließ Filippo Barigioni von 1726 bis 1736 neu einrichten[5].

Statuen von Bernini[Bearbeiten]

Jeweils links und rechts des Choreingangs befinden sich zwei marmorne Engel Gian Lorenzo Berninis, ursprünglich von 1667 bis 1670 für die Engelsbrücke geschaffen. Der linke hält die Dornenkrone Christi, der rechte das Schriftband des Kreuzes, der Kirche wurden sie von den Nachkommen Berninis 1729 geschenkt.

Grabmäler[Bearbeiten]

Die Kirche enthält zahlreiche Grabmäler. Am letzten rechtsseitigen Pfeiler befindet sich das Grab des 1822 verstorbenen Bildhauers Rudolf Schadow. In der vierten Seitenkapelle linkerhand wurde 1807 die Malerin Angelika Kauffmann bestattet.

Orgel[Bearbeiten]

Die Orgel wurde von dem Orgelbauer Michele Continie in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts erbaut. Das Instrument hat 32 Register auf drei Manualwerken und Pedal. Die Trakturen sind elektrisch.[6]

I Positivo Aperto C-c4
Corno di Camoscio 8'
Flauto Camino 4'
Silvestre 2'
Clarinetto 8'
II Grand'Organo C-c4
Principale 16'
Principale 8'
Ottava 4'
Duodecima 22/3'
Decimaquinta 2'
Ripieno IV
Flauto 8'
Flauto 4'
Dulciana 8'
Voce Umana 8'
Tromba 8'
III Espressivo C-c4
Viola 8'
Bordone 8'
Principalino 8'
Ottavina 4'
Flauto 4'
Nazardo 22/3'
Ripieno III
Piccolo 2'
Terza 13/5'
Oboe 8'
Tremolo
Pedale C-g1
Contrabbasso 16'
Basso 8'
Ottava 4'
Bordone 16'
Fagotto 16'
Fagotto 8'
Fagotto 4'


Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dizionario Italiano: online il dizionario della lingua italiana!; Stichwort "fratta"
  2. Tomann (Red.): Die Kunst des Barock: Architektur, Skulptur, Malerei S. 34
  3. Tomann (Red.): Die Kunst des Barock: Architektur, Skulptur, Malerei S. 34
  4. Wundram (Hrsg.): Reclams Kunstführer, Italien. Band V. Rom und Latium, 4. Aufl., S. 138
  5. Bussagli (Hrsg.), Rom - Kunst und Architektur, S. 583
  6. Informationen zur Orgel (italienisch)

Literatur[Bearbeiten]

  • J. M. Wiesel: Rom. Ein Kunst- und Reiseführer. 4. Aufl. Kohlhammer, Stuttgart 1966, S. 161.
  • Manfred Wundram (Hrsg.): Reclams Kunstführer, Italien. Band V. Rom und Latium. Reclam, Stuttgart 1981, ISBN 3-15-008679-5.
  • Rolf Tomann (Red.): Die Kunst des Barock: Architektur, Skulptur, Malerei. Könemann, Köln 1997, ISBN 3-89508-991-5.
  • Marrco Bussagli (Hrsg.): Rom - Kunst & Architektur. Könemann, Köln 1999, ISBN 3-8290-2258-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sant'Andrea delle Fratte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

41.90361111111112.483611111111Koordinaten: 41° 54′ 13″ N, 12° 29′ 1″ O