Heerlen

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Gemeinde Heerlen
Flagge der Gemeinde Heerlen
Flagge
Wappen der Gemeinde Heerlen
Wappen
Provinz Limburg
Bürgermeister Paul Depla (PvdA)
Sitz der Gemeinde Heerlen
Fläche
 – Land
 – Wasser
45,72 km²
45,56 km²
0,16 km²
CBS-Code 0917
Einwohner 88.265 (1. Jan. 2014[1])
Bevölkerungsdichte 1931 Einwohner/km²
Koordinaten 50° 53′ N, 5° 59′ O50.8841666666675.98Koordinaten: 50° 53′ N, 5° 59′ O
Postleitzahlen 6417
Website www.heerlen.nl
Lage von Heerlen in den Niederlanden

Heerlen ['he?rl?] ( anhören?/i) ist eine Stadt im Südosten der niederländischen Provinz Limburg. Auf einer Fläche von etwa 45 km² lebten hier am 1. Januar 2014 laut CBS 88.265 Einwohner.

Wappen[Bearbeiten]

Seit dem Verschmelzen mit Hoensbroek 1982 trägt Heerlen das aktuelle Stadtwappen:

Im silbernen Wappen vorn ein rot bewehrter und rot gezungter goldgekrönter und gezierter Löwe, der hinten durch Spaltung schwarz mit goldenen Krallen ist und über vier roten Balken liegt.

Auf dem Schild ruht eine goldene Krone.

Der „Limburgische Löwe“ symbolisiert die frühere Zugehörigkeit zum Herzogtum Limburg. Die roten waagerechten Balken sind aus dem ehemaligen Wappen der Grafen von Hoensbroek sowie der früheren Gemeinde Hoensbroek.

Geographie[Bearbeiten]

Heerlen ist in seiner heutigen Form aus zwei ehemaligen Bergbaustädten entstanden: Heerlen und Hoensbroek, das 1982 eingemeindet wurde. Heerlen liegt im Südosten von Limburg an der Autobahn A 76 am Nordrand des südlimburgischen Kreide-Mergel-Hügelland (Mergelland, Heuvelland). Die Böden im Stadtbereich sind in der Regel von mittlerer bis guter Qualität (z. B. Löß) und selten unfruchtbar (Sandböden). Nach Norden und an Bruchlinien (tektonische Verwerfungen) werden vielerorts Lößschichten nachgewiesen, die nach Verwitterung zu Lößböden eine gute Grundlage für Ackerbau bieten. Darüber hinaus ist in den Tälern seit jeher Grünlandwirtschaft etabliert.

Brunssumerheide

Heerlen liegt im Bereich dreier Bäche: Caumerbeek, Schandelerbeek und Geleenbeek. In der Erde Heerlens befinden sich unter einem wenige bis über hundert Meter dicken Deckgebirge flözführende Karbonschichten, die in nördlicher Richtung in größere Tiefen abtauchen. Von tertiären Sedimenten bedeckt, befinden sich im Norden Heerlens auch dünne, kaum förderwürdige Braunkohlenflöze. Die tertiären Sedimente enthalten auch sehr reine Quarzsandlager, die im Bereich der früheren Zeche Oranje Nassau III bei Heerlerbaan abgebaut werden. Im Norden grenzt Heerlen an das Naturschutz- und Naherholungsgebiet Brunsumer Heide, einem Gebiet mit typischer atlantischer Heidevegetation. Nach Süden und Osten wird das Relief Heerlens zunehmend hügeliger, nach Nordwesten hin dann zunehmend ebener. Nachbarorte Heerlens sind im Norden Brunssum, im Osten Landgraaf und Kerkrade, im Südosten (beim grenzüberschreitenden Gewerbegebiet Avantis) die deutsche Stadt Aachen, im Süden die Gemeinden Simpelveld und Voerendaal.

