Schloss Neuburg (Bayern)

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Stadtschloss und Donau heute
Ansicht des Innenhofes mit dem ab 1537 errichteten Saalbau
Rekonstruktion der ursprünglichen funktionalen Raumstruktur im ersten Obergeschoss um 1559
Hofstube aus dem 16. Jahrhundert im Erdgeschoss des Westflügels
Stadtschloss 1546, vor dem barocken Umbau des Ostflügels
Innenhof mit Sgraffiti

Als Schloss Neuburg wird das Stadtschloss in Neuburg an der Donau bezeichnet.

Geschichte der Burg[Bearbeiten]

Die ursprüngliche Burganlage wurde im Frühmittelalter von den Agilolfingern erbaut. Dieser bayerische Herzoghof ging 1247 an die Wittelsbacher.

Stadtschloss[Bearbeiten]

Als Pfalzgraf Ottheinrich 1522 zusammen mit seinem Bruder die Herrschaft in Pfalz-Neuburg antrat, fand er in seiner Residenzstadt Neuburg eine mittelalterlich geprägte Burganlage vor, die, anders als andere Fürstenresidenzen vergleichbarer Funktion, baulich noch nicht an die seit den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts gewachsenen Anforderungen einer fürstlichen Hofhaltung angepasst worden war. Ab 1527 ließ er die Burg zu einem Renaissance-Schloss umgestalten und erweitern, das nach künstlerischer Qualität und Erhaltungszustand zu den bedeutendsten Schlossbauten der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Deutschland gehört.

Die Arbeiten begannen mit der (heute verschwundenen) Runden Stube auf der Ostseite des Schlosses. Ab 1532 wurde der sogenannte Küchenbau im Süden aufgeführt. 1534 bis 1538 folgte der Flügel im Norden des Schlosshofes mit einem Badebereich, zwei Tafelstuben und zwei Wohnappartements. Der Flügel besaß ursprünglich nicht das heutige Satteldach mit Volutengiebeln und Zwerchhäusern aus der Zeit um 1590/1600, sondern trug ursprünglich, entsprechend der Vorstellungen, die man sich damals über den kaiserlich antiken Palast auf dem römischen Palatin machte, eine über die gesamte Gebäudefläche hin offene Terrasse, die wahrscheinlich gärtnerisch gestaltet war.

Etwas außerhalb der Residenzstadt Neuburg war schon 1529 mit der Anlage eines großen Hofgartens begonnen worden; und ein Jahr später ließ sich das Herzogspaar ebenfalls vor den Toren der Stadt das Jagdschloss Grünau errichten. Auch hier wurden mittelalterliche Traditionen, wie die Darstellung von Jagdtrophäen und heraldischen Herrschaftszeichen, mit zahlreichen Anspielungen auf antike Hochkultur zusammen gebracht.

Ab 1537 wurde im Westen des Stadtschlosses ein neuer Flügel hinzugefügt, der zusätzlich eine in einem historisierenden, an romanische Klosterrefektorien erinnernden Stil gehaltene Hofstube, eine Kapelle mit Herrschaftsempore und wahrscheinlich ein damit direkt verbundenes neues Appartement für Ottheinrich aufnahm. Darüber folgte ein großer Saal, dessen Holztonnengewölbe bis in den Dachstuhl reichte. Mit seinem Übertritt zur lutherischen Lehre 1541 ließ der Pfalzgraf die Kapelle mit einer umfangreichen Ausstattung versehen, wovon noch heute der Altar, die Emporenbrüstungen und das umfangreiche, 1543 im italienisch-antikisierenden Stil gemalte Bildprogramm erhalten sind. Die Kapelle ist somit der älteste erhaltene protestantische Kirchenbau Bayerns. Die berühmten Fresken gestaltete der Salzburger Kirchenmaler Hans Bocksberger d. Ä.. Hier wurde nicht nur die entscheidende Rolle Christi als göttlicher Gnadengarant thematisiert. Vielmehr wurde auch eine entscheidende Rolle des Fürsten bei der Distribution dieser Gnade innerhalb einer gottgewollten irdischen Ordnung reklamiert. Die Arbeiten am Westflügel zogen sich, bedingt durch die Finanzschwierigkeiten und den Bankrott Ottheinrichs 1544, über längere Zeit hin. Der Rohbau war zwar schon um 1540 vollendet; aber noch in den 1550er Jahren wurden Rotmarmorgewände der Fenster versetzt und an der Ausstattung gearbeitet.

