Schloss Hohentübingen

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Schloss Hohentübingen
Schlosshof
Westseite des Schlosses
Torportal des Schlosses
Unteres Schlosstor und Blick auf die Altstadt
Innenhof des Schlosses
Schloss und Stadt (1643 von Merian)

Das Schloss Hohentübingen liegt zentral in der Stadt Tübingen. Es wurde ab dem 11. Jahrhundert erbaut, im 16. Jahrhundert erweitert und stellt in seiner heutigen Form eine Mischung aus mittelalterlicher Burg, neuzeitlicher Residenz sowie württembergischer Landesfestung dar.

Geschichte[Bearbeiten]

Vermutlich wurde die Burg Hohentübingen um 1037 erbaut;[1] nach Weiß wurden die „… steinernen Wälle … allerdings erst im Laufe des 12. und 13. Jahrhunderts errichtet, zuvor war die Burg nur mit Holzpalisaden umgeben.[2] Im Jahre 1078 wurde das Bauwerk erstmals schriftlich erwähnt: Die Zwiefaltener Annalen beschreiben die Belagerung einer Burg „Duwingen“ durch König Heinrich IV. im Verlauf des Investiturstreites; gleichzeitig wird ein gewisser Graf Hugo III. von Tübingen in „… einer weiteren Quelle …“ erwähnt.[3]

Eine Trierer Handschrift („gesta Trevir“) nannte den Hohentübingen, anlässlich dessen Belagerung der Erzbischof Udo von Trier starb, „Tuingia castru Alemanorium“. Andere Autoren (Sattler, Schmid) bezeichneten das Jahr der Belagerung mit 1079 oder 1080 und behaupteten, dass Burg und Stadt erobert worden seien. Die Grafen von Tübingen wurden 1081 erstmals erwähnt und 1149 durch den römisch-deutschen König Konrad III. zu Pfalzgrafen erhoben (siehe auch Pfalzgrafschaft Tübingen). 1342 verkauften die verschuldeten Pfalzgrafen von Tübingen ihre Stadt und Burg an die Grafen und späteren Herzöge von Württemberg, welche Hohentübingen neben Stuttgart oder Urach als Residenz nutzten. Unter Herzog Ulrich (1495–1550) wurde die Burg ausgebaut und mit Basteien versehen, sie diente nun neben den Festungsanlagen von Hohenneuffen, Hohenurach, Hohenasperg, Hohentwiel sowie Schorndorf und Kirchheim (Teck) als Landesfestung. Herzog Friedrich I. (1593–1608) ließ Anfang des 17. Jahrhunderts Hohentübingen zusätzlich ausbauen und befestigen. Er krönte das Werk 1607 mit einem prachtvollen Portal im Stil der Renaissance, das unter anderem von Christoph Jelin gestaltet wurde.

Im Anschluss an die Schlacht bei Nördlingen 1634, nach der Niederlage des schwedisch-protestantischen Heeres, wurde Hohentübingen kampflos an den Herzog von Lothringen übergeben. Im Jahr 1647 belagerte eine französische Streitmacht das Schloss Hohentübingen und sprengte dabei einen der Ecktürme. Die Festung wurde kurz darauf von der kurbayerischen Besatzung den Franzosen übergeben.

Seit der Festlegung 1817 durch Johann Gottlieb Bohnenberger gilt der Nordostturm des Schlosses als der kartographische Nullpunkt von Württemberg, von dem aus Bohnenberger das gesamte Königreich Württemberg vermaß. Heute beherbergt das Schloss ein 1994 eingerichtetes und seit 1997 der Öffentlichkeit zugängliches Museum der Universität Tübingen mit den Lehrsammlungen der Institute für ältere und jüngere Ur- und Frühgeschichte, für Klassische Archäologie einschließlich der Numismatischen Arbeitsstelle, Ägyptologie, der Abgusssammlung und des altorientalischen Seminares sowie der Ethnologie.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heike Frommer: Ein politisches Manifest. Das untere Tübinger Schlossportal. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 33. Jg. 2004, Heft 1, S. 30–35 (PDF)
  • Wolfgang Sannwald (Hg.): Geschichtszüge. Zwischen Schönbuch, Gäu und Alb: der Landkreis Tübingen. Ein Buchprojekt des Landkreises Tübingen. 4., aktualisierte Auflage. Gomaringer Verlag u. a., Gomaringen u. a. 2006, ISBN 3-926969-25-3.
  • Ernst Seidl (Hg.): Schätze aus dem Schloss Hohentübingen. Ausgewählte Objekte aus den Sammlungen des Museums der Universität Tübingen MUT (= Schriften des Museums der Universität Tübingen MUT. Bd. 1). Museum der Universität Tübingen MUT, Tübingen 2012, ISBN 978-3-9812736-4-9.
  • Michael Weiß: Das Tübinger Schloß. Von der Kriegsfeste zum Kulturbau. Verlag Schwäbisches Tagblatt, Tübingen 1996, ISBN 3-928011-20-0.
  • Eckart Hartmann: Das Schloß in Tübingen. Sanierung des Süd- und Westflügels. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 15. Jg. 1986, Heft 3, S. 93–101. (PDF)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. L. Schmid: Geschichte der Pfalzgrafen von Tübingen. Nach meist ungedruckten Quellen. Nebst Urkundenbuch. Ein Beitrag zur schwäbischen und deutschen Geschichte. Fues, Tübingen 1853.
  2. Weiß 1996, S. 15.
  3. Sydow 1980, S. 26.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Hohentübingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.5194444444449.0505555555556Koordinaten: 48° 31′ 10″ N, 9° 3′ 2″ O