Verkehr[Bearbeiten]

Vom Bahnhof Heerlen aus besteht eine Eisenbahnverbindung nach Maastricht und auch nordwärts über Sittard-Geleen und Roermond nach Eindhoven und Venlo. Über die Millioenelijn besteht ferner eine Bahnverbindung via Landgraaf mit Kerkrade und Simpelveld, allerdings ist der Personenverkehr zwischen Kerkrade und Simpelveld eingestellt. Mit dem östlich gelegenen Herzogenrath und dem südöstlich gelegenen Aachen und Düren ist die Stadt durch die Euregiobahn (RB 20) sowie durch eine Buslinie (44) verbunden. Heerlen ist über die Autobahnen Autobahn A76 sowie die Stadtautobahn N281 mit Aachen und Autobahn A79 mit Maastricht verbunden. Bis 1950 verkehrten von Heerlen Straßenbahnen der Limburgsche Tramweg Maatschappij nach Sittard, Brunssum und Kerkrade.

Stadt- und Ortsteile[Bearbeiten]

Die heutige Stadt Heerlen gliedert sich in drei Stadtteile, die sich wiederum in untergeordnete Ortsteile (wijken) und Siedlungen (buurten) gliedern, die meist aus älteren Dörfern bzw. aus Bergarbeiterkolonien hervorgehen. Im Einzelnen sind dies:

Heerlen-Stad:

  • Heerlen-Centrum mit den Siedlungen Eikenderveld, Gelein, Lindeveld und Op de Nobel.
  • Grasbroek mit den Siedlungen Hoppersgraaf, Musschemig und Schandelen.
  • Meezenbroek mit den Siedlungen Palemig und Schaesbergerveld.

Heerlen-Noord:

  • Heerlerheide mit den Siedlungen Beersdal, Ganzeweide, Heksenberg, Litscherveld, Maria Christinawijk, Nieuw-Einde, Passart, Pronsebroek, Rennemig, Schelsberg, De Stack, Versiliënbosch, Vrieheide und De Wieër.
  • Hoensbroek mit den Siedlungen De Dem, Maria Gewanden, Mariarade, Nieuw-Lotbroek, Overbroek und Schuureik.
  • Zeswegen mit der Siedlung Nieuw Husken.

Heerlen-Zuid:

  • Heerlerbaan mit den Siedlungen Bautsch, Douve Weien, Giezenveld und De Rukker.
  • De Hees mit den Siedlungen Aarveld, Bekkerveld, Caumerveld, De Erk, Heesberg, Heeserveld und Vrusschemig.
  • Molenberg mit der Siedlung Schiffelerveld.
  • Welten mit der Siedlung De Kommert.

Kommunalverband Parkstad Limburg[Bearbeiten]

Heerlen ist Mitglied eines kommunalen Zweckverbandes der Gemeinden des ehemaligen östlichen Bergbaureviers (oostelijke Mijnstreek), der sogenannten Regio Parkstad Limburg, an der auch die Nachbarorte Kerkrade, Brunssum und Landgraaf beteiligt sind. Ziel ist die Zusammenlegung und Rationalisierung der Kommunalverwaltung, der Raum- und Regionalplanung und anderer Bereiche. Dabei sollen Kosten eingespart und der Service für die Bürger verbessert werden. Die Parkstad dient zudem als Markenname für die zunehmend auf Kultur und Tourismus setzende Region.

Geschichte[Bearbeiten]

Die abwechslungsreiche Geschichte der Stadt Heerlen lässt sich zurückverfolgen bis in prähistorische Zeit.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 1997 wurden auf dem Heerlener Schelsberg Wohnstätten der kupferzeitlichen Michelsberger Kultur entdeckt und archäologisch untersucht. Sie gehören zu den seltenen Funden aus dem Zeitraum 4400 - 3500 v. Chr. in den Niederlanden und belegen eine menschliche Besiedlung des Stadtgebietes vor rund 6000 Jahren.[2]

Coriovallum – das antike Heerlen[Bearbeiten]

