Schunck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt das niederländische Textilwarengeschäft. Für weitere Bedeutungen siehe Schunck (Begriffsklärung).

Schunck war der Name eines von Arnold Schunck im Jahre 1874 gegründeten Textilwarengeschäftes in Heerlen in den Niederlanden.[1] Das Unternehmen betrieb im Laufe der Zeit verschiedene Handelsgeschäfte, darunter auch Kaufhäuser in Heerlen und Geleen. Arnold Schuncks Sohn Peter ließ in den 1930er Jahren den Glaspaleis (Glaspalast) errichten, der verschiedene Architekturpreise gewann und heute das Kulturzentrum der Stadt ist. Das Unternehmen Schunck, das später in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft geführt wurde, blieb bis zu ihrem Verkauf an das Unternehmen Berden im Jahre 1995 weitgehend im Besitz der Familie von Arnold Schunck und seinen Nachfahren.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Arnold Schunck (* 11. Februar 1842 in Kettenis (Eupen); † 15. Oktober 1905 in Heerlen), selber aus einer kleine Weberei stammend, erlernte das Weberhandwerk in Aachen und arbeitete danach in der Eupener Färberei Fremerey. Um die für seine Meisterprüfung notwendigen Erfahrungen zu machen, führten ihn seine Wanderjahre nach Polen und Russland. In einer leerstehenden Kupfermühle in Hauset gründete er eine erste Weberei, die aber keinen Gewinn abwarf, da man nicht zu den günstigen Bedingungen produzieren konnte wie aufstrebende industrielle Betriebe im benachbarten Aachen und Eupen. Deshalb gründete Schunck 1874 in Heerlen eine kleine Handweberei, die sich nach wenigen Jahren zu einem Textilgeschäft mit angegliederter Drogerie (Verkauf sogenannter „Kneippprodukte“) vergrößerte.[3]

Das Geschäft wurde in erster Linie von seiner Frau Anna Maria Küppers (* 20. Januar 1843 in Aachen, † 20. November 1930) betrieben. Zielpublikum waren in erster Linie die im Rahmen der Industrialisierung und des aufstrebenden Kohleabbaus in die Region ziehenden Bergbauarbeiter, denen er zunächst besonders stabile Stoffe für die Arbeitskleidung und später auch fertige Kleidungsstücke verkaufen konnte, was zu jener Zeit noch ungewöhnlich war. Der Erfolg beruhte auch auf der zentralen Lage; Heerlen hatte zu jener Zeit zwar nur etwa 5.000 Einwohner, aber ein großes, zunächst noch durch Landwirtschaft und dann mehr und mehr durch Kleinindustrie geprägtes Umland.

Peter Schunck (* 31. Oktober 1873 in Hauset, † 13. Juli 1960 in Heerlen), der nach dem Tod seines Vaters neben seiner Mutter Verantwortung in dem Unternehmen übernahm, beschaffte um das Jahr 1908 drei Omnibusse, die nach einem festen Fahrplan mehrfach täglich die umliegenden Ortschaften ansteuerten und deren Einwohner kostenlos zum Kaufhaus in Heerlen brachten. Damit betrieb er praktisch das erste öffentliche Nahverkehrsunternehmen in Heerlen.

Glaspaleis

In den späten 1920er Jahren war die Geschäftsentwicklung gut; Peter Schunck erwarb mehrere der um das Kaufhaus herum gelegenen Grundstücke und konnte sie für die Erweiterung des Geschäftes nutzen. Auf einem Teil dieses Geländes ließ Peter Schunck durch den Heerlener Architekten Frits Peutz den Glaspalast im Bauhausstilerrichten, dessen Eröffnung im Jahr 1935 weit über Heerlen hinaus große Beachtung fand. Das 27 m hohe Gebäude wurde als Hochhaus betrachtet, von der obersten Etage aus war das 20 km entfernte Aachen sehen.

Ihre Blüte erreichte das Unternehmen in den frühen 1960er Jahren, als in mehreren Kaufhäusern in den Niederlanden mehr als 1.000 Mitarbeiter beschäftigt wurden, was sich aber mit dem Niedergang des Steinkohleabbaus Ende der 1960er Jahre schnell änderte. Damit fiel ein besonders zahlungskräftiger Teil des Kundenstamms des Unternehmens aus. Ungünstig wirkte sich auch die Einführung einer Mehrwertsteuer in den Niederlanden sowie die angestrebte Verkürzung der Ladenöffnungszeiten an Samstagen aus. Beides machte das Kaufhaus für einen großen Teil der von jenseits der nahen deutschen Grenze kommenden Kunden zunehmend unattraktiv. Um die finanziell angespannte Situation zu entschärfen, wurden einige Geschäfte an die Konkurrenz sowie an spezialisierte Unternehmen abgegeben, der Glaspalast als Markenzeichen des Unternehmens wurde ebenfalls verkauft. Die Suche nach Lösungen der finanziellen Probleme führte jedoch zu keinem die Beteiligten befriedigendem Ergebnis.

Christine Schunck (* 1907), Tochter von Peter Schunck. Unter ihrer Führung wurde das Unternehmen auf den ursprünglichen Geschäftsbereich Textilwaren sowie Innenausstattung reduziert. Im Alter von 65 Jahren kaufte sie die ausstehenden Aktien von ihrem eigenen Vermögen zurück und wandelte das Unternehmen im Juli 1972 in eine GmbH um. Die Banken stellten Kredite für den Warenumlauf zur Verfügung. Mitte der 1980er Jahre stellte sich für das Unternehmen jedoch die Nachfolgefrage erneut. Nachdem keiner der Nachkommen das Unternehmen selber führen wollte, wurde es an das Unternehmen Berden verkauft. Diese betrieb es noch elf Jahre unter dem Namen Berden-Schunck, seit 2006 ist jedoch der Name Schunck nicht mehr Teil des Unternehmensnamens (Firma).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zentrum für Regionalgeschichte in Heerlen, Kurzfassung der Biografie Arnold Schunck, een wever die zich handhaafde. In: Land van Herle 44 (1984), 1-12, von: P.J.A. Schunck
  2. Verzeichnis des Archivs der Familie Schunck mit Bildern und Geschichtsabriss im Stadtarchiv Heerlen (niederländisch, PDF; 299 kB)
  3. Deutsche Übersetzung und Original des Artikels. Arnold Schunck, ein Weber der sich behauptete. Niederländisches Original, erschienen in: „HET LAND VAN HERLE“ (Geschichtszeitschrift für das östliche Süd-Limburg in den Niederlanden), 34. Jahrgang, Nr.1 Jan./März. 1984.