Pfalzgraf Wolfgang von Zweibrücken, der im Herzogtum Pfalz-Neuburg die Nachfolge seines Vetters Ottheinrich antrat, ließ 1562 den Westflügel auf der Hofseite mit aufwändigen Sgraffitodekorationen schmücken. Ihr Leitthema ist die Geschichte von Joseph und seinen Brüdern, ein in mehrfacher Hinsicht symbolträchtiges Thema. Josephs Schicksal, von seinen Brüdern verraten und an den Pharao verkauft zu werden, um sodann aufgrund seiner Weisheit und Traumdeutungskünste zum stellvertretenden Regenten im Reich des Pharaos aufzusteigen, wurde nicht nur zu einem Symbol für den guten Regenten im Allgemeinen und die durch Papst und Kaiser verfolgten protestantischen Fürsten im Besonderen, sondern auch zu einem Symbol für das wendungsreiche Schicksal Ottheinrichs. An dessen Standhaftigkeit und schließliche Rechtfertigung wollte Pfalzgraf Wolfgang erinnern und den ethischen Kern der Bildaussage, die Präsentation eines guten und gerechten Herrschers, zugleich auf seine eigene Person bezogen wissen. Schloss Neuburg wurde dabei gewissermaßen zum Ehrendenkmal für Ottheinrich erhoben, von dem aus sowohl die Vertreibung als auch die Wiedereinsetzung des Fürsten in sein Amt ihren Ausgang genommen hatten

Der Rittersaal (die untere Tafelstube im Nordbau) wurde 1575 von Hans Pihel mit einer Kassettendecke und einer umlaufenden Wandvertäfelungen aus Holz ausgestattet, beides ist original erhalten.

Der imposante Ostflügel wurde 1665 unter Philipp Wilhelm im Stil des Barock umgebaut und mit den beiden Rundtürmen ergänzt.

Museen[Bearbeiten]

Das Schloss beherbergt einige Museen:

Literatur[Bearbeiten]

  • Adam Horn; Werner Meyer: Die Kunstdenkmäler von Schwaben. Bd. 5 Stadt und Landkreis Neuburg an der Donau. München 1958, zum Neuburger Schloss dort S. 158–266.
  • Horst H. Stierhof: Wand- und Deckenmalereien des Neuburger Schlosses im 16. Jahrhundert. Diss. München 1972 (Sonderdruck aus dem Neuburger Kollektaneenblatt 125/1972).
  • Ulrike Heckner: Im Dienst von Fürsten und Reformation. Fassadenmalerei an den Schlössern in Dresden und Neuburg an der Donau im 16. Jahrhundert. München 1995.
  • Stephan Hoppe: Der Schloßbau Ottheinrichs von der Pfalz in Neuburg an der Donau. Überlegungen zu Beziehungen zur kurpfälzischen Hofarchitektur der 1520er Jahre. In: Stefanie Lieb (Hrsg.): Form und Stil. Festschrift für Günther Binding zum 65. Geburtstag. Darmstadt 2001, S. 202–212. Onlineversion auf ART-Dok.
  • Fritz Grosse: Image der Macht. Das Bild hinter den Bildern bei Ottheinrich von der Pfalz (1502–1559). Petersberg 2003.
  • Stephan Hoppe: Antike als Maßstab. Ottheinrich als Bauherr in Neuburg und Heidelberg. In: Suzanne Bäumler, Evamaria Brockhoff, Michael Henker (Hrsg.): Von Kaisers Gnaden. 500 Jahre Pfalz-Neuburg. Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2005 Neuburg an der Donau 3. Juni bis 16. Oktober 2005. Augsburg 2005, S. 211–213. Onlineversion auf ART-Dok.
  • Reinhard H. Seitz: Die Repräsentationsbauten von Pfalzgraf Ottheinrich für das Schloss zu Neuburg an der Donau und ihre Vollendung durch Pfalzgraf Wolfgang. In: Hans Ammerich (Hrsg.): Kurfürst Ottheinrich und die humanistische Kultur in der Pfalz. Überarbeitete und erweiterte Vorträge, die anlässlich der Wissenschaftlichen Tagung „Kurfürst Ottheinrich und die Humanistische Kultur in der Pfalz“ am 20. und 21. September 2002 in der Pfälzischen Landesbibliothek Speyer gehalten wurden. Speyer 2008, S. 73–149.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Neuburg (Bayern) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.73703888888911.180861111111Koordinaten: 48° 44′ 13″ N, 11° 10′ 51″ O