Die eigentliche Geschichte Heerlens begann unter römischer Herrschaft. Coriovallum, so der römische Name teilweise keltischen Ursprungs von Heerlen,[3] wurde als römisches Militärlager am Kreuzungspunkt zweier Verkehrsachsen in der Provinz Germania gegründet. Hier kreuzten sich die wichtigen Militär- und Handelsstraßen in Ost-West-Richtung von Boulogne über Jülich nach Köln (Via Belgica) und in Nord-Süd-Richtung von Xanten über Aachen nach Trier (Augusta Treverorum). Relikte aus jener Zeit sind in großer Zahl entdeckt und untersucht worden. Teilweise wurden römische Gebäudereste ausgegraben und konserviert, so mehrere römische Landhäuser (villae), aber auch ein Thermenkomplex (thermae) in der Heerlener Innenstadt. Die antike Badeanstalt wurde bei Erdarbeiten im Jahre 1940 entdeckt. Dieser Fund ist ungewöhnlich, weil nur wenige derartige Thermen für das Gebiet der heutigen Niederlande belegt sind, und ihre Existenz somit auf eine größere Bedeutung von Garnison und städtischer Siedlung deutet. Insbesondere dürften die Handelswege und die Garnison die Funktion der Siedlung als regionales römisches Zentrum für die Versorgung, Verwaltung, Handwerk und Handel geprägt haben. Um die Villae in der Umgebung Heerlens wurden Obst, Gemüse, Getreide und sogar Wein angebaut. Ein weiteres Handelsgut, das über Heerlen hinaus Absatz gefunden haben dürfte, waren Töpferwaren aus mehr als 40 Töpfereien. Aus den umliegenden Villen sind im Laufe des Mittelalters einige der heute existierenden Orte hervorgegangen. Über der Therme wurde ein Museum errichtet (Eröffnung 1977). Im Thermenmuseum werden römerzeitliche Exponate aus Heerlen und Umgebung präsentiert.

Das mittelalterliche Herrschaft und Stadt Heerlen[Bearbeiten]

Wie viele andere römische Siedlungen im Gebiet der heutigen Niederlande endet auch für Coriovallum nach dem Abzug der Römer und dem Zerfall des Imperium Romanum etwa ab dem vierten nachchristlichen Jahrhundert für einige Jahrhunderte ein Nachweis für ein Fortbestehen der Siedlung. Möglicherweise war das Gebiet zeitweilig unbewohnt. Bis zum 10. Jahrhundert gibt es kaum historische Erkenntnisse zur Entwicklung Heerlens. Eine Besiedlung durch die Franken, die das Gebiet bald nach den Römern kontrollierten, darf angenommen werden. Erst gegen Ende des ersten Jahrtausends finden sich wieder vermehrt Indizien und Belege, die auf eine bäuerliche Besiedlung von Teilen des heutigen Stadtgebietes schließen lassen. Für das Tal des Caumerbeek, des Schandelerbeek und des Geleenbeek sind sowohl Güter und Bauernhöfe als auch Mühlen belegt. Die mittelalterliche Stadt Heerlen dürfte nach 1100 als kleine, mittelalterliche Bauern- und Handelsstadt eine gewisse regionale Bedeutung wiedererlangt haben, darauf lassen auch Erwähnungen Heerlens in den Annales Rodenses oder in anderen zeitgenössischen Schriftstücken schließen.

Der älteste schriftliche Beleg für die mittelalterliche Stadt Heerlen ist ein Dokument des Bischofs Udo von Toul, aus dem Jahre 1065, in dem dieser sich zu Schenkungen äußert, wobei auch Heerlen als Heerle als allodium im Bistum Lüttich erwähnt wird. Dieses Allod ging offenbar noch im 11. Jahrhundert in den Besitz des Grafen von Ahr-Hochstaden über. Außerdem wird ein weiteres allodium mit Bezug zur Kirche im Ort Voerendaal bei Heerlen erwähnt.

Theoderich von Are (ein Cousin Udo von Touls) trennte Heerlen von Voerendal und machte den heiligen Pankraz zum Namens- und Schutzpatron des heute noch als St. Pancraciuskerk bezeichneten Gotteshauses. Die Grafen von Ahr waren wahrscheinlich verantwortlich für den Bau des Schelmenturms und der St.Pancratius Kirche. Außerdem könnten sie auch den Bau einer Burganlage angestoßen haben. Der Bau von Befestigungen mag ein Symbol für den wachsenden Einfluss der Herren von Heerlen sein, der sich schon bald über die umliegenden Herrschaften und Dörfer Voerendaal, Hoensbroek, Schaesberg und Nieuwenhagen erstreckte. Diese fielen alten Urkunden zufolge unter die Gerichtsbarkeit der Heerlener Schöffenbank und waren damit Teil des Land van Herle.

1244 fiel Heerlen mit den umliegenden Gebieten an das Herzogtum Brabant. Allerdings erhielt es 144 Jahre später (1388) gemeinsam mit Hoensbroek einen Sonderstatus innerhalb des Herrschaftsbereiches der Herzöge von Brabant.

Das neuzeitliche Schicksal der Stadt[Bearbeiten]

Während des Achtzigjährigen Krieges (1568–1648) zwischen dem Königreich Spanien und den unabhängigen protestantischen Provinzen im Norden wechselte Heerlen mehrfach die Besitzer. Schließlich wurde Heerlen im Jahr 1661 Teil der Generalitätslande und kam damit in den Herrschaftsbereich der jungen Republik der Niederlande. Allerdings lag Heerlen weitgehend vom übrigen Territorium getrennt als Exklave zwischen habsburgisch-spanisch kontrollierten Territorien. Dies änderte sich erst nach der Eroberung durch das französische Revolutionsheer 1793. Die Franzosen führten wichtige Neuerungen ein, so ein neues Rechts- und Verwaltungssystem. Aber das Ende französischer Herrschaft in Heerlen wurde 1814 besiegelt. Heerlen wurde Teil der Provinz Limburg der Vereinigten Niederlande.

Im Zuge der belgischen Revolution 1830 schlug sich Heerlen wie weite Teile Limburgs zunächst auf die belgische Seite und blieb bis 1839 belgisch. Dafür sprachen sowohl geographische als auch religiöse Gründe. Dennoch wurde Heerlen nach der Londoner Konferenz mit dem übrigen Limburg östlich der Maas sowie der Stadt Maastricht niederländisch.

Kohlebergbau[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich – anders als in angrenzenden belgischen und deutschen Gebieten – in und um Heerlen noch kein erfolgreicher Ansatz einer Industrialisierung. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen deutsche Industrielle und Geologen mit der Exploration von Kohleflözen, aus denen sich der Bergbau entwickelte, der für Heerlen die Entwicklung zur Großstadt ermöglichte.

Bergbaudenkmal: Förderturm der Zeche Oranje-Nassau I (ON-I)

Erste Kohlenfunde auf Heerlener Gebiet datieren aus dem Jahr 1874. Im März des Jahres wurde bei Grabungen am Valkenburgerweg Steinkohle entdeckt. Ein Bergwerk jedoch entstand erst ein Vierteljahrhundert später, da die Kosten für die Konzession und der Aufbau von Förder- und Transportinfrastruktur immense Investitionen darstellten. Nur wenige Konzessionen wurden durch Investoren, meist aus Deutschland, erworben. Nachdem Heerlen 1896 erstmals einen Eisenbahnanschluss (von Sittard über Heerlen nach Herzogenrath) erhalten hatte, war der Kohletransport kaum mehr problematisch. 1894 begann daher das Abteufen der ersten Schächte in Heerlen durch die neu gegründete Firma Maatschappij tot Exploitatie van Limburgsche Steenkolenmijnen oder auch kurz Oranje-Nassau-Mijnen, an der der niederländische Eisenbahningenieur Henri Sarolea, der auch die Eisenbahnverbindungen von Sittard über Heerlen und Hoensbroek nach Herzogenrath baute, sowie die deutschen Industriellen Eduard und Carl Honigmann beteiligt waren.[4] Um das Jahr 1900 förderte man die erste Kohle.

Oranje-Nassau I sollte die erste und 1974 auch die letzte Heerlener Zeche sein. Benannt wurde sie nach dem niederländischen Königshaus.[5]

Die Entwicklung Heerlens bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges verlief allerdings noch moderat. Dies änderte sich ab August 1914. Mit Kriegsbeginn wurde schlagartig die Energieversorgung der Niederlande unsicher. Um die bisher aus den kriegführenden Ländern Großbritannien und Deutschland importierte Kohle bestmöglich zu ersetzen, wurden seit 1915 erhebliche Anstrengungen unternommen. Insbesondere der Staat investierte nun in den Bergbau, um die Kohleproduktion in der Mijnstreek zu steigern. In diese Zeit fiel auch der Beginn der Förderung durch Zeche Oranje-Nassau III im Norden Heerlens bei Heerlerbaan 1917. Weitere wichtige Impulse gingen vom Staat aus: Die bis dahin noch nicht verliehenen Konzessionen wurden durch den neu gegründeten staatlichen Bergbaukonzern DSM genutzt, der seine Zentrale in Heerlen bezog. Heerlen wurde so zum Zentrum der östlichen Mijnstreek. 1924 öffnete als letzte neue Zeche im Stadtgebiet die Oranje Nassau IV ihre Pforten.[6]

Zwischen 1900 und 1910 hatte sich die Bevölkerung Heerlens annähernd verdoppelt und betrug nun 12.000. Um 1930 zählte die Stadt bereits 32.000 Einwohner.[7] Am 1. Januar 1995 lebten in Heerlen 96.274 Menschen. Bis zum 1. Januar 2005 nahm die Zahl auf 92.542 ab. Aktuell (1. Januar 2007) beträgt die Einwohnerzahl noch 90.536.[8]

In der bis 1982 selbständigen Stadt Hoensbroek existierte ebenfalls ein Bergwerk, nämlich die Staatsmijn Emma, eines der produktivsten und bedeutendsten Bergwerke der Niederlande. 1912 begann dort die Förderung und bis zur Schließung im Jahr 1973 wurden 109.032.000 Tonnen Steinkohle gefördert. Anders als die Oranje-Nassau Zechen förderte man auf Emma überwiegend Fett- und Gaskohlen für die Koksproduktion anstelle von Magerkohlen und Anthrazit.[9] Zu Zeche Emma gehörte eine wenige Kilometer entfernt in Beek gelegene Kokerei, von wo Koks und Kohle über Maas und Julianakanal in den Norden und Westen des Landes transportiert wurden.

Im Zuge des expandierenden Bergbaus entwickelte sich Heerlen zu einer stattlichen Stadt. Viele Bergarbeitersiedlungen entstanden und die älteren Ortsteile Heerlens. Auch die Innenstadt wandelte sich. Viele ältere Gebäude mussten modernen Bauten weichen und so finden sich nur wenige Zeugnisse des vorindustriellen Heerlen in der Innenstadt. Denn mit der Kohlekrise, die in Wellen seit den späten 1950er Jahren den Kohlebergbau in Westeuropa traf, begann der Niedergang des Bergbaus in Heerlen und Umgebung. Man litt unter dem Siegeszug des Erdöls und der Konkurrenz durch billigere Importkohle aus Polen und den USA. Außerdem setzte die niederländische Regierung auf Erdgas aus den Provinzen Groningen und Friesland und vor allem von Bohrplattformen in der Nordsee als Rückgrat der nationalen Energieversorgung. Damit lag für die Regierung den Uyll der Entschluss der Schließung aller niederländischen Bergwerke und der Schaffung von Ersatzarbeitsplätzen in Ersatzindustrien und im Dienstleistungssektor.[10][11]

Vom Bergbauzentrum zur Parkstad[Bearbeiten]

Für Heerlen bedeutete der Niedergang des Bergbaus zunächst den Verlust von etwa einem Drittel aller Arbeitsplätze. Insgesamt verloren in der Mijnstreek etwa 60.000 Menschen ihre Arbeitsstelle. Zwar erhielt die Stadt im Rahmen der so genannten Herstruktureering (Restrukturierung) diverse staatliche Verwaltungs- und Serviceeinrichtungen, so etwa das Centraal Bureau voor de Statistiek (CBS).[12] Ebenso entstanden Industrie- und Gewerbeflächen vor allem im Süden und Westen Heerlens. Im Norden entstand auf der ehemaligen Betriebsfläche von Oranje-Nassau IV eine Wohnsiedlung inklusive Infrastruktur wie Schulen. Desgleichen geschieht in einem beachtenswerten städtebaulichen Projekt auch auf dem Terrain der ehemaligen Zeche Emma westlich der Akerstraat in Hoensbroek. Kleinere Gewerbeflächen und viele Dienstleistungseinrichtungen verleihen Heerlen heute das Antlitz einer Industrie- und Dienstleistungsstadt. Deren neuestes Aushängeschild ist die Zuyd Hogeschool – mit Niederlassungen in Maastricht, Sittard und Heerlen vergleichbar einer deutschen Fachhochschule.[13]

An den Bergbau erinnert heute nur noch wenig. Die Abraumhalden wurden abgetragen oder begrünt und das Haldenmaterial meist im Straßenbau sowie im Deichbau verwertet. Fast alle Übertageanlagen der Zechen sind verschwunden. In Heerlen erinnert ein Malakow-Förderturm mit Strebengerüst als einer von nur zwei verbliebenen Exemplaren seiner Art an diese Epoche. Er beherbergt heute ein Bergwerksmuseum.

Wahrzeichen und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Ein früheres Wahrzeichen Heerlens war bis in die 1970er Jahre der Lange Jan, der weithin sichtbare weit über 100 Meter hohe Schornstein des Kohlekraftwerks von Oranje-Nassau I, der bis zu seiner Sprengung die Skyline Heerlens überragte und seinerzeit das höchste Gebäude Limburgs darstellte.
  • Sehenswert ist das Schloss im Stadtteil Hoensbroek, Schloss Hoensbroek.
  • Die etwas außerhalb gelegenen Mühlen Heerlens sind ebenfalls sehenswert, so etwa die Ölmühle (Oliemolen) und die Weltermühle (Weltermolen).
  • St.Pancratius-Kirche, deren älteste Teile, z. B. der Schelmentoren, aus dem 12. Jahrhundert stammen.

Museen[Bearbeiten]

  • Aus römischer Zeit datieren die um etwa 120 n.Chr. erbauten Thermen, die 1940 entdeckt und zum Teil ausgegraben und rekonstruiert wurden; über der Ausgrabungsstätte wurde das 1977 eröffnete Heerlener Thermenmuseum erbaut.
  • Im als Bergbaudenkmal konservierten Förderturm auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Oranje-Nassau I befindet sich ein Bergbaumuseum mit Ausstellungsstücken zum Bergbau in der Mijnstreek.
  • Das Nederlands Mijnmuseum ist in einem ehemaligen Förderturm (Malakow-Bauweise) der Zeche Oranje-Nassau I, selbst auch ein nationales Bergbaudenkmal, beherbergt. Die meisten Exponate stammen aus niederländischen Zechen.

Architektur[Bearbeiten]

Das Herz Heerlens: Das Glaspaleis (rechts), die Pancratius-Kirche und die Musikschule

1935 wurde ein sehr bemerkenswertes Gebäude in der Stadt errichtet, das Glaspaleis von Bauherr Peter Schunck, einem örtlichen Händler. Das Gebäude liegt mitten im Zentrum Heerlens und ist denkmalgeschützt. Nach Jahren des Verfalls und anschließender aufwendiger Restaurierung wurde das Glaspaleis als Kulturzentrum einer neuen Bestimmung übergeben.

Das Gebäude befindet sich auf einer Liste der Union Internationale des Architectes, welche die eintausend weltweit bedeutendsten Bauten aus dem 20. Jahrhundert aufführt. Unter anderem aufgrund seiner Energie-sparenden Bauweise setzte es Maßstäbe. Die für die Beheizung im Winter im Gebäude installierte Zentralheizung wurde selbst im Winter nie benötigt. Symbolisch liegt im Glaspaleis eine doppelte Bedeutung. Einst war es Symbol für den Einzug des Fortschritts und wirtschaftlichen Aufstieg Heerlens. Heute ist Symbol der Hoffnung auf eine Wiederkehr der für die Stadt „goldenen Zeiten“ des Bergbaus und der (späten) Industrialisierung.

Öffentliche Einrichtungen und Institutionen[Bearbeiten]

Forschung und Bildung[Bearbeiten]

  • Unter den Bildungseinrichtungen Heerlens ist die Hogeschool Zuyd, eine Fachhochschule mit Niederlassungen in Maastricht, Sittard und Heerlen, die bedeutendste.
  • Als zweite Hochschule ist die Offene Universität der Niederlande (Open Universiteit – UO), die sich auch als Fernuniversität der Niederlande bezeichnen lässt, mit zehntausenden Studenten in den gesamten Niederlanden, mit ihrer Zentrale in Heerlen ansässig. Die frühere theologische Universität (Universiteit van Theologie en Pastoraat – UTP) existiert nicht mehr. Die Studierendenzahlen waren zu gering. Allerdings hatte Heerlen in den Niederlanden mit der OU die größte und mit der UTP die kleinste Universität der Niederlande.
  • Darüber hinaus befinden sich in Heerlen diverse Kinderbetreuungseinrichtungen, Basisschulen, Mittelschulen und Gymnasien, Berufsbildungseinrichtungen etc.[14]
  • Die nationale niederländische Statistikbehörde, das Centraal Bureau voor de Statistiek – CBS, wurde als Maßnahme zur Schaffung von Ersatzarbeitsplätzen in Heerlen nach dem Ende des Bergbaus zu Beginn der 1970er Jahre auf dem Gelände der ehemaligen Bergbaugesellschaft Oranje-Nassau nahe dem Bahnhof errichtet. Zahlreiche Veröffentlichungen des CBS erscheinen jährlich in Heerlen.

Museen[Bearbeiten]

  • Nationaal Mijnmuseum
  • Thermenmuseum

Gesundheitswesen[Bearbeiten]

Das Gesundheitswesen in Heerlen (und der übrigen Parkstad Limburg) wird getragen von einer Stiftung, der Stichting Gezondheidszorg Oostelijk Zuid-Limburg (G.O.Z.L.), einer öffentlich-rechtlichen Trägergemeinschaft. Das Atrium Medisch Centrum Parkstad (Atrium Medizinisches Zentrum Parkstad), ist der Name der unterschiedlichen Krankenhäuser in der Parkstad. Atrium ist Teil der G.O.Z.L. Das Atrium in Heerlen war früher unter der Bezeichnung de Wever ziekenhuis bekannt, benannt nach Frans de Wever, der 1904 gemeinsam mit Joseph Savelberg, das erste Krankenhaus in der Stadt begründete.

Berühmte Heerlener[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere bedeutende Heerlener[Bearbeiten]

Referenzen[Bearbeiten]

  1. 12.04.2014Centraal Bureau voor de Statistiek, Niederlande
  2. VVV-Zuidlimburg
  3. Dieser Name ist auch der ehemalige Name von Cherbourg. Er enthält den keltischen Bestandteil corios 'Heer', 'Armee' (altirisch cuire 'Truppe' 'Armee') und das lateinische Wort vallum, das „Wall“ gegeben hat.
  4. Coalpage der TU Delft
  5. vgl. u. a. N. Jesse: Oranje Nassau Mijnen. Selbstverlag der N.V. Maatschappij tot Exploitatie van Limburgsche Steenkolenmijnen genoemd Oranje-Nassau-Mijnen, Heerlen 1953.
  6. ebd.
  7. http://www.heerlen.nl/smartsite.dws?id=3297
  8. vgl. RPL; CBS; Parkstad Limburg
  9. vgl. B. Breij: De mijnen gingen open, de mijnen gingen dicht. de Hoeve, o.O. 1981, passim.
  10. vgl. H.Breuer:Freie und geplante Entwicklungen von Ersatzindustrien. Untersuchung zum industriellen Strukturwandel mit besonderer Berücksichtigung der südlichen Neuengland-Staaten der USA und von Niederländisch Südlimburg, RWTH Aachen 1984.
  11. vgl. C. Raedts: De opkomst, ontwikkeling en neergang van de steenkolenmijnbouw in Limburg, Heerlen 1974.
  12. vgl. 'Perspectievennotas voor Zuid-Limburg'.
  13. vgl. Website der Zuyd Hogeschool
  14. vgl. Listen der Unterrichtsangebote und Bildungsträger auf dem Heerlen-Portal

Weblinks[Bearbeiten]